Kult: Heretic Kingdoms

Action-RPG – dieses Genre wird wie kaum ein zweites von einem Titel geprägt: »Diablo«. Jetzt ist, wenn auch mit gut zwei Jahren Verspätung zur PC-Version, ein neuer Herausforderer auf dem Mac aufgetaucht: »Kult Heretic Kingdoms«.

Die Geschichte

Wie jedes Spiel hat auch »Kult« eine fesselnde Hintergrundgeschichte. Diesmal geht es um ein magisches Schwert, den »Gottschlächter«. Wie der Name schon vermuten lässt, wurden mit Hilfe dieses Artefaktes die Götter aus den häretischen Königreichen vertrieben. Die Inquisition ist damit beauftragt, auch die letzten Überreste der alten Religionen zu tilgen. Der Spieler schlüpft in die Rolle einer jungen Inquisitorin und erhält die Aufgabe, das verschwundene Artefakt wieder zu finden. Dabei gerät sie im Laufe der Geschichte zwischen die Fronten und muss sich entscheiden: Sollen die Götter zurückkehren oder endgültig aus den Königreichen verbannt werden?

Klassen, wie sie in fast allen Spielen dieses Genres üblich sind, sucht man in »Kult« vergebens. Stattdessen kann der Spieler am Anfang Fertigkeitspunkte verteilen, um den Schwerpunkt seiner Heldin auf Nahkampf, Fernkampf oder Magie zu legen. Dann noch rasch zwei Anfangszauber gewählt und das Outfit (Haarschnitt und Kleidung) angepasst, und los geht’s ins Getümmel. Die Steuerung ist recht einfach zu erlernen: Drückt man die linke Maustaste, läuft die junge Dame los. Mit der rechten Taste wird angegriffen. »Point and Click« in Reinkultur, sozusagen. Für getötete Feinde gibt es Erfahrungspunkte. Manchmal lassen die gefällten Gegner brauchbare Gegenstände liegen, und die Bewohner der Königreiche versorgen die Heldin mit neuen Aufgaben. Soweit klingt das alles noch sehr bekannt.

Was also unterscheidet »Kult« vom großen Vorbild »Diablo«? Zum einen ist da die Funktionsweise der Zauberei: Einige Gegenstände haben besondere Eigenschaften, die den vier Grundelementen Feuer, Wasser, Erde und Luft zugeordnet sind. Je öfter man diese Gegenstände benutzt, umso vertrauter werden sie der Heldin. Irgendwann erkennt sie dann den Zauber, der in dem Gegenstand verborgen ist und kann ihn fortan anwenden. Es ist also durchaus sinnvoll, ab und zu eine vermeintlich schwächere Waffe zu benutzen, um den darin verborgenen, vielleicht mächtigen, Zauber zu entdecken. Auch das Levelsystem ist anders: neben Erfahrungspunkten, die zu höheren Stufen und damit z.B. zu mehr Gesundheitspunkten führen, gibt es noch die Fertigkeitspunkte. Wenn man genug Fertigkeitspunkte zusammen hat, kann man eines der vier Grundattribute Nahkampf, Fernkampf, Magie oder Geschick um eine Stufe steigern. Das Heilsystem ist etwas besonderes: Ohne die Heldin mit tausenden Heiltränken zu befrachten, kann man sie jederzeit durch die Verwendung eines Kräuterbeutels heilen. Der Haken ander Sache ist jedoch, dass sich mit jeder Anwendung die maximale Anzahl ihrer Gesundheitspunkte verringert. Nur durch Ausruhen in einem Rasthaus oder an einem Lagerfeuer kann die ursprüngliche Anzahl an Gesundheitspunkten wieder erreicht werden. Der größte Unterschied zum Klassenprimus ist aber zweifellos die parallel zur realen Welt existierende »Traumwelt«. In diese Traumwelt kann jederzeit gewechselt werden, dadurch kann man z.B. Kämpfen ausweichen. Aber natürlich ist diese Traumwelt ebenfalls mit Gegnern gespickt, so dass unsere junge Heldin durchaus vom Regen in die Traufe kommen kann. Aber natürlich dient diese parallele Welt nicht nur dem Ausweichen von Gegnern, sondern es sind auch in der Traumwelt Aufgaben zu erfüllen und Fertigkeitspunkte zu ergattern.

Der Schwierigkeitsgrad ist am Anfang relativ hoch, im Laufe des Spiels wird es mit verbesserter Ausrüstung jedoch einfacher. Auch hat man bald mehr Zauber zur Verfügung als man benutzen kann, so dass man ständig vor der Herausforderung steht, die der aktuellen Aufgabe angemessene Kombination zu finden. Ausgewählte Zauber wirken nämlich permanent, so dass man sich im Kampf keine Sorgen machen muss die richtige Taste zu treffen. Leider ist die Steuerung manchmal etwas hakelig – so neigt meine Kriegerin dazu, gelegentlich völlig unmotiviert in die Luft zu schlagen. Und solang man schlägt, kann man leider nicht laufen. Apropos Laufen: Das Finden der richtigen Wege ist manchmal nicht so einfach. Weizenfelder stellen z.B. ein gravierendes Hindernis dar, weil sie nicht durchquert werden können, sondern aufwändig umgangen werden müssen.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, kommt dann aber gewaltig. Liebe, Verrat, Machtkämpfe und geheimnisvolle Bünde: Alles, was ein Rollenspielerherz begehrt, ist vorhanden – bis auf einen Mehrspielermodus, denn der fehlt leider komplett.

Die Technik

Die erste Hürde türmt sich schon bei der Installation vor dem geneigten Spieler auf: Das Spiel lässt sich nur mit Admin-Rechten installieren und spielen. Versucht man, das Spiel als normaler User zu installieren, bricht der Installer beim Versuch, die Daten in den »Programme«-Ordner zu schreiben, mit einer nichtssagenden Fehlermeldung ab. Versucht man, das Spiel in seinem Homeverzeichnis zu installieren, läuft zwar der Installer durch, aber das Spiel startet nicht. Bedauerlicherweise wird dieses ungewöhnliche Verhalten mit keiner Silbe in der Dokumentation des Spieles erwähnt.

Hat man die Installation erst einmal erfolgreich hinter sich gebracht, zeigt sich das Spiel von einer, nun ja, eher etwas ›angestaubten‹ Seite. Die Darstellung der Spielwelt ist isometrisch, und die Hintergründe sind praktisch nicht animiert. Highlights, wie realistische Wasseroberflächen, sucht man vergebens. Auch kommt es auf meinem System (G5 1,8 Ghz, Single, mit Radeon Pro 9800) zu gelegentlichen Darstellungsfehlern. Besonders finster ist allerdings die Darstellung der Übersichtskarte im C-64 Retro-Look: hell- und dunkelgraue Flächen, auf denen kleine, farbige Punkte Gegner oder NPCs darstellen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass das Original im Herbst 2004 erschienen ist, ist die Präsentation nur bestenfalls als ›Zweckmässig‹ zu bewerten. Der Sound ist ebenfalls nur rudimentär vorhanden, es gibt etwas Hintergrundmusik sowie die Schrittgeräusche der Heldin zu hören. Im Kampfgetümmel ist akustisch leider auch nicht viel mehr los.

Dafür sind die Systemanforderungen human: Mac OS 10.3.9 auf einem G4, G5 oder Intel mit 800 Mhz, 256 MB Speicher und eine Grafikkarte mit 64 MB genügen dem Spiel. Auch mit der Onboard-Intelgrafik der Einsteiger-Macs gibt sich das Spiel zufrieden.

Fazit

Die spannende Story und interessante Ansätze wie die Traumwelt oder auch den Erwerb eines eigenen Hauses auf der einen Seite, die schlechte Präsentation, die unpräzise Steuerung sowie den fehlenden Mehrspieler-Modus auf der anderen Seite sorgen für einen zwiespältigen Eindruck. Irgendwie hat man immer das Gefühl, dass sich die Entwickler nicht sicher waren, was es denn nun werden sollte: ein Action-RPG wie »Diablo« oder doch eher ein klassisches Rollenspiel wie »Baldur’s Gate«. So ist »Kult – Heretic Kingdoms« für Fans, die eine neue Herausforderung suchen, eine überlegenswerte Alternative. Neulinge, die einmal in das Genre hineinschnuppern wollen, sollten sich lieber (je nach Neigung) an eins der Originale halten.

Das Spiel kostet um die 30 Euro und ist in unserem macinplay-Shop verfügbar.

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0 thoughts on “Kult: Heretic Kingdoms”

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  3. Steffi says:

    Hallo,

    ich habe das Problem das ich das Spiel zwar installieren kann aber es nicht startet. Was kann ich machen? Ich hoffe man kann mir helfen. LG und THX Steffi

    1. Gero Pflüger says:

      Hallo Steffi,

      wenn Dein Rechner die Systemvoraussetzungen des Spiels erfüllt, sollte es laufen. Wenn es das dennoch nicht tut, wende Dich am Besten an den Herausgeber. Das ist Application Systems Heidelberg. Die Support-Seite für »Kult« findest Du hier:

      http://www.application-systems.de/kult/support.html

      Viel Erfolg! 

      Beste Grüße aus Hannover,
      Gero

    2. Holger Sass says:

      Hallo Steffi,Das Spiel läuft nur wenn du als Admin angemeldet bist. Wenn du also auf deinem Mac zwei User hast, dann musst du das Spiel unter dem Admin spielen.Noch eine Frage: welche OSX Version hast du?

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