Amnesia: The Dark Descent

„Nicht vergessen… einige Dinge dürfen nicht vergessen werden.“

…mit diesem Satz taucht der Spieler in die Welt von Amnesia ein. Ahnungslos, verloren und wie auf Schlafdrogen torkelt Daniel, der Protagonist, durch dunkle Gänge einer Burg und versucht mit aller Mühe nicht zu vergessen, wenigsten nicht seinen Namen. Da der Spieler mit den Augen von Daniel sieht, fühlt man sich in kürzester Zeit in ihn hineinversetzt. Die Blick bleibt nie starr und gerade, dieser schwankt verstörend und wie in einer Zeitlupe hin und her. Die Dunkelheit wird nicht weniger. Man hört ein Gewitter irgendwo hinter den Mauern. Die Kraft lässt nach und zwingt Daniel in die Knie bis dieser in Ohnmacht fällt. Ab jetzt übernimmt der ahnungslose Spieler und der Angstpegel beginnt sich langsam zu füllen.

Die Dunkelheit – Schutz oder Verderben?

Durch das Gewitter und den Regen, der durch das Loch in der Steindecke rein tropft, werde ich geweckt. Das Licht, das durch die großen Fenster eintritt, ist diffus, unwirklich und scheint von der umgebenen Dunkelheit verschlungen zu werden. Und nun steh ich da, irgendwo in einer Burg umgeben von feuchten Mauern, die hier und da in sich eingestürzt sind. Licht ist Mangelware, und nichts ist vorhanden, was eine Sicherheit vermittelt. Ich finde eine Zunderbüchse und kann damit eins der vielen ausgelöschten Kerzen anzünden. Etwas Licht, etwas Sicherheit verteilt auf wenige Quadratmeter. Doch die Zunderbüchse ist damit aufgebraucht. Später finde ich noch andere von der Sorte. Doch ich versuche sparsam damit umzugehen und wähle lieber den Weg durch dunkle Räume, bevor mir die Dinger für wirkliche Notfälle ausgehen könnten. Ich bin hin und her gerissen, ob ich vielleicht das Licht sogar meiden sollte, schließlich kann die Dunkelheit vielleicht auch einen Schutz bieten vor etwas schrecklicherem. Das Gefühl der Unsicherheit ist allgegenwärtig und jeder neue Gang, jede Tür verheißt nichts gutes. Ob jetzt die Angst oder die Neugier mich voran treibt, weiss ich nicht. Ich muss weiter …

Bin ich verrückt?

Das waren nur wenige Minuten, und ich fühle mich wie vom Spiel verschluckt. Besonders nach dem Aufwachen und den ersten Schritten ist es erstaunlich, wie sehr schon die Gangart, die sehr schwerfällig und unsicher ist, sich herrlich verstörend auf das Spielerlebnis auswirkt. Da man Daniel nie zu Gesicht bekommt, vergisst man ihn nach einiger Zeit und identifiziert sich schnell mit dem Protagonisten. Allein die Ego-Perspektive und der Blick von ihm aus, lässt sofort auf das körperliche Befinden schließen. Man wird langsamer, stolpert, fällt auf den Boden oder zittert merkbar. So sollte man sich dringend hüten vor Schlägen oder tiefen Schluchten… denn das Ende des Spiels kann schneller kommen, als man denkt, und eine Lebensleiste sucht man vergebens. Doch neben der körperlichen Unversehrtheit ist auch der geistige Zustand der Spielfigur wichtig. Passiert ein schockierendes Ereignis, oder ist man zu lange der Dunkelheit ausgesetzt, so wirkt sich das psychosomatisch ebenfalls auf den körperlichen Zustand aus. Man wird allein aus Angst schon viel langsamer, kriecht schlimmstenfalls nur noch, der Blick wird sehr verschwommen, und die Reaktion ist dann stark verzögert. Dem kann man nur Abhilfe schaffen, indem man versucht, solche Ereignisse zu meiden, das Licht aufzusuchen, oder Rätsel zu lösen, um weiter zu kommen. Die Erfolgserlebnisse wirken hier positiv und lassen den Charakter sich beruhigen und klarer sehen. Im Inventarmenü, wo man ab und an wichtige Sachen für später sammelt, kann man den geistigen oder körperlichen Zustand anhand eines dargestellten Gehirns bzw. Herzens ablesen. Das kann man sich aber auch sparen, denn man merkt den Zustand auch so deutlich genug.

Wehrlosigkeit ist Dein Begleiter

Man könnte meinen, in dieser Atmosphäre müsste jetzt an irgendeiner Wand ein Gewehr hängen oder ein lockeres rostiges Rohr rausstecken, das man dann als Waffe gegen irgendetwas einsetzen kann. Die Hoffnung stirbt aber früh, man ist vollkommen wehrlos. So steigt der Puls gern mal an, wenn in einer scheinbar verlassenen Burg der Kronleuchter beginnt zu schaukeln, eine Tür sich durch einen Windstoß aufreißt (ohne das ein Fenster in der Nähe ist), oder das Licht in einem Raum abrupt ausgeht. Wer jetzt denkt, das Spiel ist lediglich eine Geisterbahn, wo nur erschreckt wird, aber einem nichts passieren kann, der täuscht sich gewaltig. Aber da will ich lieber nicht zu viel verraten. Es sei nur soviel gesagt, man sollte sich durchaus um sein Überleben kümmern, sich versteckt halten oder einfach nur wegrennen und sich in eine Ecke verkriechen. Auch wenn das bei einem Geräusch, das sich am Ende als Nichts entpuppt hat, unnötig war. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und das lernt der Spieler früh genug!

Interaktionen

Die Welt, durch die man sich bewegt, ist hier nicht statisch. Man kann zum Beispiel eine Wand aus Kisten stapeln, hinter der man sich verstecken könnte. Irgendwas drehen, verschieben, Schubladen aufziehen, Schränke aufmachen, oder man nimmt ein Glas und wirft es irgendwohin, um vielleicht für Ablenkung zu sorgen. Mit sehr vielen Objekten und der Umgebung kann man so direkt interagieren. Wer schon die Penumbra-Spiele erlebt hat, die übrigens vom gleichen Entwickler sind, wird wissen was ich meine. Die Physik-Engine ist hier sehr gut implementiert. Leider ist nicht alles 100% „berührbar“, manches ist statisch wie zum Beispiel manche Bücher in einem Regal oder ein Vorhang hinter dem ein Bild hängt. Schade eigentlich, doch der wichtige und entscheidende Teil, vor allem für Aufgaben ist interaktiv. Ausserdem bleibt einem kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, dass man das eine Buch nicht aus dem Regal nehmen kann, wenn man sich gerade verfolgt fühlt.

Wieso? Warum?

Doch um was geht es nun eigentlich in Amnesia? Die ganze Räume, Gänge und Hallen der Burg, die man besucht, erzählen eine eigene Geschichte. Bücher oder Notizen geben kleine Puzzleteile frei, die nur sehr langsam ein verschwommenes Bild ergeben, was das alles eigentlich soll. Untermalt ist alles ab und zu durch kleinere Rätsel, die selten eine Herausforderung an sich darstellen, es wohl aber verlangen, irgendwohin gehen zu müssen, wo man lieber nicht wäre. Ich würde sagen, neben der sehr verworrenen Geschichte hinter dem Protagonisten Daniel ist das Spiel vor allem ein Erlebnis der besonderen Artfür Entdecker. Um so tiefer man in das Spiel eintaucht, um so mehr erkennt man seine Grenzen der Angst. Und ich glaube, das ist der tiefere Sinn des Spiels.
Ich empfehle dabei dringend, das Spiel nir in einem Raum zu spielen, in dem man allein ist, ohne Licht (ausser vom Mac natürlich) und man seine Ruhe haben kann. Dann nehme man gute Kopfhörer und passe die Gamma-Einstellung im Spiel korrekt an. Sound aufdrehen und die Abgründe seiner Angst kennenlernen. Ich habe das Spiel noch nie tagsüber gespielt und will es auch nicht. Das würde dieses besondere Horror-Feeling nur verderben. Und wer mir sagt, dass er sich bei Amnesia gelangweilt hat, der hat eindeutig nicht nach meiner Anleitung gespielt. 😉

Fazit:

Ich empfehle Amnesia: The Dark Descent dringend für alle Fans des Horror-Gernes. Die Entwickler haben es meisterhaft geschafft, dass man sich im Laufe des Spiels nicht an den Angstlevel gewöhnt. Alles scheint immer intensiver, unvorhersehbarer zu werden und ist wirklich nichts für schwache Nerven. Selbst ich, der von Silent Hill über Resident Evil bis hin zu Siren jedes Horrorgame nach Möglichkeit spielt, habe nach ein paar Stunden tatsächlich Angst davor bekommen weiterzuspielen. Erst nach ein paar Tagen Ruhe konnte ich genug Mut aufbringen, um das Spiel zu starten, um es panisch nach 10 Minuten zu beenden. Hierbei empfehle ich noch mal, das Spiel nur im ruhigen, dunklen Raum und mit Kopfhörern zu spielen, um sich in einen richtigen Adrenalinschub versetzen zu lassen. Besser als jede Achterbahn.

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Systemanforderungen

Mindestvoraussetzung
Mac OS X 10.5.8, Intel Prozessor 2,0 Ghz, 1 GB RAM, 2 GB Festplattenspeicher
Grafikkarten: Radeon 9600/GeForce 4 (GeForce4MX wird nicht unterstützt)

sonstige Informationen
Sprache: englisch, französisch, deutsch, italienisch, spanisch
Sprache Handbuch: –

Jugendschutz
USK: keine Angaben
PEGI: –

Entwickler: Frictional Games
Herausgeber: Frictional Games

In-Game Video zu Amnesia

Bezugsquellen

Amnesia: The Dark Descent ist auf Steam für 14,99€ erhältlich. Glücklicherweise gibt es auch dort eine kostenlose Mac-Demo die sehr gut einen Eindruck vom ganzen Spiel vermittelt.

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