Heroes of Might and Magic V

Bei vielen Mac-Spielern war die Freude groß, als Freeverse vor einiger Zeit ankündigte „Heroes of Might and Magic V“ für den Mac zu portieren. Die Freude wurde dann später leider etwas gebremst, als bekannt wurde, dass zur Portierung Cider verwendet werden würde und daher „Heroes of Might and Magic V“ nur auf Intel-Macs laufen würde. In wieweit das nun die Verkäufe des Spiels beeinflussen mag, sei dahingestellt, zunächst einmal werde ich das Spiel genau unter die Lupe nehmen.

„Heroes of Might and Magic V“ ist wie seine Vorgänger ein rundenbasiertes Strategiespiel. Die Spielwelt von „Heroes of Might and Magic“ hat dabei lange Tradition. Der erste Teil der Serie erschein 1995, unter anderem auch für den Mac. Bis auf einige Addons für den dritten Teil der Serie erschienen bisher sogar alle Teile auch für den Mac, so verwundert es nicht, dass auch der fünfte Teil seinen Weg auf den Apfel-Computer findet. Entwickler Nival und Publisher Ubisoft (vormals 3DO, welche die Rechte verkauft haben) haben also ein Herz für uns Mac-Spieler. Und das schön gemachte Intro zeigt auch, dass man ein Herz für die klassischen Rollenspieler und Fantasy-Leser hat. König Nicolai will seine Isabel heiraten, der Hofstaat ist schon der Kathedrale versammelt, als das Fest jäh vom Auftauchen einiger Dämonen unterbrochen wird. Es beginnt der klassische Kampf zwischen Gut und Böse.

Die Kampagne von „Heroes of Might and Magic V“ beginnt daher mit dem Kampf von Isabel gegen das dämonische Heer. Die junge Heldin muss zunächst einmal eine schlagkräftige Truppe ausheben. Unterstützt wird sie dabei von der Äbtin Biara, die sich aber als Spionin der Dämonen entpuppt. Durch den Verrat stirbt schließlich König Nicolai beim Kampf gegen den Dämonen Agrael. Diesen spielt man in der zweiten Kampagne – Agrael ist sehr durchtrieben und selbst gegenüber anderen Dämonen nicht loyal. Durch eine Wendung des Schicksals wird er schließlich sogar zu einem Verbündeten der Elfen. Die Geschichte ist also voller Überraschungen.

In den weiteren Kampagnen spielt man außerdem „Untote der Nekropole“ und die „Magier der Akademie“. Aber ich will nicht der Geschichte vorgreifen. Insgesamt gibt es 30 Missionen, aufgeteilt auf sechs Kampagnen, „Heroes of Might and Magic V“ bietet damit Spielspaß für mindestens 40 Stunden – vorausgesetzt, man kennt sich schon aus, ansonsten darf man da getrost noch ein paar Stunden hinzurechnen.

„Heroes of Might and Magic V“ bietet verschiedene Spielansichten, in der man verschiedenen Tätigkeiten nachgeht. Auf der Abenteuerkarte bewegt man sich mit seinem Helden von Ort zu Ort. Dabei kann man Rohstoffe einsammeln, Gegner angreifen oder mit Tempeln und allerlei anderen Gebäuden interagieren. Außerdem findet man immer wieder auch Artefakte, die meistens von starken Gegnern bewacht werden. Alle diese Dinge sollte man am besten alle einsammeln. So verbessern einige Schreine beispielsweise die Moral der eigenen Armee. Aussichtsposten decken Teile der Karte auf, so dass man gegnerische Bewegungen leichter verfolgen kann. Wichtige Gebäude sind zum Beispiel Minen, Sägewerke und Gehöfte, da man für den Besitz dieser Gebäude jeden Tag einen Betrag an entsprechenden Rohstoffen gut geschrieben bekommt. Von den Rohstoffen gibt es sieben Stück: Holz, Erz, Schwefel, Quecksilber, rote Edelsteine, blaue Edelsteine und Gold.

Trifft man auf der Abenteuerkarte auf einen Gegner wechselt „Heroes of Might and Magic V“ in die Taktik-Ansicht. Beide Armeen stehen sich auf einem Feld gegenüber, das in Quadrate unterteilt ist. Jede Einheit kann eine bestimmte Anzahl von Quadraten weiter ziehen oder andere Aktionen ausführen. Dabei kommt es zum Beispiel darauf an, Fernkämpfer vor gegnerischen Attacken zu beschützen und besonders starke Nahkampfeinheiten schnell an die Front zu bringen. Der Held greift nicht direkt in den Nahkampf ein, sondern unterstützt die eigenen Truppen meistens durch Zaubersprüche. Für jeden gewonnen Kampf bekommt der Held Erfahrungspunkte. Steigt er eine Stufe auf, können neue Fähigkeiten und Talente erlernt werden. Das können neue Zaubersprüche sein, von denen es rund 40 Stück gibt, oder Fähigkeiten, die die Verteidigung oder Angriffskraft aller Einheiten in der Armee verbessert. So kann man seine Armee nach Belieben gestalten und eigene Schwerpunkte setzen.

Eine dritte Ansicht ist die Stadtansicht, in die man wechseln kann sobald man eine Stadt erobert hat. Hier kann man mit den gesammelten Rohstoffen Gebäude errichten, die neue Einheiten rekrutieren. Dabei werden neue Gebäude optisch gut in Szene gesetzt und eine recht beschauliche Stadt entwickelt sich schnell zu einer großen Metropole. Bei jedem Zug ist es möglich, ein neues Gebäude am festgelegten Platz zu errichten. Alle sieben Züge ist es dann möglich, die rekrutierten Einheiten zu erwerben und der Armee des Helden hinzuzufügen (ein Zug entspricht dabei einem Tag). Dafür muss der Held allerdings in der Stadt stationiert sein, was schnellem Truppennachschub einen Riegel vorschiebt. Man sollte sich also unbedingt Gedanken machen, welche Kreaturen man in seine Armee aufnimmt, immerhin gibt es 80 verschiedene Einheiten. Zum Glück trifft man auch unterwegs immer wieder auf freundliche Einheiten, die sich gerne der Armee Anschließen. Insgesamt sind aber nur sieben Truppenplätze verfügbar – eine gute Mischung verhilft meistens zum Sieg.

Da man Städte einnehmen kann, gibt es neben der normalen Taktik-Ansicht auf offenem Feld auch noch den Belagerungsmodus. Je nachdem, wie weit die Stadt ausgebaut wurde, hat man es hier mit Wällen und mehreren Türmen zu tun. Die Armee verfügt über ein Katapult, das Breschen in die Mauern schlägt, erst dann können Nahkampfeinheiten vorrücken. Hier kommt Fernkämpfern eine besondere Bedeutung zu, denn ein paar Dutzend Bogenschützen machen aus der Belagerung einer Stadt schnell ein Fiasko. Viele der Kreaturen verfügen außerdem über Spezialfähigkeiten: So können Greifen aus der Luft angreifen und Zauber wirken wie der Held.

Das hört sich am Anfang alles kompliziert an, aber die Benutzeroberfläche zeigt dem Spieler alle wichtigen Infos sehr kompakt und aufgeräumt an. Der Schwierigkeitsgrad ist in vier Stufen einstellbar, wobei „Normal“ mich als Neuling schon vor einige Probleme stellte. Das eine oder anderen Mal wird man nicht umhin kommen, eine Mission erneut zu spielen und diesmal einen anderen Weg einzuschlagen. Zum Glück kann man jederzeit das Spiel speichern, und nach jedem Zug wird sogar automatisch gespeichert. Davon könnten sich andere Spiele mal eine Scheibe abschneiden! Der Schwierigkeitsgrad „Heroisch“ ist allerdings derart schwer, dass hier auch viel Speichern bei mir nicht zum Erfolg führte – das scheint etwas für echte Profis zu sein.

Ist man mit den Kampagnen durch, die leider strikt nach Reihenfolge freigeschaltet werden, kann man eigene Spiele starten. Leider gibt es nur ein halbes Dutzend Karten, auf denen stets die gleichen Missionsziele gelten, nämlich ein Artefakt zu finden. Wem Computergegner zu langweilig sind, der kann im Mehrspielermodus gegen bis zu sieben andere Spieler antreten. Dabei kann man wählen ob man im HotSeat-Modus spielen möchte (also an einem Rechner, immer abwechselnd), im LAN oder über das Internet. Es sei aber darauf hingewiesen, dass durch das rundenbasierte Spielprinzip bei den anderen Mitspielern schnell mal Langeweile aufkommen kann. Natürlich kann man auch selber davon betroffen werden, wenn man wieder einmal auf neue Truppen warten muss.

Optisch gibt es an „Heroes of Might and Magic V“ nichts auszusetzen, die Gestaltung der Abenteuerkarte ist rundum gelungen und längst nicht mehr so statisch wie bei den Vorgängern. Bäume wiegen sich im Wind, Sägewerke und Minen arbeiten und die Einheiten bewegen sich über die Karte. Beeindruckend sind die ganzen Details, die man entdecken kann. So gibt es Kobolde, die versteckt im Wald zu finden sind und die den Finder mit etwas Gold belohnen und dabei die ganze Zeit tanzen. Aber auch die Übergänge zwischen Wäldern, kargen Steppen und feurigen Lavaseen sind fließend. Die Liebe zum Detail geht bei den Kreaturen weiter, jede Einheit kann man schon an der Optik erkennen. Besonders beeindruckend sind Zaubersprüche wie Meteorregen, wenn der ganze Bildschirm anfängt zu wackeln und dann die Meteore mit gewaltigem Getöse einschlagen und Staub und Rauch die Sicht verdüstern. Die ganze Grafikpracht hat natürlich auch ihren Preis: Eine schnelle Grafikkarte und viel Arbeitsspeicher sollte man sein Eigen nennen. Ich habe „Heroes of Might and Magic V“ auf einem MacBook Pro mit 1.83 Ghz, 1.5 GB Arbeitsspeicher und der ATi Mobility X1600 gespielt. Einige Ruckler blieben nicht aus, im Großen und Ganzen lief das Spiel aber immer rund.

Wie schon erwähnt ist die Grafik von „Heroes of Might and Magic V“ ziemlich gut, aber die Vertonung des Spektakels muss sich ebenfalls nicht verstecken. Die Synchronisation der mir vorliegenden englischen Originalversion war passend. (Wie die deutsche Version sein wird, die in Kürze bei Application Systems Heidelberg erscheint, kann ich nicht abschließend beurteilen.) Zu bemängeln ist allerdings dass es keine Lippenbewegungen beim Sprechen gibt. Durch Gestik, Mimik und Tonfall ist die Gefühlslage der Personen trotzdem sehr deutlich. Auch die Kreaturen geben natürlich Geräusche von sich, sei es das Wiehern von Pferden oder die Fluggeräusche eines Greifen, aber auch Umgebungsgeräusche wie das Aufeinanderprallen von Schild und Schwert bei Rittern.

Der einzige Punkt, der das gute Bild von „Heroes of Might and Magic V“ stört, sind die auftretenden Abstürze. Das Spiel hat es an sich, nach längerer Spielzeit auf meinem Rechner abzustürzen. An der Lösung des Problems arbeitet Freeverse zur Zeit, eventuell kommt es zu Hitzeproblemen bei der Grafikkarte im MacBook Pro, weswegen sich das Spiel verabschiedet. Ein anderer Fehler ist allerdings nicht auszuschließen. Spätestens wenn das Spiel dann einmal abgestürzt ist, weiß man die Auto-Save-Funktion zu schätzen.

Fazit

„Heroes of Might and Magic V“ kann ich bedingungslos allen Strategie-Fans empfehlen, die entsprechende Hardware besitzen. Zwar hat sich am generellen Spielprinzip der Serie nicht viel verändert, aber warum soll man etwas ändern, wo doch alles funktioniert und mächtig viel Spaß macht. Die gute Präsentation tut ihr Übriges zu einem packenden Spiel, von dem man so schnell nicht mehr loskommen wird.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

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