Call of Duty: United Offensive

Es ist soweit, mit „Call of Duty: United Offensive“ ziehen nun auch die deutschen Call-of-Duty-Spieler erneut ins Feld, um den Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu beeinflussen. Das Originalspiel überzeugte durch fesselnde Missionen und rasante Action, gepaart mit einer sehr authentischen Umsetzung. Das Add-on verspricht viele neue Waffen und Fahrzeuge, sowie natürlich eine spannende Mission nach der anderen.

Während der ersten drei Missionen kämpfe ich mich auf Seiten der Amerikaner in Richtung Osten vor. Was als harmloser Aufklärungsautrag beginnt, entwickelt sich zu einer Offensive der Deutschen. Diese versuchen mit allen Mitteln das Vorankommen der US-Truppen zu verhindern, ein Stützpunkt von ihnen ist die belgische Stadt Foy, die ich mit einer Handvoll Männer einnehmen soll. In einer kurzen Zwischenmission nehme ich in einem britischen Bomber Platz und muss mich gegen wahre Massen von Messerschmitts behaupten, nur um letztendlich dann doch abzustürzen. Hinter den feindlichen Linien treffe ich zum Glück auf die französische Resistance, und gemeinsam sprengen wir eine Bahnstrecke, über die die Deutschen ihren Nachschub erhalten. Nach der Landung in der Normandie bereite ich auch die Landung der Alliierten auf Sizilien vor und muss vor den eigentlichen Truppen als Mitglied der SAS-Spezialeinheit die Schiffsgeschütze der Wehrmacht dort ausschalten. Nur mit knapper Not entkomme ich danach dem Feind und muss mit einem Patrouillenboot fliehen. In der letzten Mission spiele ich dann wieder auf sowjetischer Seite und muss mühsam mein eigens Territorium zurückerobern. Es wird also wieder einiges geboten, sowohl zahlreiche Massenschlachten, als auch geheime Missionen hinter den feindlichen Linien.

Allerdings scheinen mir die Missionen im Gegensatz zum Originalspiel kaum aufeinander abgestimmt, ich springe von Schauplatz zu Schauplatz, ohne dass eine wirkliche Geschichte dahinter erkennbar ist. Einige alt bekannte Gesichter wie Seargent Moody oder Kommissar Antonov tauchen zwar wieder auf, aber die zwei oder drei Missionen, in denen man mit ihnen zusammen spielt, sind nicht mehr Teil eines großen Ganzen.

Während man im Originalspiel eine richtige Story hat, mit dem letztendlichen Ziel, in Berlin einzumarschieren, ist „United Offensive“ eigentlich nur noch ein reiner Ego-Shooter. Die Deutschen werden in gigantischen Massen in jeder Mission regelrecht verheizt, auf beiden Seiten gibt es keine Taktik mehr, es geht schlicht und ergreifend nur noch um das massenweise Abschießen von feindlichen Soldaten. Nicht ohne Grund ist „Call of Duty“ und das Add-on erst ab 18 Jahren freigegeben, dennoch sehe ich einen eklatanten Unterschied zwischen den beiden Kampagnen.

Die dreizehn Missionen sind dieses Mal auch schwerer geraten als im Originalspiel, oft sind die Missionsziele nur ungenau. Neben einem sterben Kameraden reihenweise, Kugeln pfeifen über den Kopf hinweg und die Ziele lauten einfach nur „Schalten sie die Gegenwehr aus“, keiner weiß, was gemeint ist und die ohnehin knappe Gesundheit ist bei null, sobald ich nur um die Ecke schaue. Auch die Munition ging mir des öfteren aus, was kein größeres Problem darstellt, aber im ersten Teil kam so etwas eigentlich nicht vor. Etwas schwerwiegender ist da, dass man mit den einfachsten Gewehren Scharfschütze spielen soll und mit bloßem Auge Gegner gezielt ausschalten soll, ein echtes Scharfschützengewehr hätte so manche Mission erleichtert.

Extrem negativ sind mir aber die Stellen aufgefallen, an denen man seinen Vorgesetzten schützen soll und dieser blindlings durchs Feuer rennt. Mit knapper Gesundheit und wenig Munition wird dies zu einer endlosen Speichern- und Ladeorgie, bei der nicht Können, sondern Zufall entscheidet ob man stirbt, ob er stirbt oder ob beide heile durchkommen. Beschönigend kann man die Missionen „herausfordernd“ nennen, in Wahrheit jedoch handelt es sich um den vermutlich einzigen Weg, die Spielzeit der EInzelspieler-Kampagne auf etwas über fünf kurze Stunden zu drücken.

Es gibt drei neue Mehrspieler-Modi, darunter auch das bekannte „Capture the flag“. Die beiden anderen sind aber die interessanteren, bei „Herrschaft“ müssen beide Teams fünf bis sieben Zonen erobern, die durch Flaggen gekennzeichnet sind. Wer zuerst alle Zonen erobert hat, hat gewonnen. Bei „Basisangriff“ muss jedes Team drei feindliche Basen zerstören, an der das andere Team wiederbelebt wird. Sind alle Basen verloren, kann der Gegner keinen Nachschub mehr erhalten. Auf den neuen Karten kann man dann auch die Fahrzeuge steuern, unter anderem Panzer und Jeeps, die Steuerung von selbigen ist aber mehr als missraten. Das Zielen wird durch die schwammige Steuerung zur Qual, und im Panzer hat man das Gefühl, ein Wattebällchen zu steuern.

Große Auswahl konnte ich bei den Servern auch nicht entdecken, meist wurden zwischen 100 und 150 aufgelistet. Habe ich dann doch nach langem Suchen einen Server meines Geschmacks gefunden, spiele ich mit einigen „Unkown Soldiern“ und Spielern, die sich schon mit Namen wie „Adolf“ und „Wehrmacht“ charakterisieren. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass ein Team die Macht an sich reißt und die anderen zehn Minuten lang Synchronsterben üben. Ein weiteres Problem ist, dass mich Punkbuster, das Anti-Cheat-Tool für einige Quake-3-basierte Spiele, wegen eines Versionskonfliktes von der Hälfte der Server kickt.

In grafischer Hinsicht hat sich zum Vorgänger nichts getan, vielleicht explodiert jetzt noch ein wenig mehr und es laufen noch mehr Soldaten herum. Von den Modellen und Texturen gibt es aber keine Änderungen zu berichten. Eine Verbesserung war ja auch nicht wirklich nötig, da „Call of Duty“ schon verdammt gut aussieht. Das Add-on knüpft nahtlos an das Original an, vor lauter Kugeln, Explosionen kommt man gar nicht dazu, all die schönen Details zu beachten. Gerade die Settings zu Beginn des Spiels in den verschneiten Wäldern und Städten wissen zu gefallen.

Auch beim Sound gibt es keine großen Veränderungen. Wie beim Original wurde eine sehr authentische Kulisse geschaffen. Wenn ich über ein Feld spurte und hinter mir nur die Granaten einschlagen höre, wird mir ganz mulmig. Schön auch, dass alle Teamkollegen mal etwas zu sagen haben, sei es bei der Missionsbesprechung oder während des Kampfes. Hier passiert es jetzt nämlich auch mal, dass ein Soldat flucht oder das sie sich die Wartezeit auf einen Konvoi mit einer Unterhaltung verkürzen.

Keinesfalls wollen wir ein paar Fehler vergessen, die der Version 1.41 anhaften. Bei mir stürzte Das Spiel immer am Ende der Mission „Foy“ ab. Bei anderen Spielern machte vor allem die Mission mit dem B-17 Bomber Probleme, wobei man sich nur mit Cheats über diese Stelle hinweg helfen kann. Zum Glück gibt es mittlerweile auch einen Patch für die deutsche Version, die oben genannte Fehler behebt. Herunterladen kann man das rund 330 MB große Archiv unter diesem Link.

Fazit:

„United Offensive“ kann das Niveau von „Call of Duty“ nicht halten. Jemand sollte Entwickler Infinity Ward darauf hinweisen, dass der Spielspaß nicht mit der Anzahl der Gegner skaliert. Die Spielzeit ist viel zu kurz, der knackige Schwierigkeitsgrad einiger Missionen verlängert das Vergnügen nur kurz. Die meisten Neuerungen hat sicherlich der Mehrspielermodus erhalten. Nur des Singleplayer-Modus wegen sollte man sich das Add-on nicht kaufen, aber gerade hier verderben einem die zahllosen Probleme den Spaß am Mehrspielermodus. Insgesamt also nur für Fans von „Call of Duty“ oder absolute WWII-Shooter Fans eine Empfehlung, der Rest spielt bitte weiterhin Battlefield 1942.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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