PistolMouse FPS

Ein neues Eingabegerät erobert den Mac – eine Pistole. Ist das eine Innovation im Markt der Eingabegeräte oder überflüssig wie ein Kropf? Finden wir es doch heraus!

Was ist das überhaupt für ein Ding?

Eigentlich bin ich gar kein Freund von Ballerspielen. Aber Ballerspiele sind Pflichtprogramm, wenn es darum geht, dieses Produkt zu testen, auf das mich der PR-Mann von MonsterGecko schon vor Monaten richtig heiß gemacht hat. Also nehme ich gespannt das Paket entgegen, das mir der deutsche Vertrieb des kleinen US-Unternehmens, nämlich IndiWeb, freundlicherweise zugeschickt hat. Aus dem braunen Karton des Paketdienstes ziehe ich erstens viel Polstermaterial und zweitens eine Packung, bei der ich als berufsmäßiger Printmediengestalter leuchtende Augen bekomme: Mattschwarz schimmert die gesamte Packung. Darauf sind in knalligem Rot lediglich die Worte „PISTOLMOUSE FPS“ und „MONSTERGECKO“ sowie unaufdringlich klein und ebenfalls in Feuerwehrrot das Firmenlogo – das Skelett eines Kriechtiers – appliziert. Als Krönung ist das kleine Logo mit glänzendem Spotlack versehen und ebenfalls mit farblosem, glänzendem Spotlack noch einmal das Logo in riesiger Größe über die gesamte Packung gezogen. Ich könnte mich jetzt noch minutenlang weiter über die Gestaltung von Rück- und Aufklappseite freuen (wenn die Front der Packung weggeklappt wird, kommt die enthaltene Waffe ans Tageslicht, gelagert auf leuchtend roter Pappe, geschützt durch einen Kokon aus klarem Kunststoff), doch das tue ich lieber an anderer Stelle, und nicht hier, denn ihr wollt schließlich nicht wissen, dass das Design der Packung gelungen ist, sondern was die PistolMouse drauf hat für ihren stolzen Preis. Aber immerhin: Wenn die Packung in der Produktion fünf Euro kostet, dann bin ich gerne bereit, diese fünf Euro zu bezahlen. Die Packung ist also ein Schmuckstück. Schade, dass sie nicht in die Wertung eingeht. Sie alleine wäre glatt einen ganzen Punkt wert.

Bei der PistolMouse FPS handelt es sich um eine Maus in Pistolenform. Haha, das sagt der Name schon. Ja, aber gerechnet hatte ich damit nicht. Aufgrund der bis kürzlich verfügbaren Bilder und der Kenntnis ähnlicher Eingabegeräte bei Spielkonsolen war ich davon ausgegangen, dass die PistolMouse gehandhabt wird wie eine richtige Pistole – also indem man sie in der Luft hält, richtig über Kimme und Korn zielt und schießt. Und weil ich mir partout nicht vorstellen konnte, wie das an einem Computer funktionieren soll (wo man immerhin nicht bloß blöde auf den Bildschirm ballert, sondern die Mausbewegung auch die Bewegungsrichtung vorgibt) war ich sehr gespannt. Die Enttäuschung traf mich hart, als mich die Fakten auf den Boden der Tatsachen zurück holten: Es ist wirklich nur eine optische Maus (800 dpi Auflösung) in Pistolenform. Sie besitzt drei Tasten und ein Scrollrad und ist insofern mit mehr Möglichkeiten ausgestattet als jede Apple-Maus, jedoch finden sich weniger Buttons als an meiner bevorzugt benutzten Daddel-Maus (Microsoft IntelliMouse Optical – fünf Buttons plus Scrollrad).

Ausstattung

Die PistolMouse, die einer Walther P22 nachempfunden ist, steht auf einer großflächigen Basisplatte, in deren vorderem Ende sich der optische Sensor des Geräts befindet. Diese Basis ruht wiederum auf fünf Gleitfüßen, mit Hilfe derer sich das große Gerät mühelos auf Tischplatte oder Mauspad verschieben lässt. Jeder, der erwägt, sich die PistolMouse FPS zu kaufen, sollte übrigens auch gleich in ein neues Mauspad mit einer Fläche von 30 x 30 cm investieren – es wird sonst schnell eng.

Die zwei Schalenhälften des eigentlichen Geräts bestehen aus einem hochwertig wirkenden, schwarzen Kunststoff. Sehr deutlich und etwas hochtrabend steht auf der Packung, um was es sich dabei genau handelt: „Military Grade High-Density Ballistic Plastics“; das Material stammt also quasi aus der Weltraumforschung. Das große, von beiden Seiten und damit für Links- wie Rechtshänder geeignete Scrollrad und die Griffschalen dagegen bestehen aus einem weicheren Kunststoff, den MonsterGecko „Gecko Gel“ nennt. Die Oberfläche der Griffschalen ist mit kleinen Dellen versehen, was nicht nur cool aussieht, sondern vor allem den Halt verbessert und Luft an die Handinnenfläche kommen lässt – ich habe die PistolMouse stundenlang in heißen Gefechten benutzt, sie dabei nicht aus der Hand gelegt und habe trotzdem nicht geschwitzt. Trotz Bezeichnung kann ich übrigens nichts Gel-artiges daran finden, also keine Sorge, die Griffschalen fließen einem nicht weg.

Der Abzug (linke Maustaste) und der Button am Griff (rechte Maustaste) bestehen aus sich angenehm kühl anfassenden Aluminium, von dem ich einen guten Eindruck gewonnen habe. Der dritte Button (mittlere Maustaste} befindet sich im Scrollrad – ein leichter Druck auf das Rad löst ihn aus.

Ich erwähnte, dass es sich um ein Kunststoffgerät handelt. Üblicherweise sind Eingabegeräte aus Plastik verschweißt – wenn etwas kaputt geht, ist es eben kaputt und man schmeißt es weg. Lobenswerte Ausnahme machen da nur wenige Firmen, etwa Saitek. Auch die PistolMouse FPS gehört zu diesen löblichen Ausnahmen. Die beiden Schalenhälften sind mit Imbus- und Kreuzschlitzschrauben verschraubt und können – passendes Werkzeug vorausgesetzt – voneinander gelöst werden, um Reparaturen durchzuführen. Dieser Vorteil wird dann aber eben mit dem hohen Preis des Geräts erkauft.

Ergonomie

Mein erstes Spiel mit der PistolMouse FPS war „Battlefield 1942„, und zwar ohne Gegner, weil ich mich einfach nur ein bisschen bewegen und ein Gefühl für das Gerät entwickeln wollte. Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz. Nichts wollte mir gelingen – die üblichen Mausbewegungen fühlen sich total anders an, wenn die Hand nicht oben auf einer Maus ruht, sondern sie die Maus quasi vertikal hält. Ich fühlte mich wie jemand, der das erste Mal eine Maus hält. Als Rechtshänder braucht man nur mal versuchen, die Maus mit links zu steuern – so ungefähr fühlt sich das zuweilen an. Und zwar ungefähr drei Minuten lang. Nach diesen drei Minuten begann mein Hirn, die Maussteuerbefehle quasi auf das Hochkantformat „portiert“ an die Hand weiter zu geben. Nach zehn Minuten hatte ich keine Schwierigkeiten mehr, mich durch das Spiel zu bewegen – nur: Das Fadenkreuz hibbelte dermaßen hin und her, dass ich so gut wie nichts traf. MonsterGecko wirbt explizit damit, dass jedes Detail an der PistolMouse FPS „zur Verbesserung der Präzision und Rekationsgeschwindigkeit“ gestaltet worden sei – wieso also treffe ich plötzlich meine Ziele nicht mehr?

Des Rätsels Lösung ist im Prinzip ganz einfach, allerdings habe ich lange nach ihr suchen müssen: Vorhin beschrieb ich, dass der optische Sensor der PistolMouse im vorderen Ende der Basis eingebaut ist. Diese Basis ist deutlich länger als eine normale Maus – zwischen Sensor und Drehpunkt des Geräts (das ist der Griff) liegen fast zehn Zentimeter. Bei einer normalen Maus dagegen ist der Sensor in etwa eins mit dem Drehpunkt. Wer im Physikunterricht aufgepasst hat, der hat schon einmal was von Hebelwirkung gehört – je länger der Hebel, desto größer die Wirkung. In diesem konkreten Fall wirkt sich das so aus, dass die Wege kleiner werden, die meine Hand beim Spielen zurückzulegen hat – was mit einer normalen Maus ein Weg von vier, fünf Zentimetern für meine Hand ist, ist bei der PistolMouse FPS lediglich eine korrigierende Drehbewegung am Griff. Das beschleunigt die Reaktionszeiten ungemein. Allerdings ist dieses Verhalten extrem gewöhnungsbedürftig, weil es sich eben total anders anfühlt als bei einer normalen Maus. Die gleiche hohe Präzision, die man von der Maus her kennt, muss hart neu erarbeitet werden – doch dann ist man unglaublich schnell und hat gegenüber Maus-Usern einen gewaltigen Geschwindigkeitsvorteil.

Nachdem ich den Dreh raus hatte und ein bisschen im „Unreal Tournament 2004„-Online-Deathmatch gedaddelt habe, bei dem ich normalerweise nicht einmal gegen Bots einen Stich sehe, wuchs meine Hochachtung vor dem Gerät immer mehr. Allerdings sind mir beim Spielen auch einige Mankos aufgefallen, die ich nicht verschweigen will.

Ich habe durchschnittlich große Männerhände. Wenn ich den Griff umfasse und den Zeigefinger ausstrecke, empfinde ich die Waffe als sehr komfortabel. Meine Faust ruht auf der Basisplatte, und der Zeigefinger kann dabei bequem den Abzug betätigen. In dieser Position ist es jedoch nicht möglich für mich, das Scrollrad zu betätigen, das etwa einen halben Zentimeter zu weit oben angebracht ist. So kommt es permanent vor, dass ich für einen Waffenwechsel mit dem Daumen nach oben greife, um zu scrollen, dabei aber gleichzeitig das ganze Gerät verreiße und zusätzlich den dritten Mauknopf drücke, der einen viel zu geringen Widerstand aufweist. Wenn ich dagegen explizit diesen Button benutzen will, dreht sich fast automatisch das ebenfalls sehr geringen Widerstand leistende Scrollrad mit. Die dritte Maustaste habe ich daraufhin aus allen meinen Konfigurationen entfernt, um nicht – je nach Spiel – plötzlich das Magazin zu wechseln oder mich in den Dreck zu schmeißen. Der Button ist für mich also nicht brauchbar. Wer über durchschnittlich große Männerhände mit verlängertem Daumen verfügt, mag damit aber glücklich werden.

Ein weiteres Problem ist die rechte Maustaste, die genau in der Nahtstelle von Griffstück und Bügel um den Abzug platziert ist und dort in sachtem Schwung die Ecke ausfüllt. Weil ich sonst das Scrollrad nicht erreichen kann, muss ich den Griff recht weit oben anpacken. So drücke ich immer wieder unbeabsichtigt diese für meine Handgröße ungeschickt angebrachte Taste. Auch wenn ich das Scrollrad ignorieren will und einfach nur mit dem ersten und zweiten Mausknopf spielen möchte, drücke ich unausweichlich diesen zweiten, sobald ich die Waffe im Eifer des Gefechts fester packe, weil die Hand nach oben rutscht und mein Mittelfinger dagegen drückt. Wenn ich dagegen bewusst diese Taste drücken will, finde ich den Druckpunkt nicht richtig und verziehe den Schuss.

Apropos Druckpunkt: Der Weg, den der Aluminium-Abzug gezogen werden muss, liegt etwa bei einem widerstandsarmen Zentimeter. Dann kommt der Druckpunkt, der einer knackigen Maustaste entspricht. Sobald der überwunden ist, wird der Schuss gelöst. Anschließend zieht eine Feder den Abzug zurück in die Ausgangsposition. Zuerst kam ich überhaupt nicht klar mit diesem Druckpunkt – mir war das alles zu weich und zu weit – doch ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt und den Vorgang mittlerweile verinnerlicht. Mittlerweile schaffe ich sogar einen fehlerfreien Doppelklick im Finder. 🙂

Was die sonstige Handhabung angeht, so bin ich voll des Lobes für das Gerät. Das Kabel hat eine gute Länge und hängt nicht im Weg herum. Was aber aus meiner Sicht wirklich wichtig ist, ist das ermüdungsfreie Spielen. Ich habe die MousePistol FPS tatsächlich stundenlang in der Hand gehabt – ohne, dass sie unbequem geworden wäre. Welcher Powergamer kennt ihn nicht, den Tennis(pardon: Maus)arm, wenn die Sehnen im Unterarm zu schmerzen beginnen? Kein Problem für die PistolMouse – die Hand greift ein vertikales Gerät, kein Horizontales. Das entspricht der menschlichen Physiognomie eher. Wieso ist eigentlich noch niemand sonst darauf gekommen, die Maus joystickartig zu führen?

Praxistauglichkeit

Trotz der schlechten Position des zweiten Mausbuttons und des Scrollrads, trotz des ganz besonders unschön funktionierenden dritten Buttons – die PistolMouse FPS ist in der Praxis wegen der dramatisch verkürzten Reaktionszeiten insbesondere in sehr schnellen, einfachen Shootern auf engem und engstem Raum („Quake 3“-basierte Games) einfach überzeugend. In Spielen, die diese Funktion bieten, kann man einfach den automatischen Waffenwechsel zur stärksten verfügbaren Waffe aktivieren, um die Problematik mit dem schwabbeligen Scrollrad zu umgehen. Für anspruchsvollere Shooter, etwa „Battlefield 1942“ oder „Ghost Recon„, bei denen es auf hohe Präzision ankommt statt auf wildes Geballer, sollte man vorsichtshalber einige Trainingsstunden im stillen Kämmerlein absolvieren, bevor man sich öffentlich durch eine gen Null gehende Trefferquote lächerlich macht.

Fazit:

Die PistolMouse FPS wäre ein Gerät, dem ich gerne die Note „perfekt!“ gäbe. Überzeugend ist die hohe Geschwindigkeit, die hochwertigen Materialien, der präzise Druckpunkt des Abzugs und die hervorragende, entspannte Haltung, die die PistolMouse gegenüber einer normalen Maus ermöglicht. Auf der Negativseite steht jedoch ein gewichtiges Faktum – drei Viertel der Schalter sind nur für Menschen mit bestimmten Handproportionen brauchbar. Das ist dann auch Ausschlag gebend dafür, dass ich der Pistole nur 7,5 von 10 Punkten gebe – obschon mein Herz dabei blutet. Verdient hätte sie eigentlich mehr. Da es sich um das erste Produkt der Firma handelt, gehe ich davon aus, dass für die nächste Produktrevision einiges in die Mangelbehebung gesteckt werden wird.

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt ab und zu noch bei Amazon.de.

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