Offener Brief an BILDspielt.de

Ab und zu bekommen wir Anfragen zu Linktausch. Das Spiel lautet: »Gibst du mir ’nen Link, geb‘ ich dir einen« und soll dafür sorgen, dass sich das Ranking bei Suchmaschinen wie Google und Bing erhöht.

Grundsätzlich haben wir da nichts gegen: Wir verlinken ohnehin viel dahin, wo es für Euch als Leser relevant und interessant ist. Und wir freuen uns im Gegenzug auch über Links, die von fremden Seiten auf uns weisen. Was wir nicht mögen, ist Linktausch als Geschäftsmodell.

Heute bekamen wir ein besonderes Angebot – von BILDspielt.de. BILDspielt.de ist ein Angebot der BILD digital GmbH & Co. KG
, einem Tochterunternehmen der Axel Springer AG, dem Herausgeber zum Beispiel der Tageszeitungen »Die Welt« und »BILD«. Aufgrund der Reichweite dieser Seite – laut Alexa.com handelt es sich bei BILDspielt.de um eine der 10.000 trafficreichsten Seiten Deutschlands – würde uns bei macinplay.de (Platz 150,914 bei Alexa.com) würden wir stark von einem Link profitieren.

Hier das (anonymisierte) Schreiben:

Von: Kooperationsteam
Datum: 23. Dezember 2011 14:51:14 MEZ
An: info@macinplay.de
Betreff: Kooperation (BILDspielt.de – Macinplay.de)

Sehr geehrte Damen und Herren ,

auf der Suche nach möglichen Link-Partnern für unseren Partner BILDspielt.de bin ich auf Ihre Seite Macinplay.de gestoßen. Wir sind der Ansicht, dass Sie ein guter Kooperationspartner für BILDspielt.de wären. BILDspielt.de ist ein Spiele-Portal von BILD digital und ein umfassendes Portal zu Browser-, Download-, Online- und Social-Games.

Wir würden gern Ihre Seite mit einem redaktionellen Textlink auf einer themenrelevanten Spieleseite auf BILDspielt.de unter der Rubrik „Interessantes“, wie bspw. zu Zumas Revenge Abenteuer DL ( http://www.bildspielt.de/download-spiele/actionspiel/zumas-revenge-abenteuer-dl/ ) und zu Puzzlequest (http://www.bildspielt.de/online-spiele/denk-knobelspiel/puzzlequest/) verlinken.

Im Gegenzug dazu schlagen wir vor, dass wir einen redaktionellen Textlink in der Sidebar (unter einer Kategorie wie „Empfehlungen“, „Tipps“ oder „Interessantes“) mit dem Linktext „Pflanzen gegen Zombies online spielen“ (Linkziel: http://www.bildspielt.de/online-spiele/actionspiel/pflanzen-gegen-zombies/) erhalten.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung und wäre Ihnen für ein baldiges Feedback oder einen Anruf sehr dankbar!

Mit freundlichen Grüßen,
[Name der Redaktion bekannt]

Nach einer kurzen Diskussion in der Redaktion war klar, dass wir dieses Angebot ablehnen würden. Um genau zu sein, handelte es sich nicht einmal um eine Diskussion, sondern lediglich die allgemeine Bestätigung eines vorherrschenden Meinungsbildes. Ein Redakteur sagte schlicht »WTF?«, ein anderer: »Ich kriege Ausschlag bei allem, wo BILD draufsteht«. Schließlich beschloss ich als Herausgeber: »Mit denen gibt es keine Zusammenarbeit.« Die Antwort unseres Chefredakteurs David war: »Wenn du zugestimmt hättest, wäre ich bei macinplay ausgestiegen.«

Hier meine Antwort:

Sehr geehrte Frau [xxx],

als Mensch stehe ich der BILD-»Zeitung« ausgesprochen kritisch gegenüber. Dankenswerterweise fordert die BILD-»Zeitung« jeden dazu auf, sich seine Meinung zu bilden. Dies habe ich getan und halte damit auch nicht hinterm Berge: Ich halte die BILD für ein widerliches Drecksblatt, das ganz bewusst nahe der Volksverhetzung operiert und als einziges Ziel verfolgt, in vielleicht sogar schon psychopathischer Manier Menschenleben und Karrieren zu zerstören und die Bundesrepublik Deutschland, ihre freiheitlich-demokratische Grundordnung sowie ihre Organe und Mandatsträger durch gezielte Kampagnen zu erschüttern.

Aus diesem Grunde käme für mich als Privatperson eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der Axel Springer AG oder seinen Tochterunternehmen und Erfüllungsgehilfen unter keinen Umständen infrage.

Als Unternehmer müsste ich wahnsinnig sein, Ihr Angebot auszuschlagen.

Doch lieber werde ich als »wahnsinnig« tituliert, als dass ich mit irgendeinem Springer-Medium kooperiere. Um es mit Cato dem Älteren zu sagen: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Springer enteignet werden muss.«

Persönlich jedoch wünsche ich Ihnen dennoch ein schönes Weihnachtsfest.

Beste Grüße aus dem bewölkten Hannover,
Gero Pflüger

Herausgeber macinplay.de

Damit wäre das geklärt. Wir gehören zu den Guten. Schöne Weihnachten Euch allen!

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37 thoughts on “Offener Brief an BILDspielt.de”

  1. falky says:

    Frau xxx wird es brennend interessieren, was Du über die Bild denkst. Ein einfaches „Nein“ hätte es auch getan. 

    1. Huettengeorge says:

      Ein nein hätte nicht gereicht finde ich. Es gehört immer eine gute Begründung zur einer Ablehnung. Ich finde diese sehr Aussage kräftig.

    2. Helli says:

      True … wirklich eine etwas unnötige Gutmenschen-Aktion. Spende doch lieber, anstatt Deine Zeit an so was zu verschwenden 🙂

  2. Egysdf says:

    Oh. Mein, Gott. Ihr seid so peinlich!

  3. HoLLe says:

    sehr sehr schön… you saved my day 🙂

  4. Volker says:

    danke

  5. Swen Deskowski says:

    Echt ein starkes Statement, schön, dass es noch Leute gibt, die sich von der BILD nicht einschüchtern lassen…

    Daumen hoch und eine frohe Weihnacht,
    Swen Deskowski

  6. Marleen Kiral says:

    Gut gemacht 🙂 Acht Daumen hoch 🙂 

  7. Martin says:

    Starke Sache

  8. Timo says:

    Selten so einen Blödsinn gelesen.

    Und die Aussage:“Damit wäre das geklärt. Wir gehören zu den Guten.“Ist eigentlich der Gipfel der Lächerlichkeit.

  9. Darlinchen says:

    Kompliment, jemand der seine Ideale über den Profit stellt.

  10. Florian says:

    Ein Hoch auf die schwarz-weiße Welt!

  11. kai says:

    Also ich kann ja verstehen, dass man nicht mit denen zusammen arbeiten will. Aber warum enteignen? Warum soll das wegnehmen von Eigentum unter Zuhilfenahme von Zwang gegen Springer angewandt werden und zB nicht auch gegen Augstein (derFreitag)?
    Die journalistische Qualität ist ähnlich.

    1. Marvin says:

      enteignung bedeutet nicht unbedingt „dichtmachen“.
      Zitat:

      „Die Forderung, Springer zu enteignen, konkret: Die Auflagenhöhe der in einem Konzern erscheinenen Zeitungen auf insgesamt 500 000 zu beschränken, die ausgegliederten Teile des Konzerns zur Neugründung von Zeitungen zu verwenden“

      (Ulrike Marie Meinhof, „Enteignet Springer!“, erschienen in der Zeitschrift „konkret“, Nr. 9, 1967)

  12. Basti aus Bonn says:

    Nach dem offenen Brief von der „Wir sind Helden“-Sängerin das bisher beste Statement gegen Bild! Absolut zitierfähig!

    Highlight: „Persönlich jedoch wünsche ich Ihnen dennoch ein schönes Weihnachtsfest.“

    Na dann, frohe Ostern!

  13. J Armin says:

    Daumen hoch, Springer enteignen!

  14. Superwerni says:

    Ich hätte ja noch Kai Diekmann zu seiner Penisverlängerung gratuliert

  15. Lenni_hh says:

    Es war mir gar nicht bewusst, dass der alte Sponti-Slogan „Enteignet Springer!“ überhaupt noch jemandem was sagt! 

    Wenn ihr die Zusammenarbeit mit „Bild“ ablehnt, dann verstehe ich das gut. Aber bitte nicht mit solchen Sprüchen. Das macht euch nur klein.

  16. Siegfried Damoune says:

    Respekt!
    Ich hoffe dass viele diese Nachricht in ihren sozialen Netzwerken teilen!

  17. Econsim says:

    wenn es nur Alle so machen würden. Ich begegne jedem Promi, der sich einer Bild-Kampagne zur Verfügung stellt, nur mit ätzender Verachtung und boykottiere dessen Produkte. Was ich allerdings hervorheben möchte, ist nicht die hetzerische Art des Blattes, sondern dessen gezielte Verblödungsabsicht. Es lebt die totale Dummheit vor, und das kann nicht ohne Spuren bleiben.

  18. Siegfried says:

    P.S.
    Ich hatte früher beruflich mit denen von der Computerblöd zu tun.

    Die Leute die da arbeiten sind genauso wie man sich die vorstellen muß!
    Frohe Weihnachten denn…..

  19. Wilson says:

    Grossen Respekt von mir, das ihr euch so entschieden habt!
    Ich kann mich nicht erinnern jemals sowas gelesen zu haben wo das gewissen über dem profit stand. Im übrigen würde ich auch so gerne briefe schreiben können wie der Autor hier.
    Weiter so!

  20. Eh79 says:

    Ich verabscheue zwar alles was mit dem Marke Apple einher geht und halte diesen Konzern als mindestens so wiederwertig wie scientology aber es sei gegeben das man den verblendeten Jüngern ihr Geld mit Spielen entzieht – hierfür Danke!
    Verbundensten Dank für diese so treffenden Zeilen und das Rückrad einem solchen Monster die kalte Schulter zu zeigen
    Frohes Fest

  21. AlexB says:

    Respekt!

  22. Falkentavio says:

    Sehr schöne Antwort und keines Falls zu hart. Hier steht jemand zu seiner Überzeugung und scheut sich nicht sie klar und deutlich den Betreffenden gegenüber zu formulieren, ohne irgend eine wirtschaftlich-juristische Blümchensprache.

    Daumen hoch, wenn es blos mehr solche Menschen gebe in den entsprechenden Positionen.

  23. Vasilie says:

    Stimme ich zu! Begrüße diese Entscheidung und Beglückqünsche Sie zhu derart Schneid.

  24. Mreinhard says:

    Alle Achtung! Gerade unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkten …

  25. Alexander Alpha says:

    Allein schon wegen des Cato-Zitats ein ordentliches Klopfen auf Holz. 😉 Bravo. Hoffentlich findet das Anklang (man soll die Hoffnung nie aufgeben..)

  26. Schein says:

    Scheinheilig!

  27. Luke_a17 says:

    Ohje, ich sehe diese Seite jetzt schon in der Verlierer-Spalte! Macht die BLÖD doch sonst auch so!

  28. Raul says:

    „…Ich halte die BILD für ein widerliches Drecksblatt, das ganz bewusst
    nahe der Volksverhetzung operiert und als einziges Ziel verfolgt, in
    vielleicht sogar schon psychopathischer Manier Menschenleben und
    Karrieren zu zerstören und die Bundesrepublik Deutschland, ihre
    freiheitlich-demokratische Grundordnung sowie ihre Organe und
    Mandatsträger durch gezielte Kampagnen zu erschüttern…“
    Besser kann man es nicht ausdrücken, so etwas muss einfach mal gesagt werden.
    Ich fand übrigens den Brief von Frau Holofernes auch nicht schlecht 😉

  29. Peter aus Heidelberg says:

    Ja. Die einzig richtige Antwort. Sehr gut. Respekt.

  30. Friedrich says:

    Um was geht’s? Ich seh‘ nur lauter Nennungen von „BILDspielt.de“ in dem Artikel …

  31. Marvin says:

    Merci beaucoup.

  32. ring2 says:

    Klingt nach einem Linkbait mit Umweg. Hmm.

  33. Anti-Hassposter says:

    Danke. Danke. Danke! Und: »Im Übrigen bin ich auch der Meinung, dass Springer enteignet werden muss.«

  34. Dakin says:

    Eine sehr gute Entscheidung.

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