Tom Clancy's Rainbow Six 3: Raven Shield

Im Jahr 2005 sind die Erinnerungen an die Konflikte des zwanzigsten Jahrhunderts aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Nur noch in alten Büchern und Filmen scheinen die Warnungen der Menschen aus den vom Terrorismus bedrohten Zeiten präsent zu sein. Doch der alte Feind ist längst nicht tot, sondern jederzeit bereit, mit allen Mitteln des Terrors wieder zuzuschlagen. Einziger Schutz gegen diese Art der Bedrohung ist Rainbow, ein Team aus Spezialisten der Vereinten Nationen zur Terrorbekämpfung.

Raven Shield ist der Nachfolger der sehr erfolgreichen Rainbow Six-Serie und beschert dem Mac-Spieler nach Ghost Recon einen sehr anspruchsvollen und vor allem gut aussehenden Taktik-Shooter. Im Gegensatz zu anderen Shootern geht es eben nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Kills oder Frags zu sammeln, sondern am besten ohne Verluste den Einsatz abzuschließen. Das ganze macht natürlich nur Spaß, wenn man auf der Seite der Guten gegen das Böse kämpft. Was genau das Böse eigentlich ist, erfährt der Spieler allerdings nicht wirklich.

Hintergrundgeschichte

Zwar liegt dem Spiel eine Hintergrundgeschichte zugrunde, aber spielrelevant ist diese nicht, denn wie alle Shooter kommt auch Raven Shield ganz gut ohne Hintergrundgeschichte zurecht. Es sei nur erwähnt, dass während des zweiten Weltkrieges im ehemaligen Jugoslawien Dokumente von höchster Brisanz aufbewahrt wurden. In den Wirren des Krieges verschwanden diese Dokumente und in der Gegenwart versucht eine Gruppe von Terroristen, diese Dokumente mit allen Mitteln wiederzufinden.

Steuerung

Wichtigster Bestandteil von Raven Shield ist der Einzelspielermodus, in dem man Mission für Mission versucht, den Terroristen auf die Spur zu kommen. Steuerten sich die Vorgänger noch recht umständlich und ließen sie den Komfort von Ghost Recon vermissen, so ist Raven Shield deutlich entschlackt. Wie in diesem Genre üblich steuert man mit einer Kombination aus Tastatur und Maus. Bei taktischen Shootern enorm wichtig sind die verschiedenen Körperhaltungen, die sich mittels zwei Tasten wechseln lassen. Will man kein leichtes Ziel abgeben, muss man sich in der Hocke bewegen. Allerdings schränkt die Hocke die Fortbewegungsgeschwindigkeit derart ein, dass es sich nicht empfiehlt, ein Haus in der Hocke zu stürmen – ein aufrechter Gang ist hier die gesündere Wahl. Der sich im Gebüsch versteckende Scharfschütze hingegen legt sich besser ganz hin, um möglichst schwer getroffen werden und auf weite Distanzen am ruhigsten zielen zu können. Unverständlicherweise können Mitglieder einer Spezialeinheit keine Sprünge machen, weswegen jedes noch so kleine Hindernis umlaufen werden muss.

Teams, Ausrüstung & Missionsplanung

Zu Beginn jeder Mission erfolgt die Zusammenstellung des Teams. Zur Auswahl stehen Gewehrschützen, sozusagen mit einem Sturmgewehr ausgestattete Allrounder, die die Basis des Teams bilden. Spezialisierter sind die Scharfschützen, die zwar perfekt mit ihren Scharfschützengewehren umgehen können, aber ohne Teamkollegen bei einem direkten Feuergefecht recht hilflos sind. Außerdem gibt es noch Sprengstoffspezialisten, die sich mit ihren Fähigkeiten im Mittelfeld bewegen und nicht für jede Mission vonnöten sind. Hat man sich ob der Teamzusammenstellung entschieden, kann man in einigen Fällen noch Ausrüstung aussuchen. Oft ist die Ausrüstung aber fest vorgegeben. Spezialisten für Sprengstoff, Elektronik und Geiselrettung runden das Profil ab und sind in einigen Missionen von unschätzbarem Vorteil.

Zur Auswahl steht eine Vielzahl von kleinen und großen Waffen und anderen nützlichen Gegenständen, wie zum Beispiel verschiedenen Granaten, einem Herzschlagsensor oder Nachtsichtgeräten und Wärmesensoren. Den größten Teil nehmen – wie sollte es anders sein – die Schusswaffen ein. Das Sortiment reicht von Pistolen wie Glock oder Desert Eagle über Maschinenpistolen wie Uzi, Ingram-Mac oder MP5 bis hin zu den etwas wirkungsvolleren Sturmgewehren wie M16, AK47, FAMAS, Steyr Aug oder FNC. Nur für Scharfschützen geeignet sind dagegen die Gewehre PSG-1, AW Covert oder M82A1. Zwei weitere Spezialkategorien sind Schrotflinten und Maschinengewehre – beide kommen aber eher selten zum Einsatz, da zu groß und ungenau. Bis auf die Scharfschützengewehre verfügt keine der Waffen über einen Zoom. Wie bei taktischen Shootern üblich, kann man nicht einfach drauflos laufen und um sich schießen, denn je schneller man sich bewegt, desto ungenauer trifft man.

Im nächsten Bildschirm legt man anhand einer Karte des Missionsgeländes das Vorgehen bzw. den Plan der Mission fest. So kann man für jedes der insgesamt drei Teams eine Route vorgeben und an brisanten Stellen einen Wartepunkt setzen, um zum Beispiel ein Gebäude gleichzeitig von drei Seiten zu stürmen. Für die noch unerfahrenen oder schlichtweg faulen Taktiker unter euch haben die Entwickler für jede Mission zwei Pläne vorgegeben. Ein Plan ist meist auf ein sicheres Vorgehen optimiert, während der andere mehr auf Action ausgelegt ist und sich schneller spielt. Hat man hier eine Wahl getroffen, kann die Mission beginnen.

Die Missionen

Das Ziel beinahe aller Missionen ist es, alle Terroristen auszuschalten und sie daran zu hindern, irgendeine Handlung auszuführen – sei es, eine Geisel zu töten oder eine Bombe zu zünden. Die Schauplätze sind dabei sehr abwechslungsreich, zum Beispiel eine Skihütte in Norwegen, eine Villa in Venezuela oder eine Schlachtfabrik in Argentinien. Alle haben gemein, dass die Gefechte meist in Häuserkämpfe ausarten, denn im Gegensatz zu Ghost Recon gibt es keine großen Außenareale, in denen man sich in Gebüschen verstecken und seinem Gegner auflauern könnte. Zusammen mit den fast immer gleichen Missionszielen kommt hier schon etwas Langeweile auf. Zum Glück sind einige Missionen so schwer, dass mehrere Versuche nötig sind, um das Ziel mit gesundem Team zu erreichen. Eine Ausnahme ist die Mission in einem Penthouse: Hier gilt es, unbemerkt drei Wanzen zu installieren, ohne dabei Lärm oder gar Gebrauch von Schusswaffen zu machen.

Die Terroristen, die dem Spieler dabei über den Weg laufen, fallen in zwei Kategorien: Die eine Sorte ist nur schwer zu eliminieren und agiert äußert geschickt, die andere Sorte ist meist nur Kanonenfutter und lässt sich oft aus großer Distanz mit einem Schuss erledigen, obwohl man vorher durch den Flur getrampelt ist wie ein Elefant. Spielt man den Übungsmodus, so fällt deutlich auf, dass die Computergegner teilweise äußerst dumm reagieren. Trotzdem kann Raven Shield den Spieler gute 20 Stunden im Einzelspielermodus an den Monitor fesseln. Richtig interessant wird diese Art von Spielen freilich erst im Netzwerk gegen andere menschliche Spieler. Hier lässt sich Raven Shield leider nur zwischen Macs spielen, da der Netzwerkcode inkompatibel mit der PC-Version ist.

Raven Shield ist ein sehr interessantes Spiel, in dem es nicht nur darauf ankommt, wer schneller um die Ecke hüpft und schießen kann. Gerade der Teamaspekt macht das Spiel ziemlich einzigartig: In jedem Augenblick kann man zwischen den verschiedenen Charakteren wechseln und schwierige Aufgaben selbst in die Hand nehmen. Hinter jeder Ecke könnte eine Gefahr lauern. So huscht man schnell von einer Deckung in die Nächste und hofft, nicht entdeckt zu werden. Bei Dunkelheit und dem beschränkten Gesichtsfeld eines Nachtsichtgerätes kommt eine ganz eigene Stimmung auf, die nur das Spiel Splinter Cell überbieten dürfte. Besonders gut gelungen ist folgendes “Schnellaktions-Menü”: Blickt man auf eine Tür, erscheint durch Drücken der Leertaste ein Menü mit vier Unterpunkten, mit denen man Teamkollegen diverse Aufgaben (Tür öffnen, Tür öffnen und Raum stürmen, Tür öffnen und Raum mit Granate sichern, Tür aufsprengen) zuweisen kann. So lässt sich für riskante Stellen ein Computerspieler einsetzen.

Sehr unspektakulär wirken die Briefings an sich: Ein kleiner Film zeigt im Blaupausen-Stil wie das Gebäude aussieht, wo man abgesetzt wird und wo mit erhöhtem Feindaufkommen zu rechnen ist. Daneben bleibt jedem Spieler freigestellt, vier verschiedenen Quellen zu lauschen, die alle mehr oder weniger hilfreiche Hinweise für die Missionen geben und den Hintergrund beleuchten. Wer diesen Teil überspringt, wird im Spiel immerhin durch Wegpunkte geleitet, die ein Verlaufen nahezu unmöglich machen. Das Spiel würde durch eine begrenze Auswahl an Teammitgliedern sicherlich deutlich spannender werden. Wenn zu viele Kameraden fallen, werden die freien Plätze irgendwann durch namenlose Spezialisten ersetzt. Viel schöner wäre es jedoch, wenn man sich wirklich bemühen müsste, alle Personen unverletzt durch die Mission zu bringen. Dabei wird das Spiel schon sehr durch eine frei einstellbare Zielhilfe erleichtert. In der einfachsten Einstellung genügt schon ein ungefähres Zielen, um zu treffen. Echte Profis spielen natürlich ohne Zielhilfe, sind aber bei Ecken und Türen gegenüber dem reaktionsschnellen Computer benachteiligt.

Freie Missionen

Neben dem Mehrspielermodus gibt es auch freie Missionen, die sich neben den bekannten auch in vier weiteren Örtlichkeiten spielen lassen. Bei den freien Missionen sind mehrere Spielarten möglich, eine ist der Übungsmodus. In anderen werden die Gegner zufällig verteilt und müssen anschließend ausnahmslos eliminiert werden. Eine etwas interessantere Spielart nennt sich “Einsamer Wolf”, hier spielt man alleine gegen alle Terroristen und muss gesund vom Absatzpunkt zum Rettungspunkt gelangen – kein besonders leichtes Unterfangen. Im letzten Modus ist das primäre Ziel die Befreiung der Geiseln. Wie man das anstellt, ist letztlich egal. Die Ausschaltung sämtlicher Gegner ist nicht immer nötig – mit etwas Glück ergeben sich diese bei allzu aussichtslosen Situationen auch.

Grafische Darstellung

Dank der Unreal-Warfare-Engine kann Raven Shield grafisch voll überzeugen, die Vorgängerversionen und auch Ghost Recon sehen dagegen ziemlich altbacken aus. Die Spielfiguren sind extrem detailliert, wie die Gesichter hinter den Masken und die Ausrüstungsgegenstände am Gürtel und auf dem Rücken zeigen. Auch die Umgebung ist sehr gut nachgebaut und wirkt nicht so steril wie in anderen Spielen. Auf Fensterbänken stehen Blumen, auf Schreibtischen liegen Bücher und Büromaterial. Und wie es im Kleinen anfängt, so geht es auch bei größeren Gebäuden weiter, die eine richtige Architektur aufweisen und sich nicht nur als große “Klötzchengebilde” darstellen. Mit Effekten bei Rauch- oder Blendgranaten wird auch nicht gegeizt. Mündungsfeuer erleuchtet dunkle Räume und zeigt dem Feind, wo der Scharfschütze lauert.

All diese grafische Pracht hat ihren Preis. Gerade die Nebel- und Raucheffekte brauchen leistungsstarke Grafikkarten, denn auch 32 MB Videospeicher sind bei den hoch detaillierten Texturen oft zu wenig. Im Gegensatz zur PC-Version, die mit massiven Leistungsproblemen zu kämpfen hatte, bleibt die Mac-Version jedoch gut spielbar und läuft sehr stabil. Besitzer eines iMacs oder eMacs erfüllen zwar mit ihren Rechnern die Mindestanforderungen des Spiels, werden jedoch aufgrund der verbauten Grafikkarten (Geforce4MX und Radeon 7500 in den aktuellen Modellen) Raven Shield eher bescheiden aussehen lassen.

Sound

Die Geräuschkulisse ist ebenfalls gut gelungen und sehr detailliert. Zum Beispiel passen sich die Schrittgeräusche den verschiedenen Untergründen an. Im Gras raschelt es, im frischen Schnee knirscht es und auf Metall hat man sich schon beim ersten Schritt dem Gegner verraten. Die Kommandos werden ebenfalls akustisch verdeutlicht, wir alle kennen das “GoGoGo”, aber hier schreien auch die Terroristen laut nach Hilfe oder eben die Geiseln – je nachdem, wie geschickt man sich anstellt. Die Musik rückt zwar eher in den Hintergrund, aber auch diese kann durchaus überzeugen. Bei einem taktischen Shooter ein durchaus wichtiger Punkt sind die Sounds der Waffen, die gut umgesetzt wurden. Am Klang lässt sich schon erahnen, wer da gerade schießt und wohl gleich als nächstes um die Ecke gelaufen kommt.

Anmerkungen

Eine realistische Physik-Engine fehlt Raven Shield zur Vollendung. Zwar kann man Scheiben zerschießen und alle eliminierten Gegner fallen realistisch zu Boden, doch ist es zum Beispiel leider immer noch nicht möglich, Möbel zu verschieben, um beispielsweise Eingänge dadurch zu verbarrikadieren.

Während der Testphase ist mir aufgefallen, dass Raven Shield doch eng mit der UT2003-Engine verknüpft ist. Stürzt UT2003 oder die Demo von UT2004 ab, startet Raven Shield nicht mehr bzw. zeigt mit schwarzem Bildschirm die Meldung, dass diese Refresh-Rate nicht verfügbar sei. Auch ein Blick in die “INI” hilft nicht viel weiter, hier kann man zwar unter “Refresh-Rate” wieder einen Wert von 75 oder Ähnliches eintragen, aber erst nach einiger Zeit läuft Raven Shield plötzlich wieder normal. Der ASPYR-Support konnte mir dazu nicht viel sagen, außer dass es eventuell an der Radeon 9000 Pro liegen könnte.

Fazit:

Wem Ghost Recon langsam langweilig wird, der sollte sich unbedingt Raven Shield anschauen. Allerdings dürfte es auch für alle anderen Spieler einen Blick wert sein. Ich bin mit großen Erwartungen in diesen Test gegangen – vor allem wegen des Netzwerkspiels, das leider mangels Kompatibilität nicht überzeugen konnte. Dennoch überzeugt Raven Shield in allen anderen Punkten und sollte in keiner Spielsammlung fehlen – leistungsfähige Hardware vorausgesetzt.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

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