Dr. Blobs Organism

Wir sind nicht alleine. Um uns, in uns, an uns – überall lauern sie: Mikroskopisch kleine Lebensformen, von der Kopfkissen besetzenden Staubmilbe hin zu Kühlschränke kontaminierenden Bakterien und zur Pfützen durchwabernden Amöbe. Alleine der Gedanke, mit abertausenden Milben – denen es überhaupt nichts ausmacht, die Ergebnisse ihres Verdauungsprozesses in unserem Bettzeug zu hinterlassen – die Nacht zu verbringen ist dermaßen Ekel erregend, dass man ihn am liebsten verdrängt…

Dr. Blob hingegen ist von Kleinstlebewesen, insbesondere denen mit nur einer Zelle, so fasziniert, dass er eine Zucht begonnen hat. Logisch, dass da was schief gehen musste. Der von Dr. Blob gezüchtete Organismus ist ein mehr oder weniger intelligentes, bösartig aggressives, aber noch immer einzelliges Lebewesen. Dieser Organismus hat einen Plan: Er schickt sich an, die Zuchtschale zu verlassen, um in den Pfützen dieser Welt die Herrschaft an sich zu reißen. Dass nicht der werte Doktor, sondern ihr das Problem beseitigen müsst, versteht sich von selbst.

So setzt ihr euch vor das Mikroskop, legt die Petrischale darunter und versucht, die Amok-laufende Amöbe zu erledigen. Dazu schießt ihr, bewaffnet mit einem Elektro-Stab, kleine Energieladungen vom Rand in die Petrischale, die ihr sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn drehen könnt. Trefft ihr den Zellkern, verringert sich die Lebensenergie des Organismus. Ist die Energieleiste der Amöbe aufgebraucht, habt ihr einen der zwanzig Level bestanden und dürft euch am nächsten versuchen. Trefft ihr lediglich die Zellmembran, verringert sich die Größe der Amöbe, was auch bitter notwendig ist, da sie in unregelmäßigen Schüben wächst. Berührt die Amöbe den äußeren Rand der Schale, wird euch einer von fünf Kulanzpunkten abgezogen. Habt ihr den letzten Punkt verloren, macht ihr Bekanntschaft mit dem Game Over-Screen des Spiels. Doch keine Angst: Ihr habt unendlich viele Continues. Außerdem merkt sich das Spiel, welche Level ihr bereits absolviert habt und lässt euch beim nächsten Start dort weitermachen, wo ihr aufgehört habt.

Damit wäre der gesamte Inhalt des Spiels schon zusammengefasst. Wir schlussfolgern richtig: Bei »Dr. Blobs Organism« handelt es sich um einen absolut gradlinigen Arcade-Shooter. Nun klingt das bisher Beschriebene vielleicht alles ein wenig nach »Easy Going«, man könnte meinen, zwanzig Level seien nicht wirklich viel… Mitnichten! »Dr. Blobs Organism« ist eine echte Herausforderung. Alleine eine Amöbe niederzukämpfen dauert bereits eine ganze Weile. Wenn die Einzeller in späteren Levels ganz tief in die Trickkiste greifen und Schutzschilde und Mitose auspacken, wird dem Spieler schon eine gewisse Zähigkeit abverlangt.

Fairerweise spendiert man dem Spieler gelegentlich Power-Ups, die durch Abschuss aktiviert werden. Gelingt es euch, so ein Power-Up aufzulesen, bekommt ihr für wenige Sekunden entweder ein besseres Waffensystem, bessere Munition oder einen zweiten oder gar dritten Energiestab, mit dem ihr die Energieladungen in die Petrischale feuert, verpasst. Gelegentlich explodiert das Power-Up auch direkt in der Petrischale, was der Amöbe meist gar nicht gefällt. Manchmal sind diese Power-Ups die letzte Rettung vor dem Game Over, in jedem Fall aber sorgen sie für ein gewisses Maß an Abwechslung: Insbesondere dann, wenn ihr einen weiteren Energiestab ergattern könnt, ist eine kurzfristige Änderung eurer Taktik angesagt. Ansonsten gestaltet sich der Job des Amöbenjägers leider recht einheitlich: Zwar werden die Einzeller immer aggressiver, schneller und teilungsfreudiger und ab und an darf auch eine neue Extrawaffe kennengelernt werden, dennoch ist der grundsätzliche Ablauf und Aufbau des Spiels einfach zu unflexibel, als daß sich größere Überraschungen ergeben könnten. Ihr ballert halt immer vom äußeren Rand der Petrischale auf die Amöbe und dreht gelegentlich das Bild – das war’s dann auch schon. Nett wären zum Beispiel weitere Spezialattacken – neben dem Schutzschild und Mitose oder den Sporen – der Amöbe gewesen…

Ein Wort zur Grafik: Obwohl alle Level gleich gestaltet sind und auf Dauer wenig visuelle Abwechslung geboten wird, kann man die grundsätzliche Gestaltung des Spiels doch als gelungen bezeichnen – auch wenn dieses Mal der typische Phosphorous-Style nicht ganz so durchbricht wie bei den andern Spielen aus dem Hause Digital-Eel. Es ist darüber hinaus wirklich verblüffend, wie gut und glaubwürdig dem Team die Animation und das Design der Amöbe gelungen ist. »Dr. Blobs Organism« sollte man in Bewegung gesehen haben – der Einzeller wabert und wandert dermaßen realistisch anmutend durch die Petrischale, dass es fast schon bedauerlich ist, das Biest abknallen zu müssen. Auch die anderen Effekte können sich sehen lassen – dank ausgiebigem Gebrauch von OpenGL.

»Dr. Blobs Organism« bietet 21 Musikstücke – eines für jeden Level plus Titelmelodie. Über mangelhafte musikalische Abwechslung kann man sich also nicht beschweren, ebensowenig über die Qualität der Tracks. Die Soundeffekte gluckern und tröpfeln fabelhaft und gliedern sich somit fantastisch in den wabernden, organischen optischen Style des Spiels ein.

Fazit:

Grundsätzlich weiß »Dr. Blobs Organism« zu gefallen. Die Animation der Amöbe, die gute Musik und die passenden Soundeffekte ergeben ein rundes, stimmiges Ganzes. Dennoch hat mich das Spiel nicht auf ganzer Linie überzeugt, denn auf Dauer bietet die Jagd auf die Amöbe trotz vieler Extra-Waffen und fiesen Amöben-Tricks doch zu wenig Abwechlung, als dass das Spiel längerfristig fesseln könnte. Für die schnelle Runde zwischendurch ist es jedoch allemal zu empfehlen.

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt bei Digital Eel.

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