DarwiinRemote

von Michael Gamer, 8. März 2007 Mit der Ende letzten Jahres erschienenen Wii-Konsole von Nintendo zeigte sich seit langer Zeit einmal wieder der erste drastische Versuch, ein neues Konzept im Videospielemarkt zu etablieren. Während der Rest der Industrie allgemein auf größer, schneller, bunter & Co. hinarbeitet, kam Nintendo mit der Wii Remote auf. In dieser „Fernbedienung“ liegt das Geheimnis von Nintendos neuem Ansatz (und dass der Erfolg hat, scheinen die Verkaufszahlen der Wii ja zu belegen). Worum es geht: der Controller der Wii enthält, neben den üblichen Tasten, Beschleunigungssensoren für alle drei Achsen. Die Bewegung des Controllers im Raum wird aufgenommen, in Signale verarbeitet und damit die Konsole bedient. Ziel soll eine „realistischere“ Steuerung von z.B. dem virtuellen Wohnzimmergolfparcours sein. Inwieweit einem das Konzept zusagt ist eigene Sache – viele mögen zu Recht monieren, dass das Ziel von Videospielen im Allgemeinen sein sollte, sich möglichst wenig zu bewegen, und das hier läuft definitiv auf das Gegenteil raus.

Aber was hat das Ganze mit dem Mac zu tun? Ganz einfach: die Signale der Wii Remote (die man übrigens auch separat erwerben kann) werden via Bluetooth und Infrarot an die Konsole übertragen. Und damit kommt die Sache in Schwung. Dank der heldenhaften Bemühungen der Opensource-Szene, die ein Wii Linux bauen wollen, gab es sehr bald Opensourcetreiber für die Wii Remote, die mittlerweile von entsprechenden Projekten für PC und Mac weitergenutzt werden. In unserem Fall heißt das entsprechende Projekt DarwiinRemote und bildet die Basis einer Software, die uns ermöglicht, die Wii Remote als Eingabegerät zu nutzen.

DarwiinRemote
DarwiinRemote verwandelt die Wii Remote in eine am Mac voll nutzbare Maus, nur mit dem Unterschied, dass eben kein Mausball oder optischer Sensor verwendet wird, sondern die Beschleunigungssensoren der Wii Remote. Auf diese Weise kann man die Wii Remote auch zum Spielen von z.B. Shootern verwenden. Das klingt zwar auf den ersten Moment sehr interessant, stellt sich jedoch als etwas schwierig heraus, da viele Spiele mit DarwiinRemote noch nicht so recht funktionieren wollen. Mit voranschreitender Entwicklung der Software verbessert sich zwar die Kompatibilität, allerdings funktioniert es bei vielen Spielen leider noch nicht, bzw. noch nicht richtig (da es sich um ein Plattformübergreifendes Opensource-Projekt handelt, sind die Fortschritte, die in nur kurzer Zeit erreicht wurden, beachtlich); aber zuvor gilt es andere Hürden zu überwinden.

Kalibrierung der Wii Remote: Unsere Testrechner waren ein G4 Mac Mini und ein G4 PowerBook. Diese verfügen über keinen IrDA Port, denn der ist ja erst mit den Intel Macs wiedergekommen. Für letztere sollte es relativ einfach sein, die Wii Remote zu kalibrieren, da der Vorgang eben über Infrarot läuft. All jenen, denen dieser Port fehlt, steht ein etwas mühseliger, manueller Kalibrierungsprozess bevor. In selbigem wird die Positionierung im Raum festgestellt, damit später die Bewegungen korrekt interpretiert werden können.

Hat man dann ein Spiel gefunden, dass einwandfrei mit der Wii Remote funktioniert (wir haben UT99 als ausreichend zuverlässig ermittelt), stellt sich einem das Problem, dass es gar nicht so einfach ist, mit der Wii Remote zu spielen, wie es aussieht: Schließlich kann man für das Drehen nach links und rechts (bzw. das Bewegen der Maus nach links und rechts) nicht die x-Achse (für alle nicht-Mathematiker unter Euch, die x-Achse ist die Querachse) verwenden, da man dann ja bei einer 180°-Drehung in einem Shooter mit dem Rücken zum Bildschirm stehen würde. Also muss die Längsachse verwendet werden, was, wenn man nicht daran gewöhnt ist, das Spielen etwas schwierig macht. Wenn man den Bogen dann aber raus hat, macht es durchaus Spaß (auch wenn es schwieriger ist als mit der Maus) mit der Wii Remote zu spielen. Leider macht sich dabei deutlich bemerkbar, dass die Spiele nicht für die Wii Remote ausgelegt sind, was allerdings auch bei Computerspielen nicht wirklich überraschen sollte. Dennoch ist es eine lustige Erfahrung, und mit ausreichend Training sind erstaunliche Ergebnisse möglich (bei den Links findet ihr ein Video auf YouTube, bei dem Halflife 2 unter Windows an einem MacBook Pro gespielt wird).

Weitere Software für die Wii Remote
Eine sehr lustige Spielerei, auch wenn sie von keinem praktischen Nutzen ist, ist das kostenlose Programm WiiSaber. WiiSaber liest die Sensoren der Wii Remote aus um, ähnlich wie MacSaber, zu den Bewegungen passende Lichtschwert-Sounds zu machen. Achtung: Man sollte sich beim Benutzen von WiiSaber in einen großen Raum mit viel Platz stellen, damit man nicht versehentlich gegen die Wände oder andere Gegenstände schlägt (ich spreche hier aus Erfahrung). Weiterer Bonus – hier ist keine Kalibrierung nötig. Also „feel the force“ und legt los, der Spaßfaktor ist unglaublich (unbedingt den Mac an eine leistungsstarke Stereoanlage anschließen, dank Bluethooth metzelt ihr euch auch noch eine Etage weiter durch die gegnerischen Massen – tatsächlich ist die Reichweite der Wii Remote sehr beeindruckend).

Die Wii Remote kann allerdings nicht nur zum Spielen verwendet werden. Mit der (kostenpflichtigen) Software Remote Buddy lässt sich die Wii Remote als hervorragende Bluetooth Fernbedienung verwenden, mit der man nahezu jeden Aspekt des Macs bequem fernsteuern kann. Leider unterstützt Remote Buddy jedoch nur die Tasten der Wii Remote, die Sensoren können nicht verwendet werden, dazu muss man auf WiiRemote zurückgreifen.

Fazit
Auch wenn man sich über den Sinn und Zweck, Mac-Spiele mit der Wii Remote spielen zu wollen, streiten kann – zu offensichtlich ist die Tatsache, das die Spiele eben nicht für dieses Eingabegerät konzipiert sind und entsprechend holperig läuft die Handhabe, es doch zu versuchen – ist die Wii Remote definitiv eine Überlegung wert. Für relativ wenig Geld bekommt man hier zumindest eine sehr zuverlässige Fernbedienung, die der Apple Remote eindeutig überlegen ist. Die Idee, Bluetooth zur Übertragung zu nutzen, schlägt eine Infrarot-gestützte Fernbedienung einfach in der Flexibilität – so ist sie auch als Presenter einsetzbar, ein vielfältiges eher ungewöhnliches Peripheriegerät, das sich trotz seines „inoffiziellen“ Status auf jeden Fall bezahlt macht.

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