Saitek X36 Control System

Ein guter Joystick kostet heutzutage knapp 40 Euro und bietet dafür alle Funktionen, die man sich vorstellen kann. Doch trotzdem gibt es Joysticks, die für knapp 100 Euro auf den Markt kommen. Der X36 von Saitek ist ein Steuerknüppel dieser Preisklasse, dass er mehr bietet als günstigere Mitbewerber ist kaum fassbar. Der größte Unterschied liegt darin, dass er aus zwei Geräten besteht. Das eine ist der Geschwindigkeitsregler, an dem einige Tasten, ein Knopf, der die Z-Achse eines normalen Joysticks ersetzen soll, Räder und ein paar Schalter befestigt sind. Das andere ist der Joystick selbst. Dieser hat ebenfalls noch einige Tasten und zwei Coolie Hats. Beide Geräte werden über ein Kabel verbunden, dann geht ein USB-Kabel vom Joystick in den Computer. Extra Software ist nicht beigelegt, der Joystick muss also unter Mac OS 9 über das alt bewährte InputSprocket arbeiten.

Als erstes Spiel testete ich F/A-18 Hornet Korea mit dem X36. Ich übernahm einfach die Einstellungen, die InputSprocket vorgab und ging an die Startbahn. Ein völlig neues Fluggefühl eröffnete sich mir hier. Durch den hoch präzisen Z-Achsen-Ersatz-Knopf lässt es sich deutlich besser auf der Startbahn lenken als mit einer normalen Z-Achse. Der Geschwindigkeitsregler und der Joystick selbst sind sehr präzise, so dass sich auch Bewegungen, die millimetergenau ausgefürt werden, ebenso präzise übersetzt werden.

Die insgesamt acht Tasten lassen sich im InputSprocket-Konfigurationsfenster ohne Probleme belegen, doch gibt es immer noch vier Schalter, zwei Coolie Hats und zwei Räder. Einen Coolie Hat nutze ich, um mich im Cockpit der F18 umsehen zu können, bei der Belegung des zweiten begannen die Probleme. Dieser wird im InputSprocket nicht als Coolie Hat erkannt, sondern als Tasten, so dass er nutzlos wird. Wie ich feststellen muss, besteht das gleiche Dilemma bei Belegung der Schalter, allesamt werden bloß als Tasten erkannt. Vermutlich kann InputSprocket nur eine bestimmte Anzahl an Achsen verwalten, und ist durch die acht verfügbaren Achsen schlichtweg überfordert. Ebenfalls dem InputSprocket zuzurechnen ist die Tatsache, dass man die Schalter nicht als solche benutzen kann. Saitek sieht vor, dass beim Verschieben eines Schalters in einen neuen Modus umgeschaltet wird. In dem neuen Modus könnte man dann eine komplett neue Tastenbelegung definieren, bei vier Schaltern würde sich die Anzahl der Tasten somit vervielfachen lassen. Insgesamt stünden so 32 Tasten zur Verfügung. Das einzige Spiel, das solche Schalter unterstützt, ist das etwas veraltete Spiel Warbirds, in dem das InputSprocket um Funktionen zum Ansprechen von Schaltern erweitert wurde.

Leider sind das nicht die einzigen Probleme. Mir stellte sich noch ein Problem beim Kalibrieren. Nach der Kalibrierung des Joysticks ist das Flugzeug immer nach links abgedreht, bis ich die InputSprocket Calibration Preferences löschte und die Kalibrierungseinstellungen wieder entfernt waren. Nach kurzer Zeit bemerkte ich dann, dass die X-Achse beim Kalibrieren übergangen wird. Man muss beim Kalibrieren der Y-Achse einfach auf die X-Achsen-Kalibrierung zurückschalten, dann entstehen keine Probleme mehr. Ob für dieses Problem der X36 oder wieder InputSprocket verantwortlich ist, lässt sich schlecht sagen, auf jeden Fall aber ist es ziemlich nervig.

Parsec, eine Freeware-Weltraumsimulation, benutze ich als nächstes zum Testen. Im Weltraum erschließt sich mit dem X36 eine neue Welt, denn vor allem eine präzise, aber auch sehr flexible Steuerung ist hier sehr wichtig. Leider traten auch hier die gleichen Probleme mit dem InputSprocket auf, wie bei F/A-18 Hornet Korea.

Falcon 4 stellt insgesamt mehr als 30 Belegungsmöglichkeiten zur Verfügung, so dass der Joystick ausgelastet wird. Das Fluggefühl ist außerordentlich gut, wie in den vorherigen Tests bemerke ich hier vor allem die Vorteile der sehr präzisen Geräte. Auch wenn die Entwickler von Falcon viel Arbeit in ein eigenes Interface zum belegen der Tasten investierten, basiert es noch immer auf dem InputSprocket, so dass die gleichen Probleme mit dem InputSprocket wie bei Parsec und F/A-18 Hornet Korea auftraten.

Zur Ehrenrettung des Herstellers muss ich allerdings noch das Folgende loswerden: Saitek selbst bezeichnet den X36 uns gegenüber als „nicht Mac-kompatibel“ und wollte uns das Gerät eigentlich gar nicht erst zum Testen überlassen. Wir sind froh, dass wir es doch noch bekommen haben, denn der X36 bietet auch ohne dedizierten Mac-Treiber deutlich mehr als bloß rudimentäre Funktionen. Einige Funktionen wie die Funktionsumschalter können wir am Mac halt nicht nutzen – na gut. Der Rest funktioniert – es sei denn, man bekommt die Kabel zwischen den beiden Geräteteilen nicht korrekt zusammengestöpselt… 😉

Fazit:

Ob es so ein gigantischer Vorteil ist, dass der Geschwindigkeitsregler nun ein einzelnes Gerät ist, darüber lässt sich lange diskutieren, doch auf jeden Fall ist es überhaupt ein Vorteil, denn es ist erheblich komfortabler, als wenn sich dieser am Steuerknüppel befindet. Leider können einige Features des Joysticks nicht genutzt werden, und so reduzieren sich die Hauptvorteile auf die sehr gute Qualität der Geräte und die Zweiteiligkeit. Auch Besitzer von Riesenhänden werden sich über den X36 freuen – endlich mal nicht so ein Plastik-Ding, bei dem man Angst haben muss, irgendwas abzubrechen.

Wer das Geld für diese Vorteile investieren will, dem ist nicht vom X36 abzuraten. Allerdings sollte beachtet werden, dass Saitek schon den Nachfolger für den X36 vorgestellt hat, und zwar den X45. Dieser soll noch komfortabler sein, ein besseres Design haben und noch vor Weihnachten 2001 in den Läden stehen.

Ingmar Wenz

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Gerät gelegentlich noch bei bei Amazon.de.

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