Knightshift

Die Entwickler von Zuxxez haben ehrgeizige Ziele für „Knightshift“. Ein Echtzeit-Strategie-Aufbau-Part und ein Rollenspiel soll es sein. Das Spiel ist für den Mac angekündigt, für den PC gibt es schon eine Demo, und die habe ich mir angeschaut.

Erstaunlicherweise spielt sich der Strategieteil der Demo zu 85 % eher wie Diablo II ohne Inventory und fast ohne Gegenstände. Da versucht man als guter, edelmütiger, mutiger, immer zu einem Spaß aufgelegter Held, Prinz Siegfried, eine Ritterausrüstung zu finden um nicht nur Prinz zu sein, sondern auch so auszusehen, wie ein Prinz. Die Geschichte spielt sich über weite Strecken wie eine Parodie auf Rollenspiele bzw. die typischen Klassen aus Rollenspielen. Die Sprecher tragen ihre Texte oft mit unecht wirkenden Betonungen vor, so dass der Parodieeffekt noch verstärkt wird. Der weise Thaddeus ist beispielsweise vor lauter röcheln kaum zu verstehen und außerdem spricht er so langsam, dass man sich eine Taste zum Vorspulen wünscht… Nur im letzten Viertel der Demo ist man mit mehreren Soldaten als Begleitschutz unterwegs und darf dann in den letzten Minuten auch noch eine Siedlung ausbauen. Die Teilmissionen sind durchweg interessant und abwechslungsreich gestaltet. Man muss sich mit Wölfen und Bären in der Wildnis prügeln, verlaufene Kinder finden, Kühe eskortieren oder sich durch Tempel und Grüfte kämpfen. Wenn die Missionen in der Vollversion genauso unterschiedlich ausfallen, hat das Missionsdesign schon einmal einen Hit verdient. Allerdings bleibt der Strategiepart der Demoversion mit seinen begrenzten Möglichkeiten zumindest in der Demo weit hinter anderen Genrevertretern wie Warcraft III oder Heroes of Might and Magic zurück. So gibt es nur einen Rohstoff, nämlich Milch, der für alle Bauvorhaben und die Soldatenproduktion nötig ist. Außerdem lernt man in der Demo noch vier Gebäudetypen kennen, das war’s. Gelesen habe ich auch von „witzigen“ Einheiten, wie den Schwiegermüttern, die faule Arbeiter mit dem Nudelholz zu mehr Effektivität verhelfen…

Die Rollenspieler erwartet ein anderes Vergnügen… Mit einer von acht Klassen kann man sich ins Kampfgetümmel stürzen. Jeder Mundart-Fan wird von der Sprachausgabe begeistert sein (sächsische Bogenschützen, österreichische Barbaren…). Leider bin ich kein Mundart-Fan. Die dialektbehaftete Sprachausgabe hat mich schon bei Baldur’s Gate genervt. Lobenswerterweise kann man die Sprachausgabe weitgehend abschalten. Jede Klasse hat ein paar Werte, die sich bei Levelaufstiegen anheben lassen, dazu gehören Lebensenergie, Mana und klassenspezifische Fähigkeiten. Vier Gegenstände können angelegt werden, der Rest bleibt bis zum nächsten Händler im Inventory. Immerhin sind neue Rüstungen und Waffen am Helden sichtbar. Bei der Masse der Ausrüstung für jeden Helden hatten schon die Strategiespiele der Heroes of Might and Magic-Serie mehr zu bieten. Als leichte Anleihe aus Diablo sorgen die variablen Standorte für mana- und lebensenergiespendende Schreine, sowie wechselnde Monstertypen für Abwechslung auf der Karte. Auch die wenigen Schätze, die die Monster hinterlassen, variieren.

Auf der Grafikseite kann Knightshift punkten. Die Welt sieht mit den detaillierten Texturen sehr gut aus, und an den Lichteffekten gibt es nichts auszusetzen. Einzig die unsichtbaren Barrieren, gegen die die Spielfigur häufig läuft, dürften gerne etwas deutlicher markiert bzw. besser noch entfernt werden. An der Soundkulisse habe ich ebenfalls nichts auszusetzen, mit Ausnahme der dialektverseuchten Sprachausgabe! Das Titellied „Knightshift“ hat durchaus Ohrwurmpotenzial.

Zumindest in der Demo kommt der Strategie- und Aufbaupart viel zu kurz. Eine Stunde mit Prinz Siegfried alleine rumlaufen, dann noch 20 Minuten mit Prinz Siegfried und ein paar Bogenschützen rumlaufen und dann als „Finale“ in 10 Minuten ein paar Kuhställe und Türmchen bauen. Das hört sich eher an, wie der Rollenspielteil, ist es aber nicht. Spaß gemacht hat es trotzdem.

Der Rollenspielteil kommt in der Demo nie über einfachstes Hack ‘n’ Slay heraus. Schätze sind seeeehr spärlich verteilt und der Schwierigkeitsgrad ist nicht von schlechten Eltern. Die wenigen manipulierbaren Werte rechtfertigen den Begriff Rollenspiel kaum. Es gibt nur einen Weg durch die verfügbare Mission, es bleibt einem lediglich überlassen, ob man die Monster links und rechts des Weges vernichtet, oder nicht. Trotzdem hat das ganze genug Spaß gemacht, um die verfügbare Mission mit mehreren Charakteren durchzuspielen. Ein Multiplayer-Teil war in der Demo leider noch nicht enthalten.

Fazit:

Mein Eindruck von der Demo ist: ein halber Strategiepart und ein halber Rollenspielpart geben noch lange kein ganzes Spiel. Es gibt bessere Echtzeitstrategie und es gibt bessere Rollenspiele. Wer sich für den Strategieteil von Knightshift interessiert, sollte lieber zu Warcraft III greifen, zumal da im Add-on Frozen Throne auch eine (kleine) Rollenspiel-Kampagne eingebaut ist. Für Rollenspielinteressenten empfehle ich lieber Dungeon Siege und Diablo II mit Add-on Lord of Destruction. Insgesamt ist die Demo durchaus interessant, aber ich glaube nicht, dass da mehr als ein „ganz nettes Spiel“, das durchaus Spaß macht, produziert wird.

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

Screenshots (klicken für mehr)

Screenshots gibt es in Mengen auf der Knightshift-Seite.

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