ATI Radeon X800 XT Mac Edition

Auf der MacWorld San Francisco hat ATI im Januar 2005 offiziell die Radeon X800 XT für Macintosh vorgestellt. Die X800 XT ist als direkte Konkurrenz zur Geforce 6800 Ultra und GT positioniert, die man im Apple Store als Option zu den Power Macs G5 auswählen kann. Beide entsprechen der neusten Grafikkartentechnologie mit allerlei High-Tech-Features.

Technik

Die Radeon X800 XT nutzt 16 Pixel-Pipelines, 256 MB GDDR 3 Speicher und besitzt Dual-Link DVI, um auch das Apple Cinema Display mit 30″ Bildschirmdiagonale betreiben zu können. Der Grafikchip taktet mit 475 MHz, der Speicher wird mit 1000 MHz angesprochen, erwähnenswert ist vielleicht noch der 256 Bit breite Speicherbus, um die große Menge an Videospeicher auch adäquat versorgen zu können. Somit kommt die Radeon X800 XT auf eine Füllrate von satten 7,6 Gpixel pro Sekunde. Zum Vergleich: Die Geforce 6800 Ultra besitzt nur 6,4 Gpixel, und eine im iMac G5 verbaute GeforceFX 5200 sogar nur 1,3 Gpixel pro Sekunde. Ein sicheres Zeichen, dass die Radeon X800 XT auch mit aktiviertem Anti-Aliasing oder anisotroper Filterung nicht in die Knie geht.

Wenn man etwas tiefer forscht erfährt man, dass die Radeon X800 XT noch die alten Pixelshader der Version 2.x verwendet, während die Geforce 6800 Karten schon Version 3.0 unterstützen. Der Nutzen ist derzeit aber noch gleich Null, da es für den Mac kein Spiel mit Pixelshadern Version 3.0 gibt. Erst kommende Spiele mit der Unreal 3-Engine werden diese Technik nutzen können – bis dahin werden aber beide Karte ohnehin zum „alten Eisen“ gehören. Insofern handelt es sich hier um keinen spürbaren Nachteil.

Der Einbau der Radeon X800 XT gestaltet sich leicht. Wie schon die Radeon 9800 Pro SE benutzt die Radeon X800 XT den AGP Pro-Steckplatz des G5, der eine eigene Stromversorgung über die Kartenkontakte realisiert. Auffallend ist der recht große Lüfter der Radeon X800 XT, der zwar Böses ahnen lässt, doch ganz so schlimm kommt es dann doch nicht – man hört die Karte im Betrieb zwar schon deutlich, das Geräusch ist aber stabil und tief. Von Besitzern der direkten Konkurrenzkarte Geforce 6800 Ultra und GT hat man viel Gemecker diesbezüglich gehört. Wer bei seiner Arbeit oder beim Spielen also nicht durch hochfrequentes Lüftersurren gestört werden will, der sollte zur Radeon X800 XT greifen.

Treiber und Kontrollfeld

Auf der Treiber-CD befinden sich neue Treiber für Mac OS X und ein neues ATI-Kontrollfeld, das das alte Kontrollfeld ersetzt. Die Optionen sind aber mehr oder weniger gleich geblieben. Für jedes Spiel kann man ein Profil anlegen und bestimmen, in welchem Maße Anti-Aliasing, anisotrope Filterung und vertikale Synchronisation vom Spiel genutzt werden sollen. Auch VERSAVISION ist möglich: Besitzt man einen Monitor mit Pivot-Funktion, kann man das Bild mit dem ATI-Kontrollfeld um 90° oder 180° drehen. Die Mac2TV Funktion bleibt leider ungenutzt, da die Radeon X800 XT im Gegensatz zur Radeon 9800 Pro keinen S-Video-Ausgang hat.

Der Betrieb von zwei Monitoren an der Karte gestaltet sich sehr einfach. Erkennt die Grafikkarte an beiden Anschlüssen einen Monitor, werden die 256 MB Videospeicher im Verhältnis 1:1 aufgeteilt. Auch der Mischbetrieb mit einem TFT und einem CRT-Monitor klappt problemlos, wobei man die Einstellungen für Schriftglättung und ähnliches natürlich nur systemweit vornehmen kann. Entfernt man während des laufenden Betriebes einen Monitor, ist ein Neustart erforderlich, um dem verbleibenden Monitor wieder die vollen 256 MB Speicher zur Verfügung zu stellen.

Als Testsystem liegt ein Power Mac G5 Dual 1.8 GHz mit 1280 MB RAM zu Grunde. Das Betriebsystem ist Mac OS X 10.3.8 und für die Benchmarks habe ich einen neue Benutzer angelegt, um eventuell bremsende Systemerweiterungen auszuschließen. Die Radeon X800 XT muss sich in den Tests direkt mit der Vorgängerkarte Radeon 9800 Pro messen.

Generelle Performance

Eines der ersten Spiele, die ich getestet habe, war „World of Warcraft“. Beide ATI-Karten liegen hier nahezu gleichauf, durch den schnelleren Takt und den größeren Videospeicher empfinde ich die Performance der Radeon X800 XT aber als etwas höher. Leider gibt es keinen standardisierten Benchmark für World of Warcraft, so dass dies nur eine subjektive Einschätzung von mir bleibt.

Rainbow Six: Raven Shield
„Athena Sword“ für den Taktikshooter „Rainbow Six: Raven Shield“ läuft ebenfalls butterweich in einer Auflösung von 1680×1050 mit maximalen Details. Nur die detaillierte Darstellung der Nebeleffekte bei Nebelgranaten bewirkt eine etwas schlechtere Performance, das aber generell bei allen Karten. Ein wenig in Nostalgie schwelge ich bei „Unreal Tournament“ aus dem Jahr 1999. Der Mac OS X-Client für dieses Spiel ist immer noch eine Betaversion, die Performance daher nicht wirklich aussagekräftig. Wie gehabt bestehen weiterhin Grafikfehler bei der Darstellung von Rauch. So dient „Unreal Tournament“ also als Test für die Abwärtskompatibilität der Radeon X800 XT.

Quake III Arena (Version 1.32)
Als Grundlage für den Test mit „Quake III Arena“ dient die Demo „Four“, eine kurze Szene, in der sehr viel Action ist und die die CPU und Grafikkarte gut fordert. Alle Einstellungen sind auf den maximalen Wert gesetzt, zum Beispiel trilineares Filtering, 32 Bit-Texturen und hohe Figurendetails. Jede Auflösung teste ich zwei Mal hintereinander mit der Demo, denn beim ersten Mal lädt „Quake III Arena“ erst einmal alle Texturen und Geometriedaten. Ein zweiter Durchlauf erfolgt dann mit maximalen Qualitätseinstellungen im ATI Kontrollfeld, 6x Anti-Aliasing und 16x anistroper Filterung.

Wie nicht anders zu erwarten schlägt sich die Radeon X800 XT außergewöhnlich gut, auch Anti-Aliasing und anistrope Filterung können die Karte kaum ausbremsen. Nun ist „Quake III Arena“ kein sehr neues Spiel mehr, Shader werden zum Beispiel überhaupt nicht eingesetzt. Persönlich würde ich es daher zur Bewertung einer Grafikkarte nicht mehr heranziehen, aber um meine Ergebnisse vergleichbar zu machen, ist dieser Test obligatorisch. Mit rund 250 Bildern pro Sekunde in fast jeder Lebenslage lässt sich „Quake III Arena“ sehr gut spielen. Ergebnisse von über 400 Bildern Sekunde kommen übrigens zu Stande, wenn man alle Details auf ein Minimum setzt und die Auflösung auf 640×480 Bildpunkte herabsetzt.

Unreal Tournament 2004 (Version 3355)
Um den Einfluss des Prozessor so gering wie möglich zu halten, verwende ich bei Unreal Tournament 2004 den Flyby-Benchmark auf der Karte „Antalus“. Der Reihe nach lasse ich den Test durch die verschiedenen Auflösungen laufen. Dabei sehr hilfreich ist das Programm „Santa Benchmark“ aus „Santa’s Toolpack“, denn hier kann man mit wenigen Mausklicks alle Details auf das maximal Mögliche stellen. Wie bei „Quake III Arena“ erfolgt ein zweiter Durchgang mit Qualitätseinstellungen (4x Anti-Aliasing und 8x anistrope Filterung) im ATI Kontrollfeld.

Die Ergebnisse der Radeon X800 XT liegen alle sehr nahe beieinander, auch Anti-Aliasing und andere Effekte bewirken keine großen Einbrüche. Anscheinend kommt die Grafikkarte mit einigen Auflösungen auch besonders gut zurecht – ein Effekt, den es schon bei der Radeon 9800 Pro gab. Durch die Nähe der Werte bleibt aber ein etwas fader Beigeschmack, die Grafikkarte kann sicherlich noch mehr, aber ist wohlmöglich der AGP-Bus oder der Prozessor des Testrechners schon zu langsam?

Halo: Combat Evolved (Version 1.05)
Auch „Halo: Combat Evolved“ bringt einen eingebauten Test mit, sodass eine Bewertung relativ einfach ist. Alle Einstellungen sind auf das mögliche Maximum gestellt, im zweiten Durchgang dann auch mit 4x Anti-Aliasing. Während des Tests spielt „Halo“ einige der Zwischensequenzen ab. Die Zahlen zeigen einen guten Durchschnittswert zwischen Action und ruhigen Szenen.

Die Radeon X800 XT kann sich hier klar behaupten, die doppelte Anzahl an Renderpipelines bewirkt einen guten Vorsprung zur Radeon 9800 Pro. Gerade in hohen Auflösungen mit aktiviertem Anti-Aliasing kommt es dann auch schon mal zu ein paar holprigen Szenen, auch wenn der Durchschnittswert anderes behauptet. Shaderintensive Spiele scheinen also besonders von der Radeon X800 XT zu profitieren, so zum Beispiel „Splinter Cell“ oder das zum Zeitpunkt dieses Tests noch nicht verfügbare „Doom 3„.

Cinebench 2003 (G5-optimiert)
Der Unterschied zwischen den beiden ATI-Karten ist minimal und wohl eher eine Messungenauigkeit als ein wirklicher Unterschied. Im Vergleich zu einem Windows-PC mit Radeon 9600 Pro sind die Ergebnisse allerdings enttäuschend. Maxon scheint sich weiterhin zu weigern, die Mac-Version von Cinema4D vernünftig an die Treiber anzupassen, anders sind die erheblichen Differenzen zwischen Mac und PC nicht zu erklären. Wer also mit Cinema4D arbeitet und nicht gerade 30″-Displays benutzen will, der kann auch getrost bei seiner Radeon 9600 Pro / XT oder 9800 Pro / XT bleiben.

Doom 3
Bevor das wirklich interessanteste Testobjekt unter die Lupe genommen werden konnte, musste die Radeon X800 leider wieder an ATI zurückgeschickt werden – andere Redaktionen wollten die Karte auch noch testen. So muss ich euch den Benchmark mit „Doom 3“ schuldig bleiben. Eventuell kann ich die Karte noch einmal bekommen und diesen Test nachholen.

Fazit:

Wirklich interessant ist die Radeon X800 XT nur für Besitzer eines PowerMacs Dual 2.5 GHz. Bei allen anderen Modellen sind die Unterschiede zum Vorgänger Radeon 9800 Pro so gering, dass sich ein Kauf nicht lohnt. Zum Vergleich: Für den Preis der Radeon X800 XT bekommt man einen Büro-PC, der in Spielen trotz schlechterer Grafikkarte besser abschneiden würde. Wer allerdings eine Grafikkarte für das 30″ Apple Cinema Display benötigt, der sollte besser zur Radeon X800 XT greifen. Die Geforce 6800 Ultra und GT belegen mehr Platz im Rechner und sind zudem deutlich lauter.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Das Produkt ist nicht mehr verfügbar. Support-Informationen gibt es bei AMD.

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