Die Sims 2 (Vorschau)

Das ausgeprägte Interesse am Leben anderer scheint vielen Menschen selbstverständlich, ja geradezu angeboren zu sein. Die Art und Weise, wie die Menschen diese Neugierde befriedigen ist unterschiedlich. Die einen setzen sich ins Cafe und beobachten das Getümmel in der Fußgängerzone, die anderen lugen verstohlen hinter der Gardine durch das Fenster auf die Straße oder spähen durch den Spion der Wohnungstür auf das lebhafte Treiben im Treppenhaus. Wieder andere verfallen den Daily Soaps. Und ganz spezielle Exemplare gehen noch einen Schritt weiter und spielen »Die Sims«.

Eigentlich könnte man »Die Sims« als die digitalste, interaktivste und erweiterungspakethaltigste Seifenoper, die die Welt je sah, bezeichnen. Die Alltagssimulation stellt den Spieler vor die Aufgabe, das Leben einer von ihm erschaffenen Spielfigur – genannt »Sim« – oder eines ganzen Sim-Clans möglichst erfolgreich und angenehm zu gestalten. Nach dem Erscheinen im Jahr 2000 entwickelte sich das Spiel auch auf dem Mac zu einem der ganz großen Hits. Obwohl unzählige Erweiterungspakte erschienen sind, waren die Möglichkeiten des Titels in einigen Bereichen noch immer zu beschränkt, um wirklich das Gefühl einer Alltagssimulation aufkommen zu lassen. Hier verspricht der Nachfolger, Abhilfe zu schaffen. Für Windows-PC ist er bereits erschienen und hört auf den Namen »Die Sims 2«, die Mac-Version dieses Titels ist offiziell angekündigt und soll im Mai 2005 erscheinen. Deswegen sehen wir uns genötigt, einen Blick über den Mac-Tellerrand auf den Nachfolger zum seinerzeit innovativ/revolutionären Vorgänger zu werfen.

Was also bietet der Nachfolger, was der Vorgänger noch nicht bot? Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: der Optik. Dank einer modernen 3D-Engine sind die Sims aus der festen, isometrischen Perspektive des Vorgängers befreit und präsentieren sich nun in mehrfach gefilterten, frei wählbaren Kameraperspektiven. Hochauflösende, detailreiche Texturen sorgen für ein realistisch anmutendes Ambiente. Auch an den Animationen der Sims wurde gefeilt, die virtuellen Menschen bewegen sich geschmeidig über den Bildschirm und entzücken den Spieler mit ausdrucksstarker Gestik.

Fortschritte hat auch der Sound gemacht, die Sprache der Sims klingt nun tatsächlich nach einer solchen, und dank der gelungenen Betonung lässt sich für uns sehr gut nachvollziehen, ob ein Gespräch einen positiven oder negativen Verlauf nimmt. Detailverliebt auch die Medienwelt der Sims: aus den Stereoanlagen und Radios ertönen dutzende Tracks unterschiedlichster Stilrichtungen, die sogar für unsere Lauscher Ohrwurmcharakter haben.

Auch unter der Oberfläche hat sich vieles getan. Bereits ganz zu Beginn des Spiels wird das Plus an Details und Entscheidungsmöglichkeiten deutlich: Beim Erschaffen eines neuen Sims haben wir nun fast völlig freie Hand. Eine erschlagende Auswahl an Klamotten wartet darauf, von uns durchforstet und an den soeben erschaffenen Körper des neuen Sims gebracht zu werden. In der Gestaltung dieses Körpers haben wir in »Die Sims 2« ungleich größere Möglichkeiten als beim Vorgänger. Haar- und Augenfarbe sind nach unserem Gusto bestimmbar, auch bei der Gestaltung der Gesichtszüge dürfen wir unsere schöpferische Hand ins Spiel bringen. Zu guter Letzt dürfen wir noch die Charaktereigenschaften des neuen Sims festlegen, indem wir ihm ein Sternzeichen zuweisen und sein Lebensziel – wie zum Beispiel Reichtum, Familie, Ruhm etc. – definieren. Vor Spielstart können wir bis zu acht verschiedene Sims zu einer Familie zusammenfassen und deren Verwandtschaftsverhältnisse bestimmen.

Wenn wir der Meinung sind, die ideale Familie zusammengestellt zu haben, schicken wir die Truppe mit 20.000 Simoleons Startkapital in den Ernst des virtuellen Lebens. Zur Wahl stehen drei vorgefertigte Siedlungen, in denen bereits gesellschaftliche Szenarios unterschiedlicher und teils recht bizarrer Coleur vorgezeichnet sind. In »Merkwürdighausen« lebt zum Beispiel eine Studenten-WG, die ein Alienbaby großzieht – nachbarschaftliche Konflikte sind sozusagen vorprogrammiert.

Wer nicht in eine der vorgefertigten Siedlungen einziehen möchte, darf sich aus vierzehn Topografien eine aussuchen, auf der die Wunschsiedlung errichtet wird. Bis zu drei Stockwerke hoch dürfen dabei die Häuser in den Himmel ragen. Die Größe der Grundstücke darf unterschiedlich ausfallen, erwähnenswert auch, dass eine Sim-Familie mehrere Grundstücke besitzen darf. Die hübschen Häuser dürfen mit über fünfhundert Einrichtungsgegenständen ausgestattet werden. Das Spiel ist des Weiteren mit »Sim City 4« kompatibel, so dass Städteszenarios einfach in »Die Sims 2« übertragen werden können.

Neue Akzente im Spielverlauf setzt das Wunsch-/Ängstesystem, aus dem sich ein Stimmungswert errechnet. Neben den grundsätzlichen Bedürfnissen der Sims – Hunger, Schlafen, sich Wohlfühlen, Freunde haben etc. – haben die Sims auch teils kostspielige Extrawünsche, ihren jeweiligen Hobbys, Alter und Charaktereigenschaften entsprechend. Je nachdem wie gut wir der Befriedigung dieser Extrawünsche und Grundbedürfnisse nachkommen, steigt oder fällt der Launewert unserer virtuellen Bewohner. Schützen wir unsere Sims nicht vor der Konfrontation mit ihren Urängsten, fällt ihr Launewert teilweise so tief, dass sie in eine Depression verfallen und völlig aphatisch in der Gegend herumhocken. Die Befriedigung der Wünsche bzw. das Vermeiden von Angstsituationen gibt dem Spiel viel konkretere Spielziele als dies noch beim Vorgänger der Fall war.

Wichtig für das Wohlbefinden eines Sims und auch für dessen finanzielle Situation ist sein beruflicher Erfolg. Auf den können wir als Spieler jedoch nur indirekten Einfluss nehmen, indem wir zum Beispiel dafür sorgen, dass unser Sim ausgeruht und mit einem guten Frühstück im Magen den Dienst antritt.

Die sozialen Interaktionsmöglichkeiten sind in »Die Sims 2« komplexer geworden. Gespräche können differenzierter geführt werden. Je besser man seine Gesprächspartner kennt, desto mehr Freiheiten darf man sich im Umgang auch herausnehmen. Wie gut oder schlecht die Sims miteinander auskommen, bestimmen ihre Interessen. Wer sich intensiv miteinander über z. B. Astronomie unterhalten kann, findet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bald sympathisch und schließt gerne Freundschaft. Wenn wir unseren Sim zum häufigen Lesen der Tageszeitung nötigen, sammelt er ein breites Wissen in bis zu 18 Themenbereichen und steigert damit seine Chancen, sich mit anderen Sims anzufreunden.

Besonders tiefe Freundschaft zwischen Sims unterschiedlichen Geschlechts, gepaart mit dem nötigen Maß sexueller Energie, lässt Pärchen zusammenfinden. Wenn man die ins Bettchen schickt, passieren wundervolle Dinge. Und wenn man Glück hat, darf sich das Paar schon bald über ein Baby freuen. Der Nachwuchs vereint, dank des neuen Gen-Systems des Spiels, Aussehen und Charaktereigenschaften der beiden Elternteile. Während die Eltern ihrerseits in die letzte von fünf Entwicklungsstufen, das Rentneralter hineinaltern, wächst der Nachwuchs über drei Entwicklungsstufen zu einem Erwachsenen heran. Jede Alters- bzw. Entwicklungsstufe bringt unterschiedliche Wünsche und Ängste des Sims mit sich, auf die wir uns als Spieler einstellen müssen. Besonders erfolgreiche Sims dürfen ihr Leben im Greisenalter bis zu fünf Mal verlängern, danach ist aber endgültig Schluss. Wenn die »Ur-Sims« verstorben sind, bedeutet das keinesfalls das Ende des Spiels – man spielt einfach mit den Nachkommen weiter. Und hat man auf die keine Lust mehr, bleiben sie dennoch als Familie in der Siedlung erhalten, so man sich entschließt, mit einer neuen Familie sein Glück zu versuchen.

Auch die künstliche Intelligenz der Sims würde gehörig verbessert. Für den Spieler hat das vor allem den Vorteil, dass er seinen Sims nicht mehr bei den simpelsten Alltagsproblemen unter die Arme greifen muss. Wenn ein Sim zum Beispiel müde ist, findet er sein Bett in »Die Sims 2« im Regelfall selbst. Selbiges gilt auch für die Toilette, zu der ein bedürftiger Sim im Vorgänger noch hinnavigiert werden musste. Die verbesserte KI hilft den Sims außerdem dabei, sich untereinander besser kennen zu lernen, die Stärken, Schwächen, Begehren und auch die Ängste der anderen Sims einschätzen und darauf reagieren zu können.

Klingt alles zu schön um wahr zu sein? Stimmt. Denn wie so vieles im Leben, hat auch »Die Sims 2« einen Haken: seinen gewaltigen Hardwarehunger. Auf PC-Seite sollten für das Spielen in voller Pracht eine 3-GHz-CPU, 1 GB Ram und eine fette Grafikkarte im Rechner stecken. Es bleibt abzuwarten, wie die Systemanforderungen der Mac-Version ausfallen werden. Als Minimum gibt Aspyr Media, das die Portierung durchführt, mit einem mit 1 Ghz getakteten G4 und einer Radeon 8500 und mindestens 32 MB VRAM sowie 256 MB Arbeitsspeicher noch relativ human anmutende, vorläufige Systemanforderungen an. Was von der Grafikpracht noch übrig bleiben darf, um auf solch einem System flüssig spielen zu können, wird sich noch zeigen müssen.

Fazit:

»Die Sims 2« erweitert das erfolgreiche Spielkonzept des Vorgängers um sinnvolle Details und Neuerungen, die dem Spielprinzip weiteren Tiefgang und Feinschliff verleihen. Alle, die einen entsprechend fetten Rechner besitzen, dürfen sich auf einen hübsch aussehenden, gut klingenden und ebenso interessanten wie facettenreichen Aufbau-Simulationstitel freuen, der nicht nur Fans der Seifenoper an den Rechner fesseln wird.

Christian Schramm

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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