gamescom schließt mit 245.000 Besuchern – gewaltiger Fehlschlag

gamescom Köln August 2009 Mit 245.000 Besuchern ist in Köln soeben die erste gamescom zu Ende gegangen. “Die Premiere der gamescom ist hervorragend verlaufen”, sagt Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der koelnmesse GmbH. “Wir freuen uns über die begeisterten Reaktionen der Aussteller und Besucher. Damit hat sich die gamescom auf Anhieb als Leitmesse etabliert.”

“Wir sind sehr stolz auf die Premiere der gamescom”, behauptet Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU. “Sie hat auf Anhieb alle Ziele erfüllt und ist die größte Spielemesse der Welt. Computer- und Videospiele sind so attraktiv, dass unsere Branche trotz Wirtschaftskrise alle Rekorde bricht.”

Bisher war die europäische Spieleleitmesse die “Games Convention” in Leipzig, die vom Branchenverband BIU ausgerichtet wurde. Als der Vertrag mit der Messe Leipzig auslief, sah sich der BIU nach einem neuen Austragungsort um, weil die infrastrukturelle Erreichbarkeit Leipzigs nachteilig sei (Flughafen wird mit Halle geteilt, wenige Bahnverbindungen, kaum Autobahnanbindungen), und ging ins de facto viel besser infrastrukturell eingebundene Köln. Da die Namensrechte der Games Convention aber nicht der BIU gehören, sondern eben der Messe Leipzig, musste ein neuer Name her: gamescom wurde es. Das ist die Vorgeschichte – gleicher Veranstalter, anderer Name, anderer Ort.

Die Besucher waren sich im großen Ganzen schnell im Klaren, dass das schöne und großzügige Leipziger Flair vom hässlichen, bedrückenden Köln nicht erreicht wird – man vergleiche nur einmal die Ankunft in den jeweiligen Städten per Bahn (hier ein paar Eindrücke der Hauptbahnhöfe in Köln und hier von Leipzig). Entsprechend wurde im Internet und anderswo gegen die gamescom mobil gemacht – übrigens auch von uns, weil wir es unmöglich von der BIU finden, die Leipziger Messe die Aufbauarbeit für eine erfolgreiche Spielemesse in Deutschland leisten zu lassen, damit dann irgendeine dahergelaufene andere Messegesellschaft die Sahne abschöpfen darf.

Und nun grinsen also koelnmesse und BIU glückstrahlend in die Kameras, was für ein großartiger Erfolg die gamescom geworden sei.

Doch von außen betrachtet kann man eigentlich nur von einem furiosen Fehlschlag der gamescom sprechen. Das direkte Einzugsgebiet Leipzigs hat – mit viel Fantasie – eine Größe von vielleicht zwei Millionen Menschen. Köln hingegen liegt im Herzen Nordrhein-Westfalens, das mit 18 Millionen Einwohnern alleine schon zwei Millionen Einwohner mehr zu bieten hat als die fünf Bundesländer, die vor 20 Jahren noch unter “DDR” firmierten und dessen Teil das Bundesland Sachsen mit seiner größten Stadt Leipzig ist, zusammengenommen.

Zur Games Convention nach Leipzig pilgerten 2008 gute 200.000 Besucher (also ca. zehn Prozent des Einzugsbereichs), und zur diesjährigen gamescom 245.000 (also nur ca. 1,4 Prozent des Einzugsbereichs). Macht Euch selbst Gedanken, welcher Messestandort der für das Publikum angenehmere ist.

Die nächste gamescom findet vom 18. bis 22. August 2010 wieder in Köln statt.

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0 thoughts on “gamescom schließt mit 245.000 Besuchern – gewaltiger Fehlschlag”

  1. FlySkyBomex says:

    Man kann alles schlechtreden, wenn man denn so will. Es war Premiere und es waren keine Ferien. Verdammt nochmal, sollte man nicht langsam einfach sich um die Spiele an sich kümmern. Wo es stattfindet ist doch egal. Aber schön zu sehen, dass die Gamescom in ihrem ersten Jahr so an Prestige gewinnt. Kaz Hirai war noch nie vorher auf der Games Convention, und die Ankündigung der Ps3 Slim kann man als groß bezeichnen. Ich erinnere mich an letztes Jahr, die größte Ankündigung war wohl die Tastatur für den Dualshock 3. Das Argument mit den Prozenten ist doch mal an den Haaren herbei gezogen. Man hat garnicht auf 10% gehofft, das wäre auch völlig zu hoch gegriffen. 1,4% reichen schon, um einen neuen Besucher-Rekord zu vermelden. Viel mehr Platz für eine Steigerung, und genau mit diesem Grund hat man den Standort gewechselt.

  2. recipient says:

    Du lieber Himmel, das ist ja mal ein schönes Beispiel für objektive und differenzierte Berichterstattung. Man meint, das bockige Aufstampfen mit dem Fuß hören zu können …

    Steigerung der Besucherzahlen um über 20 Prozent – ist aber ein Fehlschlag, weil: Köln ist ja viel größer als Leipzig. Genau, lassen wir doch am besten alle Messen nur noch in Berlin stattfinden, da müssten dann ja immer – ach, Millionen Besucher kommen! Dann hätten wir so ganz nebenbei auch gleich der dahergelaufenen Kölner Messegesellschaft richtig eins ausgewischt, ha!

    Wobei wir da ein Problem mit der Ästhetik hätten. Denn schön ist Berlin ja nun wirklich nicht. Keine Stadt ist so schön wie Leipzig. Außer vielleicht Rothenburg ob der Tauber. Und ‘nen Bahnhof gibt’s da auch. Genau, da fahren Amis und Japaner ja sowieso immer zum Fotografieren hin, dann können sie auch gleich mal bei der Messe vorbeischauen. Mach doch schon mal einer den Saal im Deutschen Eck klar, das wird ein Riesending!

    So von außen betrachtet … 😉

  3. Dirk says:

    Das darf doch wohl nicht wahr sein …

    Da wird ein Besucheranstieg um ca. 25% (!) in diesen wirtschaftlich sicherlich nicht furiosen Zeiten als “gewaltiger Fehlschlag” verkauft … allein durch dieses Musterbeispiel für unseriösen und vor Wichtigtuerei strotzenden “Beitrag” wird mich diese Seite niemals wieder sehen.

    Es liegt die Vermutung nahe, Mutti hätte dem Verfasser die weite Fahrt in das große Köln verboten; ok, da wäre ich auch wirklich sauer – Beschwerden wären aber an die Erziehungsberechtigten und nicht an das Messe Management zu richten.

    p.s. : die Sache mit der Google Bildersuche schießt den Vogel vollkommen ab – Musterbeispiel für usergenerated content den die Welt nicht braucht.

  4. Gero Pflüger says:

    Nicht ganz so harsch wie meine Kritik an der gamescom findet sich ein Beitrag hier: http://gamesdienst.de/2009-08/gamescom-grose-zahlen-kleine-enttauschungen/

  5. FlySkyBomex says:

    Als harsch würde ich deine Kritik nicht bezeichnen. Eher als naiv, unkonstruktiv und kindisch. Köln 2010, ich bin dabei!

  6. David Sondermann says:

    Also, ich bin auch nicht gerade ein Fan der gamescom und konnte der Argumentation des BIU für den Wechsel nach Köln nicht ganz folgen. Was die Leipziger in den letzten Jahren aufgebaut und etabliert haben, ist wirklich fantastisch. Wer die Original Games Convention besucht hat, wird mich verstehen. Ich war jetzt auch bei der ersten GCO dabei und finde, dass dieses Format durchaus Potential hat.
    Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass 245.00 Besucher nicht wegzureden sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele der gamescom-Besucher aus dem Rheinland und Umgebung kamen und bislang die Anreise zur Games Convention aufgrund der Entfernung gemieden haben. Meine Wurzeln liegen am Niederrhein (nördlich des Alt/Kölsch-Äquators). Früher bin ich immer zur Amiga-Messe nach Köln gefahren. Andere Messen kamen für mich aufgrund der Distanzen nicht in Frage. Jetzt wohne ich in Halle (40 km Entfernung nach Leipzig), und ich bin bei jeder Games Convention dabei gewesen.
    Zur gamescom werde ich wohl auch in Zukunft nicht fahren, alleine schon deshalb, weil ich es unfair gegenüber den Machern der Games Convention finde. Dass die gamescom so ein – Entschuldige bitte den Begriff, Gero – “Erfolg” geworden ist, liegt nach meiner Meinung vor allen Dingen an der Vorarbeit der Leipziger Messe. Die Kölner bauen somit auf ein solides Fundament und müssten schon grossen Mist bauen, um die gamescom zum Misserfolg werden zu lassen. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr und die nächste Runde im Kampf um die Gunst der Spieler.

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