Star Wars: Empire at War

Mit »Empire at War« versucht sich LucasArts mal wieder an einem »Star Wars«-Strategiespiel. Der letzte Versuch liegt schon etwas zurück und hieß »Battlegrounds«, diesem war allerdings kein wirklich großer Erfolg gegönnt. Mit »Empire at War« sollte Entwickler Petroglyph alles besser machen, portiert wurde das Spiel allerdings von Aspyr Media. Die Freude bei der Ankündigung war bei vielen Fans sicherlich groß, kurze Zeit später kam dann aber die Ernüchterung für alle PPC-Benutzer: »Empire at War« läuft ausschließlich auf Intel-Macs.

Wie es sich für ein Strategiespiel gehört, kann man verschiedene Fraktionen auswählen und mit diesen eine Kampagne bestreiten. In diesem Fall schlüpft man in die Rolle des Imperiums oder der Rebellen, schließlich sind wir in »Star Wars«. Und die üblichen Verdächtigen sind natürlich auch mit von der Partie: Darth Vader und der Imperator auf der Seite des Imperiums, Mon Mothma, Han Solo und Wedge Antilles bei den Rebellen. Zeitlich ist »Empire at War« vor und um die Episode 4 angesiedelt, als das Imperium seinen Machtbereich ausweitet und den ersten Todesstern baut um Alderaan zu vernichten.

Die Hauptaufgabe in »Empire at War« besteht für den Spieler darin, allerhand Planeten in der Galaxis zu erobern oder bereits eroberte Planeten zu verteidigen. Um die Übersicht über alle Systeme zu behalten, gibt es die Galaxienkarte, welche das komplette Universum darstellt. Systeme, die einem gehören, werden grün dargestellt und zwischen diesen kann man problemlos seine Raum- und Landflotten hin und her schieben. Spannender wird es, wenn man einen Planeten anfliegt der dem Gegner gehört. Dazu hat solch ein Planet mehrere Slots im Orbit und einen Landeslot. Befindet sich im Orbit eine gegnerische Raumflotte oder Station, kommt es zur Raumschlacht. Andernfalls kann man gleich landen und den Planeten befreien oder besetzen.

In der Detailansicht kann man die Besetzung der einzelnen Slots noch einmal genau ansehen. Außerdem verfügt jeder Planet über mindestens 3 Bauplätze, auf denen man Gebäude errichten kann. Zentralere Planeten wie Coruscant verfügen sogar über 7 oder mehr Bauplätze, dennoch sollte man sich sehr genau überlegen, was man wohin baut. Unter Umständen ist sonst in einer höheren Technologie-Stufe kein Platz mehr für wichtige Gebäude. Große Schlachtschiffe wie der Imperiale Sternenzerstörer oder der Mon Calamari Kreuzer können auch nur auf bestimmten Planeten hergestellt werden, zum Beispiel in den Kuat Drive Yards. Die Palette reicht von Kasernen und Fabriken bis hin zu Verteidigungsanlangen. Eine besondere Bedeutung kommt Minen zu: Jeder Planet erzeugt von sich aus eine gewisse Menge an Credits und durch Minen kann man diese Produktion noch etwas steigern.

Die Credits sind auch der einzige Rohstoff in »Empire at War«, mit dem man alle seine Einheiten bezahlt. Das Imperium setzt vor allem auf Masse, so verwundert es nicht, dass Bodentruppen im Wesentlichen aus Sturmtruppen und AT-ST bestehen. Die Lebenspunkte der eigenen Truppen kann mit mittels Kommandeuren um 25% steigern, was bei großen Sternenzerstörern oder AT-AT-Läufern schon eine Menge ausmacht. Während man sich um die kleineren Staffeln von Tie-Fightern und Tie-Bombern beim Imperium nicht selber kümmern muss, wird bei den Rebellen jede Staffel einzeln erstellt. So bestehen Raumflotten aus X-Wing, Y-Wing, Corvetten und Nebulon-B Fregatten. Am Boden gibt es Rebellen-Truppen und allerhand Gefährte vom Schwebepanzer bis zur Artillerie. Wie üblich gilt das Stein-Schere-Papier Prinzip, also schnelle Abfangjäger gegen feindliche Bomber, Bomber gegen Großkampfschiffe, schweres Gerät gegen Gebäude und so weiter.

Die Raumschlachten gestalten sich etwas einfacher als Landgefechte. Im Gegensatz zu »Homeworld 2« verzichtet man hier auf die dritte Dimension, was die Navigation etwas einfacher macht. In einer Raumschlacht kann man immer nur einen Teil der Flotte nutzen, der Rest wartet als Verstärkung und kann bei Bedarf aus dem Hyperraum gerufen werden. Je nachdem mit welchem Gegner man es zu tun hat, muss man seine Truppen auswählen, leider tut das der Computer automatisch. Corvetten und Tartan-Kreuzer sind gut um viele kleine Raumschiffe zu zerstören. Große Raumstationen dagegen brauchen Schlachtschiffe mit mächtig viel Feuerkraft. Bei einigen großen Raumschiffen kann man sogar auswählen, welche Systeme angegriffen werden sollen. So produziert der Hangar ständig Nachschub und sollte daher möglichst schnell zerstört werden. Torpedowerfer können dagegen kleineren Schiffen nichts anhaben, zerlegen aber schnell große Schlachtschiffe. Die KI stellt sich hier durchaus geschickt an und versucht gezielt ein bestimmtes System auszuschalten, dennoch sind Raumschlachten einfacher zu gewinnen als Langefechte. Der Computer ist meistens schnell besiegt.

Die Landgefechte sind dagegen schwerer zu managen, weil die Stärken und Schwächen ausgeprägter sind. Zudem bedeutet das Gelände mit Senken und Hügeln erhebliches Micromanagament, so stehen beispielsweise einige Panzer vor einem Hügel und schaffen es nicht das Gebäude darauf zu zerstören. Spezielle Anti-Tank Einheiten zerlegen von erhöhten Positionen in sekundenschnelle Fahrzeuge, so dass im Kampf ständig das Spiel pausiert werden muss um neue Ziele zuzuordnen. Einen Aufbauteil gibt es an dieser Stelle nicht, wie in der Raumschlacht kann man mit einem Teil seiner Truppen landen und den Rest bei Bedarf (sprich bei Verlusten) nachholen. Aber während das Limit im Weltraum fest ist, kann man an Land weitere Versorgungspunkte erobern. Einige Gebäude, die man in der Galaxienkarte gebaut hat, kann man am Boden dann auch verwenden, zum Beispiel die Turbolaser-Türme.

In »Empire at War« gibt es auch Helden, zum Beispiel Darth Vader oder Han Solo, die über Spezialfähigkeiten verfügen. Diese Helden sind aber längst nicht so wichtig wie in »Warcraft III« und benötigen nicht so viel Aufmerksamkeit. Ihre Spezialfähigkeiten können zwar über Sieg oder Niederlage entscheiden, aber auch ohne kommt man ans Ziel. Nur der Materialaufwand dürfte höher sein und es dauert länger, weil ein Darth Vader mit einem Machtstoss mal eben ein paar Dutzend Infanteristen wegpustet. Neben den Helden verfügen aber auch manche normale Einheiten über Spezialattacken, so können Sternenzerstörer Energie von den Schilden auf die Waffen umleiten, will man einem Gegner schnell den Rest geben. Oder der Interdictor-Kreuzer, der Hyperraumsprünge verhindert und für bestimmte Missionen gebraucht wird.

Die beiden Kampagnen spielen sich insgesamt recht flüssig, wobei die Missionen nur sehr lose zusammenhängen. Bei Erreichen eines bestimmten Ziels wird die nächste Aufgabe frei geschaltet, dazwischen kann man aber tun was man will. Ein Zeitlimit gibt es nicht, so dass man nach Herzenslust seine Flotte und Armee ausbauen kann. Drei verschiedene Schwierigkeitsgerade sorgen für die passende Herausforderung, im einfachsten verzichtet die KI noch darauf Spezialattacken zu benutzen, was die Kämpfe leichter macht. Ab Mittel wird aber mit allen Mitteln gekämpft und der Computer ist dann schon eine recht große Herausforderung. Ohne zuviel von der Kampagne zu verraten: Es ist schön, dass man einige Szenen aus dem Film nachspielen darf. Auch der eine oder andere Hintergrund wird näher erklärt, zum Beispiel, dass die Rebellen den X-Wing vom Imperium gestohlen haben.

Hat man beide Kampagnen bewältigt, was je nach Schwierigkeitsgrad und Erfahrung zwischen 25 und 35 Stunden dauern dürfte, bieten das freie Spiel oder der Mehrspielermodus weitere Herausforderungen. Im freien Spiel kann man ohne Missionszwänge handeln und spielt gegen den Computer. Wem der Computer auf Dauer zu langweilig ist, der muss sich an ein Mehrspieler-Spiel wagen. Gegen unsere PC-Kollegen können wir natürlich nicht spielen, wäre ja auch zu schön gewesen. Das schränkt die Auswahl an Spielen deutlich ein, so deutlich dass man sie selbst zur besten Stunde an einer Hand abzählen kann.

Etwas am Gameplay gibt es natürlich auch zu bemängeln, so bewegen sich alle Fußtruppen beispielsweise extrem langsam. Der Button zum Beschleunigen hilft zwar, auf Angriffe reagiert man auf diese Weise aber schlecht, weil man sie zu spät bemerkt. Auch die Wegfindung ist etwas chaotisch, Einheiten blockieren sich an Engpässen gerne gegenseitig. Außerdem reagieren sie nicht, wenn Kameraden angegriffen werden. Der Computer zerlegt so Einheiten und befreundete Truppen stehen keinen Steinwurf davon entfernt und schauen zu. Etwas fehlerhaft ist die Funktion, das C-3PO und R2-D2 Technologien des Imperiums stehlen können. Hat man nicht genug Credits für einen Diebstahl, ist der Fortschritt in einer Mission gefährdet. Auch sehr schön sind Panzer, die Quest-NPCs über den Haufen fahren und so zum Scheitern der Mission beitragen.

Über die grafische Präsentation kann man nicht meckern. Die Landschaften sind entweder zufallsgeneriert, oder bei Missionen von Hand erstellt und geskriptet. Im Weltraum treiben Nebelschwaden und Asteroiden umher und schaffen ein atmosphärisches Bild. An Land wechseln sich dichte Wälder mit offenen Landschaften ab, sehr schön sind die Wettereffekte anzusehen. Die Einheiten sind für ein Strategiespiel recht detailliert erstellt worden. Fahrzeuge bewegen sich flüssig durchs Gelände, während Infanterie umherläuft als hätte sie einen Besen verschluckt. Geht es ins Gefecht, wird der Bildschirm von Laserfeuer und Explosionen erfüllt. Um mitten drin im Geschehen zu sein, kann man über die Leertaste die »BattleCam« benutzen. Diese schaltet direkt ins Kampfgeschehen und zeigt zufällige Einstellungen des Schlachtfeldes. Während dieser Zeit hat man allerdings keine Kontrolle mehr über seine Truppen. Das einzige was optisch enttäuscht sind die oft pixeligen Texturen, gerade Bäume sehen sehr hässlich aus und in der Nahansicht sieht man an Sternenzerstörern nur noch Pixelbrei.

Im Audiobereich wird Standardkost geboten, ab und an versucht einen ein Hologramm etwas zu motivieren und schreit „Für das Imperium“, aber Laser und Explosionen überwiegen. Musikalisch wird auf die altbekannten orchestralen Klänge zurückgegriffen, wie in jedem »Star Wars«-Spiel. Einzig und allein Missionen der Kampagnen sind vertont und sorgen für etwas Stimmung. Sehr enttäuscht war ich allerdings, als es beim Spielstart und Kampagnenanfang nicht mal mehr ein Video zu sehen gab. Immerhin: Am Ende einer Kampagne gibt es einen Abspann in Spielgrafik.

Noch ein paar Worte zur Performance, die auf einem MacBook Pro mit 1.86 Ghz, 1.5 GB RAM und der ATi Radeon X1600 während des Spiels ganz ordentlich ist. Die meisten Einstellungen konnte ich auf das Maximum stellen. Durch die Einheitenlimits wird hier gigantischen Armeen, die jedes System zusammenbrechen lassen, ein Riegel vorgeschoben. Ärgerlich sind aber die langen Lade- und Speicherzeiten, hier vergehen zwischen 20 und 40 Sekunden, bis sich wieder etwas auf dem Bildschirm tut. Auch bei einigen anderen Aktionen genehmigt sich »Empire at War« gerne mal eine längere Pause.

Fazit:

»Empire at War« macht trotz seiner Macken viel Spaß und mit großer Begeisterung versucht man die Galaxis zu unterdrücken oder zu befreien. In der Präsentation kann das Spiel nur teilweise punkten. Zwar ist die Grafik schön anzusehen, dafür fehlen jegliche Video-Sequenzen, was die Atmosphäre etwas beeinflusst. Wer »Star Wars« mag und nun einmal selbst in die Schlacht ziehen möchtem sollte zugreifen, denn »Empire at War« ist um Welten besser als »Battlefront«.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop oder im Mac App Store.

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