Dolly ist wieder da oder der Sturm im Wasserglas


Von 1995 bis 1997 gab es eine Zeit, in der Macs nicht nur exklusiv von Apple zu bekommen waren, sondern der Hersteller auch offiziell Lizenzen vergab. Cupertino erhoffte sich damit höherer Marktanteile und mehr Einnahmen durch Softwarelizenzen.
Das war die Zeit der Clones.
Mit der Rückkehr von Steve Jobs an die Spitze von Apple Computer wurde dieser Weg relativ schnell beendet, da wohl hauptsächlich Apples eigenes Hardwaregeschäft geschwächt wurde.
Dann gab es den berühmten Switch zu Intel und diverse Bastler machten sich dran, OSX auf „normalen“ PCs zum Laufen zu bringen.
Das war aber alles mehr oder weniger illegal, da Apples Lizenzbestimmungen etwas dagegen haben und mit jedem OSX-Patch ging das Katz- und Mausspiel wieder von vorne los. Und Apples Rechtsabteilung machte Überstunden um entsprechende Seiten wieder vom Netz zu nehmen.
Bis auf einige Nischenprodukte wie diesen Tablet-Mac, ein umgebautes Macbook, gab es zu Apple also keine Alternativen.
Um so überraschender kam jetzt Anfang die Ankündigung einer kleinen Firma aus Miami, Florida, einen PC mit OSX anzubieten, den „Open Mac“.
Psystar schaffte es damit zumindest bis auf die Titelseiten praktisch aller Nachrichtendienste, egal ob sie etwas mit Computern zu tun haben oder nicht. In diesen Zeiten ist Apple wohl so etwas wie ein Popstar unter den Firmen dieser Welt.
Und natürlich überschlugen sich die Foren und Blogs. Und ja, Psystars Webseite brach blitzartig unter dem Ansturm zusammen.
Was war also geschehen?
Eigentlich nicht viel: Ein PC aus Standardteilen wurde für 399.-$ angeboten, die Ausstattung zum beworbenen Preis ist eher mager und das OS muss auch noch extra bezahlt werden.
Der Werbespruch dazu lautet: „Reinventing the Wheel: Open Computing“.
Da beginnt in meinen Augen auch schon das Rückzugsgefecht: Als die Webseite nach dem ersten Ansturm wieder zu erreichen war, war aus dem „Open Mac“ ein „Open Computer“ geworden. Und es gibt einen großen Bruder für sensationelle 999.-$
Und wenn man die FAQs dazu liest, dann bleibt von der Neuerfindung des Rades eigentlich auch nicht allzu viel übrig: Dafür, das OSX-Updates funktionieren kann keine Garantie übernommen werden und um eine CD auszuwerfen möge man doch bitte das Terminal bemühen, da der, zumindest von mir sehr geschätzte, Auswurfknopf auf normalen Keyboards ja nicht vorhanden ist.
Aber lange wird es wohl nicht dauern, bis Apples Anwälte Miami besuchen.
Eigentlich ist also nichts passiert.
Jemand hat das OSX86Projekt genommen und an das Licht der großen breiten Öffentlichkeit gezerrt. Ob deren Macher darüber so furchtbar glücklich sind, darf bezweifelt werden.
Echte Bastler bekommen einen PC, auf dem OSX irgendwie läuft auch günstiger hin und der Standarduser der einfach nur mit der Kiste arbeiten will ist mit einem Mac Mini wohl besser bedient.
Allerdings zeigt die große Aufregung auch, wie sehr sich viele Appleuser einen erweiterbaren Rechner unterhalb des MacPros wünschen. Und sei es nur, damit die ganzen externen Laufwerke vom Schreibtisch verschwinden.

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