Flying Circus

Erster Weltkrieg – Am Boden tobt der Grabenkrieg, und darüber duellieren sich die Ritter der Lüfte. Flying Circus ist benannt nach einem deutschen Geschwader, dessen Holzwanten mit knallbunten Stoffen bespannt waren. Die britischen Gegner waren derart „beeindruckt“, dass sie diesem Geschwader eben jenen Kosenamen gaben – ein Ausdruck, der sich bis heute unter anderem dank der famosen Comedy-Truppe Monty Python erhalten hat.

Überhaupt nicht Comedy ist das Spiel selbst. Der Pilot kann jede der beiden Seiten wählen – entweder bei den kaiserlichen Deutschen oder unter alliierter Flagge fliegen. Er bekommt entweder Missionen – Kontrollflug um den eigenen Stützpunkt, finde eine Brücke und flieg drunter durch, bekämpfe einen Anfänger etc. – oder er stürzt sich im Internet auf reale Gegner.

Erster Eindruck ist die Verpackung – eine simple Papppackung, beklebt (!) mit einem Tintenstrahl-Ausdruck (!!). Echte Handarbeit denke ich und starte das Spiel. Positiv ist, dass man keine hundert Seiten lange Handbücher studieren muss, um den Motor zu starten und aus dem Hangar zu rollen: Man befindet sich nach der Auswahl des Flugzeugs sofort an Bord seiner Maschine in einer definierbaren Höhe, eine andere Maschine direkt vor der Nase.

Negativ ist die doch recht klötzelige Grafik. Die Texturen des Bodens machen ebenfalls nur eine Zeitlang einen guten Eindruck, doch so ganz durchgängig schön ist sie nicht: Statt weicher Verläufe macht sich plötzlich eine hässliche, graubraune, hart vom Rest abgegrenzte Schneisen und Felder am Boden breit – die Schneise soll wohl die Frontlinie sein. Hier hätte der Autor des Spiels ruhig ein wenig weniger lieblos zeichnen können.

Nachdem ich ein paar Missionen geflogen bin – die übrigens nicht unbedingt wirklich Spaß machen, da sie zu einfach sind – bin ich ins Internet, und nach langem Suchen fand ich auch jemanden, der mich allerdings gnadenlos vom Himmel holte. Der war zu gut für mich.

Da ich eher der hinterhältige Typ bin und wenig Lust auf übsame Flugstunden habe, kam ich darauf, mal ein bisserl die Texturen meiner Maschine zu verändern und meinem Gegner damit das Finden des Ziels zu erschweren – Camouflage-Look im Ersten Weltkrieg!

Übrigens bedient sich das Spiel zwar der RAVE- bzw. bei Vorhandesein einer 3dfx-Voodoo-Karte der Glide-Funktionen, aber Effekte wie Rauch, Feuer, Explosionen etc. sehen doch recht erbärmlich aus. Auch hier hätte der Programmierer mehr Arbeit investieren können. Die miese Grafik ist wirklich ein Dämpfer für den Spielspaß. Die vorliegende Version macht eher den Eindruck, als sei dies ein erster Test, ob das Spiel überhaupt läuft (was es tut), bevor es das Alpha-Stadium erreicht. So etwas nennt sich „first playable“.

Während ich mir Texturen für mein Flugzeug anfertigte, fiel mir irgendwann auf, dass ich mittlerweile länger in Photoshop Texturen malte als ich insgesamt im Spiel verbracht hatte… Allerdings verbringst du längere Flüge tatsächlich in deinem Cockpit, denn eine Möglichkeit, einen Zeitraffer einzuschalten, gibt es nicht.

Wie bei einem Flugsimulator nicht anders zu erwarten, steuert es sich am besten mit einem Joystick. Dieser wird am iMac unter dem klassischen Mac OS ohne Probleme mittels InputSprocket erkannt – allerdings sind diese nicht sauber implementiert. Im InputSprocket-Konfigurationsfenster bleiben Symbole für die einzelnen Aktionen optisch nicht auf den Knöpfe – sie sind zwar angewählt, aber nicht sichtbar. Auch ansonsten ist Schrift oftmals nicht da, wo sie sein sollte.

Das Hauptmenü dient ebenfalls nicht gerade der Übersichtlichkeit, und auch das Feature, das eigene Missionen gestalten lässt, glänzt nicht vor lauter Bedienbarkeit.

Flying Circus setzt zwingend eine 3D-Beschleunigerkarte voraus. Ich habe allerdings schon grafisch bessere Flugsimulatoren gesehen, die völlig ohne 3D-Beschleunigung auskamen und auch die Effekte besser rüberbrachten – Falcon 4.0 etwa. Allerdings versprüht Flying Circus immerhin den Charme des Selbstgemachten. Wer also die Marmelade von Oma der Konfitüre aus dem Supermarkt vorzieht, der sollte mal einen vorsichtigen Blick auf die Screenshots werfen.

Fazit

Alles in allem sieht das Spiel noch reichlich unfertig aus und erinnert eher an eine stabile Entwicklerversion als an ein vollwertiges Spiel. Viel zu teuer.

Verfügbarkeit

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