Call of Duty

“Gefreiter, damit wir eines schon mal gleich klarstellen, das hier ist kein Spiel. Es ist bittere Realität, passen Sie auf sich und Ihre Kameraden gut auf. Wir haben Sie in den letzten Monaten das Handwerkszeug gelernt, damit Sie uns im Krieg gute Dienste leisten. Also, jetzt packen Sie ihre sieben Sachen und steigen in dieses Flugzeug hier. Haben Sie ihr Testament gemacht? Gut, da drüben warten ganze Divisionen von deutschen Soldaten nur auf Sie! Wegtreten!”

Nachdem mich Call of Duty so liebenswürdig begrüßt hat konnte es ja nur besser werden. Wie so oft in letzter Zeit darf ich am heimischen Mac die Schlachten des Zweiten Weltkrieges nachspielen – das Thema scheint noch lange nicht durchgekaut zu sein. Aber Call of Duty ist kein Shooter wie all die anderen, er ist grausamer, härter und realistischer als alles bisher Bekannte. Und vor allem ist er ziemlich schnell durchgespielt, aber dazu später mehr.

Realismus wird bei Call of Duty groß geschrieben, dass merkt man schon am Menü, das von einem Kartentisch in irgendeinem Schützengraben abfotografiert sein könnte. Die Steuerung bietet die üblichen Grundfunktionen wie das Bewegen mit den Tasten WASD, aber daneben auch das Schlagen mit dem Gewehrkolben. Sehr wichtig sind die Tasten zum Ducken und Hinwerfen, denn die braucht man auf dem Schlachtfeld am häufigsten. Wie in Taktikshootern üblich beeinflusst die Körperhaltung die Treffergenauigkeit. Wer liegt, kann besser zielen und bietet ein kleineres Ziel, ist aber auch langsamer. Nur wer das weiß, bleibt am Leben.

In einem kurzen Tutorial werden alle Befehle erklärt – und dann muss ich auch schon die Sicherheit meines Trainingsplatzes gegen die kalte Nachtluft der Normandie tauschen. Zu Anfang des Spiels bin ein Pathfinder der amerikanischen 101. Luftlandedivision, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 abspringt, um Markierungen zu setzen, die dem Rest der Division den Weg weisen sollen.

Mit meinem Fallschirm bin ich mitten auf einem dunklen Acker (glücklicherweise heile) gelandet, meinen Kameraden hat es dagegen erwischt. So ist es meine alleinige Aufgabe, das Signal für die Luftlandedivision zu entzünden. Innerhalb kurzer Zeit landen dann mehrere hundert Soldaten in der Umgebung und Feuergefechte beginnen. Ab jetzt pfeifen Kugeln um meinen Kopf, Beton und Schlamm spritzt auf und Offiziere brüllen Befehle – bis zum Ende von Call of Duty.

Dabei sind die Missionen sehr abwechslungsreich geworden. Am Anfang spiele ich den erwähnten amerikanischen Pathfinder. Mit wenigen Leuten muss ich Artilleriestellungen ausschalten, gegnerische Dokumente finden und Gefangene befreien.

Im Spiel wird man dabei von einer Handvoll Teamkollegen unterstützt, die fast perfekt gescriptet sind. Bewegt man sich selber nicht von der Stelle, verharren auch alle Kameraden hinter der nächsten Mauer oder Straßenbiegung. Erst wenn ich selbst weiterlaufe, löse ich die nächsten Aktionen aus. Wäre das alles, würde Call of Duty langweilig sein, doch die Kameraden verfügen über programmierte Verhaltensmuster, die so genannte künstliche Intelligenz. Durch sie gehen sie bei Feindbeschuss in Deckung oder werfen Handgranaten auch nur da, wo es sinnvoll ist.

Nicht immer muss sich der Spieler durch die Missionen zu Fuß bewegen. Es gibt auch Verfolgungsjagden mit Lastwagen oder Autos. Im zweiten Kapitel des Spiels bin ich Mitglied der britischen SAS und dabei oft in geheimer Mission allein hinter feindlichen Linien unterwegs. So muss ich beispielsweise das deutsche Schlachtschiff Tirpitz in einem norwegischen Fjord versenken oder die Flakstellungen der Edertal-Sperre zerstören, um einen Luftschlag der Royal Air Force vorzubereiten. Die letzte Kampagne spielt dann bei den Sowjets: In Stalingrad gilt es, ohne Waffen einen Hang zu erstürmen, danach muss ich als Scharfschütze feindliche MG-Stellungen ausschalten.

In jeder Mission kann ich maximal zwei Gewehre mit mir tragen, dazu eine Pistole und ein paar Granaten. Alle Waffen oder Munition, die von Kameraden oder Gegnern fallen gelassen werden, kann ich aufnehmen und weiter benutzen. Es ist bei mir also nie zu Munitionsknappheit gekommen, auch wenn einige Missionen echt schwer sind. Mit nur einer Handvoll Leute eine Brücke (die berühmte Pegasus-Bridge) zu halten, die von Horden deutscher Grenadiere und massenhaft Panzern angegriffen wird, ist nicht leicht. Die Atmosphäre ist außerdem sehr gut gelungen. Obwohl ein Kompass die Position des nächsten Ziels anzeigt, habe ich oft gar nicht die Zeit, mich darum zu kümmern. Um einen herum passiert so viel, Granaten schlagen ein (und bei zu nahen Einschlägen betäuben sie mich, was sich durch ein schwimmendes Bild und ausgeblendeten Ton bemerkbar macht), Kameraden sterben überall um mich herum und dazwischen gibt es immer neue Ziele. Bisher konnte kein Spiel Krieg so realistisch darstellen. Das ist nur eien Feststellung – ob das positiv oder negativ ist, bleibt dem Leser überlassen.

Leider ist die Einzelspielerkampagne viel zu kurz geraten – um genau zu sein handelt es sich bei der Spiellänge um eine ziemliche Frechheit. Die 24 Missionen kann man in weniger als zehn Stunden durchspielen. Redaktionsintern hat es einer der Kollegen in guten viereinhalb Stunden geschafft – für ein 50-Euro-Spiel sind das mehr als zehn Euro pro Stunde Spielspaß. Wir erachten ein Preis-Leistungsverhältnis als sehr gut, wenn nicht mehr als ein Euro pro Stunde zu entrichten ist.

Immerhin wirkt das Spiel durch seine – positiv formuliert – Kompaktheit wie ein Film. Wie schon erwähnt ist die Atmosphäre sehr gut gelungen, man wird von Mission zu Mission getragen, ohne es wirklich zu merken. Die meisten Szenen sind ausgesprochen gut gescriptet, die Action nimmt selten ab und oft hält man für Augenblicke lang die Luft an, ohne es zu merken. Alles in allem fesselt Call of Duty ungemein stark, man möchte es fast am Stück durchspielen – kann man ja auch problemlos. Als Singleplayer-Spiel ist Call of Duty wie gesagt viel zu teuer, deshalb raten wir Spielern ohne Flatrate vom Kauf des Spieles ab. Aber neben der kurzen Kampagne gibt es auch glücklicherweise noch einen Mehrspielermodus, und der rettet die Wertung, denn mit ihm steigt die Zahl der als Spielspaß zu wertenden Stunden mächtig an.

Die zu Verfügung stehenden Karten sind an die Missionen angelehnt, nur räumlich stärker begrenzt und auf andere Spielmodi ausgelegt. Neben Deathmatch und Team-Deathmatch gibt es noch “Hinter feindlichen Linien”, wo sich Alliierte gegen Deutsche in der Überzahl verteidigen müssen. Bei “Bergung” muss ein Team Dokumente vom Feind zurück erobern, bei “Suchen und Zerstören” muss ein Team Ziele zerstören, das andere Team diese verteidigen. Beim Spielstart kann ich mich für eine Seite entscheiden und eine Waffe auswählen, diese kann ich aber jederzeit gegen herumliegende Ausrüstung tauschen bzw. ein weiteres Gewehr hinzunehmen.

Man kann es kaum glauben, aber Call of Duty benutzt die schon reichlich betagte Quake3-Engine – und sieht dennoch sehr gut aus. Die Spielerfiguren sind detailliert, Taschen und Ausrüstung hängen an Gürteln, und Augen und Mund bewegen sich beim Sprechen. Die Landschaften sind schön gestaltet, wenn auch manchmal sehr klein. Hier merkt man die Limits der Q3-Engine. In Gebäuden findet man eine Vielzahl von Möbeln, hinter denen man sich verschanzen kann, in der Natur kann man sich hinter Büschen verstecken. Außerdem ist fast überall etwas animiert. Die Soldaten patrouillieren umher, Flugzeuge fliegen über das Gebiet, Verstärkung taucht nicht einfach auf, sondern wird mit einem Lastwagen herangeschafft. Mit anderen Worten, die Engine versorgt einen mit derart vielen Infos, dass ich oft gar nicht weiß, wohin ich zuerst schauen soll. Einzig und allein die Texturen sind oft etwas schwach, Gänge sind vielfach einfach nur beige und die Tirpitz ist lediglich ein großer, grauer Koloss.

Die Performance auf einem Dual 1.8 G5 konnte sich sehen lassen: Mit allen Details und einer 1280er Auflösung hat es nicht geruckelt. Auch auf einem G4 MDD mit 1 GHz war es spielbar, wenn auch einige Missionen deutlich schwerer zu schaffen waren, zum Beispiel dann, wenn es vornehmlich auf Treffergenauigkeit ankam oder man sich vor lauter Kameraden kaum selbst bewegen konnte. Einen großen Anteil an der Performance hat dabei die schnelle Radeon 9800 Pro in meinem Rechner. Mit der kleineren 9000 Pro lief es auf dem PowerMac G4 unspielbar langsam.

Sowohl Sound auch als Musik sind außerordentlich gut und harmonieren perfekt mit den anderen Teilen von Call of Duty. Permanent wird irgendwo geschossen und es explodiert irgendetwas, die Sounds klingen dabei aber immer etwas anders. Auch die Umgebung wurde mit viel Liebe vertont, seien es knirschender Schnee oder der Sturzflug von Stukas. Die Musik geht in diesen Abschnitten fast völlig unter, weiß aber dafür in den wenigen ruhigen Abschnitten zu überzeugen. Ebenfalls sehr schön sind die Rufe der Kameraden und die Befehle, denn alles wurde von unterschiedlichen Leuten gesprochen und alles ist lippensnychron. Alles in allem macht der Ton die hollywoodreife Atmosphäre perfekt.

Fazit:

An Call of Duty führt für Shooter-Freunde kein Weg vorbei – ein Spiel das man gespielt haben muss. Wer es nur wegen des Einzelspieler-Modus kauft, hat nur kurz Freude. Dennoch kenne ich keinen anderen Shooter, das eine derart dichte Atmosphäre schafft und mich so stark fasziniert hat. Nach der ersten Mission lässt einen der Sog aus tragischen Momenten und dem Siegesgefühl so lange nicht mehr los, bis der Abspann läuft.

Felix Gelpke

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Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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