Dungeon Siege

Es herrscht Aufruhr im Königreich Ehb. Nach 300 Jahren Frieden greifen die Krugs (in anderen Rollenspielen wären das wohl Orks) an. Auch meine kleine Farm wird angegriffen und ein sterbender Freund gibt mir meinen ersten Auftrag, ich soll mich in die Stadt Stonebridge aufmachen und dort Gyorn aufsuchen. Also zücke ich mein kleines Messer und mache mich auf den Weg durch herrlich animierte Bäume, die im Wind schaukeln…

Die ersten Schritte werden noch durch einige Tutorialbildschirme unterbrochen, die man auch ausschalten kann, aber dann geht es richtig los. Die Geschichte in Dungeon Siege ist zwar eher banal, es muss halt mal wieder das uralte Böse vernichtet werden, aber solange die Monster- und Schatzjagd unterhaltsam ist…

Charakterentwicklung
Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen fällt die Charaktererschaffung eher kurz aus. Man kann sich aus verschiedenen Köpfen und Haarfrisuren eine männliche oder weibliche Spielfigur zusammen basteln (im Multiplayer darf man auch als Zwerg oder Skelett spielen). Und das war es auch schon! Die Skills und Charakterwerte sind beim Start immer gleich und müssen im Spiel trainiert werden. Es gibt drei Attributwerte, Stärke, Geschicklichkeit und Intelligenz, und vier Skills, Nahkampf, Fernkampf, Naturmagie und Kampfmagie. Je nachdem, was der Charakter im Spiel macht, steigen die entsprechenden Werte. Wenn man wie ein Berserker mit dem Messer auf die Monster einprügelt, gibt das außer dem Nahkampfskill hauptsächlich Stärke, ein bisschen Geschicklichkeit und kaum Intelligenz. Logisch. Wenn man die Monster lieber aus der Entfernung mit Pfeil und Bogen erledigt entwickelt das natürlich den Fernkampfskill und viel Geschicklichkeit, etwas Stärke und etwas Intelligenz. Man ist also nicht von Anfang an in eine bestimmte Klasse gezwängt. Allerdings kann man im Verlauf der Solokampagne nicht Meister in allen Klassen werden und sollte sich deshalb schon spezialisieren (im Multiplayer sieht das anders aus, da man jeden Kartenabschnitt beliebig oft durchkämpfen kann…). Die Hitpoint- und Manawerte werden durch die Levelups in den drei Attributen bestimmt. Für einen Level Stärke erhält man beispielsweise 30 Hitpoints und 1 Mana, für einen Geschicklichkeitslevel 10 Hitpoints und 4 Mana und für einen Intelligenzlevel 10 Hitpoints und 25 Mana. Also sollten auch Magier ab und zu mal ein Monster verprügeln, um an mehr Hitpoints zu kommen, oder um einfach durch höhere Stärke bessere Rüstungen tragen zu können. Während der Kampagne können noch sieben Mitstreiter gerettet oder angeworben werden, die sich dann um die Fähigkeiten kümmern, die der Hauptcharakter nicht benutzt. Wenn man auf einen Mitkämpfer verzichten kann, kann man sich auch einen Maulesel zulegen, der die Beute transportiert und sich glücklicherweise recht intelligent aus den Kämpfen heraushält, da er nicht so gut austeilen kann, wie der Rest der Party. Wer richtig wagemutig ist kann auch alleine mit sieben Maultieren losziehen… Im Multiplayer gibt es leider keine Maultiere.

Die Gegenstände
Ich habe in keinem anderen Spiel so viele verschiedene Grafiken für Ausrüstungsgegenstände gesehen wie in Dungeon Siege. Alleine die Lederrüstung gibt es in einem dutzend Versionen… Und die anderen Ausrüstungsgegenstände stehen dem in nichts nach. Da ist man doch ab und zu versucht, die bessere Ausrüstung nicht zu benutzen, weil sie farblich nicht zum Rest der Klamotten passt… Wer will schon „Kristallstiefel“ oder gar „geschmolzene Stiefel“ zu seinem „Nachtlederpanzer“, wo man doch jedes Ausrüstungsstück am Helden bewundern kann! Viele der Rüstungen und Waffen kommen zum Teil mit gleichen Werten und unterschiedlichem Aussehen oder umgekehrt vor, so dass man den schnöden „Kompositbogen“ nicht unbedingt liegen lassen sollte, weil man schon einen hat… der neue könnte bessere Werte haben… Leider haben die Entwickler nicht so viel Sorgfalt bei den möglichen Verzauberungen walten lassen. Gerade die höheren Gegenstände unterscheiden sich nur minimal, da immer ein bis zwei Gruppen von Effekten benutzt werden, die wiederum aus zwei bis drei Einzeleffekten zusammengesetzt sind und sich häufig wiederholen. Der etwas betagte Konkurrent „Diablo II“ ist da meilenweit voraus. Es gibt im Spiel auch einige Rüstungssets, die aber keine besonderen Auswirkungen haben, wenn man sie komplett trägt, außer der Genugtuung, ein Set gefunden zu haben.

Die Handhabung
Die Steuerung der Party funktioniert sehr intuitiv. Bewegung und Kampf funktionieren so, wie ein Diablo-Veteran es gewohnt ist. Neu ist nur die Dreh- und Zoomfunktion der Kamera, doch daran hat man sich schnell gewöhnt und will es dann nicht mehr missen. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Problemen mit der automatischen Kamerarotation (zum Beispiel beim Erstürmen von engen Türmen oder Räumen). Praktisch ist auch noch die Pausenfunktion, mit der man jederzeit das Geschehen anhalten kann, um Heiltränke zu verabreichen, neue Zaubersprüche festzulegen oder einfach nur im Inventar zu stöbern. Dungeon Siege bietet einige Komfortfunktionen, bei denen man sich fragt, warum es das eigentlich nicht schon immer gegeben hat. Da wären zum Beispiel die sparsamen Helden, die aus einem Heil- oder Manatrank nur soviel trinken, wie sie zur Regeneration brauchen, anstatt die ganze Flasche zu vernichten. Die auf Tastendruck erscheinenden Gegenstandsnamen gab es auch schon in Diablo II, aber die „wir-sammeln-alles-auf-Taste“ ist neu. Leider hat man da in der Party nicht die volle Kontrolle, wer was aufnimmt, so dass das Sortieren hinterher viel Zeit rauben kann. Im Multiplayer ist diese Taste zwar sehr einträglich, kann aber schnell zum Streit führen, wenn man ein Geschwindigkeitsmeister mit dieser Taste ist… Ebenso zweischneidig ist die automatische Aufräumfunktion für das Inventar. Es wird dadurch zwar der größtmögliche Platz geschaffen, aber ich sortiere das Inventar lieber selbst und weiß, wer was dabei hat und vor allem wo es im Inventar liegt.

Die KI der Mitstreiter ist recht ordentlich gelungen. Über ein paar kleine (wegklappbare) Schaltflächen kann man jeden einzelnen Charakter in drei Stufen von defensiv (ich lasse mich gerne schlagen und halte auch noch die andere Wange hin) bis zu aggressiv (wer ist der nächste) und seinen Monster-verfolg-Radius einstellen. Auch der Packesel ist schlau genug, sich selbstständig aus Kämpfen zurück zu ziehen. Das einzig gefährliche ist dann ein überraschender Angriff von hinten… Im Gegensatz zur KI der Teamkollegen ist die KI der Monster praktisch nicht vorhanden. Wenn sie jemanden aus der Party sehen, versuchen sie ihn zu erwischen, egal wer sonst noch auf sie einschlägt oder eventuell im Weg steht. Damit kann man natürlich große Feindesgruppen schön auseinander ziehen, um die Kämpfe zu vereinfachen, wie schon einst bei Diablo… Es ist halt ein Action-Rollenspiel.

Die Technik
Die gesamte Welt von Dungeon Siege ist aus einem Guss. Nirgendwo im Spiel existieren Ladebalken, allerdings gibt es einige Fahrstuhlsequenzen, die ziemlich an Ladebalken erinnern… G3-Besitzer müssen die Auflösung und die Details runterschrauben, um ein flüssiges Spiel zu haben. Mittlere Details, 16-Bit Frabe und 800×600 Auflösung sind auf dem 900er iBook mit 32MB Radeon 7500 das Maximum. Auf Dual-G4-Macs können alle Einstellungen auf Maximum gesetzt werden. Auf einem 500er G3-iMac mit 8MB-ATI Rage 128 verkommt das Spiel zur Slideshow und macht keinen Spaß mehr. Einen großen Anstieg der Framerate gibt es, wenn man die hervorragende Musik abschaltet. Allerdings verliert das Spiel dadurch viel Atmosphäre.

Auch wenn ein Multiplayer-Spiel zwischen Mac und PC leider nicht möglich ist, können doch die PC-Mods und Addons genutzt werden. Es gibt sinnvolle Mods, die etwa die Größe der Inventars verdoppeln, oder die Zeit für herbeigerufene Kreaturen auf 600 Sekunden verlängern. Im Gegensatz zu den Mods funktionieren Spielstände und Multiplayercharaktere nicht systemübergreifend.

Fazit:

Derzeit gibt es kein schöneres (Action-)Rollenspiel für den Mac als Dungeon Siege. Die Solo-Kampagne dauert gut 30 Stunden und kann auch im Multiplayer gespielt werden. Als Bonus gibt es (leider nur für Multiplayer) auch noch die Uträische Halbinsel, die locker denselben Umfang hat wie die Hauptkampagne, aber frei begehbar ist (nur die Startpunkte sind mit Levelbeschränkungen versehen). Die Grafik stimmt, die Länge stimmt und auch nach dem fünften Durchspielen findet man noch eine neue Höhle mit Schätzen oder eine Treppe, die in einen noch nicht erkundeten Abschnitt führt oder eine neue Grafik für eine Rüstung oder Waffe. Sicher, Baldur’s Gate 2 hat eine tolle Geschichte und man braucht viele Stunden mehr, um den Endgegner zu sehen, aber mir macht Dungeon Siege einfach mehr Spaß. Ernsthafte Konkurrenz wird erst mit Neverwinter Nights erscheinen, das in Sachen Story und Handhabung genau zwischen Dungeon Siege und Baldur’s Gate platziert ist. Wer Diablo II mag und von den ganzen Items nicht genug bekommen kann und so langsam die Lust verliert, Diablo zum 637ten Mal zu verprügeln, ist bei Dungeon Siege genau richtig.

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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