Oni

Frauen verdrehen Männern oft ihren Kopf, aber wie oft verdrehen sie ihnen schon das Genick? Konoko, die Hauptperson dieses Action-Spiels, tut dies des Öfteren, wobei sie daran allerdings nicht viel Freude hat. Konoko durchlebt in Oni die Findung ihres Geistes, ihres Ichs (das japanische Wort Oni bedeutet auch soviel wie Geist). Sie weiß nicht, wer oder was sie wirklich ist, woher sie stammt und versteht den Sinn ihres Lebens zu Anfang nicht. Dies wird im Laufe des Spiels allerdings immer klarer. Aber gehen wir erstmal etwas auf die Story ein.

Wir schreiben das Jahr 2032, in dem es viele Probleme mit genetischen Manipulationen wie auch mit Hackern und Freaks gibt, die die Welt übernehmen wollen, indem sie Daten stehlen, verkaufen und dafür nie ins Gefängnis wandern müssen, mangels Ressourcen auf der guten Seite der Macht. Um die Bösewichter an der weiteren Ausübung ihrer Tätigkeit zu hindern, wird die TCTF gegründet, die Technology Crimes Task Force. Konoko ist ein Mitglied dieser Institution.

Man sieht sie in Oni aus der 3rd-Person Sicht, auch “Tomb Raider-Sicht” genannt. Oni ist eine Mischung aus Adventure und Shooter, hat man Oni durchgespielt, entscheidet man sich eher für die Klassifizierung als Action-Adventure. Konoko kann nicht nur mit verschiedenen Waffen schießen, sondern sich auch mit ihren Fäusten wehren. Oni ist eines der wenigen aktuellen Spiele, in denen man sich auf dem Mac mit Gegnern prügeln kann. Manche Gegner können durch Waffen kaum verwundet werden, da muss Konoko schon Hand anlegen, bei anderen ist es umgekehrt. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Waffen. Da Oni für ein Spiel dieses Genres recht realistisch ausgelegt ist, kann man nur eine Waffe gleichzeitig tragen, wechseln kann man diese erst, sobald irgendwo eine andere Waffe liegt.

Am Anfang des Spiels kann man einen Trainingsparcours absolvieren, Zwang dazu besteht nicht, denn man kann auch gleich in die erste Mission wechseln. Ich entschied mich für den Trainingsparkour, in dem Konoko von ihrer Leiterin und Freundin Shinatama durch ein sehr gut gemachtes Trainingsprogramm geführt wird. In diesem lernt man die ersten Schläge, Tritte, Würfe und einen Combo-Angriff. Das ist eine verknüpfte Attacke, das heißt, wenn man zweimal auf Schlagen und beim zweiten Druck auf die Schlagen-Taste einmal auf Treten drückt, ensteht daraus ein spezieller Combo-Angriff. Oni lebt von diesen Combo Angriffen, so reißt man in späteren Leveln den Gegnern ihre Waffe aus der Hand während man ihnen mit dem Ellenbogen in den Bauch schlägt, oder man stellt sich auf die Hände und reißt einen Gegner mit den Füßen am Kopf, schwingt ihn um sich herum und setzt damit nicht nur ihn, sondern auch andere nah stehende Gegner außer Gefecht. Das Ganze erinnert an japanische Manga-Comics, in denen Helden irgendwelche Aufgaben erledigen mussten. Allerdings ist Oni nicht nur für Manga-Comic-Fans ein Muss, sondern auch für Adventure-Fans.

Obwohl Oni wie z.B. Tomb Raider im 3rd Person Look ist, bestehen nicht die gleichen Probleme mit der Kameraführung. Steht man z.B. an der Wand, wird die Wand transparent, die Kamera bleibt nicht einfach stehen. Allerdings wird gerade durch solche Effekte, wie wenn ganze Wände transparent werden – und in Oni gibt es große Räume mit vielen Wänden – die gesamte Systemperformance ganz schön heruntergezogen. Außerdem gibt es oft große Terrains, z.B. einen Flughafen mit fast realistischen Flugzeugen, Hallen, etc… Dort ruckelt das Spiel auf einer ATI Rage 128 fast immer. Hat man nicht die Qualität reduziert, ist das eine wirkiche Diashow. Auf einem G4 mit Radeon oder Geforce 2 MX läuft es super, nur hat nicht jeder einen solchen zur Verfügung. Wer Oni auch mit älteren Maschinen und Grafikkarten flüssig spielen will, muss ganz schön runterdrehen, trotzdem sieht es auf solchen Maschinen noch sehr gut aus, deshalb ist Oni ab einer ATI Rage 128 Pro/Ultra mit 16 MB empfehlenswert.

Ein weiteres Manko ist die Combo-Attacke. Theoretisch eine tolle Idee, nur praktisch gibt es einige Probleme. Im Gemetzel hat man oft gar keine Zeit, irgendwelche speziellen Tastenkombinationen zu drücken, die meisten Attacken geschehen durch Zufall. Was daran auch etwas billig wirkt, ist folgendes: Man steht zwischen vier Gegnern und führt auf einen eine Combo-Attacke aus, ich sage mal, man tritt ihn von hinten in den Rücken, und hält dabei den Arm fest (das tut weh!), aber warum tun dann die anderen Gegner nichts? Alle Gegner stoppen ihre Aktionen, bis die Combo-Attacke vorüber ist. Das ist ziemlich unrealistisch. Ebenso kann man Gegner die Combo-Attacken vollführen, nicht treten oder schlagen, es wird automatisch abgeblockt. Es gibt öfter Kämpfe, in denen das passiert, denn schließlich hat man bei der TCTF auch Kollegen.

Insgesamt ist Oni allerdings dennoch ziemlich realistisch. Wenn man eine große, schwere Waffe aufnimmt, kann man sich langsamer bewegen, weniger Attacken ausführen, usw. Des weiteren kann man auch nur eine Waffe tragen, realistischer wäre es aber gewesen, könnte man eine Pistole und ein Gewehr tragen. Die gesamte Umgebung in Oni wirkt karg, dennoch aber sehr realistisch, das kommt daher, dass für die Levelgestaltung wirkliche Architekten engagiert wurden.

Oni weist oft sehr gut gemachte Effekte auf, z.B. Spiegeleffekte, Hologramme, die in der Luft herumfliegen, usw., aber detailreich ist es leider nicht. Die Level wirken einfach karg. Dagegen wirken die In-Engine Videos viel detaillierter, was ich eigentlich nicht verstehe, schließlich hätte man die Umgebung, in der die Videos sich oft bewegen, auch als Spielterrain nutzen können.

Oni ist von Haus aus Carbon, d.h. nativ in Mac OS X lauffähig. Ich habe Oni unter der Version 10.0.3 getestet und hatte zwei große Probleme. Erstens war Oni schon nach kurzer Zeit unspielbar, und zwar als ich merkte, dass man Konoko nur so weit drehen kann wie die Maus an die Monitorseiten reicht. So kann man keine 180-Grad-Drehungen machen, ist in Kämpfen kaum konkurrenzfähig, usw. Das zweite Problem ist, dass man nicht über eine Auflösung von 640×480 gehen kann. Eine Lösung für diese Probleme wird es bald geben und zwar von der OmniGroup, die Oni für die Mac OS X-Umgebung Cocoa umschreibt. Wann diese neue Version erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Die jetzigen Limitierungen sind dadurch zu erklären, dass OS X in der derzeitigen Fassung kaum für Spiele geeignet ist.

Das Spiel hat insgesamt 14 Level und nicht 17 Level wie es auf der Verpackung fälschlicherweise steht, ASH bestätigte, dass das ein Fehler der Verpackung sei. Im Modus “Leicht” braucht man für Oni ca. 15h. Ich empfehle gleich mit “Normal” oder “Schwer” zu beginnen, so kann man die Story genießen.

Leider ist Oni nicht problemfrei. Ein Problem stellt die Tastaturbelegung dar, die man nur über eine Text-Datei im Ordner von Oni ändern kann und nicht, wie man es gewohnt ist, über das InputSprocket oder ein Menü. Die Lokalisierung von Oni ist recht gut, jedoch weist sie einige Problemstellen bei Nebencharakteren auf, die nicht sehr positiv wirken, insgesamt ist sie aber recht gut geworden, freuen wir uns, dass Oni für den Mac überhaupt in deutsch erscheint. Außerdem hat Oni nach dem ersten Spielen alle meine Icons auf dem Schreibtisch verwirbelt, da half nur ein Spielen bei meiner generellen Monitor-Auflösung. Ein weiterer Wehrmutstropfen ist, dass man in Oni die Cutscenes nicht unterbrechen kann und gerade, wenn man es mal wieder nicht schafft zu einem Savepoint zu kommen und es zwischendruch eine Cutscene gibt, kann das sehr nervig sein.

Als letztes Manko ist noch zu nennen, dass Oni die Spielstände selbstständig speichert, am Anfang ist das nicht sehr schlimm, sondern praktisch, später jedoch hat man oft Probleme zum nächsten Speicherpunkt zu gelangen, da diese sehr weit auseinander liegen.

Jetzt möchte ich noch etwas ansprechen, was wichtig für Oni ist, allerdings nicht in die Bewertung eingeht:
Vor fast zwei Jahren war ein Mitarbeiter von Inside Mac Games bei Bungie. Damals war Oni gerade in die Beta-Phase gegangen. Er berichtete damals ganz euphorisch von dem genialen Lan-Modus, von dem riesigen Endgegner, von der genialen KI der Gegner, die durch die Level patroullieren, sich sammeln und dann zusammen angreifen, wenn sie Leichen sehen Alarm schlagen und die vor Raketen und Schüssen wegspringen und mit Stunts Aufsehen erregen. Und was ist aus Oni geworden? Es gibt keinen Multiplayer-Modus, der Endgegner wurde wegen Clipping-Problemen verkleinert, die Gegner sind fast alle strohdumm und erscheinen aus dem Nichts wenn man eine bestimmte Stelle im Level passiert. Vermutlich liegt der Code von diesen Features noch bei Bungie, vielleicht wird er in einen Patch (wie der Multiplayer Patch von Deus Ex) oder in einem Sequel verwendet. Trotzdem schade, dass Bungie es nicht geschafft hat, diese Features einzubringen.

Fazit:

Für alle Gamer, die Adventures und Shooter mögen ist Oni ein Muss, denn es ist eine perfekte Symbiose dieser beiden Genres. Leider weist es einige Mängel auf, die wohl daraus entstanden, dass es für die Playstation entwickelt wurde, aber trotzdem ist Oni durchaus empfehlenswert, da die Story nahtlos und sehr realistisch ins Spiel eingebunden wurde.

Ingmar Wenz

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

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