Diablo 2

Für alle, die mit Diablo nicht vertraut sind, werde ich hier einmal kurz die Story des ersten Teils vorstellen: In den Katakomben unter der kleinen Stadt Tristram haust der „Lord of Terror“ namens Diablo, und es wird ein Held gesucht, der Diablo vernichten soll. Durch 16 isometrische Level jagt der Held als Krieger, Rogue oder Magier verschiedenste Monster in Echtzeit, bis Diablo gestellt und (hoffentlich) vernichtet wird. Da die Level bei jedem Spielstart neu generiert werden, bietet das Spiel geradezu endlose Freude. Am Ende vernichtet der Spieler Diablo und nimmt den „Soulstone“, in dem der Dämon nach seinem „Ableben“ gefangen ist, in sich auf (na ja, eigentlich rammt der Held sich den Stein in den Kopf… warum auch immer…).

Diablo II knüpft genau da an, wo Diablo aufhört. Diablos Zerstörer verfällt dem Wahnsinn und der Dämon gewinnt die Oberhand. Eine Spur der Zerstörung hinterlassend zieht er nach Osten, um seine Brüder, die auch in „Soulstones“ gefangengehalten werden, zu befreien.

Meine Erwartungen sind doch recht hoch gesteckt. Als langjähriger Fan des Original-Diablo konnte ich es kaum erwarten, endlich Diablo II zu spielen. Der erste mittelprächtige Schock erwartete mich bei der Installation – da müssen doch tatsächlich stattliche 650 MB für die minimale Installation freigeschaufelt werden, und für den Multiplayerbetrieb sogar gleich 950 MB. Wer die sehenswerten Videos auch von der Festplatte laden will, muss sich schon mal auf insgesamt 1,5 GB Installationsplatz vorbereiten. Wow! Diablo I brauchte da mal gerade knappe 10 MB…

Das Spiel fängt mit einem bombastischen Intro an. Die gerenderten Videosequenzen gehören zum Besten, was ich bisher gesehen habe. Da ist der Übergang zwischen Computeranimation und Realfilm kaum auszumachen (kein Wunder, dass für die fünf Sequenzen eine ganze CD verbraten wurde). Erwähnenswert ist auch der Soundtrack, der keine Wünsche offen lässt. Da gibt es Spielfilme, die mit weniger auskommen müssen. Einzig die deutsche Synchronisation ist wieder einmal nicht besonders gut gelungen. Die Sprecher haben ihren Text offensichtlich einfach nur abgelesen, ohne zu wissen, was sie da gerade erzählen. Die teilweise eingestreuten Emotionen klingen nicht gerade überzeugend. Jeder, der mit der englischen Sprache nicht ganz auf dem Kriegsfuß steht, sollte zur Originalversion greifen. Da passt einfach alles besser zusammen.

Es stehen fünf verschiedene Charaktere zur Verfügung, um die Jagd auf Diablo zu starten, die Amazone, der Paladin, die Sorceress, der Barbar und der Necromancer. Das Gameplay unterscheidet sich sehr, je nachdem welchen Charakter man wählt. So ist schon einmal ein Grund zum erneuten Durchspielen gegeben. Jeder der fünf Charaktere kann sich im Verlauf des Spiels 30 spezielle Fähigkeiten antrainieren, die nur seiner Klasse offen stehen. So kann die Sorceress Feuer-, Blitz- und Eiszauber erlernen, der Paladin offensive und defensive Auras sowie verschiedene Kampffertigkeiten und der Barbar Kampfschreie und meisterhafte Kampffähigkeiten mit verschiedenen Waffenarten. Da aber pro erlangtem Level nur jeweils ein Punkt für eine der 30 Fähigkeiten vergeben werden kann, sind perfekte Charaktere nicht zu realisieren. Theoretisch kann man jede Fähigkeit bis in Level 20 trainieren… das würde bedeuten, dass in Level 600 der Charakter perfekt ist. Die Designer haben aber ein Levellimit von 99 eingebaut. Da ist Planung gefragt!

Die Spielwelt sieht trotz der etwas mageren Auflösung von 640×480 erstaunlich gut aus. Leider werden die prächtigen 3D-Effekte nicht angeboten, wenn man eine ATI Rage 128 in seinem Mac hat – erst ein Update des Treibers hilft ab. Neben den farbenprächtigen Lichtquellen und natürlich Zaubersprüchen sowie transparenten Schatten fällt das angenehme 3D-Scrolling erst auf den zweiten Blick auf, oder wenn man es abschaltet 3D-Scrolling bedeutet in diesem Fall, dass der Hintergrund und Objekte im Vordergrund, wie z.B. Bäume sich in verschiedenen Geschwindigkeiten bewegen. Zusammen mit der leichten perspektivischen Verzerrung entsteht ein feiner „Pseudo-3D-Effekt“.

Als erstes habe ich dem Barbaren die Chance gegeben, sich auf die Suche nach Diablo zu machen. Der erste Akt des Spiel beginnt im Lager der Jägerinnen, welches in einer regnerischen Wald- und Wiesenidylle liegt. Gegen Zombies und andere Untote erkämpfe ich mir meine ersten Erfahrungspunkte und erledige die ersten Quests. Mit der Maus klicke ich einfach irgendwo auf den Boden und schon setzt sich mein Recke in Bewegung. Monster werden einfach mit einem Mausklick bekämpft. Wenn die Maustaste gehalten wird schlägt mein Barbar solange immer wieder zu, bis das Monster vernichtet ist. Per Shift-Taste bleibt mein Kämpfer stehen und lässt die zu verprügelnden Monsterhorden herankommen. Mit der Control-Taste verfällt er in ein leichtes Joggen… sehr praktisch für größere Entfernungen! Mit der Apfel-Taste und Mausklick kann mein Held als Alternativattacke auch z.B. einen Kriegsschrei zum Besten geben, um so die Monster so zu schwächen oder sich selbst zu stärken. Die gesamten Kontrollen sind einfach in der Handhabung, und alle wichtigen Statusanzeigen, wie Lebensenergie und Mana, das für die alternativen Angriffe und Kriegsschreie gebraucht wird, sind übersichtlich am unteren Bildschirmrand platziert.

Die anfänglichen Level sind recht schnell zu schaffen und mit den gefundenen Gegenständen kann ich meinen Barbaren gut ausrüsten. Bessere Waffen und Rüstungen gibt es aber erst für höherlevelige Helden. Erst mit Level 35 sind alle Waffen und Rüstungen verfügbar. Das ist ein weiter Weg… Eine Hauptmotivation im ersten Teil war das Suchen und Sammeln von verzauberten Gegenständen. Diesen Aspekt hat Blizzard noch einmal erheblich ausgebaut. Es gibt Tausende von Verzauberten Waffen, die zufällig generiert werden und zum Teil (wenn sie besonders stark sind) sogar eigene Namen haben. Neu dabei sind auch Sets, das heißt besondere Gegenstände, die Ihre volle magische Kraft erst entfalten, wenn man alle zum Set gehörigen Gegenstände zusammengesammelt hat. Man braucht auch nicht zu befürchten, jemals zu viel Geld zu haben. In jeder Stadt gibt es einen Händler, bei dem man sich im Glücksspiel versuchen kann. Zu horrenden Preisen kann man dort Ausrüstungsgegenstände erstehen, die nicht identifiziert sind. Mit ein wenig Glück ist das neue Schwert, oder die neue Rüstung tatsächlich einzigartig und stark verzaubert, ein Gegenstand, der sonst schier unerreichbar bliebe. Der einzige Nachteil bei derartig vielen Gegenstände ist der viel zu knapp bemessene Stauraum. Häufig muß man auch ein gutes Stück verkaufen, weil man es einfach nicht mehr lagern kann. Einzig die Netzwerkspieler sind hier besser dran… Mit zwei Macs und zwei Versionen von Diablo kann man sich im Netzwerkmodus viele Charaktere anlegen, bei denen einfach nur Gegenstände zum späteren Gebrauch abgelegt sind. So habe ich mir für die meisten Sets jeweils einen eigenen Charakter mit dem entsprechenden Namen angelegt. Auch neu dabei sind diverse Edelsteine, die zum Verzaubern von entsprechenden gesockelten Gegenständen benutzt werden können. Das ist praktisch die eigene Waffen- und Rüstungsupgradeschmiede gerade am Anfang bestechen die self-made-Gegenstände durch niedrige Reparaturkosten, sehr empfehlenswert!

Da man das Spiel nicht zwischendurch speichern kann (es gibt nur ein „Quit & Save“, aber beim erneuten Laden sind dann alle Landschaften wieder mit neuen Monstern bevölkert!), sind so einige Adrenalinschübe vorprogrammiert. Wer weiß schon welche fiesen Monsterhorden hinter der nächsten Ecke im Dungeon lauern. Allerdings ist das Ableben eines Charakters nicht mehr so schlimm wie im ersten Diablo, wo die gesamte Ausrüstung bei den Monstern im Dungeon liegen blieb. Wenn man in „Diablo II“ stirbt, speichert man das Spiel einfach ab und lädt es erneut. Dann liegt die eigene Leiche im sicheren Lager und man kann seine Sachen wieder aufsammeln. Nur ein Prozentsatz des Geldes, das man bei sich hatte, ist verloren. Anders sieht die Sache später aus, nachdem man Diablo vernichtet hat. Dann werden nämlich zwei weitere Spielmodi freigeschaltet. Man kann das Spiel mit seinem Charakter im „Nightmare-Modus“ von vorne anfangen. Die Monster bekommen dann 25 Level dazu und sind auch für erfahrene Charaktere jenseits von Level 30 eine echte Herausforderung. Wenn der Charakter dann stirbt, behält er zwar auch noch seine Ausrüstung, verliert aber mehr Geld und vor Allem auch Erfahrungspunkte. Nach dem erneuten Plätten von Diablo im „Nightmare-Modus“ kann man sich dann auch im „Hell-Modus“ versuchen… da wird die Herausforderung noch einmal größer. Am heftigsten wird die Sache, wenn man ein Spiel im Hardcore-Modus beginnt, der auch nach dem ersten Ableben von Diablo freigeschaltet wird. Die im Hardcore-Modus erstellten Charaktere haben nämlich genau ein Leben. Da ist der Tod endgültig! Nicht umsonst fragt das Programm bei der Charaktererstellung noch einmal nach, ob man sich das wirklich gut überlegt hat… Wenn der liebevoll in vielen Stunden aufgepäppelte Charakter ins Gras beißt, kann es echt ärgerlich werden.

Besonders viel Spaß macht Diablo II im Netzwerk, wenn man sich mit bis zu acht Gleichgesinnten zur Monsterhatz zusammenfindet. Mit jedem Mitspieler werden die Monster stärker und geben mehr Erfahrungspunkte. Die verschiedenen Charaktere ergänzen sich hervorragend der Barbar steht in der Monsterschar und metzelt, der Paladin ist ihm dicht auf den Fersen und heilt mit seiner Aura, von hinten schleudert die Sorceress Feuerbälle, während der Necromancer aus den gefallenen Monstern seine Skelettarmee rekrutiert. Wenn man sich über das Internet in das „battle.net“ von Blizzard einloggt, kann man einen so genannten „Realm-Character“ erstellen, der auf dem Server gelagert wird und somit praktisch nicht zu cheaten ist. Ansonsten besteht auch die Möglichkeit, mit dem eigenen Charakter aus dem Singleplayer ein Spiel im battle.net zu bestreiten. Da die Serverbenutzung kostenlos ist, fallen nur die Telefon und Providerkosten an es lebe die Flatrate!

Fazit:

Diablo II ist ein Spiel mit gefährlichem Suchtpotenzial. Ein entsprechender Hinweis fehlt übrigens auf der Packung… Das Spiel bietet einen gelungenen Mix aus Action und Rollenspiel, ist einfach in der Handhabung, aber nicht einfach zu meistern. Wochenlanger Spielspaß ist garantiert, sofern man sich mit dem Szenario (Schwerter und Magie) anfreunden kann. Die einzigen Kritikpunkte am Spiel sind für mich zum Einen die deutsche Übersetzung der Texte und die Synchronisation (die englische Version bekommt bei mir eine 10 in der Soundwertung!), die ich nicht für gelungen halte und zum Anderen der nicht immer ausgewogene Schwierigkeitsgrad (wobei da viel Glückssache dabei ist, welche Monster im Dungeon erscheinen). Dass Diablo II nur eine Auflösung von 640×480 auf den Monitor zaubert (es sieht trotzdem super aus, und das allein zählt!), oder dass man nicht vor jeder Ecke im Dungeon abspeichern kann (das würde viel Spielspaß kosten und weniger Adrenalinschübe bringen) sind für mich keine Mankos. Diablo II ist eins der besten Spiele des Jahrgangs 2000 und rundum empfehlenswert.

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

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