Sid Meier’s Civilization V

Civilization V

Civilization V

Wer nicht weiß, was er mit der vielen Freizeit in der Weihnachtszeit anfangen soll, dem kommt Sid Meier’s Civilization V gerade recht. „Ah, ein alter Bekannter!“ hör‘ ich da manchen rufen. Schließlich erfreut die Serie auch uns Macuser seit vielen Jahren und besonders der Vorgänger Civilization IV mit seinen Erweiterungen gilt bei vielen Fans als die bisherige Krönung der Schöpfung. Prima, aber was will man an so einem großartigen Spiel überhaupt noch verbessern? Nun, Entwickler Firaxis hat eine Menge Ideen und Vorschläge gesammelt und zudem mit dem einsteigerfreundlichen Civilization Revolution eine ganze Menge Erfahrungen mit den Gelegenheitsspielern gesammelt. Was hat sich also getan in dem Spiel um die Weltbesiedelung und wie gut funktionieren die Neuerungen?

Neues Gewand

Wer bislang mit Onlineportalen wie Steam nichts anfangen konnte, muss umdenken. Denn Civ V verzichtet zwar auf unliebsame moderne Spielbedingungen wie eine Dauer-Online-Pflicht, ist dafür aber untrennbar mit Steam verknüpft. Das verlangt eine Mitgliedschaft und Online-Aktivierung. Dafür darf der Titel anschließend aber auch offline und an jedem beliebigen Mac gespielt werden. Denn Steam archiviert die Spielstände online und verlangt keine Zwangsverknüpfung mit einem bestimmten Rechner. Wer bereits die Windowsversion besitzt, brauch zudem nicht noch einmal in die Tasche zu greifen. Leider werden die Spielstände aber nicht plattformübergreifend übernommen. Wer also nach durchzockten Nächten vor der Windowskiste auf dem Mac weiter daddeln möchte, muss von vorne anfangen.

Wie bei den Vorgängern üblich, finden sich auch hier Neulinge dank eines gut gestalteten Tutorials sowie acht Schwierigkeitsstufen schnell zurecht. Wer auf langweilige Erklärungen keine Lust hat, der lässt sich die Spielmechanismen einfach während des Spiels erklären. Ebenfalls zur Tradition der Serie gehört, dass alle Regeldaten und Verhaltensmuster der KI als offene XML-Dateien bereit liegen und so eine wahre Spielwiese für Modder bieten. Einzig der Karteneditor ist der Schere zum Opfer gefallen.

Natülich wurde auch an einen Online-Modus gedacht, wobei die vielen Anpassungsmöglichkeiten und Zufallskarten Offline-Spielern ebenso genügend Abwechslung bieten. Augenfälligste Neuerung ist die Aufteilung der Karte in Hexfelder. Vorweg: Einen taktischen Unterschied zum Schachbrettmuster des Vorgängers konnte ich in der Praxis kaum feststellen. Die Kartengrafik mit den Truppen und Städten wurde modernisiert und bietet eine schnelle Übersicht sowie dank der Hexfeldeinteilung ein wesentlich lebendigeres Bild.

Wie ein alter Freund

Da stehe ich nun mit meinen letzten Truppen – und nur mein gutes altes Rom konnte bisher dem Ansturm der Feinde trotzen. Das England mir den Tod wünschte, war noch zu verkraften. Doch als Ägypten mit seiner Armee in mein Reich einbrach, konnten auch meine tapferen Soldaten dem nicht mehr viel entgegen setzen. Was war geschehen? Als alter Civilization-Kenner machte ich mich von Anfang an wie gewohnt daran, mein Reich zu vergrößern. Doch der jüngste Teil fühlt sich zwar an wie ein echtes Civilization, möchte aber in vielen Details anders gespielt werden.

Am Grundkonzept ändert Teil 5 nichts, denn nach wie vor gilt es auf einer Weltkarte Runde für Runde die Entwicklung eines Volkes vom Nomadenstamm bis zum Raumfahrervolk voran zu treiben, und dabei die Geschichtsbücher umzuschreiben. Dabei sollt ihr unbekannte Regionen erkunden, Städte gründen und einmalige Bauwerke sowie Weltwunder erschaffen. Natürlich verschluckt der Zeitraffer wichtige Details und das ist auch gut so. Denn diese Serie lebt wie keine andere von der Phantasie des Spielers. Schließlich können diplomatische Winkelzüge, das Erblühen einer Stadt oder die Erforschung neuer Technologien nie in besonders detailliertem Maße dargestellt werden. Und doch hat es Civilization immer meisterhaft verstanden, die Spieler in einen fast meditativen Dauerspielzustand zu versetzen. Eben noch einen Waffenstillstand ausgehandelt und die Insel da drüben erkundet. Ja, und da meldet eine Stadt gerade, dass ein neues Weltwunder fertig gestellt wurde. Und was ist gerade an der Grenze zum verhassten Nachbarn los? Das geht endlos so weiter und lässt die Nächte wie im Flug vergehen. Glaubt mir!

Deutlich schlanker

Während die Welt detailreicher und aufwändiger gestaltet ist, merkt man dem Titel allenthalben an, dass die Entwickler ausgemistet haben. So sucht man sowohl den Aspekt der Religion, als auch Umwelt schädigende Einflüsse der Stadt und der damit verbundenen Gesundheit der Einwohner vergebens. Die Ressourcentypen, diverse Weltwunder und einige Technologien sind ebenfalls der Schere zum Opfer gefallen, genau wie einige finanzielle Optionen. Da werden besonders Kenner des Vorgängers stutzen, denn einen Steuersatz gibt es nicht mehr. Stattdessen nagen jetzt Geländeverbesserungen, wie z.B. Straßenbau, an unserem Geldbeutel. Reicht das Bare einmal nicht, werden erst Forschungsmittel und anschließend Truppen gestrichen. Bietet Civilization 5 also eine Art Civ-Finanzplanung-Light? Keinesfalls, denn gerade dieses Spielelement verlangt jetzt eine deutlich vorausschauendere Planung – zumindest in den höheren Schwierigkeitsstufen.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Zufriedenheit der Bevölkerung: Wer wie ich fleißig Stadt um Stadt baut, bekommt es bald mit murrenden Einwohnern zu tun. Diese werden nämlich immer unzufriedener, je größer das Reich wird. Das führt zu einer stagnierenden Wirtschaft und zu einem Verlust an Einfluss bei benachbarten Staaten. Dann hilft nur das Herbeischaffen von fehlenden Waren, wie beispielsweise Baumwolle über Handelsrouten, oder der Bau von Unterhaltungsgebäuden. Aber Vorsicht: All das kostet natürlich wieder Geld.

Es gibt noch ein paar Bereiche, die dem Rotstift zum Opfer gefallen sind: Besonders die atmosphärisch tragenden Kurzfilme zu den Weltwundern fehlen, ebenso vermissen wir diverse Nationen (beispielsweise Spanien). Insgesamt 18 Völker sind im neuen Teil vertreten, darunter die Amerikaner. Logisch? Sicher nicht, aber mit historisch nachvollziehbarer Geschichte hat Civilization ja auch nichts am Hut.

Völkerverständigung

Immer noch wichtigster Spaßfaktor bleibt die Interaktion unter den Völkern: Schon die Entscheidung für eine der 60 verschiedenen Sozialpolitikformen bringt das Blut benachbarter Regierungsoberhäupter schnell in Wallung. Neben den Völkern und Barbaren finden sich jetzt auch neutrale Stadtstaaten auf der Karte. Wer sich mit denen gut stellt, der bekommt Freundesbekundungen in Form von Truppen oder Ressourcen. Allerdings will das Wohlwollen erst verdient werden. Dies gelingt mit simplen Geldgeschenken oder durch die Erfüllung verschiedener Missionen, wie „Baue das Weltwunder X“ oder „Schaff uns die Barbaren in unserer Nähe vom Hals“. Was ich anfangs noch für ein nettes Beiwerk und allenfalls als Kanonenfutter ansah, entwickelte sich tatsächlich im Laufe des Spiels als prima Spielelement. Denn die Freundschaft mit Stadtstaaten lohnt allemal. So hatte ich in einem Spiel die aufdringlichen und leider überlegenen Engländer als Nachbarn. Allein ein Stadtstaat trennte unsere Reiche und hemmte die angriffslustigen Angelsachsen. Logisch, dass die Queen nicht viel Freude an meiner Freundschaft mit der unabhängigen Stadt hatte und nach vergeblichen Überredungsversuchen zum Angriff blies. Was war zu tun? Die Engländer angreifen und einen offenen Krieg provozieren war reiner Selbstmord. Also schenkte ich den Verteidigern heimlich einige Truppenverbände und verhinderte so die Invasion, hielt mir die Engländer vom Hals, blieb neutral und hatte sehr dankbare alte Freunde. Leider nutzten die Entwickler das Potential dieses neuen Spielelements nicht ansatzweise aus. Gerade auf dem diplomatischen Parkett hätten die unabhängigen Städte wesentlich mehr Potential gehabt. Hoffen wir, dass da später noch nachgebessert wird.

Wer in den Kampf zieht, der findet ebenfalls Neuheiten zu Genüge. So darf jetzt auf jedem Feld nur eine Einheit postiert werden. Statt Armeen in der Stadt zu bunkern, bilden sich jetzt auf der Karte klar erkennbare Truppenansammlungen, was dem Spiel wiederum einen zusätzlichen taktischen Aspekt verschafft, zumal Civ V jetzt sowohl Nah- als auch Fernkampf zulässt. Kann ich mit einer Truppe im Wald eine Bresche in die gegnerische Reihe schlagen und welchen Gegnertyp platziere ich wohin? Dazu kommt das bereits bekannte Erfahrungssystem: Da lassen sich altgediente Einheiten aufwerten und spezialisieren, woraufhin diese zu besonders gefährlichen Gegnern werden können. Insgesamt eine tolle Idee, die dem Spiel eine bisher unerreichte Kampfdynamik verleiht.

Das beste Civilization?

Trotz all der Neuerungen konnte Entwickler Firaxis entscheidende Schwächen nicht abstellen, wieder einmal. Wer im Endlosspiel die Karte komplett erkundet und seine Bautrupps automatisch arbeiten lässt, wird sich oft langweilen. Daran ändern auch die willkürlich auftauchenden Barbarenlager nichts. Die KI schwächelt mitunter und bringt zu wenig unterschiedliche Verhaltensmuster. Das wirkt sich besonders im Kampf aus. Beispielsweise lässt der Feind todsichere Eroberungen einfach aus und zieht seelenruhig wieder davon, nachdem meine Abwehrreihen im Kampf unterlegen waren und die Stadt schutzlos auf den Aggressor wartete. Derlei Beispiele gibt es zu genüge und die Fans schimpfen mit Recht seit dem Tag der Erstveröffentlichung über dieses Problem. Um so unverständlicher ist es, dass bis heute kein passender Patch zur Verfügung steht. Natürlich agiert jedes Volk etwas anders und baut mal mehr Weltwunder und mal mehr Militärposten, doch im Kern besitzt der Computer zu wenig Spielraum für individuelle beziehungsweise länderspezifische Entscheidungen. Dazu gesellt sich die stark reduzierte Präsentation der Civilopädie sowie der Weltwunder und zu guter Letzt fehlt es auch im diplomatischen Bereich auf Dauer an Variationen. Immerhin können die Entwickler dieses Manko relativ lange kaschieren. So hatte ich rund 15 Stunden meinen Spaß, erprobte mich an den Sozialpolitiken und der Kunst der Diplomatie. Denn die Interessen der verschiedenen Völker war durchaus differenziert. Besonders der Aspekt der Handelswaren und Luxusgüter gibt da viel Spielraum für interessante Winkelzüge. Doch ab ungeführ 20 Stunden Spielzeit fällt dann doch auf, wie berechenbar die KI ist. Wer beispielsweise seine Truppen länger an der Grenze postiert, hat irgendwann den Nachbarn am Hals, egal wie friedliebend oder freundschaftlich dieser zuvor war. Ebenso kämpft das Spiel derzeit noch mit der fehlenden Balance. Wer beispielsweise statt auf schwere Artillerie lieber auf die Entwicklung der Kultur oder Wissenschaft setzt, hat fast immer das Nachsehen.

Fazit

Tradition hin und Neuerungen her: Civilization V ist definitiv eine sinnvolle Weiterentwicklung und empfiehlt sich besonders für lange Multiplayerabende. Gleichwohl wäre mir bei allen frischen Ideen etwas mehr Augenmerk auf die klassischen Schwächen lieber gewesen. Das kommt auf dem Mac noch mehr zum tragen zumal die Performance optimierungsbedürftig ist. Werden die angesprochenen Schwächen noch behoben, ist Civilization V ein Pflichtspiel für alle Fans und eine wunderbare Einstiegsdroge für neugierige Weltverbesserer.

Systemanforderungen

Mindestvoraussetzung
Mac OS X 10.6.4, Intel Core 2 Duo 2.4 GHz, 2 GB RAM, 8 GB Festplattenspeicher
ATI Radeon HD 2600 oder NVidia GeForce 8600, 256 MB VRAM

sonstige Informationen
Sprache: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Polnisch
Sprache Handbuch: –

Jugendschutz
USK: freigegeben ab 12 Jahren
PEGI: keine Angaben

Entwickler: Fireaxis Games
Herausgeber: 2K Games
Vertrieb in Deutschland: Application Systems Heidelberg

Bezugsquellen

Civilization V ist als Download über Steam und im Mac App Store erhältlich.
Die Box-Variante von Civilization V bekommt man bei Amazon*.

Sid Meier's Civilization® V
Sid Meier's Civilization® V
Civilization V: Campaign Edition
Entwickler: Aspyr Media, Inc.
Preis: 32,99 €+

Update, 11.05.2016, 21:30: Wir haben die Shop-Links aktualisiert und veraltete Links zu Screenshots gelöscht.

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0 thoughts on “Sid Meier’s Civilization V”

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  3. siaccarino says:

    Die angegebenen Mindestvorraussetzungen (zB. MBP late 2008) funktionieren nur mit den geringstmöglichen Einstellungen, was für 80er Jahre Klötzchengrafik und Diashow mit gefühlten 2 FPS führt.

    1. Gero Pflüger says:

      Das ist echt mal wieder eine Frechheit des Herausgebers. „Mindestvoraussetzung“ scheint bei denen zu bedeuten: „Du kannst es auf Deinem Rechner installieren und starten, ohne dass es seinen Dienst grundsätzlich versagt.“ Das regt mich total auf.

      Hast Du die Möglichkeit, das Spiel auf einem anderen Gerät zu installieren und die entsprechende Systemkonfiguration hier zu posten?

      1. siaccarino says:

        Leider nein, mein MBP late 2008 (mit exakt den Mindestvorraussetzungen) ist das schnellste, was ich habe.
        Auf diesem Gerät läuft Bioshock mit mittleren Einstellungen ohne Ruckeln – was erheblich komplexere 3D Grafik bietet. Keine Ahnung, warum ein dagegen eher einfach gestricktes Spiel derart zusammensackt.
        Einige machen Cider dafür verantwortlich, aber ich habe schon wesentlich performantere Cider Ports gesehen.

        1. Gero Pflüger says:

          Ja, bei Cider kommt es immer darauf an, ob Wert auf Performanceoptimierung gelegt wird oder ob man eine Hauptsache-Mac-Version herausbringt. Ein weiteres Riesen-Cider-Desaster waren „Die Siedler 7“.

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