Apple USB-Maus ("Hockey Puck")

Tschak! Er dreht sich und fliegt in einem hohen Bogen genau darauf zu, im Tor steht niemand und da hat er es schon geschafft: Getroffen, getroffen!

Ladies and Gentlemen, darf ich vorstellen: der Puck! Die vermutlich umstrittenste Erfindung aus dem Hause Apple Computer ist nun schon einige Jahre nicht mehr auf dem Markt, und trotzdem bleibt diese runde Maus mit dem liebevoll-spöttischen Spitznamen unvergessen.

Heute benutze ich eine Microsoft IntelliMouse Optical mit fünf Tasten, einem Scrollrad und optischer Abtastung. Als ich vor kurzem einen Shooter spielte, fragte ich mich, wie es wohl wäre, jetzt den Puck zu benutzen. Also tat ich es. Daraus entstand dieser Artikel, in dem diskutiert werden soll, ob sich der Puck jemals für Spiele eignete und ob es heute bessere Alternativen gibt.

Wie begann das alles eigentlich? – Der Puck und seine Geschichte
Die Geschichte der kreisrunden Maus beginnt mit dem ersten iMac, also dem Bondi-iMac aus dem Jahre 1998. Im Mai vorgestellt erstaunte Apple-Chef Steve Jobs schon damals die Presse mit der ungewöhnlichen Maus. Im folgenden Jahr gab es für den iMac drei Runderneuerungen – die Revisionen C, D und E. Alle wurden mit der runden Maus ausgeliefert. Da die Revisionen nicht mehr nur in einer Farbe daher kamen – sondern erst in fünf und später sogar in sechs Farben – kam auch die Maus in mehreren Farben auf den Markt.

Letztendlich gab es den Puck also in sieben verschiedenen Farben: Bondiblue (Revision A und B), Blueberry, Strawberry, Tangerine, Grape und Lime (Revision C, D und E) sowie Graphite (Revision E, auch mit den ersten G4 ausgeliefert).

Die Geschichte des Puck endet mit der Einführung der iMac-Revision F im Jahre 2000. Neben vielen anderen Neuerungen führte Apple auch eine neue Maus ein – die Apple Pro Mouse.

Der Puck und die Spiele

Eignet er sich für Spiele, der Puck? Liegt er glatt in der Hand und schafft es, sein offensichtliches Ein-Tasten-Manko zu verbergen? Oder lassen sich damit nur rundenbasierte Strategiespiele spielen, weil bei allen anderen die hiermit scheinbar unmöglichen schnellen Reaktionen gefragt sind? Darum soll es hier und heute gehen.

Die erste Begegnung eines Menschen mit dem Puck ist stets eine eindrucksvolle Erfahrung. Erst schreitet man erstaunt um ihn herum und fragt sich, was das eigentlich sein soll. Man hebt ihn mal hoch, mal klickt man und ist ganz verschreckt darüber, dass das tatsächlich eine Taste sein soll. Mal dreht man an der Kugel herum und manche finden sogar heraus, wie die Maus von unten zu öffnen ist. Irgendwann, ja, irgendwann entdeckt man dann ein langes Kabel mit einem USB-Stecker und beginnt zu grübeln. Ist das womöglich eine mobile Festplatte, vielleicht ein MP3-Player oder eine Art neo-modernistische Kamera?

Ich nehme die Leute dann an der Hand, führe sie an meinen Mac und schließe den Puck an und zeige ihnen: Es handelt sich um eine Maus, wie sie leibt und rollt. Selbst dann glauben mir manche Leute nicht recht, denn die eine Taste sei doch sehr befremdlich und diese Form erst umso erstaunlicher.

Und dann geht es los, es geht an die ersten Spiele. Um ein möglichst breites Spektrum abzudecken, werde ich auf der einen Seite einen Shooter, ein Echtzeitstrategie- und ein Jump & Run-Spiel und auf der anderen Seite ein rundenbasiertes Strategiespie und ein Rollenspiel testen. Mal sehen, mit welchen Spielen der Puck am besten oder womöglich überhaupt nicht zurecht kommt.

Ein Shooter

Angefangen beim Shooter geht es brandneu an Star Trek Voyager: Elite Force II. Monroe ist mal wieder Protagonist und muss oft schleichen, langsam und bedächtig herum laufen und anderen auflauern, um sie zu überraschen. Dabei macht der Puck keine Probleme. Und bei Situationen, die schnelle Reaktionen erfordern? Auch da schlägt sich der Puck meinem Empfinden nach wacker. Zu bemängeln ist jedoch, dass er nicht über eine optische Abtastung, sondern eben nur über eine – schnell verdreckende – Kugel verfügt, und dass er nur eine Taste hat – und nicht wie meine eigentliche Maus fünf. Außerdem: Das Gefühl, so einen, nun ja, Kreis in der Hand zu halten, ist noch immer umgewohnt und höchst merkwürdig. Ich beginne, mir meine alte, neuere Maus herbeizusehnen. Ob das noch weg geht?

Ein Echtzeitstrategiespiel

An Echtzeitstrategiespielen habe ich gerade Age of Mythology gespielt. Ein geniales Spiel, wie ich finde. Die Erfahrung ist nun eine ähnliche: Zumindest eine zweite Taste ist für solch ein Spiel einfach nötig, und auch hier hapert es manchmal wegen der fehlenden optischen Abtastung. Die Maus liegt aber schon ein gutes Stück besser in der Hand – also doch nur Gewöhnungssache?

Ein Jump & Run-Spiel

Im Jump & Run Rayman 3: Hoodlum Havoc macht Rayman keine allzu gute Figur. Gerade hier sind nanosekundenschnelle Reaktionen gefragt – ähnlich wie in manchen Shootern – und das ist manchmal etwas schwierig. Die fehlende zweite Taste macht sich hier zwar nicht allzu sehr bemerkbar, dafür fällt die runde Form wieder auf. Ich fühle mich beim Spielen so, als würde mir der Puck suggerieren, dass ich ihn um 180° drehen muss, um Rayman zu drehen, was in einem echten Kuddelmuddel von Bewegungen und in einem verdrehten Kabel sein Ende findet. Nach ein paar Minuten bin ich zwar eingespielt, aber in meiner Magengegend klopft dafür ein unbestimmtes Gefühl und sagt mir, dass irgend etwas falsch läuft. Und nein, ich habe keinen Hunger.

Ein rundenbasiertes Strategiespiel

Eines meiner Lieblingsspiele, das ich zum Glück (weil es nunmal so viel Zeit braucht) recht selten spiele, heißt Civilization III, ist rundenbasiert und ein waschechtes Strategiespiel. Nachdem ich nun schon einige Stunden mit dem Puck verbracht habe, mich an sein Aussehen, seine Finessen und seine schon ein bisschen verdreckte Kugel gewöhnt habe, geht das Spielen einwandfrei. Schritt um Schritt klettere ich an der Leiter der Weltherrschaft herauf und frage mich, ob andere Spieler überhaupt irgendeine Chance gegen einen Halbgott wie mich hätten; ach ja, ich spiele ja auch im einfachsten Schwierigkeitsgrad – ist wohl auch besser, wenn wir das so lassen.

Ein Rollenspiel

Als letztes krame ich noch Diablo 2 hervor. So richtig gemocht habe ich das Spiel ja noch nie und ich glaube, ich bin so schlecht wie immer – mit oder ohne Puck. Ich kann es einfach nicht – auf der einen Seite dieses stupide Hack&Slay und auf der anderen diese Ultra-Komplexität mit Tausenden an Gegenständen und Levels. Der Puck trägt hier aber keine Schuld.

iCatch

Bald nach der Einführung der Puck-Maus kam der iCatch auf den Markt. Der iCatch ist ein Aufsatz, der auf die Maus gesteckt wird und sie so verlängert. Wer eine Ein-Tasten-Maus wollte, die man per USB an den Computer anschließt und die etwas länger als die eigentliche Maus ist, war damit gut beraten. Würde mich heute jemand nach einer solchen Lösung fragen, würde ich ihm wohl eher zu der neuen Pro Mouse von Apple raten. Für Puck-Fans ist und bleibt der iCatch aber eine Möglichkeit.

Ist der Puck nun ergonomisch oder nicht?

Im Zuge des Verfassens dieses Artikels ist in der Redaktion eine Diskussion über das Thema Ergonomie entbrannt. Das eine Lager ist der Ansicht, der Puck sei unergonomisch, denn die Hand müsse sich der Maus anpassen und sei somit immer verkrampft. Die andere Seite findet es gut, dass der Puck keine Handhaltung vorgibt. So sei es möglich, ihn auf unterschiedliche anzufassen, sodass die Hand nicht müde wird und sich nicht in seiner Haltung verkrampft.

Ebenso stellte sich uns die Frage der Präzision: Ist eine Maus präziser zu steuern, die groß und mit der ganzen Hand anzufassen ist oder eine solche, die sich man mit wenigen Fingern und viel Feingefühl steuert? Letztendlich zeigt diese Diskussion gut, dass Ergonomie eine subjektive Angelegenheit ist. Ich persönlich kenne ebenso viele Leute, die den Puck hassen, wie die, die ihn lieben. Auf jeder Seite gibt es solche mit großen und mit kleinen Händern, mit dicken und mit dünnen Fingern.

Wer sich jetzt fragt, wie ich denn überhaupt eine Ergonomie-Wertung abgeben möchte, so kann ich dazu nur sagen, dass diese gerade in einem solchen Fall meine persönliche Meinung widerspiegelt und keine objektive Wahrheit darstellt.

Fazit:

Nun ist er vorbei, das war er – der Puck-Tag. Ich gebe zu, ich hatte weniger erwartet. Letztendlich ließen sich die fehlenden Tasten überall durch Tasten auf der Tastatur ersetzen, was nur eine Frage der Gewöhnung und nach einiger Zeit auch schon kein Problem mehr darstellte. Die Kugel macht mir da schon größere Sorgen. Schon nach ein paar Stunden ist die Kugel ein bisschen verdreckt, aber wer will schon jeden Tag seine Maus putzen? Zu guter letzt nur Eines: Weiterhin bin ich an meine Fünf-Tasten-Maus gewöhnt, die eine optische Abtastung hat und sehr gut in der Hand liegt – ich kann nicht sagen, ob es nun Gewöhnung oder allgeminer Verdruss ist, aber es fühlt sich komisch an, diese Maus in der Hand zu halten. Dauernd schreit ein Teil der Hand geradezu danach, auch etwas anfassen zu dürfen und eine Situation wie die in Rayman erlebt man dann und wann auch in anderen Spielen. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, was er nun denkt, was er nun davon halten mag, aber ich switche nicht, ich bleibe bei meiner alten, neueren Maus.

Ingmar Wenz

Verfügbarkeit

Das Produkt ist vergriffen. Mehr Informationen gibt es in der englischen Wikipedia.

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