Traitors Gate

Als amerikanischer Geheimagent habe ich die Aufgabe, in den Tower von London einzudringen und die Kronjuwelen gegen Duplikate auszutauschen, bevor ein finsterer Schurke das tun kann. Innerhalb von zwölf Stunden muss die Mission abgeschlossen sein. Und die Aufgabe ist keine einfache…

Nach dem Intro, welches die bevorstehende Mission erklärt, finde ich mich erst einmal in der Besenkammer wieder, ungefähr 10 cm von der Wand entfernt. Hmm, was mach‘ ich jetzt? Na klar, erst einmal den PDA am Handgelenk einschalten und noch ein paar Infos saugen – dachte ich. Kaum aktiviere ich den PDA, heißt es: „Mission Password?“ Oh, vielleicht doch einmal das Handbuch durchblättern? Im Handbuch heißt es, im Briefing werde das Passwort genannt. Also noch einmal den Film geguckt… und wo war das Passwort? Noch einmal das Handbuch. Ahh, der eigene Codename ist auch das Passwort. Noch einmal den Film: Wie hieß ich doch gleich? Ich hab es dann doch noch rausgefunden (im Handbuch ist das Briefing abgedruckt) und konnte mich auch aus der Besenkammer „befreien“ und die Mission beginnen.

Traitors Gate ist kein Shooter, auch wenn die Screenshots auf der Packung das suggerieren können. Traitors Gate ist ein Adventure-Puzzle-Spiel im Stil eines Myst mit realem Hintergrund. Und wie in vielen dieser Spiele können die Rätsel einem doch schwer zu schaffen machen. Ich saß gleich im zweiten Raum fest, weil ich eine Art Taschenlampe, die ich in einem Schrank gefunden habe, nicht als Taschenlampe identifizieren konnte (die sieht auch echt merkwürdig aus) – im dunklen Brunnenschacht geht es nur weiter, wenn man die komische Taschenlampe anmacht. Einen alternativen Weg gibt es in dieser Situation nicht.

Ein großer Pluspunkt gegenüber Myst ist, dass man nicht Abschnitt für Abschnitt abhandeln muss, mit einigen Einschränkungen (man muss sich schon aus dem White Tower befreit haben und in der Kanalisation gelandet sein) ist das Towergelände frei zu erkunden.

Die im Spiel verwendete Grafik sieht auf den ersten Blick spektakulär aus, aber da es sich um so eine Art Quicktime VR handelt kann man sich leider nur auf vorgerenderten Wegen zu verschiedenen Punkten in den Räumen bewegen. Von diesen Punkten aus kann man sich da in alle Richtungen drehen und Hotspots aufrufen, um zum nächsten Punkt zu gelangen, oder irgend etwas, wie z.B. Kisten oder Schlösser rauszoomen, um in eine Detailansicht zu gelangen. Mein Wunschkanditat wäre hier die Traitors Gate-Mission gepaart mit einer Bewegungsfreiheit von DeusEx oder Rainbow Six.

Optionen sucht man bei dem Spiel fast vergeblich: Die Auflösung ist auf 640×480 bei 32.000 Farben begrenzt, und nur die Soundlautstärke kann man im Speichern/Laden-Menü verändern. Die Geräuschkulisse ist durchaus noch verbesserungswürdig. Insbesondere die zwischendurch kurz einsetzende Musik ist merkwürdig. Man ist da ja etwas konditioniert – wenn Musik einsetzt passiert etwas. Normalerweise. Nicht so in Traitors Gate, hier setzt die Musik durchaus zufällig ein und nichts passiert. Eigentlich habe ich bei jedem Einsetzen der Musik erwartet, dass ein Wachposten hinter der nächsten dunklen Ecke lauert, oder irgendetwas anderes Fieses passiert, aber es lief alles normal weiter.

Auf dem Test-Mac (PM 5400/180 mit 603ev) läuft das Spiel durchaus spielbar, aber nicht umsonst steht in der Anleitung, dass ein 604-Prozessor empfohlen ist. Gebraucht wird der schnellere Prozessor vor allem für das Hin- und Herdrehen. Technisch ist das Spiel soweit in Ordnung. Auf dem Test-Mac waren keine Probleme auszumachen, auch wenn es auf der Seite www.traitorsgate.com eine kleine Liste mit Bugs und Problemen gibt, für die aber bislang keine Patches erschienen sind.

Da es sich bei dem Spiel um eine Hybrid-Version handelt, habe ich es auch auf einem Pentium III mit 800 Mhz installiert (Schande über mich…). Die Spielgeschwindigkeit hat sich dadurch gut vedoppelt 😉 – Der PC-Installer will kurioserweise auch Quicktime 2.0, dann 3.0 und obendrauf Version 4 installieren… warum auch immer – PC halt. Beim Mac funktioniert alles mit Quicktime 4.0, welches auch beiliegt.

Kleine PC-Anekdote am Rande: Es gibt einen kleinen, aber nicht gerade unwesentlichen Bug auf der PC-Seite: Bei einigen Systemen sind Quicktime-Filme in der Grafik nicht sichtbar, d.h. nur als schwarze Flächen zu sehen. Eine Aufgabe besteht leider darin, einen Wachposten auszuschalten, der ein wenig patrouilliert – schade eigentlich! Rettung für alle PC-Spieler, die noch verzweifelt suchen: Einfach das Savefile auf den Mac kopieren, den Wachposten per Eispfeil kaltstellen und am besten gleich am Mac weiterspielen, damit das nicht noch einmal passiert! Abenteuerlustige können das Savefile auch einfach wieder zurückkopieren.

Es gibt leider so ein paar inhaltliche „Probleme“ in Traitors Gate. Eigentlich sollte man nur in den Tower, um eben die Kronjuwelen auszutauschen, warum muß ich dann bei so einer Mission die große Tower-Tour buchen und sämtliche Räume ablaufen? Und ich dachte immer, der Tower wäre so eine Art Museum. Warum finde ich dann in den Kisten und Truhen in der Ausstellung Codekarten und Schlüssel und anderen nützlichen Kleinkram? Klar, das Spiel wird dadurch größer und auch komplexer, auch die Lerngefahr ist bedeutend höher (nach einiger Zeit kann man die Lebensdaten der meisten königlichen Herrschaften, die irgendwie mit dem Tower zu tun hatten, gut herunterbeten – Geschichtslehrer aufgepasst!), aber für mich passt das alles nicht so zur eigentlichen Mission. Und spätestens wenn man die Haftmine anbringt, um sich den Weg freizusprengen, ist eine Frage angebracht: Wie war das in der Missionsbeschreibung: „ohne Spuren zu hinterlassen“??? Auch der „per Eispfeil einzuschläfernde“ Wachposten ist da ziemlich hart an der Grenze des Vertretbaren (dem Wachpersonal darf nichts geschehen!), zumal es keine alternative Lösung gibt. Ein positives „Problem“ ist die ungeheure Traglast, die man selbst an den Tag legt. Man muss kein einmal aufgenommenes Objekt wieder ablegen (eigentlich braucht man einen halben Container, um alles unterzubringen…). Ist zwar nicht realistisch, aber es erspart einem so manchen Weg, da man immer alle Objekte verfügbar hat.

Fazit:

Insgesamt ist Traitors Gate ein gutes Spiel für alle Adventure-Liebhaber. Wer allerdings lieber ein wenig Action hat, oder beim Spielen leicht ungeduldig wird, wird nicht glücklich werden. Die Rätsel sind im Allgemeinen logisch aufgebaut, aber teilweise sehr schwer zu durchschauen. Ein Lösungsheft oder eine ausgiebige Internetrecherche sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen, damit der Frustlevel sich in Grenzen hält.

Achtung Spoiler: Da finde ich doch eine interessante chinesische Puzzlebox, die ich natürlich öffnen will (es handelt sich ja um ein Adventure…), in Anne Boleins Schlafgemach. Die Box hat ein chinesisches Zahlenschloss. An der Wand hängt ein Gemälde der guten Frau mit ein wenig (kaum zu entziffernder – siehe den Screenshot mit dem Bild) Schrift drauf. Diese Schrift soll das Hinrichtungsdatum von Anne Bolein darstellen und ist auch der Code für die Box. Mit Hilfe einer chinesischen Mah-Jongg-Karte, die drei Räume zurück in einer Schublade liegt, kann man das Datum in chinesische Zeichen Umwandeln und eingeben… geschafft!)

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

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