World Golf Challenge 2011

Golf gilt je nach Sichtweise entweder als elitärer Sport für vermögende Menschen, die nebenbei noch Geschäfte machen, oder auch als perfekte Entspannung an frischer Luft. Für mich verbindet sich Golf mit sportlicher Herausforderung, jedenfalls seit “Leaderboard” auf dem C-64.

Viel Golf fürs Geld

Und jetzt also ein neues Golfspiel: “World Golf Challenge 2011”. Die Spielbeschreibung liest sich schon mal nicht schlecht, aber das tun sie ja meistens. Also recke ich den Finger hoch, als Virtual Programming anfragt, ob wir ein Review schreiben möchten. Wir sind nämlich ein höchst demokratischer Verein. Kommt etwas herein, dann fragt unser David in die Runde, wer möchte und dann geht es an denjenigen, der zuerst oder am lautesten schreit.

Zunächst einmal bietet das Spiel sehr viel fürs Geld. Es wurde geklotzt, nicht gekleckert. Es gibt neben 21 richtigen Golfkursen noch Minigolf und einige Zugaben wie Golf im Piratenstil oder auf einem Hochhausdach. Dazu lässt sich beinahe alles einstellen: Wind und Wetter, die Uhrzeit, ob das Gras trocken und kurz und damit schnell oder eher hoch und langsam ist, sowie einige Dinge mehr. Es gibt natürlich einen Übungskurs, lokale Spiele geben den Computer oder gegen menschliche Gegner und natürlich auch Onlinepartien per LAN oder Internet. Allerdings habe ich im Internet selten einen anderen Spieler in der Lobby gesehen. Ganz Hartgesottene können auch eigene Kurse entwerfen. Richtige Profis machen das mit einem CAD-Programm und importieren dann die DfX Files, diese Option habe ich allerdings nicht getestet.

Screenshots

Wisch und weg

Die Steuerung in Golfspielen ist seit vielen Jahren mehr oder weniger standardisiert: Der Ball wird positioniert und dann stellt man per Drehung des Spielers die Schlagrichtung ein. Zwei Balken symbolisieren Schlagkraft und Spin und es gilt im richtigen Moment, sich bewegende Balken durch Tastendruck oder Mausklick abzustoppen. Das klingt nicht besonders aufregend, klappt aber ganz gut. Wenn dann noch der Wind ins Spiel kommt, stellt sich meist auch ganz schnell heraus, wer es drauf hat und wer nicht.
Bei “World Golf Challenge 2011” ist bei der Erstellung des Spielers eine neue Methode voreingestellt: Da versuchten die Programmierer, die auf iOS-Geräten so beliebten Wischgesten auf die Maus zu übertragen. Das sieht dann so aus: Linksklick der Maus startet den Schlag, dann wischt ihr nach rechts und zieht dann die Maus nach links zurück. Die Rechtsbewegung simuliert das ausholen und die Bewegung zurück den Schlag. Je schneller ihr nach links zieht, umso weiter fliegt der Ball. Wenn ihr gerade zurückzieht, dann bleibt er auch auf Kurs. Wenn man das erstmal herausgefunden hat und ein wenig übt, dann klappt das auch einigermaßen. Jedenfalls solange, bis man das erste Mal den Übungsmodus verlässt. Jetzt fehlen nämlich plötzlich die Hilfslinien, die einem gezeigt haben, was man vielleicht besser machen könnte. Mir fehlte mit einem mal völlig die Orientierung der Schlagstärke, was besonders beim Putten tödlich ist. Zu allem Überfluss bleibt die Spielfigur gerne einmal mitten im Schwung für ein paar Sekunden stehen, jedenfalls sobald ich die Grafikeinstellungen auf besser als Minimum stelle. Das führte dann dazu, dass ich das Spiel relativ schnell wieder frustriert beendet habe.
Irgendwann habe ich dann entdeckt, dass man auf die bewährte 3 Klick Steuerung umstellen kann, es wird sogar noch eine weitere Alternative mit 2 Klicks angeboten. Also habe ich dem Spiel eine zweite Chance gegeben und siehe da, plötzlich macht es wieder Spaß, eine Runde Golf am Mac zu spiele. Beinahe habe ich das Gefühl, ein anderes Spiel vor mir zu haben. Ein weiterer Beweis, dass der Spielspaß auch zu einem großen Teil an einem gelungenen Userinterface hängt. Auch die Kunstpausen bei Schlagausführung sind plötzlich verschwunden, spannend.
Jetzt macht es auch Sinn, mit den diversen Feineinstellungen des Schlages, wie Unterschnitt oder Seitenspin, zu experimentieren

Raus aufs Grün

Nachdem das also geklärt war, geht’s gleich mal raus auf den Kurs. Da es Online keine Mitspieler gab und mein Golfpartner aus alten Zeiten wegen eines chronischen Rückenleidens nicht zur Verfügung steht, muss halt ein computergesteuerter Gegner herhalten. Dabei stellte sich heraus, dass dieser auch mal eine Schlag daneben setzt, also kein übermächtiger Superspieler ist. Das ist schon ganz sympathisch. Am Spiel selber gibt es nicht viel zu mäkeln. Klicken und den Ball über den Kurs treiben ist angesagt. Sobald man sich an die leichte Verzögerung, mit dem der Klick übernommen wird, gewöhnt hat, ist es ein ganz nettes Golfspiel, das auch nicht zu einfach ist. Schauen wir uns also das drumherum an:
Die Animation des Spielers kommt stellenweise etwas hölzern daher und die Figur sieht ein bisschen so aus wie in Filmen mit billigen Bluebox-Effekten, irgendwie als wenn sie vor dem Hintergrund steht. Immerhin gibt es ein paar kleine Animationen, wenn der Spieler zu lange mit dem Schlag wartet, da wird dann noch einmal Mass genommen und die Muskulatur gelockert. Die Kurse sind, wie schon erwähnt, zwar hier und da mit ein paar Gebäuden verziert, aber weder Wasser noch Sand können mit natürlichen Texturen begeistern. Zuschauer sucht man sowieso vergebens. Wenn man schlägt, fliegt die Kamera mit dem Ball mit. Uiii, aber sobald man in Bodennähe kommt, bemerkt man wieder die fehlenden Texturen. Ich möchte zwar nicht jeden Grashalm einzeln sehen, aber ein bisschen Abwechselung im Grün wäre ganz nett.
Ganz hübsch gemacht sind die Überflüge über die Golfplätze am Spielanfang und dass man sich auf der Minimap mit einfachen Klicken und Ziehen umsehen kann. Negativ fallen mir die doch recht hässlichen Menüs auf, die eher an Windows 95 als an OS X 10.7. erinnern. Das ist zwar nur eine Nebensächlichkeit, ebenso wie die etwas seltsame Möglichkeit, bei der Grafik zwischen verschiedenen DirectX Versionen wählen zu können, stört mich aber doch.
Alles in Allem wirkt das Ganze ein wenig so wie aus einer Zeitmaschine gefallen, ein paar Jahre früher und ich wäre mittelschwer begeistert gewesen, so aber ist es keine Offenbarung.

Und das Minigolf entpuppt sich ebenso wie „Crazy Golf“ als Put-Übung.

Und dann der Rest

Hätte ich gleich darauf geachtet die „richtige“ Steuerung auszuwählen, dann wäre mein Fazit vielleicht noch etwas positiver ausgefallen, aber so bleiben diverse Fruststunden im Hinterkopf. Auch Spieletester sind schließlich nur Menschen.

Also: „World Golf Challenge 2011“ protzt mit diversen Features, die allerdings wie das Onlinespiel oder das Minigolf oftmals einfach verpuffen. Die spartanische Präsentation ohne Publikum, Clubhaus und ähnlichen Schnickschnack hilft zwar, sich aufs Spiel zu konzentrieren, aber „auch das Auge isst mit“, wie jeder weiß.

ABER: Es gibt momentan ausser “GLGolf” und Gamelofts arg Casual-lastigen “Let’s Golf” keine Alternative für Golffreunde mit Macintosh, ausser vielleicht “Real Golf”, das sich aber auch an den Gelegenheitsspieler wendet. EA setzt die Tiger Woods Reihe seit ein paar Jahren nicht mehr für MacOS um und Links ist schon lange vom Markt verschwunden. So gesehen ist „World Golf Challenge 2011“ dann doch wieder einen Blick wert.

Das Spiel gibt es direkt bei Deliver2Mac sowie im Mac App Store:

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Die Alternativen gibt es ebenfalls im App Store:

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