Sim City 4

Nach Jahren der Abstinenz entdecke ich das Lieblingsspiel meiner Jugend wieder und möchte euch erzählen, warum auch Nicht-Schwaben und Menschen ohne Bausparvertrag Freude am Errichten virtueller Städte haben werden. Hierbei muss sich auch niemand davor fürchten, von einer allzu rasanten Entwicklung in seiner neu geschaffenen Metropole überrannt zu werden.

Wüstenrot in Slow-Motion
Es liegt in der Natur des Menschen, das Bauen. Und sollte dies nicht stimmen, so ist ein gewisser Grund-Zwang zum Eigenheim zumindest bei uns Schwaben (ich bin gebürtiger Stuttgarter) stark ausgeprägt. Ohne eigenen Mercedes mag man ja auskommen, aber ein Schwabe der mit spätestens Anfang Vierzig nicht einmal eine Doppelhaushälfte abbezahlt, gilt unter seinen Mitmenschen als Querulant oder zumindest ein bisschen verrückt.

Leider sind Tausende von virtuellen Gebäuden nicht von dieser Regelung betroffen. Ansonsten würde ich wohl als Vorzeige-Häuslebauer gelten. Denn es macht jede Menge Spaß, Grundstücke zu kaufen, bebauen zu lassen und bei Nicht-Gefallen entweder profan mit einem Bagger, mittels spektakulärer Naturkatastrophen oder gar extraterrestrischer Angriffe dem Erdboden gleich zu machen.

All dies und mehr darf der Spieler in Sim City – der Mutter aller Aufbau-Simulationen. Geschaffen wurde dieses simple wie geniale Spielprinzip vor ungefähr 15 Jahren von Will Wright, einem wundersamen Eremiten aus Kalifornien, der zu Hause keine Computer benutzen darf, weil seine Frau die fiepsenden Kisten für Teufelswerk hält. Und wie viele gute Ideen, wurde auch Sim City auf dem Mac geboren. Nun liegt Teil 4 für OS X vor.

Installation und Dokumentation
Das Spiel kommt auf zwei CD-ROMs, wobei sich die Installation recht einfach gestaltet. Nach Einlegen der ersten CD gilt es lediglich das Installationsprogramm zu starten, die Seriennummer einzugeben und einen entsprechenden Zielort auszuwählen. Die in meinem Fall recht lange Installationszeit ist wohl dem langsamen optischen Laufwerk des PowerBook geschuldet.

Die deutsche Dokumentation ist nicht nur im Format kompakt, sondern auch inhaltlich nicht zu langatmig gehalten, was manchen Anleitungs-Muffel zum interessierten Stöbern animieren wird. Die Lektüre sei allen künftigen Sim-Bürgermeistern empfohlen, nicht zuletzt wegen der übersichtlichen Auflistung sämtlicher Tastaturkürzel.

Grafik, Musik und Sound-Effekte
Sim City 4 ist die bislang schönste Episode der Serie und glänzt mit einer Vielzahl optischer Leckerbissen. Sowohl Gebäude als auch Sims begegnen dem Spieler hoch auflösend und flüssig animiert: Autos stauen sich hupend in Straßenschluchten, Menschen bevölkern Plätze und Parks und Feuerwehrautos rasen mit Sirenengeheul zum Einsatzort. Musikalisch geht es ebenso urban zu: Hierbei wurde der klassische Sim City-Soundtrack mit modernen House- und Trip Hop-Beats zu einem durchaus ansprechenden Stil-Mix vermengt. Wem das nicht gefällt, der darf auch eigene MP3s als Begleitmusik auswählen.

Spielspaß
Zu Beginn steht der Spieler vor der Aufgabe, die wichtigsten Grundlagen für eine funktionierende Infrastruktur der neuen Stadt zu schaffen: Straßen, Begrenzungen für Wohn-, Gewerbe- und Industrieflächen sowie eine ausreichende Wasser- und Stromversorgung. Steht das Grundgerüst, dürsten die Sims schnell nach Bildung für ihre Kinder, fürchten um die öffentliche Sicherheit oder wünschen Freizeitmöglichkeiten, um sich von der Pein des digitalen Alltags zu erholen.

Nun heißt es, die richtige Mischung aus Arbeitsplatz-, Bildungs- und Freizeit-Angebot zu finden, um die Bevölkerung bei Laune zu halten und das begrenzte Budget nicht über die Maßen zu strapazieren. Hierbei ist der Zufriedenheitsgrad der Sims einem Balken-Diagramm zu entnehmen – der Spieler befindet sich entweder im grünen Bereich oder sieht rot. Des Weiteren steht ein ganzer Stab geschwätziger Berater zur Verfügung, welche mehr oder minder brauchbare Tipps zur sinnvollen Mittelverwendung geben.

Wie im wirklichen Leben ist auch in Sim City 4 eine ausgewogene Steuerpolitik elementarer Erfolgsfaktor. Und wie im Falle des bundesdeutschen Finanzminister Hans Eichel gestaltet sich dieses Vorhaben nicht wirklich einfach. Ein Glück, dass es keine lästige Opposition gibt, welche den Spieler in populistischen Brandreden beim Volk anschwärzen könnte.

Neben dem traditionellen Bürgermeister-Modus steht es dem Spieler auch frei, Gott zu spielen oder die Geschicke von bis zu fünf Stadtbewohnern zu lenken. Darüber hinaus lassen sich auch Sims aus dem gleichnamigen Bestseller direkt ins Spiel importieren. Ein Killer-Feature für all diejenigen, deren Sims bereits eine Erweiterung der eigenen Persönlichkeit bilden. Zumindest macinplay.de-“Sims”-Spezialist Ingmar Wenz hat bestimmt seit Jahren auf diese Funktion gewartet… 😉

Fazit:

Auch im Jahr 2003 hat Sim City nichts von seiner Faszination verloren. Ganz im Gegenteil: Detailverliebte Grafik, ansprechende Musik und real anmutende Sound-Effekte sowie der bereits legendäre Suchtfaktor lassen Sim City 4 souverän einen Platz unter den besten aktuellen Mac-Spielen einnehmen.

Einzig heftige Performance-Probleme selbst auf neuen Maschinen trüben den Gesamteindruck und erlauben keine Höchstwertung. Dies ist jedoch kein Mac-spezifisches Problem: Auch auf High-End-PCs ruckelt das Spiel ab einer bestimmten Städtegröße munter vor sich hin und es scheint, als könne man den Aufbau der eigenen Metropole im wahrsten Sinne des Wortes Stein für Stein verfolgen. Dennoch gilt für alle Freunde der gepflegten Aufbau-Strategie uneingeschränkte Kaufpflicht.

Sim City 4 findet sich ebenso wie sein Add-On Rush Hour im macinplay-Shop

Jan Feldkircher

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