Age of Mythology

Als der Obergott Zeus den Titanen Kronos vertrieb und sich die neuen Götter im Olymp niederließen, schwor Kronos Rache. Viel Zeit würde vergehen, aber irgendwann sollte er sie bekommen. Oder?

Viel, viel später – einige hundert Jahre vor Christus – passiert nicht viel in der Welt. Atlantis wird von ein paar Piraten heimgesucht, doch durch die Hilfe des Helden Arkantos ist die Gefahr auf der Insel schnell gebannt. Die Griechen langweilen sich. Sie sind kein Volk, das gerne still steht. Sie brauchen etwas, mit dem sie sich beschäftigen können.

Die dunklen Wolken lassen nicht lange auf sich warten: Bald geht das Gerücht um, der Zyklop Gargarensis und sein Diener Kemsyt wollten einen Zugang zur Unterwelt schaffen, um Kronos zu befreien. Das können Arkantos und seine Gefährten nicht zulassen. Sie machen sich auf, die Welt für immer vom Bösen zu befreien, um die Herrschaft im Olymp aufrechtzuerhalten.

Das ist nur der Anfang einer wunderbaren Geschichte, die sich durch das Strategiespiel Age of Mythology zieht. Das Entwicklerstudio, das sich auch für die Vorgänger Age of Empires I und II verantwortlich zeichnete, hat viel Liebe zum Detail in das Spiel gesteckt, um es so unterhaltsam und interessant wie möglich zu machen.

Das Spiel teilt sich in drei Kampagnen auf, die alle in eine Story integriert sind. Die ersten Missionen werden mit Arkantos und seinen Mannen gespielt – man übernimmt also die Rolle der Griechen. Hier sind die Götter außerordentlich mächtig und lassen sich Tempel bauen, in denen sie angebetet werden. Außerdem lassen sich die Griechen gerne nieder und bauen riesige, prunkvolle Städte.

Wer sich in der griechischen Mythologie ein wenig auskennt, wird schnell viele Helden wieder erkennen: Da wären beispielsweise Ajax, Agamemmnon oder Odysseus, um nur ein paar zu nennen. Und auch Götter wie Athene, Poseidon, Zeus und Hermes sind vertreten.

In typischer Strategiemanier gibt es einige Missionen, in denen große Lager errichtet werden müssen und mächtige Armeen ausgebildet werden, mit denen dann gegen den Feind zu Felde gezogen wird. In Age-of-Empires-Art gibt es verschiedene Zeitalter. Schreitet man in ein neues Zeitalter voran, erschließen sich neue Technologien und Möglichkeiten.

Doch wäre es nicht langweilig, in immerhin 30 Missionen nur Lager aufzubauen und Armeen herumzuschicken, um den Feind dem Erdboden gleich zu machen? Das dachten sich auch die Entwickler, weswegen eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Missionen eingebaut wurde. In der Griechen-Kampagne muss zum Beispiel das berühmte trojanische Pferd gebaut werden, während gleichzeitig die eigene Basis angegriffen wird. Ein anderes Mal muss – fast wie in einem Rollenspiel – mit einer Handvoll Helden eine Stadt durchquert werden, ohne sich dabei entdecken zu lassen.

Sehr störend ist hierbei, dass die Tore in feindlichen Stadtmauern erst zerstört werden müssen, bevor sie sich durchqueren lassen. Selbst wenn sie weit offen stehen, weil gerade ein Gegner hindurch kommt, ist es nicht möglich, in die Basis einzudringen. So ein Fehler sollte keinem Entwickler unterlaufen, wenn er an einem Spiel dieser Qualität arbeitet. Schade, dass man hier nicht mehr Feingefühl zeigte.

Die nächste Kampagne ist die der Ägypter. Nachdem von unseren Helden einige Zugänge zur Unterwelt versiegelt wurden und Gargarensis aus diesen Regionen vertrieben wurde, versucht er sein Glück nun in Ägypten.

Beachtlich an Age of Mythology ist, dass sich die Kampagne der Ägypter – und später auch die der Nordmänner – stark von der der Griechen unterscheidet. So benötigen die Ägypter keine Dorfbewohner, die die Götter anbeten. Osiris und Seth haben es viel lieber, wenn ihnen gewaltige Monumente errichtet werden. Die kosten zu Beginn zwar einiges, sind im Endeffekt aber deutlich praktischer als die griechische Methode.

Die ägyptischen Götter haben viele Eigenarten, ebenso wie die mythologischen Kreaturen. Da findet sich u.a. ein Löwe, der sich auf Wunsch in einen Wirbelsturm verwandelt oder ein Krokodil, das mit Sonnenlicht seine Gegner zu Tode blendet. Die Ägypter spielen sich in einer Hinsicht aber doch recht ähnlich wie die Griechen, denn sie lassen sich genauso gerne nieder. Große Städte und eine durchorganisierte Infrastruktur stehen hier ebenfalls auf der Tagesordnung.

Ungefähr nach der 20. Mission beginnt die dritte Kampagne. Gargarensis verlässt Ägypten, nachdem seine Pläne durchkreuzt wurden und reist in den Norden, um dort die letzten Eingänge in die Unterwelt zu finden. Und wer treibt im Norden zu dieser Zeit sein Unwesen? Die Nordmänner! (War das schwer 🙂 Diese leben weit verstreut, sind dauernd unterwegs und kämpfen lieber gegeneinander, als sich mit Fremden anzulegen.

Die Nordmänner stellen die dritte Age of Mythology-Kampagne. Sehr warm ist es da oben zwar nicht, aber trotzdem schafft es dieses Volk spätestens am abendlichen Lagerfeuer, es sich richtig gemütlich zu machen. Doch wie gesagt, sie lassen sich nicht gerne nieder, was tun sie also stattdessen? Sie ziehen andauernd umher und verweilen nur selten. Die Ochsenkarren, die als mobile Lagerhäuser herhalten, erweisen sich dabei schnell als viel praktischer als die statischen Pendants der Ägypter oder Griechen. Befindet sich zum Beispiel einmal eine Goldmine am anderen Ende der Karte, so ist das kein Problem: Ein paar Dorfbewohner und ein Karren machen sich auf und ziehen dorthin. Ein Nordmann rastet eben nicht gerne, und das kann ein gewichtiger Vorteil sein.

Auch die Götter, wie zum Beispiel Thor, werden anders angebetet. Waren bei den Griechen noch viele betende Bewohner vonnöten und bei den Ägyptern gewaltige Monumente, so will Thor etwas ganz anderes: den Kampf. Je mehr Gegner die Nordmänner nach Niflheim (der Totenwelt) schicken, desto stärker ist der Glauben an ihre Götter.

Die Dynamik des Spiels ändert sich bei den Nordmänner also wiederum. Dadurch bleibt Age of Mythology abwechslungsreich und wird nicht langweilig. Die verschneiten Regionen erinnern zwar an viele Szenen aus Warcraft, verwunderlich ist das aber kaum, schließlich liegen beiden Spielen die gleichen Mythen zu Grunde.

Wer den Einzelspieler-Modus bezwungen hat und Ausschau nach neuen Herausforderungen hält, kann sich schließlich noch im Internet betätigen. Ich selbst habe es einige Minuten versucht und auch wenn ein paar Neulinge kein größeres Problem darstellten, gibt es doch immer wieder Freaks, bei denen die Länge eines Spiels kaum eine zweistellige Minutenanzahl annimmt.

Wer Interesse am Mehrspieler-Modus hat, sollte sich aber in Acht nehmen. Application Systems Heidelberg verweist explizit darauf, dass die Systemvoraussetzungen im Internet – je nach Anzahl der Spieler – steigen:

4 Spieler: G4 733 MHz, 128-256 MB RAM
6 Spieler: G4 1 GHz, 256-512 MB RAM
8 Spieler: Dual 1,42 GHz G4 oder G5 1,6 GHz, 512 MB RAM
12 Spieler: G5 2 GHz, 512 MB RAM

Ansonsten sind die Anforderungen eher moderat. Auf einem 700 MHz TFT-iMac spielen sich die Kampagnen von Age of Mythology weitestgehend ruckelfrei. Nur wenn besonders große Armeen zu sehen sind und dabei noch ungewöhnliche Wunder zum Einsatz kommen, beginnt es schwierig zu werden.

Grafisch gesehen ist Age of Mythology ein echtes Schmuckstück. Die vielen Details, wie Wirbelstürme, Spuren im Schnee, umherfliegende Vögel oder die schön animierten Figuren machen dieses Spiel zu etwas ganz Besonderem. Wenn sich die Köpfe der Hydras mehren oder ein Pegasus flügelschlagend seine Runden dreht, wird deutlich, wie viel Arbeit man sich hier gemacht hat.

Auch die Landschaften sind immer wieder bewundernswert: Vom rauschenden Schneegestöber zur trockenen Wüste bis hin zu weiten Wiesen, deren Harmonie durch das Plätschern einiger Bäche noch unterstützt wird, lässt es das Spiel an nichts fehlen.

Fazit:
Für mich bedeutete Age of Mythology einen neuen Einstieg in die Welt der Strategiespiele. Schon länger war ich nicht mehr so intensiv an eine Story gefesselt, schon lange hat es mir nicht mehr so viel Spaß bereitet, Armeen aufzubauen, um Gegnern zu zeigen, was eine Harke ist.

Der Schluss hätte für meine Ansprüche phänomenaler sein können und war in Anbetracht des sonstigen Aufwandes ein wenig kläglich, aber ansonsten gibt es fast nichts zu beanstanden. Wer mit diesem Spiel gerne im Internet unterwegs wäre, sollte aber auf die recht hohen Voraussetzungen achten.

Freunde des Genres, Freunde der Vorgänger und Freunde von Mythen werden an diesem Spiel viel Spaß haben.

Ingmar Wenz

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop oder bei Amazon.

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