Das fünfte Element im Ökosystem: Happy Birthday, Mac App Store

Der Mac App Store bietet neben Anwendungsprogrammen auch viele tolle Mac-Spiele

Der Mac App Store bietet neben Anwendungsprogrammen auch viele tolle Mac-Spiele

Im Januar 2011 brachte Apple ein mobiles Erfolgsrezept auf den Desktop: Der Mac App Store schickte sich an, auch unter OS X die One-Stop-Solution für alle Apps zu werden. Auch viele Spieleentwickler hofften auf einen neuen App-Boom und größere Verkaufszahlen. macinplay wirft einen Blick zurück auf fünf Jahre Mac App Store und spekuliert über die Zukunft der Plattform.

Als der Mac App Store am 06. Januar 2011 live ging und bereits nach 24 Stunden über 1 Million Downloads verzeichnete, war die Euphorie in Cupertino und innerhalb der Developer Community groß. Doch es gab auch Bedenken: Würde der Mac den Weg des iPhone einschlagen? Mit all den Vor- aber auch Nachteilen einer kuratierten Plattform. Die Befürchtungen konnten zerstreut werden: Apple verwandelte den Mac nicht in eine geschlossene Gesellschaft. OS X blieb und bleibt weiterhin ein offenes System für alle Benutzer und Softwareanbieter.

Firmen wie Adobe, Microsoft oder Valve mit Steam, können ihre Mac-Programme ohne Gängelungen außerhalb des App Stores in ihren eigenen Online-Shops vermarkten. Dennoch war die Entwicklung der vergangenen Jahre eindeutig: Mit 27.077 Apps (Stand: 06.01.2015, Quelle AppShopper) ist der Mac App Store (MAS) die größte und bedeutendste Vertriebsplattform für OS X-Software. 10.299 davon sind Spiele – das sind über 3.000 Titel mehr als auf der führenden Games-Plattform Steam (5.701 OS-X-Spiele). Erstaunlich für einen Store, der nicht einmal halb so alt ist wie der Platzhirsch aus Washington.

Dennoch sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen und wenig aussagekräftig. Viele Mac-App-Store-Spiele sind Ports mobiler Titel für iPhone und iPad, die sich durch die sehr ähnliche Betriebssystem-Basis relativ schnell und einfach bewerkstelligen lassen. Eine zusätzliche Einnahmequelle für Entwickler, die sich in beliebten Entwicklungsumgebungen wie Unity (fast) so einfach wie durch das Setzen eines Häkchens beim Exportieren der App umsetzen lassen. Trotzdem ist diese große Anzahl an Mac-Spielen beachtlich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass manche Hardcore-Windows-Gamer noch heute gerne und lautstark behaupten für den Mac gäbe es keine Spiele. Die Leser dieser Seite wissen, dass diese Behauptung nicht nur kaum haltbar, sondern schlichtweg falsch ist.

Kleine Teams, große Ideen: Indie-Entwickler nutzen den Mac App Store als Spielwiese für kreative Konzepte. (Bildrechte: State of Play Games)

Kleine Teams, große Ideen: Indie-Entwickler nutzen den Mac App Store als Spielwiese für kreative Konzepte. (Bildrechte: State of Play Games)

Von 99 Cent bis AAA

Im Mac App Store findet sich mittlerweile eine große Bandbreite ganz unterschiedlicher Titel: Von Indie-Perlen kleiner Studios wie Lumino City bis hin zu großen AAA-Produktionen mit millionenschwerem Budget wie der Batman-Arkham-SerieTomb Raider oder den Borderlands-Spielen. Dennoch deckt der MAS nicht das gesamte Spektrum der Mac-Spiele ab: Blizzard glänzt durch Abwesenheit und auch Valve bietet seine Top-Titel wie DOTA, Half-Life 2, Portal 2 oder Team Fortress 2 weiterhin exklusiv über Steam an. Auch einige mittelgroße Studios wie Telltale Games sind derzeit nicht im Mac App Store präsent, obwohl ihre Titel für OS X erhältlich sind und sich z. B. The Walking Dead oder Minecraft Story Mode sehr gut im App Store für iOS verkaufen. Dies mag auch damit zu tun haben, dass Anbieter episodischer Inhalte zum Start des MAS keine Möglichkeit hatten Season Passes zu verkaufen. Glücklicherweise hat Apple hier nachgearbeitet und mittlerweile sind auch auf dem Mac sowohl In-App-Käufe als auch Season Passes in Spielen möglich (siehe Bioshock Infinite oder Borderlands 2). Andere Publisher wie Feral Interactive aus London sind dazu übergangen, ihre Spiele grundsätzlich als Complete- oder Game-of-the-Year-Editionen mit allen Zusatzinhalten in einem Paket anzubieten. Die kürzlich erschiene Alien-Isolation-Collection oder LEGO Jurassic World sind gute Beispiele für diese aus meiner Sicht kundenorientierte Veröffentlichungspolitik. Viele Spiele erscheinen hierdurch zwar etwas später als auf Steam – was durch den unvermeidlichen Mac-Port des Konsolen- oder Windows-Originals ohnehin bereits gegeben ist – aber die User müssen sich wenigstens nicht mit unzähligen, unter Umständen teuren, DLCs herumärgern.

Lego Jurassic World (Bildrechte: Feral Interactive)

Lego Jurassic World (Bildrechte: Feral Interactive)

Nächste Ausfahrt Backlog

Die beiden großen Portierungsfirmen Aspyr Media und Feral Interactive haben sich auch im Mac App Store durch eine vernünftige Preispolitik hervorgetan. Ähnlich wie bei den Steam-Sales, gibt es auch hier regelmäßige Rabattaktionen. Spielen auf dem Mac ist dadurch im Vergleich zur Situation vor zehn Jahren deutlich günstiger geworden. Wer über die aktuelle Preisentwicklung seiner Lieblingsapps auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte das Portal AppShopper.com besuchen. Nach kostenloser Registrierung, könnt ihr euch hier – auch über die passende iOS-App – Push-Benachrichtigungen bei Updates oder Preissenkungen senden lassen. Doch Vorsicht und Selbstdisziplin ist geboten: Der Mac App Store hat von seinem großen iOS-Bruder einige Eigenheiten übernommen, die manchem Entwickler und Spieler Tränen in die Augen treiben. Doch nur letzteren aus Freude. Immer wieder kommt es vor, dass selbst hochdekorierte Spiele wie Daedalics Deponia oder der PlayStation-Network-Hit Shatter für nur 99 Cent im Mac App Store feilgeboten werden. Da bleibt selbst Sales-gestählten Wettbewerbern wie Valve der Dampf weg. Wer angesichts seiner unverschämt günstig zusammengehorteten Spielesammlung Schnappatmung bekommt und droht völlig den Überblick zu verlieren, wie und wo er gerade in einem Game steht, dem sei Backloggery.com wärmstens empfohlen.

Game-Center: Apples eigene Verwaltung von Spiel-Statistiken

Game-Center: Apples eigene Verwaltung von Spiel-Statistiken

Apple Arcade

Microsoft mag über die Jahre viel von Apple geklaut haben, aber andersrum wird genauso ein Schuh draus. Schon vor fünfzehn Jahren zeigte der Riese aus Redmond den verdutzten japanischen Konsolenkonkurrenten Nintendo und Sony wie modernes Gaming im 21. Jahrhundert funktioniert: Xbox Live auf der ersten (nicht One!) Xbox war eine für seine Zeit unheimlich progressive und prächtig funktionierende Online-Infrastruktur für Multiplayer-Spiele: Ein einzigartiger Spitzname für jeden User – sogenannte Gamertags –, feste Freundeslisten und grundsolide Server für durchzockte Nächte in Call of Duty oder Forza. Die noch aus der Spielhalle bekannten High-Scores wurden zu „Achievements“ weiterentwickelt, virtuellen Trophäen, mit denen man vor seinen Freunden online angeben konnte. Nur zehn Jahre später kamen auch die eher spielfernen Apple-Oberen auf den Trichter, dass es angesichts von seinerzeit rund 150 Millionen iPhone-, iPod-touch- und iPad-Usern und über hunderttausenden Spielen im App Store keine abwegige Idee wäre, diese vernünftig miteinander zu verknüpfen und vielleicht sogar spielen zu lassen. Die Hass-Liebe-App eines jeden Apple-Gamers war geboren: Game Center. Mit der Einführung von OS X Mountain Lion am 25.Juli 2012 hielt Game Center auch auf dem Mac Einzug. Leider entwickelte sich Game Center für OS X nicht einmal ansatzweise so positiv wie noch auf iOS. Während fast alle halbwegs aktuellen iPhone-Spiele Game Center-Unterstützung anbieten, sind es unter OS X nur etwas mehr als 10 % aller im Mac App Store angebotenen Spiele. Derzeit sind das immerhin 1.485 Titel, darunter alle aktuellen Aspyr-Ports.

Game Center verwaltet iOS- und OS-X-Spiele

Game Center verwaltet iOS- und OS-X-Spiele

Game over fürs Game Center?

Leider hat Feral Interactive aus technischen Gründen zum Jahresende 2015 angekündigt, ab sofort auf ein eigenes Matchmaking-System über sogenannte Feral-Accounts zu setzen. Wie Ferals technischer Direktor Edwin Smith gegenüber macinplay mitteilte, habe sich Game Center als zu anfällig und unzuverlässig für Mehrspieler-Partien erwiesen. Feral hatte 2013 mit dem Mac-App-Store-exklusiven Sonic & Sega All Stars Racing erste Erfahrungen mit Mehrspieler-Matches im Game Center gemacht. Erster Titel mit dem neuen Feral-Multiplayer-System ist das Strategiespiel Company of Heroes 2. Diese Entscheidung ist besonders deshalb ärgerlich, weil auch für reine Single-Player-Titel bzw. lokale Multiplayer-Spiele wie z. B. Thief oder die LEGO-Games keine Errungenschaften mehr im Game Center freigeschaltet werden können. Für alle Zocker, die gerne einen einheitlichen Gamerscore zwischen ihren mobilen und Desktop-Spielen haben möchten, ist dies ein Schlag ins Kontor. Technisch ist Ferals Entscheidung aber nachvollziehbar: Der Mac App Store hat bei allen Komfortfunktionen einen entscheidenden Nachteil: Game Center ermöglich keine Cross-Plattform-Partien im Multiplayer. Wer mit seinen Windows- oder Linux-Freunden gemeinsam spielen möchte, ist deshalb nach wie vor auf Steam angewiesen. Feral wird diesen Nachteil mit dem eigenen Matchmaking-Service jedoch umgehen: Hierdurch sollen auch Cross-Plattform-Spiele zwischen Mac-App-Store– und Nutzern anderer Plattformen möglich sein.

Auf Speed: Sonic & Sega All-Stars Racing gehört zu den Mac-App-Store-Exklusivtiteln und setzt auf Game Center für Mehrspielerpartien. (Bildrechte: SEGA/Feral Interactive)

Auf Speed: Sonic & Sega All-Stars Racing gehört zu den Mac-App-Store-Exklusivtiteln und setzt auf Game Center für Mehrspielerpartien. (Bildrechte: SEGA/Feral Interactive)

Kings of Convenience

Das schräge Comic-Rollenspiel Penny Arcade Adventures: Precipice of Darkness war vor genau fünf Jahren mein erster Download im Mac App Store. Auch wenn ich in den vergangenen drei Jahren viel Zeit bei Steam verbracht habe – mein erster Mausweg auf einem neuen Mac führt mich nach wie vor in den App Store. 2015 war nach dem Debütjahr 2011 für mich der Jahrgang mit den meisten Downloads. Denn Apple hat es geschafft, die für mich wichtigsten Apps an einem Ort zu versammeln – mit automatischen Updates und ohne unnötigen Ballast. Ein Klick zum Kauf, ein Klick für Download und Installation. Manchmal möchte ich mich nicht über verpixelte Fehlermeldungen ärgern, wenn mal wieder ein Beta-Update des Spiele-Clients zur Installation ansteht oder dieser gerade im Hintergrund abgestürzt ist und neu gestartet werden möchte. Manchmal möchte ich ein schönes buntes Icon klicken und sofort loslegen. Einfach nur spielen. Das ist der Charme des Mac App Store.

Beziehungsstatus unbekannt, aber im Mac App Store ist Lara Croft solo unterwegs: Der ausgezeichnete Tomb Raider-Reboot kommt ohne den Multiplayer der Steam-Version. (Bildrechte: Square Enix/Feral Interactive)

Beziehungsstatus unbekannt, aber im Mac App Store ist Lara Croft solo unterwegs: Der ausgezeichnete Tomb Raider-Reboot kommt ohne den Multiplayer der Steam-Version. (Bildrechte: Square Enix/Feral Interactive)

Für Singles mit Niveau

Der Steam-Client mag mächtig viele Funktionen haben und ist für Multiplayer-Fans ohne Zweifel die erste Wahl. Wer aber, wie der Autor, eher storylastige Single-Player-Titel spielt (weil er ein mieser Schütze ist und kein Land in einem kompetitiven Online-Match sehen würde) – für den bietet Apple die perfekte Alternative frei Haus. Es gibt viel berechtigte, konstruktive Kritik am Mac App Store: Noch immer gibt es keine Wunschliste wie in der iOS-Version (ein Running-Gag!), warum integriert Cupertino nicht einfach iMessage in Game Center (viel zu offensichtlich!) und warum gibt es keine dedizierten Grafikkarten in Apple-Computern unter 2.000 Euro? Letzteres Problem haben wir bereits thematisiert.

Lego Jurassic World (Bildrechte: Feral Interactive)

Lego Jurassic World (Bildrechte: Feral Interactive)

Hauptsache Nebenprojekt

Manchmal fühlt es sich so an – vor allem für ältere Semester in der Apple-Community – als wären der Mac und sein App Store nur noch ein unbedeutender Anhang in dem schwindelerregenden Zahlenwerk, das sich Apple-Quartalszahlen nennt. So etwas wie das fünfte Rad am digitalen Streitwagen, mit dem sich die Ritter von Cupertino die mobile Zukunft der Computerei erobert haben.

Doch auch in der von Steve Jobs postulierten „Post-PC-Ära“ bin ich froh um mein OS X und dessen „unbegrenzte Möglichkeiten“. Als einziges Produkt, das nicht auf iOS basiert, nimmt der Mac eine Sonderstellung im Unternehmen ein. Als letzte ernsthafte Desktop-Alternative zu Windows sollte und darf er kein Beiwerk werden.

Neben iPhone, iPad, Apple Watch und nun auch Apple TV ist der Mac für mich noch immer etwas Besonderes – kein fünftes Rad, sondern vielmehr das „Fünfte Element“ im Apple-Ökosystem. Auch deshalb ist der Erfolg des Mac App Store und der darin vertretenen Entwickler essentiell für die Zukunft der Mac-Plattform. An mir soll’s nicht liegen – ich gehe dann mal zum Jubiläums-Shopping. Happy Birthday, Mac App Store und – live long and prosper!

Auswahl von Spielen aus dem Mac App Store

Hier findet Ihr die im Artikel erwähnten Mac-Spiele.

Bioshock Infinite
Entwickler: Aspyr Media, Inc.
Preis: 29,99 €+
BioShock 2
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €+
BioShock
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
Borderlands: The Pre-Sequel!
Entwickler: Aspyr Media, Inc.
Preis: 39,99 €+
Borderlands 2
Entwickler: Aspyr Media, Inc.
Preis: 19,99 €+
Borderlands Game Of The Year
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
Tomb Raider
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 29,99 €+
Tomb Raider: Anniversary
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 9,99 €
Tomb Raider: Underworld
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 11,99 €
Tomb Raider II
Entwickler: Aspyr Media, Inc.
Preis: 7,99 €
Batman: Arkham Asylum
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
Batman: Arkham City GOTY
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
Alien: Isolation™ - The Collection
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 49,99 €
LEGO® Jurassic World™
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 29,99 €
LEGO Indiana Jones 2
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO Marvel Super Heroes
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 29,99 €
LEGO Batman 2: DC Super Heroes
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO® Batman™ 3: Jenseits von Gotham
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 29,99 €+
LEGO® Der Hobbit™
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €+
LEGO Der Herr Der Ringe
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO Star Wars III: The Clone Wars
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO Star Wars Saga
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO® Pirates of the Caribbean
Entwickler: Disney
Preis: 14,99 €
LEGO Harry Potter: Years 5-7
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
LEGO Harry Potter Years 1-4
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €
The LEGO® Movie Videogame
Entwickler: Feral Interactive Ltd
Preis: 19,99 €

Update, 08. Januar 2015, 07:40: Wir haben noch ein paar kleine Textpassagen korrigiert und Bilder geschoben.

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