F1 Championship Season 2000

Endlich! Ein Autorennen für unseren Lieblingscomputer. Ich dachte schon, ich könnte mein Logitech Wingman Formula GP-Lenkrad einmotten…

Nach der Installation beginnt das Spiel mit einem typischen Formel-1-Video, in dem die lizenzierten Köpfe und Autos in schnellen Schnitten abgespielt werden. Dann bin ich auch schon im Hauptmenü. Optisch sparsam, aber die Orientierung fällt leicht. Die Options-Icons am unteren Bildschirmrand haben alle ein Namensfenster, das sich öffnet, sobald man mit dem Cursor darüber fährt. Hier kann man das Spiel beenden, ein Fahrerprofil anlegen, Grafik und Sound einstellen und den Schwierigkeitsgrad festlegen. Auf der linken Seite sind, nicht zu übersehen, die anwählbaren Rennen aufgezählt. Von der Fahrschule über die Testfahrt bis zur kompletten Meisterschaft ist hier alles dabei.

Die Fahrschule
Hier wird einem der richtige (schnelle!) Umgang mit einem F1-Boliden vermittelt. Auf drei Kursen sind unterschiedliche Aufgaben in einer vorgegebenen Zeit zu schaffen. Das Aufgabenspektrum reicht vom Anfahren über spezielle Kurven bis zur kompletten Runde. Der Fahrlehrer zeigt einmal, wie die Aufgabe optimal gelöst wird, dann darf man sich selbst auf den Fahrersitz begeben. Je nach Abschneiden in der Aufgabe muss man es noch einmal versuchen, oder erhält eine Gold-, Silber- oder Bronzemedaille, die im Fahrerprofil zusammen mit den benötigten Versuchen abgespeichert wird. Allerdings muss man hier nicht gewinnen, um Lizenzen zu gewinnen, um an den Rennen teilnehmen zu dürfen, wie etwa in Gran Turismo (Playstation). Bei F1 Championship 2000 darf man auch ohne Fahrschule am Grand Prix teilnehmen. Und das ist auch gut so, denn einige Tests (Reaktionstest, Indianapolis) sind ziemlich heftig (oder bin ich nur zu alt?). Trotzdem sollten auch Profis sich mal an den Aufgaben versuchen.

Die Testfahrt
Wer genug gelernt hat, sollte sich dann die Testfahrt vornehmen, um die verschiedenen Wagen der Formel-1-Teams zu testen. Hierfür bietet sich der Kurs in Monza an, auf dem man ja in der Fahrschule einige Runden gedreht hat. Die Leistungsmerkmale der Wagen sind leicht unterschiedlich. Es ist z.B. schwer, mit einem Minardi einen McLaren oder Ferrari auf einer Geraden zu überholen, wenn der Schwierigkeitsgrad bzw. die Fahrstärke der Gegner nicht deutlich reduziert wurde. Bei der Testfahrt, die für eine Stunde angesetzt ist, darf man auch gleich nach Herzenslust im Setup-Menü den Wagen einstellen. Wie war das noch mit dem Sturzwinkel und wie hoch soll der Reifendruck hinten rechts sein? Glücklicherweise haben die Entwickler schon ein paar Setups abgespeichert. Doch Vorsicht! Das Herumschrauben am Auto bringt nur etwas, wenn man den Kurs im Schlaf beherrscht und gleichmäßige Rundenzeiten fahren kann. Solange es alle paar Runden einen Ausflug ins Kiesbett gibt, lässt es sich schwerlich abschätzen, ob ein Setup besser oder schlechter ist.

Das Rennen
Hier ist die Action! Beim schnellen Rennen startet man meist von hinten und hat nur wenige Runden, um sich an die Spitze vor zu arbeiten. Die Rennlänge ist auf 10% des Originalrennens gesetzt, so dass man rund fünf bis sechs Runden fahren darf. Man darf die Rennlänge in den Optionen in 1 %-Schritten bis zur Originallänge einstellen (z.B. 62 Runden für Imola, Rennlänge ca. eine Stunde und 45 Minuten…). Aufwändiger ist der Grand Prix, bei dem man ein komplettes Rennwochenende mit Training und Qualifikation bestreitet. Die Meisterschaft wiederum besteht aus kompletten Rennwochenenden auf allen Strecken. Die Gegnerstärke ist variabel in 1%-Schritten zwischen 70% und 120% einzustellen, wobei 85% die Standardeinstellung markiert.

Technikcheck
Einen leichten Punktabzug erspielt sich F1 Championship 2000 durch nervige Kleinigkeiten, die eventuell mit einem Patch bereinigt werden könnten. So wurde mein Logitech Wingman Formula GP-Lenkrad zwar sofort erkannt, und ich konnte auch im Rennen steuern, aber um die Tasten und Achsen neu belegen zu können, muss das Spiel mit aktiviertem Controller neu gestartet werden. Wenn in den Optionen die Gangwahlhilfe (Automatikschaltung) deaktiviert ist, ist im Rennen nur der 5. Gang verfügbar. Hier muss in jedem Rennen als erstes zweimal die F6-Taste betätigt werden, um die Automatik ein- und wieder auszuschalten. Und der dritte Meckerpunkt ist, dass nach einem Rennen der Mauszeiger in den Menüs auf dem iMac verschwindet. Dieses Problem tritt bei einem G4 Dual 1GHz mit GeForce 4MX nicht auf.

Die Performance auf meinem 500 MHz langsamen iMac mit 8 MB ATI Rage 128 Pro ist erstaunlich gut – der Hersteller nennt in seinen Mindestanforderungen eine mit 32 MB VRAM bestückte Grafikkarte. Das Game ist spielbar, wenn die Detailstufe reduziert wird. Standardauflösung sollte für die 8 MB-Karte 640×480 sein, dafür kann man die Texturdetails auf hoch setzen. Die anderen Effekte – wie Reifenspuren und Staub – dürfen auf Mittel stehen und alle Objekte wie Bäume und Tribünen sollten eingeschaltet sein. Die Cockpit-Textur sollte auf hoch geschaltet werden, da man in der niedrig aufgelösten Variante die Rundenzeiten im Lenkraddisplay nicht richtig lesen kann. Aus Performancegründen sollten die Rückspiegel ausgeschaltet bleiben, bei 640×480 sind sie sowieso ein bisschen klein. Wenn man auf mehr Details verzichten kann, kann man auch 800×600 als Auflösung ausprobieren. Die 1024x768er Auflösung ist allerdings für die 8 MB ATI-Karte eine Nummer zu groß.

Ab den mittleren Detailstufen sieht die Grafik gut aus, kann sich aber nicht mit aktuellen Konkurrenten aus dem PC-Lager messen. Die Mac-Grafik sieht einfach nach Spiel aus (ist das wirklich schlecht?), während auf der PC-Seite eher der Fotorealismus im Vordergrund steht (kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die PC-Grafikkarten normalerweise mit mindestens 64 MB Grafikspeicher ausgerüstet sind…).

Auf besser ausgerüsteten Macs kann man noch so einiges an Zusatzoptionen einschalten. Von Bilinearem Filtern bis FSAA (Kantenglättung gegen den Treppeneffekt) reichen die Optionen, mit denen man auch die schnelleren Grafikkarten ausbremsen kann, um schönere Bilder auf dem Monitor zu bewundern. Selbst einen G4 Dual 1 GHz mit GeForce 4 MX kann man locker ausbremsen, wenn bei 1024×768 alle Optionen (außer FSAA) eingestellt sind und ein Regenrennen mit 22 Gegnern gefahren wird. Bei gutem Wetter sind die maximalen Einstellungen allerdings kein Problem.

Selbst an eine ForceFeedback-Option haben die Programmierer gedacht, doch die ist in Mac OS 9 nicht verfügbar und bleibt OS X-Usern (ab Mac OS X 10.2.3) vorbehalten, was ich vorläufig nicht testen kann.

Ein Multiplayer-Modus ist auch mit dabei. Jeder Spieler braucht dafür eine CD, deshalb bleibt dieses Feature ungetestet.

Das Handbuch
Am gut gelungenen Handbuch gibt es außer einigen anders als im Spiel übersetzten Begriffen und ein paar nicht richtig eingeladenen Bildern eigentlich nichts auszusetzen. Alle Optionen und Features, von Grafikeinstellungen bis zu den Wagensetups werden kurz mit Vor- und Nachteilen erklärt. Mit 50 Seiten Umfang ist es für ein Rennspiel erstaunlich groß geraten.

Fazit:

All zuviel Auswahl gibt es für Rennspiel-Fans am Mac ja leider nicht. F1 Championship 2000 ist praktisch allein auf weiter Flur, wenn man einmal vom uralten Indy Car Racing absieht. Aktuelle Alternativen bieten sonst nur 4×4 Evo 1 und 4×4 Evo 2, die allerdings bei besserer Grafik das weit weniger realistische Fahrverhalten demonstrieren und sich durch das Offroad-Szenario entsprechend anders spielen.

Durch den einstellbaren Schwierigkeitsgrad kann das Spiel optimal auf den Spieler angepasst werden. Mit allen Fahrhilfen fährt der Wagen praktisch alleine: Man muss nur noch Gas geben. Wenn alle Fahrhilfen ausgeschaltet sind, braucht man einiges an Erfahrung, um den Wagen in den Schikanen unter Kontrolle zu behalten. Auch die gegnerischen Fahrer können von Treckerniveau bis superschnell eingestellt werden. Der Tuningpart kann helfen, ist aber nicht zwingend erforderlich (zumindest bis zum mittleren Schwierigkeitsgrad).

Alles in Allem ist F1 Championship 2000 die beste Rennsimulation, die mein Mac seit Indy Car Racing und NASCAR 1996 (!!!) gesehen hat und somit auch die beste, die zurzeit erhältlich ist. Erst das neue NASCAR-Racing 2002 Season wird in Sachen Realismus zur Konkurrenz werden, doch die amerikanischen Rundkurse sind nicht jedermanns Sache und auch die Anforderungen ans System werden erheblich höher sein.

Ab iMac 500 ist das Spiel ohne zu große Kompromisse zwischen Grafik und Framerate spielbar. Ein Lenkrad mit Pedalen ist aber auf alle Fälle sehr zu empfehlen.

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Das Spiel ist bereits vergriffen.

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