epyx Deutschland Summer Games

Wie epyx® Deutschland California Games ist auch epyx® Deutschland Summer Games eine Reminiszenz an ein großes und für viele unvergessliches Spiel aus alten Tagen. Ob der Klassiker diesen Nachruf auch verdient hat, oder ob der gute Ruf wieder einmal mehr am Schleier der Verklärung liegt, können altgediente Spieleveteranen wie ich und natürlich auch ihr jetzt mit der Neuauflage herausfinden.

Ja damals!

Wie, euch sagt der Name Epyx nichts? Dann solltet ihr das schnellstens mit Hilfe unseres Tests von epyx® Deutschland California Games nachholen. Dort umreiße ich den Werdegang der legendären Spieleschmiede. Wenden wir uns hier lieber dem 1984 erschienenen Summer Games zu. Der Titel wurde damals für nahezu jede aktuelle Plattform wie dem C64 oder Apple II unter dem Label von Publisher U.S. Gold veröffentlicht. Dabei handelte es sich hier um einen glatten Frühstart. Denn als die Olympischen Spiele in Los Angeles nahten, griff man kurzerhand auf das Zehnkampf-Spiel Sweat! zurück, dessen Entwicklerstudio sich Epyx gerade einverleibt hatte, und brachte in nur sechsmonatiger Entwicklungszeit das passende Computerspiel auf den Markt. Wie damals üblich verlangte das Spiel zur Steuerung einen robusten Joystick was auch bei dieser Umsetzung bedacht werden sollte. Denn wie bei epyx® Deutschland California Games helfen Tastatur und Maus bei vielen Disziplinen nicht weiter. Das macht den Mehrspielermodus hier auch nur bedingt nutzbar. Denn wer hat heute tatsächlich noch 4 Joysticks im Haus? Das Original ließ übrigens bis zu 8 Spieler gleichzeitig ran. Kenner werden sich wahrscheinlich bei der Nennung der Disziplinen die Augen reiben. Denn Sportarten wie Radrennen kannte der Klassiker nicht. Des Rätsels Lösung: einige wurden erst mit der 1985 erschienenen Fortsetzung Summer Games II eingeführt und hier offenbar mit übernommen. Aber genug der Theorie. Werfen wir uns in den Sportanzug und ringen um olympische Ehren.

Radfahren
200 kurze und doch so lange Meter liegen vor dem Radfahrer und natürlich vor euch. Die Pedalbewegungen werden nicht durch simples Rütteln des Joysticks simuliert, sondern durch Kreisbewegungen im Uhrzeigersinn. Dabei gibt ein rotierender Pfeil die Pedalstellung und die Richtung der Bewegungen an. Das ist auch enorm wichtig, sofern ihr einmal den Rythmus verliert. Während das Wettrennen mit dem Joystick noch leidlich spannend abläuft, habt ihr mit der Maus fast keine Chance mehr. Dazu ist die Umsetzung auf die Pedale einfach zu träge weil eine saubere Kreisbahn mit Maus nicht gelingen will. Während die Grafik des gesamten Spiels besonders in der modernisierten Variante anspricht, befremdet hier die fehlende Geräuschkulisse. Lediglich der Startschuss ertönt.

Rudern
Mit hektischen Joystick- oder Mausbewegungen gewinnt man beim Rudern keinen Blumentopf. Statt dessen muss man den Controller oder die links/rechts Tasten ruhig und gleichmäßig bewegen. Nur so kommt man schnell und flüssig voran. Die Disziplin erstreckt sich auf 250 Meter Distanz. Hier liegen Tastatur und Joystick übrigens gleichauf. Mit beiden Varianten lässt sich das Spiel gut steuern.

Speerwerfen
Wer wirft den Speer am weitesten? Der virtuelle Sportler nimmt durch fortwährenden Druck auf die Feuertaste Anlauf, und wählt anschließend mit der Taste für die Linksbewegung den Anstellwinkel des Speers. Das geht mit dem Joystick intuitiv, verlangt bei der Maus aber etwas Training. Erstmals ist die Stadionkulisse zu hören wobei das Sample für den Stadionsprecher exakt dem einen Sample von epyx® Deutschland California Games entspricht.

Dreisprung
Mittels 3 Sprüngen müsst ihr nach einem kurzen Anlauf im Sand landen. Von der Steuerung ist diese Disziplin wohl am Besten gelungen, denn wo anfangs noch hemmungsloses Gerüttle des Joysticks gefragt ist, werden bei den Sprüngen plötzlich sehr präzise Steuerungsbewegungen vom Spieler verlangt, was in einem angenehmen Kontrast steht. Auch fallen hier die für damalige Verhältnisse geschmeidigen Bewegungen des Sportlers auf.

Weitsprung
Hier verhält es sich ähnlich wie beim Dreisprung. Die Steuerung folgt dem gleichen Prinzip wobei der Weitsprung wesentlich einfacher von der Hand geht. Auch die Soundkulisse hält neben dem Stadionsound und dem immer gleichen Stadionsprechersample wieder ein Buhkonzert parat, falls der Sprung misslingt.

100m Sprint
Der 100m Sprint ist eine Disziplin aus dem ersten Summer Games. Mittels möglichst zügigem Rütteln des Joysticks nimmt der Läufer “die Beine in die Hand”, und muss die 100 Meter möglichst als erster ablaufen. Natürlich kann solch eine Steuerung nur unbefriedigend auf Maus oder Tastatur übertragen werden was die Nutzung eines Joysticks zum absoluten Muss macht. Wer solch ein Teil nicht sein eigen nennt, kann die Disziplin getrost vergessen.

Hochsprung
Wer hoch hinaus will, ist hier genau richtig. Mittels Feuerknopf und der Taste für Bewegung nach oben springt der Athlet über die zuvor höhenverstellbare Latte. Zwar ist das Spiel prima mittels Maus und Tastatur zu steuern, verlangt aber dennoch einiges an Übung. Auffällig sind hier die Grafikfehler im überarbeiteten Grafikmodus (siehe Bild). So flackerte das Bild bei mir oft, und ließ manchmal sogar nur den Sportler übrig.

Schwimmen
Auch beim Schwimmen sollte man den Joystick nicht vergessen denn auch hier kommt es auf Geschwindigkeit an. Zwar verlangt das Spiel keine Rüttelbewegungen, dafür muss der Spieler in möglichst schneller Abfolge die beiden Feuerknöpfe betätigen. Das geht vor allem mit der Maus einigermaßen gut von der Hand. Wer aber nach Gold ringt, hat mit dieser Steuerung das Nachsehen. Jeweils 4 Schwimmer versuchen eine Medaille zu erringen und wie bei allen andern Sportarten auch bekommt jeder Mitspieler einen eigenen Split Screen. Auffällig sind bei dieser Sportart die ungelenken Bewegungen der Schwimmer und die mäßige Grafik. Dennoch ist der Schwierigkeitsgrad hier am ausgewogensten.

Hammerwerfen
Beim Hammerwerfen gilt es durch möglichst gleichmäßige aber flotte Drehungen des Joysticks bzw. der Pfeiltasten den Sportler so in Schwung zu bringen, dass dieser im richtigen Moment den Hammer (Kugel mit Kette) ins Feld schleudern kann und dabei eine möglichst große Distanz überwindet. Was bereits mit dem Joystick eine echte Herausforderung ist, gelingt mit Maus und Tastatur überhaupt nicht. Zudem ärgern die extrem abgehackten Bewegungen des Sportlers.

Bogenschießen
Die letzte Disziplin ist die einzige Sportart, bei der Maus und Tastatur im Vorteil sind. Das Zielen wird mit links- und Rechtssteuerung vollzogen. Dabei fällt das Zielen ja nach Windstärke mehr oder weniger schwer. Mittels Feuertaste spannen wir den Bogen und lassen im richtigen Moment wieder los. Das klingt einfacher als es ist und verlangt eine Menge Geduld. Habt ihr aber den Dreh erst einmal raus, motiviert die Sportart besonders im Multiplayermodus ungemein.

Fazit

epyx® Deutschland Summer Games wird älteren Jahrgängen beim Spielen manche Nostalgieträne entlocken, zumal die Spielsammlung hier wesentlich besser geglückt ist, als bei epyx® Deutschland California Games. Dennoch fehlt auch hier an vielen Stellen der letzte Schliff zum vollkommenen Glück. Beispielsweise vermisse ich Disziplinen wie Kajak oder Fechten. Warum man nicht gleich alle Disziplinen übernommen hat, will mir einfach nicht in den Kopf. Ebenfalls nerven viele kleine Fehler. Sei es die stellenweise extrem framearme Grafik oder der Umstand, dass meine Joystickeinstellungen beim nächsten Neustart einfach wieder vergessen sind, oder dass die Maus in den Menüs nicht tut, was ich von ihr will. Wer über solche Schwächen hinweg sehen kann, dass Original nicht mehr zuhause hat, einen Joystick besitzt und mal wieder in alte Zeiten abtauchen will, ist hier genau richtig. Alle andern finden bei der fast unüberschaubaren Flut an Browser-Retro-Games allerdings besseres.

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Systemanforderungen

Mindestvoraussetzung
Mac OS X 10.3.9, 1.5 GHz PowerPC oder Intel CPU, 256 MB RAM
ATI Radeon 9600, Nvidia 7300, Intel GMA 950 oder besser

Testsystem
iMac 27″, 2,8 GHz Intel Core i7, 8 GB RAM, Mac OS X 10.6.5, ATI Radeon HD 4850 mit 512 MB VRAM

sonstige Informationen
Sprache: Deutsch
Sprache Handbuch: nicht vorhanden

Jugendschutz
USK: freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG.
PEGI: keine Angaben

Entwickler: Magnussoft
Mac-Version: Runesoft

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Application Systems Heidelberg zur Verfügung gestellt.

Bezugsquellen

epyx Deutschland Summer Games bei Amazon*
epyx Deutschland Summer Games bei Arktis*

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