The Movies: Superstar Edition

Wer wollte nicht schon immer einmal ein großer Filmmogul sein, mit der Macht darüber zu entscheiden, wer zum Star und wer zum ewigen C-Prominenten-Aufgebot gehört? Eigene Filme zu konzipieren und zu drehen und mit den Millionen dann neue Studio-Kulissen zu kaufen und neue Autos? All das und noch viel mehr geht mit „The Movies“ – von niemand anderem konzipiert als von Top-Spiele Visionär Peter Molyneux. Berühmt wurde der Gründer der Lionhead Studios mit Titeln wie Populous, Black & White oder Fable. Typisch für die Molyneux-Titel ist ein Maximum an Freiheit. Diese Eigenschaft macht „The Movies“ zu einem überragenden Simulationstitel.

Am Anfang war das Studio

Es beginnt mit einem leeren Gelände, wo der geneigte Studio-Chef seine ersten Gebäude errichtet. Mit vielen liebevollen Details wie Springbrunnen, Blumen und Statuen kann der Spieler sein Studiogelände optisch auf Vordermann bringen. Das ist eine Möglichkeit die „Studio-Bewertung“, eine von mehreren Bewertungskategorien, in die Höhe zu treiben. Das Studio kann zusätzlich mit Einrichtungen zur Beschäftigung, Ertüchtigung und Ruhigstellung der angestellten Stars versehen werden. Vom Restaurant bis zum Basketballplatz geht hier die Bandbreite. Zusätzlich werden regelmäßig neue Filmsets (Bühnen mit unterschiedlichen Kulissen), Einrichtungen (Trailer, Forschungszentrum, Drehbuch-Schmiede etc.) und Geländedekorationen freigegeben. Alle Gebäude und die mannigfaltigen Dekorationen sind wirklich liebevoll gemacht. Schon das Schönmachen des Studiogeländes und der Trailer-Areals macht einen Heidenspaß. Hübsch ist die Lösung, dass bei den Gebäuden einfach die Fassade verschwindet, um die Funktionen der Gebäude über unterschiedliche Räumen nutzen zu können. Auch die Auswahl der gebotenen Gebäude und Sets ist schön groß und schneller als man denkt, ist man gezwungen sich einen Arbeiter zu schnappen, damit er mal ein altes Gebäude abreißt und beispielsweise für die neue Schönheitsklinik Platz macht. Wie insgesamt im Spiel gilt auch beim Griff in die Deko- und Einrichtungskiste: Man muss seine Kröten ganz schön zusammenhalten. Wessen Sache das nicht ist, der kann sich im Sandkastenmodus von The Movies austoben, ohne Angst vor Finanzknappheit oder misslichen Bewertungen haben zu müssen.

Alles benötigt Pflege in The Movies

Die Gebäude müssen regelmässig instand gesetzt werden, die Grünflächen und Wege von Müll gereinigt werden. Dazu flitzt ein Heer von Hausmeistern und Instandsetzern in der Gegend rum. Jeder Einzelne der Angestellten und Stars wird vom Spieler selbst eingestellt. Wer Lust hat, kann im separaten, aber mitgelieferten Programm „StarMaker“ ganz genau gestalten, wie die Newcomer-Stars aussehen sollen. Eigentlich ein Spiel für sich, denn hier können wirklich kleinste anatomische Veränderungen in den Gesichtern gemacht werden.

Je nach Tätigkeit und Auslastung verbessern die Angestellten ihre Fähigkeiten. Auch Cross-Biographien sind möglich (vom Hausmeister zur Set-Crew und von da aus zum Assistenten). Besonders interessant sind unsere Stars, die sich im ersten Moment aus Regisseuren und Schauspielern zusammensetzen, wobei jedem selbst überlassen ist, welcher der Schauspielschüler er zu Schauspieler, Regisseur oder Statisten macht. Später gibt es auch Überläufer anderer Studios. Bei Bedarf und dem richtigen Gebäude können Stars auch weiterverhökert werden.

Wie es beim Filmbiz gang und gäbe ist, muss auf die Bedürfnisse der Stars acht gegeben werden: sie wollen nicht zu viel Stress, nicht zu viel Langweile, immer gut aussehen und genug verdienen. Wenn man die „Star-gotchis“ vernachlässigt, können diese mit ihrer miesen Stimmung nicht nur die Filmbewertung verhageln, sondern den ganzen Dreh ausschalten. Und wie im echten Leben: Eine Erhöhung der Dauer der Drehzeit lässt die Kosten explodieren. Wenn die Stars richtig runter sind, können sie mit Futter und Drinks wieder auf Spur gebracht werden. Da geht natürlich der Suchtbalken hoch, und ist der auf hohem Niveau, dankt es der Top-Schauspieler oder -Regisseur mit weiteren Unterbrechungen, um seinem künstlichen Hunger/Durst nachzugehen. Stars können ein Gefolge haben, also Assistenten, und sie haben einen Trailer. Je besser unsere Protagonisten werden (für alles gibt es ein Sterneschema, das bis fünf geht), desto höher steigen natürlich auch die Ansprüche. Alle anderen Angestellten sind da leichter zu handhaben. Mit der Zeit gewinnt auch der kleinste Hausmeister Erfahrung hinzu, das Gehalt muss nur bei den Stars angepasst werden, alle anderen Angestellten bekommen Pauschalen, die sich auch nicht verändern. Nur bei den Stuntmen muss noch geschaut werden, dass sie immer schön trainiert sind und nach stuntlastigen Drehs auch mal im Krankenhaus pausieren.

Alles dreht sich um den Film

Um die Filmerstellung dreht sich naturgemäß das ganze Spiel. Und hier haben sich die Macher einiges einfallen lassen. Zum Einen gibt es den Weg, Filme „aus der Konserve“ zu erstellen. Im Drehbuchbüro stehen verschiedene Genres zur Verfügung. Einen (freien) Drehbuchautor in das entsprechende Büro gesetzt, beginnt dieser mit dem Schreiben. Das fertige Drehbuch kann dann im Casting-Gebäude mit Darstellern und Regisseur besetzt werden. Wenn die Stunt-Option freigeschaltet worden ist, und ein Drehbuch mit Stuntszenen beauftragt worden ist, kommen die harten Männer und Frauen dazu. Ist die Besetzung aus Crew, Statisten, Hauptdarstellern und Regisseur komplett, wird geprobt. Diverse Kriterien, die zu einem gelungenen oder misslungenen Dreh führen können, werden in dieser Phase schon angezeigt: Ob sich die Darsteller verstehen, sie besonders geeignet für das Genre sind etc. Dann macht die ganze Gruppe ihre kleine Odyssee durch die Sets, um den Film in den Kasten zu bringen. Am Ende muss der Film veröffentlicht werden, eine große Bewertung sagt dem Studio-Chef, was wer gekostet hat und wie lange die Dreharbeiten gedauert haben. Während des Laufes kommen die Einspiel-Ergebnisse rein.

Der andere Weg einen Film zu machen, ist selbst Hand anzulegen. Ein entsprechendes Gebäude bietet umfangreiche Möglichkeiten, ein Drehbuch zu erstellen. Dabei kann der Spieler die Akteure selbst bestimmen, kostümieren, Kulissen und Sets auswählen und darin vorgefertigte Szenen aneinanderreihen. Feinabstimmung von Kameraperspektive, Musik- und Soundabmischung, Stunts und Hintergründe machen die Filmerstellung zu einem echten Spaß. Im Casting-Büro werden die ausgewählten Darsteller ins Boot geholt. Dann kann man der Gruppe zuschauen, wie sie brav in den entsprechenden Sets den Film abdrehen. Und das macht richtig Spaß. Später kann in der Postproduktion der Film umgeschnitten, nachvertont und mit Untertiteln versehen werden – Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und das Spiel bekommt ein ganz anderen Kick.

Vorsicht: Das eigene Drehbuchbüro verleitet dazu, echte Schinken zu erstellen, die höhere Drehzeiten und -kosten nach sich ziehen, als jemals wieder eingespielt werden können. Daher sind zu Beginn mindestens überschaubare Geschichtchen gefragt.

Mikromanagement, das auch mal nervt

Natürlich ist es schön, wie es wuselt und lebt auf dem eigenen Studiogelände. Die vielen Einwirkungsmöglichkeiten, die bis zu Pressefotografen gehen, die zur besseren Vermarktung der Filme auf dem Studio platziert werden können, machen eine Menge Spaß. Aber bei einigen Dingen fragt sich der geneigte Spieler dann doch, warum das nicht automatisiert werden konnte. Warum zum Beispiel der Studio-Boss händisch jeden einzelnen Film selbst ins Archiv werfen muss, entzieht sich jedem Sinn. Auch die Schauspieler ständig zu füttern und dann ans Set zurückzuwerfen, ermüdet zuweilen etwas. Dabei hätte man doch schon genug zu tun, sich um seine Filme und das Studiogelände zu kümmern. Schade ist auch, dass der Jungmogul durch die unnötige Verknappung von Bewerbern immer mit zu wenig Personal hadern muss. Selbst bei bestem Studio-Prestige könnten nach allgemeinem Dafürhalten ruhig mehr Leute Schlange stehen, um als Statist, Schauspieler und Crew-Mitglied eingestellt zu werden. Auch Handwerker und Hausmeister hat man eigentlich nie genug. Hier wird das Spiel unangenehm unglaubwürdig: Man hat Geld ohne Ende, kann aber nicht ein paar Hausmeister einstellen, weil einfach keine da sind.

Meiner Meinung nach werden durch das Forschungszentrum auch viel zu schnell viele Neuheiten freigeschaltet, die auch nicht im Ansatz umsetzbar sind, da einfach die Ressourcen fehlen. Schließlich kosten Filme Geld und da muss man schon seine Sets ein paar mal bringen, damit sich das rechnet.

Man sieht schon, dass im Meer der Möglichkeiten vielen kleinen Details im Spiel ein zu großer Raum gegeben wird, und das nervt. Auch die Bewertungskategorien sind zeitweise nicht nachzuvollziehen, das gilt vor allem für die recht wichtigen Award-Shows, die regelmäßig stattfinden. Wie es zu den Gewinnern kommt, bleibt im Dunkeln. Das geht mir auch bei der Bewertung meiner (natürlich kongenialen) selbstgemachten Drehbüchern so. Selbst die coolste Story, die Verwendung aller Features, Bomben-Sets und aufwendigsten Kostüme, kommen sie nicht über die Bewertungen der wirklich üblen Drehbücher aus der Konserve hinaus. Das enttäuscht schon, schließlich ist viel Zeit und Arbeit hineingeflossen. Dass man sich alle Filme in „echt“ ansehen kann, ist ein Highlight, dass dadurch getoppt wird, dass die eigenen Kreationen über YouTube auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden können. Positive Bewertungen auf der Community-Plattform haben neue Download-Materialien zur Folge, mit denen dann noch aufwendigere Filmchen produziert werden können – eine gute Community-Idee.

Steuerung und Handling

Wie schon angedeutet, beispielsweise bei der Öffnung der Gebäude, hat Lionhead bei der Bedienung bestens gearbeitet. Die Akteure kann man einfach aus der Seitenleiste herausziehen und hat die Figuren „am Haken“. Auch auf dem Studiogelände kann einfach jeder per Drag and Drop am Schlaffittchen gepackt und einer anderen Aufgabe zugeordnet werden. Für eine solche mächtige Simulation ist es besonders erfrischend, dass sie fast völlig ohne Tabellen auskommt. Mit akkuraten Icons ist eine schöne Benutzerführung erreicht worden, und auch das Drehbuchstudio ist sehr übersichtlich trotz der Millionen Möglichkeiten, die sich dort bieten.

Mit dem Rechtsklick bekommt man zu jeder Person, jedem Drehbuch, jedem Film sofort in einem Sprechblasenfächer die nötigen Informationen angezeigt. The Movies hat auch bei der Bedienung viel Humor gezeigt und das Handling im Spiel macht einfach Spaß.

Fazit

The Movies, speziell in der vorliegenden Superstar Edition, die neben dem eigentlichen Spiel auch die Erweiterung „Stunts und Spezialeffekte“ umfasst, ist ein echter Hammer. Das Spiel fesselt sofort für viele Stunden an den Mac und mit der Freischaltung der kreativen Tools, um eigene Filme zu machen, ist dem Spaß keine Grenze mehr gesetzt. Wer davon genervt ist, dass sich die Stars zu unselbstständig geben und ständig in die Bar gesetzt werden müssen, oder trotz schicken Eigenproduktionen die Awards ausbleiben, dem sei der Sandkastenmodus empfohlen, wo zusätzlich noch ein Anfangsjahrzehnt frei ausgesucht werden kann. Auch das Anfangskapital liegt hier ganz im Ermessen des Spielers. Doch vorher liegt ein bisschen Arbeit vor dem Sandkastenspieler, denn bestimmte Gegenstände in diesem Traummodus müssen in der Kampagne zuvor erst freigespielt werden. Die muss insgesamt auch als sehr gelungen angesehen werden, auch wenn das Mikromanagement leichte Abzüge in der B-Note zur Folge hat.

The Movies ist ein witziges, nächtefüllendes Spiel, das durch seine vielen innovativen Ideen auch nach etlicher Spielzeit nicht seinen Reiz verliert.

Systemvoraussetzungen und Jugendfreigabe

mindestens Mac OS X 10.4.0, 1,7 GHz G4, DVD-Laufwerk, 8 GB HD, 64 MB RAM, 3D-Grafikkarte mit 64 MB VRAM. Dieses Spiel unterstützt GMA-Grafikkarten mit Shared RAM.

Freigegeben ab zwölf Jahren gemäß § 14 JuSchG.

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