Farce um "Harry Potter und der Halbblutprinz"

HP
Es geht um “Harry Potter und der Habblutprinz” vom Softwaregiganten Electronic Arts. In Deutschland, so meldeten wir nach einer Information der Kollegen von games4mac am 27. Mai, kommt das Spiel nicht für den Macintosh heraus. Okay, viele Spiele erscheinen nicht auf dem Macintosh. Erstaunlich nur: In den USA gibt es ganz selbstverständlich eine Macintosh/Windows-Hybrid-Version des neuen Spiels. Und noch viel erstaunlicher: In Kanada gibt es sogar eine Hybrid-Version sowohl in englischer wie auch in französischer Sprache.

Es scheint also technisch möglich und auch durchaus zumutbar zu sein, das Spiel in einer lokalisierten Fassung als Hybrid-Version für sowohl Macintosh als auch Windows zu veröffentlichen, zumindest für den im Vergleich zu Deutschland deutlich kleineren kanadischen Markt.

Wie klein der kanadische Markt im Vergleich zum deutschsprachigen ist, lässt sich einfach mal grob an der Bevölkerung ablesen. Laut der Suchmaschine WolframAlpha hat Kanada 33 Millionen Einwohner, von denen 28 % (also 9,2 Millionen Menschen) Französisch sprechen; die Bundesrepublik Deutschland hat hingegen knapp 83 Millionen Einwohner, von denen 96 % (79,7 Millionen) Deutsch sprechen. Nehmen wir noch die gut acht Millionen deutschsprachigen Österreicher und die gut 5 Millionen deutschsprachigen Schweizer hinzu, kommen wir auf insgesamt 93 Millionen Menschen deutscher Sprache. Und dabei lassen wir die Liechtensteiner und Luxembourger sowie die deutschen Minderheiten in Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Tschechien etc. einfach weg. 93 Millionen Leute! Das ist doch mal ein Markt, verglichen mit nicht einmal zehn Millionen Frankokanadiern!

Außerdem lässt es einen stutzig werden, dass schon in der Vergangenheit Macintosh-Versionen von Harry-Potter-Spielen in Deutschland erschienen sind (hier und hier), und von diesen Spielen kann keines als Verlustbringer bezeichnet werden, wie gut informierte Kreise zu verstehen geben.

Dennoch: In Kanada erscheint “Harry Potter” in einer englisch-französischen Mac/Windows-Hybridversion (Amazon Canada), im deutschsprachigen Europa erscheint das Spiel nur für Windows (und natürlich für beinahe jede beliebige Plattform des unfassbar fragmentierten Konsolenmarkts). Wieso das so ist, wollten wir von Electronic Arts wissen. Mehrfach. Wochenlang. Ohne eine Reaktion zu erhalten. Schließlich, vor drei Tagen, delegierte der Pressesprecher des Unternehmens, Martin Lorber, die unangenehme und schwer vermittelbare Frage an einen nachgeordneten PR-Mann, der die Suppe jetzt auszulöffeln hat, und den wir deshalb namentlich nicht nennen.

Heute hat sich dieser nachgeordnete PR-Mensch also bequemt, eine Antwort zu erteilen. Diese Antwort wollen wir Euch ob des Lachfaktors in Ihrer Gesamtheit nicht vorenthalten:

Sehr geehrter Herr Pflüger,
Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an Harry Potter und der Halbblutprinz – Das Videospiel. Nach einer Analyse des Marktes haben wir festgestellt, dass die Penetration von Mac Systemen
unter den Harry Potter Fans nicht sehr hoch ist. Deshalb haben wir uns gegen eine Portierung entschieden. Wir bitten um Verständnis.
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Abgesehen davon, dass dem guten Mann offenbar der Unterschied zwischen “Lokalisierung” und “Portierung” nicht klar ist, hat anscheinend das Produktmarketing des Softwarekonzerns gehörig gepennt. Ansonsten wäre aufgefallen, dass das Potenzial, das in zehn Millionen Frankokanadiern liegt, um eine Lokalisation zu rechtfertigen, deutlich niedriger ausfällt als das einer deutschen Lokalisierung der Mac-Version. Außerdem hätte Electronic Arts auffallen müssen, dass der Macintosh bei Systemen, die am Internet teilnehmen, ohnehin nur einen Marktanteil von etwas unter zehn Prozent hat. Zudem ist bei dieser Argumentation ausgesprochen fragwürdig, wieso die beiden EA-Spiele Die Sims 3 und Spore für den Macintosh erscheinen konnten.

Nun kann es natürlich sein, dass Electronic Arts schlicht und ergreifend zu blöd ist, eine bestehende deutsche Windows-Version und eine bestehende englische Mac-Version zu verknüpfen, auf eine DVD zu mastern und das passende DVD-Cover zu produzieren. Aber wenn man gerade keine zwei Praktikanten für diesen Job bei der Hand hat, dann könnte man das doch schlicht und ergreifend die Leute machen lassen, die das schon seit vielen, vielen Jahren mit großem Erfolg gemacht haben – und die darüber hinaus auch noch offizieller Distributor der aktuellen Mac-Spiele von Electronic Arts sind: Application Systems Heidelberg. Warum das nicht geschieht, bleibt vollkommen schleierhaft.

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0 thoughts on “Farce um "Harry Potter und der Halbblutprinz"”

  1. Olaf says:

    Generell haben sich Electrnic Arts, was den Mac-Spielemarkt, und speziell den in Deutschland, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Angefangen mit der Ankündigung auf der (vorletzten, glaube ich) Keynote, grosse Spieletitel auf den Mac zu bringen, wir erinnern uns. Gross war die Freude, umso grösser die Enttäuschung, als klar wurde, dass man die angekündigten Spiele als Cider-Ports veröffentlichte. Und dann das grosse Heulen, als die Spiele nicht nach Deutschland kamen.

    Oder auch nicht, denn wie wir schnell feststellen konnten (Exemplar aus Übersee bekommen) waren die Spiele schlicht eine Unverschämtheit. Angefangen mit Harry Potter, das trotz einer Grafik, die auf Win-Basis eher Mittelmaß war bis hin zu Battlefield, das schlicht und einfach unverschämt war, kann man folgendes vermuten: entweder sehen EA den Mac-Markt als eine Bastion unverbesserlicher Evangelisten, die selbst für den letzten Dreck noch Geld bezahlen, oder stufen den Bereich einfach als zu unbedeutend ein, dass es nicht mal den geringen Aufwand wert ist, die Spiele ins Land zu bringen, ob jetzt lokalisiert oder nicht.

    Aufgrund der unglaublich miesen Qualität der Umsetzung waren wir damals nicht in der Lage, überhaupt ein Review zu schreiben; auch der Kontakt zu EA war bei Nachfragen eher unmotiviert und unterkühlt seitens EA.

    So oder so, versäumt haben wir nichts. Auch vom neuen HP-Spiel erwarte ich mir nicht viel von der technischen Umsetzung her. Meine Meinung: EA soll es entweder richtig machen oder ganz lassen; mit der derzeitigen Vorgehensweise haben sie sich selbst geschadet.

    Viele Grüße,

    Olaf / Crackintosh.de

  2. Pingback: Command & Conquer 4 erscheint 2010 | macinplay
  3. Trackback: Command & Conquer 4 erscheint 2010 | macinplay
  4. Doc says:

    über die ea-p*sser würde ich mir grad 0,0 gedanken machen. die haben jobs auch verarscht, denn ich glaube NICHT dass steve mit diesem müll den die raushauen (stichwort scheisser, ähm sorry: cider) einverstanden ist, von denen würde ich gar nix kaufen.

    unterstützt natives mac-gaming! gebt CIDER keine chance!

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