Apple stellt zur WWDC massive Neuerungen in iOS, macOS, tvOS und watchOS vor

In San Francisco findet noch bis zum 17. Juni Apples jährliche Entwicklerkonferenz WWDC statt. Erwartungsgemäß wurden zu Beginn die kommenden Betriebssystemversionen für Apples Geräte vorgestellt. Die Nutzer von Mac, iPhone, iPad, Apple TV und Apple Watch dürfen sich auf viele, viele, neue und nützliche Funktionen freuen.

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Eins vorweg: Apple hat auf seiner Keynote zur WWDC 2016 keine neue Hardware vorgestellt. Es ging, wie es sich für eine Entwicklerkonferenz gehört, nur um Software. Und dennoch mussten die Apple-Mitarbeiter durch die zweistündige Präsentation rauschen, um auch nur die besten neuen Funktionen der nächsten Betriebssystemversionen in der vorgegebenen Zeit ansprechen zu können. Ich kam mit meinen Notizen kaum hinterher.

Tim Cook beginnt die Keynote zur WWDC mit einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Orlando am Tag zu vor (Screenshot aus Apples Livestream)
Tim Cook beginnt die Keynote zur WWDC mit einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Orlando am Tag zu vor (Screenshot aus Apples Livestream)

Doch vor den Produktpräsentationen nahm sich Apple CEO Tim Cook die Zeit, um in einer Schweigeminute an die Opfer des Massakers von Orlando zu gedenken und bat alle Anwesenden es ihm gleichzutun.

Am Tag zuvor hatte ein Mann in einem Club, der vor allen bei Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LGBT) beliebt ist, 49 Menschen getötet und mindestens ebenso viele verletzt. Dieses Attentat wird von den Medien als schlimmstes seit den Anschlägen vom 11.September 2001 bezeichnet.

Tim Cook betonte, dass die Apple-Gemeinschaft aus Menschen aus der ganzen Welt bestehe und dass diese Gemeinschaft ihre Diversität feiere. Der Anschlag sei ein „unfassbarer Akt von Terror und Hass.“

Nach diesem kurzen Gedenken begann Tim Cook seine Präsentation wie üblich mit ein paar Zahlen.

  • über 5000 WWDC-Teilnehmer aus 74 Ländern
  • 120 Entwickler unter 18 Jahren
  • jüngste Entwicklern ist 9 Jahre alt
  • 2 Mio. Apps im App Store
  • über 130 Milliarden Downloads
  • bislang über 50 Milliarden US-Dollar an Entwickler ausgezahlt
  • 10 Milliarden seit Januar

Bemerkenswert war Cooks Aussage, dass es nicht nur einen App Store gebe, sondern dass man bei Apple vier Plattformen habe: iOS, tvOS, watchOS und OS X. Damit suggerierte er, dass sowohl das Apple TV, als auch die Apple Watch, das iPhone, das iPad und der Mac den gleichen Stellenwert haben – obwohl in der Vergangenheit immer das iPhone ins Rampenlicht gestellt worden ist. Scheinbar möchte man sich nicht mehr allein auf den Erfolg der einen Sparte verlassen.

Dann übergab Tim Cook den Staffelstab an die Vertreter aus den verschiedenen Entwicklungsabteilungen, um die neuen Betriebssystemversionen vorzustellen.

WWDC: watchOS 3 bringt vor allen Dingen Performance-Verbesserungen mit (Screenshot aus Apples Lifestream)
WWDC: watchOS 3 bringt vor allen Dingen Performance-Verbesserungen mit (Screenshot aus Apples Lifestream)

Plattform 1: watchOS

Das neue Betriebssystem für die Apple Watch bringt viele neue und nützliche Funktionen mit, die die Apple Watch vor allen Dingen schneller machen und damit die Benutzung deutlich verbessern.

Instant Launch soll den Start von Apps auf der Smartwatch sichtlich beschleunigen. Mit der aktuellen watchOS-Version 2 kann das schon mal 2-3 Sekunden dauern. Bei watchOS 3 öffnet sich eine App ohne Verzögerung – in unserer gehetzten Zeit sehr begrüßenswert.

Komplett neu ist das Dock, mit dem man schnell durch zuvor benutzte und durch seine favorisierten Apps blättern und sie so schnell starten kann. Es lässt sich über den seitlichen Knopf, der nun Dock Button heißt, aktivieren.

Ebenfalls neu ist ein Kontrollzentrum ähnlich dem bei iOS. Fährt man von unten mit dem Finger über die Apple Watch, erscheinen die am meisten genutzten Einstellungen auf dem Display.

WWDC: Minnie kommt auf die Apple Watch (Screenshot aus Apples Livestream)
WWDC: Minnie kommt auf die Apple Watch (Screenshot aus Apples Livestream)

Ebenfalls beschleunigt wird die Kommunikation via Smart Replies. Mit watchOS 3 kann man direkt aus der Benachrichtigung heraus eine Antwort schreiben. Die neue Kribble-Funktion wandelt sogar Handgeschriebenes (mit dem Finger auf dem Display Geschriebenes) in Text um. Aber die Nachrichten-App in ihrer neuen Version kann noch viel mehr. Die Details dazu folgen im iOS-Abschnitt.

Natürlich gibt es neue Watchfaces, also Zifferblätter. Nach dem beliebten Micky-Maus-Zifferblatt folgt nun konsequenterweise eines mit Minnie Maus. Das Aktivitäts-Watchface zeigt, wie der Name bereits vermuten lässt, die aus der Aktivitäts-App bekannten Daten an. So weiß man mit einem Blick auf die Apple Watch gleich, ob man sich schon genügend körperlich betätigt hat oder noch ein paar Schritte gehen muss, um das Tagespensum zu erfüllen.

Im Fitness- und Gesundheitsbereich bietet watchOS 3 ebenfalls viele Neuerungen. Für Notfälle gibt es die SOS-Funktionen. Wenn man den seitlichen Knopf gedrückt hält, wird automatisch ein Notruf gestartet und eine Nachricht an den zuvor eingestellten Notfallkontakt gesendet, inkl. Standort. Dieses Feature wird man hoffentlich niemals nutzen müssen. Falls doch, könnte es Leben retten.

Mit Activity Sharing kann man seine Fitnessdaten, wie gelaufene Kilometer, an seine Freunde oder Familienmitglieder schicken, um mit ihnen in Konkurrenz zu treten: „Haha, ich bin heute schon zehn Schritte mehr gelaufen als Du!“ Das kann sich sehr motivierend auswirken: „Na warte, Dich überhole ich doch mit links.“

WWDC: Apple passt das Aktivitätstracking der Apple Watch für Rollstuhlfahrer an (Screenshot von Apples Lifestream)
WWDC: Apple passt das Aktivitätstracking der Apple Watch für Rollstuhlfahrer an (Screenshot von Apples Lifestream)

Rollstuhlfahrer freuen sich über Optimierungen des Aktivitäts-Trackings. Da sich ihre Bewegungs-Mechaniken grundlegend von denen eines „Fußgängers“ unterscheiden, konnten sie diese Funktionen bislang nicht wirklich nutzen. Apple hat hier nachgearbeitet und bietet in watchOS 3 unter dem Wheelchair-Icon die Tracking-Funktionen auch für die verschiedenen Fortbewegungsstile der Rollstuhlfahrer an. Das schließt die Sprache mit ein. Rollstuhlfahrer werden mit „Time to roll“ an ihr ausstehendes Aktivitätspensum erinnert.

Wer fit sein will, muss richtig atmen lernen. Unterstützt wird man dabei durch die neue Breathe-App, die durch verschiedene Atemübungen führt und täglich daran erinnert, die Übungen zu wiederholen.

WWDC: Neue Möglichkeiten für Entwickler (Screenshot aus Apples Lifestream)
WWDC: Neue Möglichkeiten für Entwickler (Screenshot aus Apples Lifestream)

Wer es gelernt hat richtig zu atmen, den bringt auch der Blick aufs Bankkonto nicht zum Hyperventilierten – auch nicht nach dem Kauf einer Apple Watch. Und wer dann noch ein paar Kröten übrig hat, für den bietet Apple sein eigenes Bezahlsystem an. Das in Deutschland noch nicht verfügbare Apple Pay kann nun auch innerhalb von Apple-Watch-Apps genutzt werden.

Für die App-Entwickler besonders interessant sind die jetzt verfügbaren Software-Frameworks SpriteKit, SceneKit und CloudKit. Mit den beiden ersteren gibt es nun mehr Möglichkeiten, um Animation beispielsweise in Spielen umzusetzen. Letzteres Kit gibt Zugriff auf Funktionen der iCloud.

WWDC: Telltale bringt Minecraft: Story Mode aufs Apple TV (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: Telltale bringt Minecraft: Story Mode aufs Apple TV (Screenshot von Apples Livestream)

Plattform 2: tvOS

Die zweite Plattform in Apples Präsentation war das Betriebssystem für die Settop-Box Apple TV. Inzwischen gibt es 6000 Apps für den kleinen schwarzen Kasten. Und neue Apps erscheinen täglich. Derzeit in der Pipeline sind beispielsweise TV-Apps wie Sling TV, Fox Sports (beide nur USA), Molotov.tv (Frankreich) oder auch Spiele wie NBA 2K (2K Games) und Minecraft: Story Mode (Telltale Games).

Für eine bessere Bedienung des Apple TV per iPhone erscheint eine komplett neue Remote-App. Neben dem Touchscreen und Siri nutzt die App auch den Beschleunigungssensor und das Gyroskop zur Steuerung von Spielen.

Apropos Siri, in der neuen tvOS-Version bekommt der Sprachassistent neue Funktionen und kann dann auch sowohl Filme als auch YouTube nach Themen durchsuchen und sogar ganze Suchphrasen verstehen, wie „Suche auf YouTube nach Filmen mit Piraten aus dem Jahr 2007.“

Stehen Livekanäle innerhalb einer App zur Verfügung, beispielsweise beim ZDF, kann man mit Siri per Live-Tune-In den Kanal starten.

Die Funktion, die wohl alle Apple-TV-Nutzer begeistern würde – wenn sie nicht nur in den USA verfügbar wäre – ist Single-Sign-On. Man muss sich nur einmal mit seiner Apple ID anmelden und ist damit gleichzeitig bei allen Pay-TV-Diensten (Kabel- und Satellitenfernsehen), die auf dem Apple TV installiert sind angemeldet. Bislang musste man sich bei jedem Dienst einzeln anmelden. Ob Single-Sign-On auch mit den Apps unabhängiger Anbieter wie Vimeo oder Vevo funktioniert ist unklar.

Sehr interessant ist die Picture-in-Picture-Funktion, mit der man ein laufendes Video, beispielsweise von einer Webseite, verkleinern und in einer der vier Ecken des Bildschirms weiterlaufen lassen kann, während man andere Apps am Apple TV nutzt.

Universal Apps, die über ein iOS-Gerät erworben werden, werden nun automatisch auch auf dem Apple TV installiert. Zudem kann man für die Apple-TV-Oberfläche nun auch einen dunklen Hintergrund wählen, was dem Heimkino-Feeling deutlich entgegen kommt.

Neben Verbesserungen in Fotos, Music und anderen Apps, die bei iOS 10 genau erläutert werden, bringt die neue tvOS-Version besonders für Entwickler neue Möglichkeiten mit. Apple gibt einige seiner Software-Frameworks für Drittanbieter-Apps frei. ReplayKit ermöglicht das Aufnehmen und Senden von Live-Videos. PhotoKit ermöglicht den Zugriff auf Fotos und Videos der iCloud-Fotomediathek und -iCloud-Fotostreams. App-Badging zeigt auf dem Homescreen neue Inhalte für die einzelnen Apps an. Das kennt man beispielsweise beim iPhone oder Mac vom Mail-Icon, das in einer kleinen roten Blase am Icon anzeigt, dass 1254 ungelesene E-Mails auf Erlösung warten. Mit dem Einzug des HomeKit wird das Apple TV endlich zur lang erwarteten Steuerzentrale für Jalousien, Türöffner, Garagentore und andere Smart-Home-Kunststückchen, die bislang nur über iPhone oder iPad zu steuern waren.

Für uns Spieler besonders interessant sind Verbesserungen beim Game Center und die Unterstützung von bis zu 4 Controllern gleichzeitig.

Das neue OS X heißt macOS Sierra (Screenshot von Apples Livestream)
Das neue OS X heißt macOS Sierra (Screenshot von Apples Livestream)

Plattform 3: macOS

Die nächste Version des Apple-Betriebssystem heißt nicht etwa OS X 10.12, sondern macOS Sierra. Schluss mit X und Durchnummerierung! Damit möchte man die Benennung der Betriebssysteme vereinheitlichen: iOS, tvOS, watchOS und jetzt eben macOS. Der Name „Sierra“ bezieht sich auf den Gebirgszug Sierra Nevada, der zu 99 Prozent in Kalifornien liegt. Ob man sich von der Durchnummerierung wirklich komplett verabschiedet oder zumindest inoffiziell von macOS 12 spricht, hat Apple in der Keynote allerdings nicht thematisiert.

Das erste neue Feature von Sierra ist Auto Unlock. Besitzer einer Apple Watch müssen nicht mehr ihr Passwort am Mac eingeben, um sich anzumelden. Das erledigt die Smartwatch automatisch, wenn man dem Mac nahe genug kommt.

Eine der nützlichsten Funktionen des kommenden Mac-Betriebssystems ist sicherlich Universal Clipboard. Speichert man auf dem iPhone etwas in die Zwischenablage, so steht diese auch auf dem Mac zur Verfügung und kann dort via [cmd]+[C] eingesetzt werden. Das funktioniert quasi zwischen allen macOS- und iOS-Geräten.

WWDC: Storage Optimising lagert nicht benötigte Daten in die iCloud aus und spart so viel Speicherplatz (Screenshot von Apples Lifestream)
WWDC: Storage Optimising lagert nicht benötigte Daten in die iCloud aus und spart so viel Speicherplatz (Screenshot von Apples Livestream)

Mithilfe der iCloud wird das Dokumentenmanagement noch einfacher. Ab macOS Sierra stehen per iCloud Drive nicht nur die dort angelegten Ordner zur Verfügung, sondern auch der Mac-Schreibtisch und der lokale Dokumenten-Ordner auf anderen Mac, iPhone, iPad, icloud.com und in der iCloud-App für Windows zur Verfügung. Mit Optimised Storage soll knapper Speicherplatz auf jeder Mac-SSD oder -HDD demnächst der Vergangenheit angehören. Selten genutzte Dateien werden dann vom Mac in die iCloud verschoben. Außerdem erinnert uns das System daran, App-Installer, Caches, doppelte Downloads etc. zu löschen. Angeblich spart man so viele Gigabyte an Speicherplatz auf dem heimischen Rechner.

Mit Sierra findet auch Apple Pay den Weg auf den Mac – mehr oder weniger. Wer einen Online-Shop besucht, kann auch am Mac mit Apple Pay bezahlen. Allerdings poppt dann eine Zahlungsaufforderung auf dem iPhone auf, die man dann dort bestätigen muss. Also kommt Apple Pay eigentlich nicht auf den Mac, sondern ins Web. Damit tritt Apple in direkte Konkurrenz mit dem etablierten Bezahldienst PayPal.

WWDC: Apple Pay startet demnächst auch in der Schweiz (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: Apple Pay startet demnächst auch in der Schweiz (Screenshot von Apples Livestream)

Da Apples Bezahlungssystem wie oben bereits erwähnt nicht in Deutschland (oder Österreich) verfügbar ist, werden wir hierzulande davon wohl erstmal nicht „profitieren“. Die Schweizer hingegen dürfen sich auf die baldige Einführung von Apple Pay freuen.

Der nächste Punkt ist da schon weitaus interessanter. Apple öffnet die Tabs-Funktionalität für Dritt-Entwickler. Wir werden dann also Tabs nicht nur in Safari und Finder, sondern auch in Pixelmator, Outbank (neue Mac-Version ist unterwegs) oder Word nutzen können.

Das Picture-in-Picture-Feature des Apple TV kommt auch für den Mac. So kann man im Hintergrund immer an der neuen Präsentation arbeiten, während unten links die neueste Folge von Game of Thrones läuft.

Und die größte Neuerung für macOS: Siri zieht ein. Der von iPhone und iPad (und Apple TV) bekannte Sprachassistent unterstützt dann auch Mac-Nutzer bei der Suche, der Eintragung eines Termins in den Kalender oder dem Versenden einer Nachricht. Siri-Suchresultate beispielsweise eines Spielstandes kann man in die Mitteilungszentrale ziehen, um dort immer immer über die Ergebnisse auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Mit macOS Sierra verabschiedet sich Apple von der Unterstützung älterer Systeme. Um Sierra nutzen zu können, benötigt man einen der folgenden Mac:

  • MacBook ab 2009
  • MacBook Air ab 2010
  • MacBook Pro ab 2010
  • Mac mini ab 2010
  • iMac ab 2009
  • Mac Pro ab 2010
WWDC: 3D Touch im Control Center (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: 3D Touch im Control Center (Screenshot von Apples Livestream)

Plattform 4: iOS

Die Vorstellung von iOS 10 nahm den weitaus größten Teil der Keynote in Anspruch. Hier wurden allerdings viele Features vorgestellt, die ihren Weg auch auf die anderen drei Plattformen finden werden.

Ein wichtiger Punkt bei iOS 10 ist die Verbesserung der Nutzererfahrung. Dazu gehören größere, aber auch viele kleinere Veränderungen, die dennoch die Nutzung eines iPhone oder iPad vereinfachen.

So muss man nicht mehr auf den Homebutton drücken, um das iPhone „aufzuwecken“. Mit iOS 10 hebt man einfach das iPhone einfach hoch und schon leuchtet der Lockscreen auf. Hier ist nun auch 3D touch nutzbar und bietet viele neue Interaktionsmöglichkeiten.

Das Control Center wurde aufgeräumt und neu gestaltet. Es bietet neue Funktionen. Mit einem Wisch zur Seite kommt man beispielsweise zur neuen Musiksteuerung inkl. Coverdarstellung.

Siri wird in Zukunft noch viel Möglichkeiten bieten. Denn Apple hat den Sprachassistenten für Entwickler geöffnet. So werden auch Dritthersteller-Apps auf Siri Fähigkeiten zurückgreifen können.

Auch QuickType soll von Siris „Intelligenz“ profitieren und bietet noch bessere Textvorschläge an, die beispielsweise auf dem Standort oder gar der terminlichen Verfügbarkeit des Nutzers basieren.

Bildschirmfoto 2016-06-13 um 20.02.15Die Fotos-App erhält ein besonders großes Update und zwar plattformübergreifend – also auch auf dem Mac und dem Apple TV. Das neue Fotos ist in der Lage, Gesichter, Objekte und Szenerien zu erkennen. Die Funktion Erinnerungen stellt zusammengehörende Fotos und Videos zu einem Album zusammen und erstellt daraus ein Video mit passenden Titeln, Übergängen und Hintergrundmusik. So können beispielsweise alle Bilder mit Pferden vor Bergen im Hintergrund zum Album „Ausritt ins Gebirge“ zusammengestellt werden. Oder alle Bilder von der Oma am Strand zu „Beachgirl“.

Auch Karten bekommt ein neues Design und neue Funktionen. So schlägt die App Routen anhand von Kalendereinträgen vor. Entlang der Strecke kann man nun nach Tankstellen, Restaurants und mehr suchen. Die App gibt dann eine Prognose ab, inwieweit der Halt die Reisedauer verlängern wird. Bei Staus werden Ausweichstrecken angeboten. Außerdem wurde auch die Karten-App für Entwickler geöffnet, so dass man beispielsweise direkt in der Karten-App einen Tisch in einem Restaurant reserviert oder ein Taxi bestellen kann.

WWDC: Apple Music in komplett neuem Design (Screenshot von Livestream)
WWDC: Apple Music in komplett neuem Design (Screenshot von Livestream)

Für Apple Music kam die verantwortliche Managerin Boxoma Saint John auf die Bühne und bot die lockerste Vorstellung von allen Apple-Oberen bei der Keynote. Sie führte die Apple-Music-App vor, die ein komplett neues Design bekommen hat. Die Bereiche Mediathek, Für Dich, Browse und Radio wurden überholt. Ein neuer Search-Tab soll die Suche vereinfachen. Das integrierte Social Network Connect, mit dem Künstler in Kontakt mit ihren Fans treten können, wurde nur beiläufig erwähnt. Hier bleibt abzuwarten, ob Connect weiterentwickelt wird oder ebenso in der Versenkung verschwindet wie Apples letzter Versuch Ping. Insgesamt scheint Apple Music deutlich übersichtlicher und intuitiver zu sein als bisher. Und als kleines Bonbon werden jetzt die Songtexte mitgeliefert.

Die News-App unterstützt zukünftig auch Zeitungs-Abonnements. Redakteure kümmern sich um die Zusammenstellung der wichtigsten Nachrichten zu „Featured Stories“. Außerdem werden Eilmeldungen in der Mitteilungszentrale angezeigt. Ob oder wann die News-App in Deutschland jemals erscheinen wird, ist immer noch nicht klar. Bislang hat sich Apple dazu nicht geäußert.

Die neue Home-App kümmert sich um die intelligente Haustechnik, die über das Protokoll HomeKit angesprochen wird. Ihre Funktionen lassen sich auch über das Control Center aufrufen oder über Siri steuern. Die App wird auch für die Apple Watch verfügbar sein und das Apple TV zur Steuerzentrale des eigenen Smart Home machen.

Der Kern des iPhone ist wie bei jedem Smartphone eigentlich die Telefonfunktion. Die entsprechende Telefon-App bietet mit iOS 10 viele neue interessante Features, wie beispielsweise die Transkription von Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. Entwicklern bietet Apple eine Voice-over-IP-Schnittstelle an. So können auch Telefonate über Dienste wie Skype oder WhatsApp integriert werden. Geschäftskunden werden sich über die Nutzungen von dienstlichen Telefonnummern auf dem iPhone freuen. Dazu arbeitet Apple mit dem VoIP- und Netzwerk-Spezialisten Cisco zusammen, der weltweit einen Großteil der Büros mit seiner Technik ausstattet.

WWDC: Live-Vorschau der Kamera in der nachrichten-App (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: Live-Vorschau der Kamera in der nachrichten-App (Screenshot von Apples Livestream)

Große Neuerungen gibt es auch bei der Nachrichten-App (iMessage). Links werden nicht mehr nur als Text dargestellt, sondern mit einer Vorschau auf die Webseite. Videos werden direkt im Nachrichtenverlauf abgespielt. Man hat vollen Zugriff auf die Kamera direkt in der App. Emojis werden dreimal größer dargestellt und damit kann man endlich die Lupe wegräumen. Sogenannte Bubble Effects lassen die Sprechblasen samt Inhalt mit besondern Animationen in den Verlauf „reinspringen“. Mit dem Effekt „invisible ink“ wird die Nachricht beim Empfänger verschwommen und damit nicht lesbar angezeigt. Um die Nachricht lesen zu können, muss man erst mit dem Finger drüberwischen. Eine interessante Funktion, um die Spannung zu erhöhen oder dem Empfänger zu sagen: „Die Nachricht ist sehr privat. Schaut Dir auch niemand über die Schulter?“

Zusätzlich kann man nun auch Handschriftliches verschicken. Vollbild-Effekte verzieren den gesamten Hintergrund des Nachrichtenverlaufs mit fliegenden Ballons oder Feuerwerk-Animationen – schön bunt.

Und auch die Nachrichten-App wird für Entwickler freigegeben. Damit werden Erweiterungen über einen integrierten Store bezogen werden können, beispielsweise Sticker wie sie auch aus dem Facebook-Chat bekannt sind.

iOS 10 unterstützt folgende Geräte.

  • iPod touch (6.Generation)
  • iPhone 5
  • iPhone 5c
  • iPhone 5s
  • iPhone SE
  • iPhone 6
  • iPhone 6 Plus
  • iPhone 6s
  • iPhone 6s Plus
  • iPad mini 2
  • iPad mini 3
  • iPad mini 4
  • iPad (4. generation)
  • iPad Air
  • iPad Air 2
  • iPad Pro (9,7“)
  • iPad Pro (12,9“)
WWDC: Die Codebeispiele werden toll veranschaulicht (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: Die Codebeispiele werden toll veranschaulicht (Screenshot von Apples Livestream)

One more thing: Swift Playgrounds

Zu guter Letzt wurde eine neue App vorgestellt, die wahrscheinlich vor allen bei den Software-Entwicklern, Programmierern und denen, die es werden wollen, Freude hervorrufen wird: Swift Playgrounds für das iPad. Mit dieser App soll Anfängern das Programmieren auf einfache und spielerische Weise beigebracht werden. Schon Kinder können damit anhand Apples selbst entwickelter und freier Programmiersprache Swift das Programmieren lernen. Diese App hätte ich mir damals in der Schule für den Informatik-Unterricht gewünscht.

Fazit

Enorm viele Neuerungen für alle Plattformen sorgen dafür, dass Apple nicht mehr so weit hinter der Konkurrenz hinterher hängt. Siri kann sich wieder mit Cortana und Echo messen. Die Nachrichten-App wurde mächtig aufgebohrt und bringt Funktionen von Konkurrenten wie WhatsApp mit. Aber auch iCloud, Apple Music, die Integration von HomeKit ins Apple TV und viele andere, vor allen Dingen nützliche Funktionen werden die Geräte von Apple enorm aufwerten. Man darf sich also auf insgesamt sehr frisch wirkende Betriebssysteme freuen. Und Apple wird nicht müde zu betonen, dass man bei allen Features darauf achtet, dass die Privatsphäre der Nutzer geschützt bleibt und dass Apple kein Interesse daran, personalisierte Daten zu erheben oder Handel damit zu treiben. Sehr schön.

Der große Held der Keynote ist sicherlich Siri, aber mein persönliches Highlight: Universal Clipboard. Darauf habe ich lange gewartet.


Die Highlights der WWDC in Bildern

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Kommentar

Keine Hardware, nur Software hat Apple auf der WWDC-Keynote vorgestellt – hauptsächlich Betriebssysteme, um genau zu sein. Apple besinnt sich somit auf die Entwickler – auch mit der neuen iPad-App Swift Playgrounds. Denn für die Entwickler ist – so banal es auch klingen mag – die Entwicklerkonferenz gedacht.

Passenderweise gibt sich Apple deutlich offener als in den letzten Jahren und öffnet viele seiner Software-Schnittstellen für externe Entwickler: Siri, Nachrichten, Karten, Tabs. Möglicherweise ist man sich in Cupertino bewusst, dass die eigene Innovationskraft nicht ausreicht, um gegen die zahlreiche Wettbewerber anzutreten und setzt auf die Unterstützung der Entwicklergemeinde. Denn während Apple früher hauptsächlich mit Microsoft in der Disziplin „Desktop-Betriebssystem“ in den Boxring gestiegen ist, muss man jetzt gleichzeitig in mehreren Disziplinen gegen viele, verschiedene Gegner antreten.

  • macOS: Microsoft Windows
  • iOS: Google mit seinem mobilen Betriebssystem Android
  • Nachrichten-App: Facebook-Chat und WhatsApp
  • iCloud Drive: Dropbox
  • Siri: Cortana von Microsoft
  • Apple Maps: ehemaliger Partner Google Maps
  • Apple TV und Siri: Amazon Fire TV inkl. Echo
  • iTunes Filme und TV-Serien: Amazon Video
  • Apple Music: Spotify
  • Apple Pay: PayPal

Bemerkenswert ist dabei, dass Tim Cook betont, dass es bei Apple vier Plattformen gibt. Damit stehen watchOS, tvOS, iOS und macOS theoretisch gleichbedeutend auf dem selben Level. Trotzdem stand ungefähr die Hälfte der gut zweistündigen Keynote allein unter der Überschrift iOS. Das bedeutet aber nicht, dass iPhone und iPad für Apple wichtiger sind als Mac, Apple Watch oder Apple TV. Denn bei Vorstellung von iOS 10 wurden auch die plattformübergreifenden Apps Karten, Nachrichten, Fotos, Apple Music vorgestellt. Nicht ohne Grund alles Apps, die Zugriff auf Internetdienste bieten. Im Kern steht also eigentlich iCloud, auf das viele Funktionen von Apple Watch, Apple TV, iPhone, iPad und Mac aufbauen.

WWDC: OS X passt da nicht so richtig rein (Screenshot von Apples Livestream)
WWDC: OS X passt da nicht so richtig rein (Screenshot von Apples Livestream)

Dass diese Dienste ausgerechnet unter der Fahne von iOS vorgestellt wurden, hängt eher damit zusammen, dass iOS die gemeinsame Codebasis bildet, sowohl für tvOS als auch watchOS. Und zukünftig wird auch das Mac-Betriebssystem immer mehr aus der iOS-Entwicklungsabteilung übernehmen. Das deutet nicht nur Namenswechsel von OS X zu macOS an, mit dem man das Desktop-Betriebssystem der Namensyntax von iOS, watchOS und tvOS anpasst. Tim Cook wiederholte bei der Keynote, dass man im iPad nach wie vor die Zukunft des Computers sehe – kompakt und mobil. Das macOS wird sich also immer mehr dem iOS annähern, bis die Grenzen verschwimmen.

Spätestens dann kann Apple sich auf der Hardwareseite von Intel als Prozessorlieferanten verabschieden und auch beim Mac auf die eigenen AX-Chips setzen. Letztendlich wird iOS zum universellen Betriebssystem werden und auch auf künftigen Hardwareprodukten Apples eingesetzt werden. Ich danke da an ein carOS, ein homeOS oder ein healthOS – allesamt mit einer gemeinsamen Codebasis und damit perfekt für die Vernetzung von Diensten über viele verschiedene Geräte hinweg geeignet. Und den Kern bildet die iCloud – oder wie Apple seinen Speicher- und Synchronisationsdienst in Zukunft auch immer nennen wird. Ich bin allerdings gespannt, wie sich Apples Preispolitik insbesondere bezüglich der iCloud-Speicherpläne entwickeln wird, besonders wenn durch Storage Optimising und iCloud-Fotomediathek immer größere Datenmengen ausgelagert werden sollen.

An der Vision eines mobilen Computers mit effizientem Cloud-gestütztem Betriebsystem arbeitet Apple schon länger. Mit iOS 10 und seinen kleinen Brüdern tvOS und watchOS sowie macOS Sierra ist man diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.