iCade

Ein Gadget ist englisch für einen Apparat, eine technische Spielerei oder einfach Schnickschnack.
Oder auch: Dinge, die keiner braucht, die aber trotzdem (fast) jeder haben will.
Genau darum geht es diesmal: iCade, ein Zubehör, das aus einem iPad die Minispielhalle fürs Zuhause macht.

Das Ikea-Prinzip

Gebracht hat die Post ein beeindruckend großes Paket, das dieses sagenhafte Stück Hardware enthalten soll. Also doch nicht so mini, diese Spielhalle? Nach dem Öffnen der Umverpackung findet sich darin ein bedeutend kleineres Päckchen, das Buntbedruckt davon kündet, dass hier nun die iCade enthalten sei.

»Flash back to the glory days of gaming with iCade«, so prangt es auf der Kartonage, und dazu gibt es diverse Hinweise auf den »Atari 2600«-Emulator Atari’s Greatest Hits (hier für iPad*, hier für iPhone*). Aber bevor der Spaß beginnen kann, haben die Götter den Akt des Zusammenbaus gesetzt. Nachdem man die Einzelteile aus der Verpackung geholt hat die erste Überraschung: Eigentlich erwartet man ja von Gadgets aus chinesischer Produktion einen hohen Plastikanteil. Nicht so bei der iCade. Das Gehäuse besteht aus stabilen MDF-Platten, die mit acht Schrauben verbunden werden müssen. Aber keine Angst: der ganze Vorgang ist mit anschaulichen Bildern beschrieben und ein passender Inbusschlüssel wird auch mitgeliefert. Als ich diese Hürde gemeistert hatte, stellte ich mittelschwer begeistert fest, dass die Teile erstens sehr passgenau gearbeitet sind und dass zweitens der fröhlich bunte Aufdruck keinen so billigen Eindruck wie auf den Fotos macht.

Jetzt noch schnell die Batterien eingelegt und los geht’s. Einen Schalter sucht man übrigens vergebens, das iCade schaltet sich bei Nichtgebrauch automatisch nach einigen Minuten in den Ruhemodus. Darum soll ein Batteriesatz (2 AA Zellen) 70 Stunden reichen. Wer will, kann allerdings auch ein Netzteil anschliessen.

Das Spiel ist das Ziel

Die iCade wird mittels Bluetooth mit dem iPad verbunden. Dankenswerterweise ist die Prozedur innen auf dem Deckel beschrieben, so dass man nicht jedes Mal die Bedienungsanleitung herauskramen muss. Aber so schwer ist es auch nicht. Fünf der großen Tasten gleichzeitig drücken und dann bei der ersten Kopplung noch mittels Tastenkombinationen die Gerätekennung eingeben, das war. Was leider nicht im Deckel steht ist, dass die Tastaturbelegung am iPad auf US umgestellt werden muss, das steht dafür dann in der Bedienungsanleitung. Und glücklicherweise gehöre ich noch zu den Menschen, die so etwas tatsächlich lesen.

Jetzt aber los: Das iPad wird in die iCade gestellt, passt prima und der Dockanschluss ist weiterhin zugänglich, so dass zur Not das Ladekabel anschlossen werden kann. Da die oben erwähnte Atari App ja so angepriesen wird, habe ich mir sie mal schnell heruntergeladen und gestartet. In Deutschland ist nicht Asteroids, sondern Missile Command das Spiel, das ohne In-App-Kauf spielbar ist.

Nun, lasst es mich so sagen: cool.

Der Joystick ist zwar nicht besonders groß, erlaubt aber exaktes Steuern und ist ebenso wie die Buttons mit Microschaltern ausgerüstet. Telespielveteranen brauche ich nicht erzählen, welche Erinnerungen mit dem Geräusch der klickenden Schalter verbunden sind. Weniger nostalgischen und/oder jüngeren Personen sei versichert, dass diese Schalter nicht nur einen exakten Schaltpunkt haben, sondern auch als ausgesprochen robust gelten.

Aber zurück zum Spiel: Missile Command ist sicherlich ein dankbares Exemplar eines Arcade-Spiels. Das Fadenkreuz wird mittels Stick gesteuert, und jeder Basis ist eine Taste zugeordnet. Klappt prima. Das Gefühl erinnert fatal an meine Jugend, als ich kiloweise Markstücke in diese Automaten geschmissen habe, nur dass der Bildschirm jetzt etwas kleiner und der Münzeinwurf an der iCade ein Fake ist. Aber sonst: ein super Spielgefühl, das da aufkommt! Und wenn der Kasten etwas größer wäre, könnte ich auch wie früher mein Bierglas oben drauf abstellen.

Jetzt besteht die Spielwelt ja nicht nur aus »Atari 2600«-Emulationen, also gilt es herauszufinden, welche anderen Spiele mit der iCade laufen. Der Hersteller hat dazu in den FAQs eine Liste versteckt. Ein paar dieser Spiele fanden sich zufällig auch meinem iPad. Neben Emulationen von älteren Computern wie dem C-64 oder dem Sinclair ZX 81 finden sich zum Beispiel auch Namcos Pac Man (iPad*, iPhone*) und Emerald Mine (iPad*, iPhone*) in der Liste. Und wer das Glück hatte, iMAME während des kurzen App-Store-Gastspiels zu ergattern (die Emulation flog ja nach ganz kurzer Zeit wieder aus dem Store), der kann sich über originale Spielhallenkracher im passenden Ambiente freuen.

Aber neben den alten Recken gibt es auch einige neu programmierte Spiele, die mit der iCade funktionieren, wie zum Beispiel das Retrospiel Super Mega Worm (iPad*, iPhone*). Dieses Spiel türmt dann gleich die nächste Hürde auf, es läuft nämlich im sogenannten Landscapemodus, das heißt im Querformat. Und das iPad passt nun mal nur hochkant in die iCade. Aber auch da haben die Erbauer mitgedacht: eine kleine Nut lässt uns das Pad quer hinstellen. Das sieht zwar nicht ganz so supercool aus wie das in die iCade eingebaute Pad, erfüllt aber durchaus seinen Zweck. Auch hier klappt die Steuerung recht gut, auch wenn der Unterschied nicht ganz so riesig wie bei den Atari-Veteranen ist, denn schließlich ist dieses Spiel auch schon für Finger-Touch-Bedienung gebaut worden. Aber wenn Ihr mich fragt: ein ordentlicher Joystick ist durch nichts zu ersetzen.

Mission erfüllt

iCade ist ein typisches Gadget: eigentlich völlig überflüssig, aber wenn man es erst mal hat, dann fragt man sich wie man bisher ohne leben konnte. Diese Aussage stimmt natürlich nur bedingt, denn die Spielauswahl ist doch extrem Retro-lastig. Ein Großteil der kompatiblen Spiele entfallen eben auf den »Atari 2600«-Emulator, der immerhin 100 Games bietet, wenn man alle angebotenen Pakete dazukauft. Zwar hat Hersteller ion ein Software Developer Kit (SDK) zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe Apps leicht für die Steuerung der iCade angepasst werden können, aber es muss halt trotzdem gemacht werden. Dabei könnten gerade die klassischen Spielprinzipien wie Jump ‘n’ Run oder Top-Down-Shooter enorm von der Steuerung profitieren. Ein absoluter Traum wären natürlich Streetfighter von CAPCOM* und Konsorten an diesem Teil. Bleibt zu hoffen, dass dieses feine Stück Gamerhardware noch etwas mehr Unterstützung erfährt.

Wenn man auf die klassischen Spiel steht, dann ist die nicht gerade günstige iCade auch jetzt schon durchaus ihr Geld wert, eben auch weil sie relativ hochwertig gearbeitet ist. Uns wurde das gute Stück nur für ein paar Wochen zum Testen überlassen, so dass ich es anschließend zurücksenden musste. Das tat ich mit einem leichten Abschiedsschmerz und der Überlegung, mir demnächst so ein Teil zu kaufen.

Hersteller iON Audio bietet neben der hier vorgestellten iCade auch noch eine Version für das iPhone an, die iCade Jr. und hat auf der CES zwei neue Modelle vorgestellt (unser Bericht). All diese Modelle sind auf der Herstellerseite im Netz zu bewundern.

Die iCade gibt es zum Beispiel bei Amzon*.

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