ATI Radeon 9000 Pro Mac Edition

Die Auswahl an Grafikkarten, mit denen man seinen Mac aufrüsten kann sind, wie schon früher, sehr begrenzt. Es gibt drei Hersteller die noch Grafikkarten produzieren. Das sind ATI, Nvidia und VillageTronic, wobei sich letztere auf den 2D-Sektor beschränkt. Aus dem Hause ATI kommen Rage-Serie wie auch die populäre Radeon-Serie, die durch die vorliegende Radeon 9000 Pro erweitert wird.

Die Radeon 9000 Pro ist eine AGP-Grafikkarte, das heißt, sie wird in den Accelerated-Graphics-Port eingebaut und ist somit nur mit Power Macs ab den grauen G4-Towern (Sawtooth, Digital Audio, Quicksilver und MDD) kompatibel. Ob dies nun ein AGP-2x oder AGP-4x Port ist macht keinen Unterschied. Der Grafikchip der Radeon 9000 Pro ist passiv gekühlt und fügt daher den lauten Lüftergeräuschen einiger Power Macs keine Nuance hinzu, dafür sind Chip und Videospeicher natürlich geringer getaktet, um weniger Hitze zu verursachen. Des weiteren finden noch 64 MB DDR-RAM als Videospeicher Platz auf der Karte, sowie Anschlüsse für DVI (Digital Video Input) und ADC (Apple Display Connector). Ein Adapter auf VGA-Stecker liegt aber bei, sodass man auch alle älteren Monitore anschließen kann.

Der Einbau der Karte geht leicht von der Hand, die GeForce 4MX aus dem MDD G4 mit 1 Ghz ist schnell ausgebaut und gegen die Radeon 9000 Pro getauscht. Etwas problematisch ist die Schraube für das Slot-Blech, die sich nur festziehen lässt, wenn man Rückwand und Karte etwas zusammendrückt, bei der GeForce ist es aber auch so. Treiber für Mac OS X und Mac OS 9 liegen auf der CD bei, bei meinem System war bereits 10.2.3 installiert, welches neuere Treiber hatte, somit lief die Karte ohne jegliche Installation auf Anhieb. Neben den Treibern hat ATI noch ein Utility beigelegt, welches unter Mac OS X mehr oder weniger die Funktion des „Apple Profile Managers“ nachahmt. Unter OS 9 hat man zusätzlich noch eine Grafik mit dem derzeit benutzen Speicher. Zum ersten Mal gibt es auf der CD auch ATI-Technologiedemos für den Mac, welche die Shader-Funktionen zeigen sollen.

Die Karte beherrscht eine Vielzahl von Funktionen und Techniken, von denen ich einige erklären möchte. Mit „Smoothvision“ beispielsweise ist es möglich, das dargestellte Bild durch Interpolation zu glätten, sprich: die störenden Treppchen zu entfernen. Bei niedrigen Auflösungen bringt das einen enormen Qualitätsgewinn, aber ab einer Auflösung von 1024×768 kommt der Effekt nicht mehr so stark zum Tragen. ATIs Technik entspricht damit dem Full-Screen-Anti-Aliasing, kurz FSAA, welches es mit mehreren Qualitätsstufen gibt: 2x und 4x stehen unter Mac OS zur Verfügung, wobei 4x einiges an Leistung verbraucht.

Auch sehr interessant sind die Pixel- und Vertexshader, die die Radeon beherrscht, leider aber noch kein Mac-Spiel verwenden kann. Shader sind im Prinzip kleine Programme, die nicht im Prozessor des Computers, sondern nur innerhalb des Grafikprozessors ablaufen; mit Shadern ist es möglich, zum Beispiel Haare ohne große Berechnungen darzustellen und in Echtzeit zu verändern, oder sehr flexible Partikeleffekte zu erzeugen. Spiele wie „Halo„, „Unreal Tournament 2003“ oder „Doom III“ unterstützen bzw. sollen Shader unterstützen, von ATI zu „SmartShader“ zusammengefasst.

Die so genannte „Charisma2 Engine“ ist beim PC als „Transform/Clipping & Lighting“ bekannt und unterstützt Spiele bei diversen Effekten wie Licht, Schatten, Verzerrungen und Positionierung. Leider wird auch diese Technik von kaum einen Spiel auf dem Mac benutzt und erst in naher Zukunft Verwendung finden. Ansonsten beherrscht die Radeon 9000 Pro alle Techniken anderer Karten auch: DVD-Wiedergabe mit Hard-/Softwareunterstützung und -beschleunigung, Texturkompression und Bump-Mapping. Auch Apples Quartz Extreme-Technologie wird von der Radeon 9000 Pro voll unterstützt.

Was leistet die Radeon 9000 Pro? Um diese Frage zu beantworten müsste man jetzt einen gänzlich unbenutzten Mac zur Verfügung haben mit frisch installiertem System und so weiter, aber ein Test der Karte unter diesen Bedingungen wäre wohl kaum realistisch. Ich werde die Radeon 9000 Pro also unter alltäglichen Bedingungen testen und so einen in der Wirklichkeit zu erwartenden Wert liefern.

Die Testkonfiguration sieht so aus:
PowerMac G4 @ 1000 Mhz, 768 MB DDR-RAM, Mac OS 10.2.5, 80 GB Festplatte
– GeForce 4MX mit 64 MB DDR-RAM
– Radeon 9000 Pro mit 64 MB DDR-RAM

Zuerst der unausweichliche Benchmark mit Quake 3 unter den vorgegebenen „High Quality“-Einstellungen. Gewechselt wird nur die Auflösung, als Demo dient die übliche „Four“-Demo. wie man der Grafik entnehmen kann sind beide Karten fast gleich auf, erst mit hohen Auflösungen kann sich die Radeon 9000 Pro absetzen. bei niedrigen Einstellungen wird schon sichtbar, dass die CPU hier Grenzen setzt und die Radeon nicht ihre ganze Kraft freisetzen kann. Ich glaube aber nicht, dass dieser Test etwas darüber aussagt, wie tauglich ein Mac (oder PC) zum Spielen ist, „Quake 3“ ist jetzt schon vier Jahre alt und aktuelle Spiele stellen weitaus höhere Anforderungen an die Hardware.

Aus persönlichem Interesse noch ein kleiner Benchmark mit dem Original-„Unreal Tournament“ für Mac OS X, diese Version ist nicht besonders gut optimiert und läuft unter ihren Möglichkeiten, aber die ATI Radeon 9000 Pro und das Update auf Mac OS 10.2.5 können hier noch einiges bewirken. Da auch „Unreal Tournament“ nicht mehr taufrisch ist, wird es sehr spannend werden, „Unreal Tournament 2003“ zu testen. Aber noch ist es nicht soweit und mit dieser Hardware ist es durchaus möglich auch UT X flüssig zu spielen.

In „Unreal Tournament 2003″ selbst werden alle Einstellungen auf den Höchstwert gesetzt. Dann starte ich in verschiedenen Auflösungen die mitgelieferte Benchmarksequenzen „botmatch-antalus“ und „flyby-antalus“. Während der erste Benchmark besonders stark die CPU fordert, zeigt die zweite eher Schwächen bei der Grafikkarte auf. Zusätzlich habe ich den Level noch mal im normalen Spielgeschehen betrachtet, es zeigt sich aber bei allen Tests in etwa dasselbe Bild: Die aktuellen G4-Prozessoren sind zu langsam für das Spiel – die Künstliche Intelligenz und die Physik-Engine des Spiels bremsen den gesamten Rechner aus und sorgen so für die schlechten Bildraten.

Auf dem Testprogramm standen auch noch diverse andere Anwendungen, wie „Ghost Recon„, „Soldier of Fortune 2“ und „Cinema4D“. Da „Ghost Recon“ keine Möglichkeit zum Messen von Durchschnittswerten verfügt, müsst ihr euch mit meinem subjektiven Eindrücken begnügen. Vorweg sei gesagt, dass „Ghost Recon“ mit ATI-Karten anders aussieht, ganz besonders die Nachtsicht hat sich verändert, die Frame-Rate liegt durchweg um die 30 Bilder pro Sekunde, was eigentlich kein sehr guter Wert ist, trotzdem spielt es sich sehr flüssig. Auch die Windows-Version von „Ghost Recon“ läuft nur unwesentlich schneller, auch wenn hier mehr Prozessortakt vorhanden ist.

„Soldier of Fortune 2“ spielt sich ausgezeichnet, das Programm verweigert mir zwar im Einzelspieler-Modus, eine Demo-Aufnahme zum benchen, im Mehrspieler-Modus habe ich ein paar Internetspiele aufgezeichnet und sie mit Auflösungen zwischen 640×480 Pixel und 1600×1200 Pixel durchlaufen lassen. Die Werte variieren nur leicht, die Durchschnittsrate liegt aber bei mehr als 40 Bildern pro Sekunde.

In „Cinema4D“ merkt man vom Wechsel der Grafikkarten leider erst einmal gar nichts. Da zum Rendern größtenteils die CPU gefragt ist, kommen die OpenGL-Leistungen der Radeon nur in der Editoransicht zum tragen, aber auch hier kann ich keinen Unterschied feststellen. CineBench2003 offenbart dann zwischen beiden Grafikkarten einen derart kleinen Unterschied, dass es sich kaum lohnt, die Ergebnisse zu veröffentlichen:

CINEBENCH 2003 v1
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Tester : Charriu

Processor : G4 Apollo
MHz : 1000 Mhz
Number of CPUs : 1
Operating System : 10.2.5

Graphics Card : ATI Radeon9000 Pro / Geforce4 MX
Resolution : 1024×798
Color Depth : 16,7 Millionen / 32 Bit

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Rendering (Single CPU): 93 CB-CPU
Rendering (Multiple CPU): — CB-CPU

Shading (CINEMA 4D) : 115 CB-GFX / 115 CB-GFX
Shading (OpenGL Software Lighting) : 302 CB-GFX / 300 CB-GFX
Shading (OpenGL Hardware Lighting) : 421 CB-GFX / 418 CB-GFX

OpenGL Speedup: 3.68 / 3.65

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Nicht unerwähnt soll die Möglichkeit bleiben, an der Radeon 9000 Pro zwei Monitore gleichzeitig zu betreiben, Dual-Monitoring genannt. Diese Funktion dürfte für Spieler wohl eher uninteressant sein, zumal sich beim Anschluss zweier Monitore die Framerate in etwa halbiert. Benutzer, die in irgendeiner Hinsicht viel Platz für Paletten (Freehand, Photoshop als Beispiel) brauchen, sparen hier jedoch die Kosten für eine zweite Grafikkarte. Der vorhandene Speicher von 64 MB wird dazu aufgeteilt und beiden Monitoren zugeteilt. Leider konnte ich diese Funktion nicht testen, da ich nur zwei Monitore mit VGA-Anschluss habe und keinen Adapter auf ADC besitze.

Abschließend will ich noch kurz auf die Unterschiede zwischen der Radeon 8500 und 9000 Pro eingehen, denn beide Karten sind fast für denselben Preis zu haben, die Radeon 8500 aber nur noch als Restposten. Die R8500 verfügt einen 250 Mhz Takt, während die R9000Pro mit etwas schnelleren 275 Mhz arbeitet. Aber beide greifen mit 275 Mhz auf den Videospeicher zurück, der Unterschied hält sich also in Grenzen. Nur bei Spielen mit vielen Texturen ist die R8500 im Vorteil, besitzt sie doch 2 Textureinheiten mit 3 Pipelines, während die R9000Pro nur über eine einzige Textureinheit mit 6 Pipelines verfügt. Zwei Textureinheiten sind schneller als eine, auch wenn beide Karten auf dem Papier den gleichen Texturdurchsatz haben, also eigentlich das gleiche Volumen transportieren können. Im Endeffekt wirkt sich das in einem kleinen Geschwindigkeitsvorteil von circa 5-10 % für die R8500 aus.

Fazit:

Die Radeon 9000 Pro ist eine gute Grafikkarte die besonders in den Punkten Stabilität und Qualität überzeugen kann. Von der Geschwindigkeit her kann sie einer Radeon 9700 natürlich nicht das Wasser reichen, diese ist aber nicht frei käuflich, sondern nur im Apple-Store zusammen mit einem PowerMac erhältlich. Damit ist die Radeon 9000 Pro die derzeit schnellste Möglichkeit seinen Rechner aufzurüsten und nicht den enormen Preis für eine Geforce 4 Titanium auszugeben.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Die Grafikkarte ist mittlerweile vergriffen.

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