James Bond 007: Nightfire

Mein Name ist Bond, James Bond, und ab jetzt ist Cate Archer nicht mehr der einzige Geheimagent auf dem Macintosh. Durch „James Bond 007: Nightfire“ schlüpfe ich in die Rolle des wohl bekanntesten Agenten, den die Welt kennt, und vertreibe mir so die Wartezeit auf Sam Fisher („Splinter Cell„). Ob man mit einem Computerspiel die Atmosphäre eines echten Bond-Films einfangen kann? Wir werden es im Laufe dieses Testes sehen.

Schon das Intro lässt Bond-Feeling aufkommen, sodass ich schon gleich in der richtigen Stimmung bin für dieses Spiel. Kurz einen Blick in die Einstellungen geworfen, wo man im Bereich Grafik nicht sehr viel ändern kann, und dann voller Erwartungen das Spiel gestartet.

James Bond hat in diesem Falle das Aussehen und die Stimme von Pierce Brosnan, von dem viele sagen, er sei der beste Bond-Darsteller. Allein diese Tatsache könnte schon dazu führen, dass einige Fans das Spiel nicht mögen. Und auch mir persönlich gefiel Sean Connery in der Rolle besser.

Die Steuerung ist wie bei Shootern üblich auf die Tasten WASD gelegt. Zusätzlich gibt es noch für die ganzen ausgefallen Spielzeuge, die 007 besitzt, Aktions- und Inventartasten. Mit den wichtigsten Tasten ist man schnell vertraut.

Die erste Mission besteht darin, bei einer Party in Österreich einen gewissen Rafael Drake auszuspionieren. Dieser leitet die Phönix Corporation und rüstet seit einigen Jahren sein nukleares Arsenal auf. Wie bei Bond-Handlungen üblich treffen wir dabei auf ein paar sehr gut aussehende Frauen, in diesem Falle eine Agentin der CIA, Zoe Nightshade, und Dominique Paradis vom französischen Geheimdienst.

In jedem Level gibt es verschiedene Missionsziele, die man sich mit der Tabulator-Taste einblenden kann. So gilt es in der ersten Missionen und auch in vielen Abschnitten des weiteren Spiels, unentdeckt zu bleiben. An anderen Stellen erledigen andere Agenten die wichtigen Aufgaben zum Weiterkommen und Bond muss nur dafür sorgen, dass kein Gegner zu nahe kommt. Besonders wenn man keine Gegner töten darf, weil sie unschuldig sind und man noch dazu unentdeckt bleiben muss, wird jeder Schritt vorher gut geplant.

Genau so unterschiedlich wie die Ziele sind die Schauplätze, seien es Flugplätze, moderne Bürogebäude, geheimnisvolle Inseln und am Ende sogar eine Raumstation (Moonraker lässt grüßen). Während einer Mission kann es passieren, dass die Missionsziele geändert werden. An dieser Stelle fällt negativ auf, dass während des ganzen Spiels kein Meeting mit M oder Q stattfindet. Beide treten – wenn überhaupt – per Funk mit 007 in Kontakt.

Um die vielfältigen Aufgaben eines Agenten erledigen zu können, braucht es vieler nützlicher Geräte, die Q für uns herstellt. Darunter befindet sich eine Laseruhr zum Knacken von Schlössern, ein Füller, der Betäubungspfeile verschießt, und ein PDA zum Arbeiten mit Computern. Diese Gadgets werden deutlich häufiger eingesetzt als bei Agenten-Konkurrent „No one lives forever„, wo sie eher ein Schattendasein fristen.

Falls es mit Schleichen und unentdeckt Bleiben nicht mehr weitergeht, kann Bond auch auf ein großes Arsenal an Waffen zurückgreifen, darunter die gut bekannte Walther PPK, aber auch einige Maschinenpistolen, Scharfschützengewehre und Exoten wie Lasergewehre und Raketenwerfer. Munitionsprobleme gibt es keine, wenn man mit den Waffen kämpft, die auch die Gegner benutzen. In den Schleichmissionen fällt doch auf, dass man nur sehr wenige Betäubungspfeile hat. Zehn Pfeile und circa 30 Wachmänner sind kein gutes Verhältnis.

Auc auf die Gesundheit von Bond gilt es zu achten, da er nicht viel einstecken kann. Eine kleine, runde Anzeige informiert über den Zustand der „Rüstung“. Hat man keine Rüstung mehr, ist man prinzipiell gesehen schon so gut wie tot, weil ein oder zwei weitere Treffer in einem roten und blutigen Vorhang enden.

Der Schwierigkeitsgrad der Missionen ist sehr durchwachsen, stellenweise geht es viel zu leicht und man spielt innerhalb weniger Minuten eine komplette Mission durch. Dabei steckt man dann auch kaum Treffer ein. Hinderlich ist aber vor allem die magere Performance, die ein genaues Zielen fast unmöglich macht – das kann den Spieler zur Verzweiflung bringen. Doch dazu später mehr.

„James Bond 007: Nightfire“ will auch ein bisschen Geschicklichkeits- und Rätselspiel sein. Erwartet nicht zu viel: Diese Stellen sind äußerst dürftig und beschränken sich darauf, irgendwo Schalter A zu finden, um Tür B zu öffnen. Auch die Intelligenz der Gegner ist bescheiden, meist laufen sie auf unseren Helden zu und eröffnen einfach das Feuer. Danach gibt es zwei Möglichkeiten – entweder man tötet den Gegner, oder der Gegner tut selbiges mit dem Spieler. Ganz selten versuchen die Gegner, Deckung zu suchen oder machen den Eindruck, intelligent vorzugehen. Überwiegend spielt sich das Spiel aber wie eine Art Tontaubenschießen. Und das ist einfach zu wenig.

Es gibt kein Tutorial, das die Funktionen des Spiels erklären würde. Dafür werden im Spiel Symbole eingeblendet, um anzuzeigen, welches Werkzeug man nun benutzen muss oder ob man an dieser Stelle klettern kann. Auch diese Funktion macht das Spiel sehr berechenbar und öde – man muss kaum noch selbst kombinieren. In spielerische Sackgassen zu laufen ist wegen der Linearität des Vorgehens eigentlich unmöglich, trotzdem gibt ein paar Missionen, die verwirrend sind und für Fragezeichen über dem Kopf des Spielers sorgen. Wohl dem, der sich auf aus der Betäubung erwachende Wachleute einstellt.

Die Grafik ist zwei Jahre alt und haut heute niemanden mehr vom Hocker. Die Texturen sind niedrig aufgelöst und zeigen insgesamt wenig Details. Die Figuren dagegen sind durchaus gut modelliert und zeigen wenig störende Ecken und Kanten, wirken aber in der einfachen Spielwelt doch etwas deplatziert. Nett anzuschauen sind die Wassereffekte und die Animationen, zum Beispiel wenn Gegner hinter Kisten hervorrollen und die Flucht ergreifen.

Leider lässt die Performance in weiten Teilen des Spiels doch deutlich zu wünschen übrig. Mit einer Radeon 9800 Pro und einem Gigahertz-G4 sollte man doch ein flüssiges Spiel erwarten können. Aber gerade in weiten Arealen bricht die Framerate derart ein, dass „James Bond 007: Nightfire“ sich wie eine Diashow benimmt. Auch die Ladezeiten sind schlichtweg inakzeptabel: Das Laden dauert so lange, dass man zur Beweglosigkeit verdammt währenddessen entdeckt und getötet werden kann. Für die Größe der Level sind die Ladezeiten schlichtweg eine Frechheit, zudem noch völlig willkürlich: Riesige Areale, etwa das Flugfeld, werden fast am Stück geladen und sind dann ob der schieren Größe der im Speicher stehenden Informationsflut kaum noch spielbar. Im Phönix-Tower dagegen wird alle naselang nachgeladen, obwohl sich kaum etwas verändert. Jetzt kommt die eigentliche Frechheit: Es ruckelt trotz der ganzen Nachladerei.

Am Sound hingegen gäbe es eigentlich nur wenig zu bemängeln, denn die Musik ist eins zu eins aus den Bond-Filmen übernommen und passt entsprechend zum Spiel. Doch drei Stunden lang dasselbe Stück zu hören ist einfach unerträglich. Die Stimmen und Umgebungsgeräusche sind von guter Qualität, sieht man einmal davon ab, dass „James Bond 007: Nightfire“ ein großes Problem mit der Lautstärken-Aussteuerung zu haben scheint: Die Zwischensequenzen (die nicht gerade durch hohe Qualität oder Unterhaltungswert glänzen) sind oftmals nicht zu verstehen, weil Hintergrundgeräusche wie Regen dreimal so laut wie die Stimmen ausgegeben werden. Dieses Problem macht selbst vor dem Spiel nicht halt: Plötzlich prasselt der Regen so laut, dass man sich die Ohren zuhalten muss, aber Gewehrfeuer hört man dafür nicht mehr. Die Programmierer haben hier Mist gebaut; das sollte dringend mittels Patch behoben werden. Welchen Sinn macht eine Story, der man akustisch gar nicht folgen kann?

„James Bond 007: Nightfire“ besitzt einen Multiplayer-Modus, der nur zwischen Macs funktioniert. Auf 15 verschiedenen Karten kann man sich im Deathmatch, Team-Deatmatch oder Capture The Flag die Zeit vertreiben. Die Karten sind dabei an das Missionsdesign angelehnt und nur dahin gehend modifiziert, dass man auch gegeneinander spielen kann, ohne immer im selben Raum starten zu müssen. Dieser Multiplayer-Modus ist ja gut gemeint, aber im Internet einen Server für dieses Spiel zu finden, grenzt an ein Wunder. Und dafür sind wir nicht zuständig. Wer mag, kann gegen Bots antreten, was aber zu chronischer Unterforderung führt, da sich eben jene nicht gerade durch Brillanz hervortun. Alles in allem kann auch der Multiplayer-Modus nichts retten und bestätigt eher meine Meinung zum Einzelspieler-Teil.

Wenn zu Filmen Computerspiele erscheinen (oder umgekehrt), ist die Erwartungshaltung der Fans immer groß. „James Bond 007: Nightfire“ kann diese Erwartungen nicht erfüllen. Zwar sind schon viele der Aspekte, die einen guten Bond-Film ausmachen, ins Spiel eingeflossen, aber viele Sachen fehlen auch. Wo zum Beispiel bleibt eine Verfolgungsjagd mit dem Auto? Warum darf man nicht in Qs Werkstatt ein paar für das Spiel unwichtige Spielereien austesten? Und vor allem: Wo in aller Welt ist Miss Moneypenny geblieben? Immerhin wurde viel Wert auf den Einsatz von Agentenwerkzeug gesetzt, und auch die Action kommt nicht zu kurz. Doch für so manchen Spieler wird die Geschichte hinter allem dank der stummen und übersteuerten Sequenzen und mangelnden Infos einfach ein Rätsel bleiben.

Fazit:

„James Bond 007: Nightfire“ kann nicht das halten, was es verspricht. Das Spiel ist sicherlich kein schlechter Shooter, aber es hebt sich kaum von anderen dieses Genres ab. Der Agentenaspekt ist besser umgesetzt als beispielsweise bei „No one lives forever“, aber dafür fehlt dem Spiel jeglicher Witz. Auch die teilweise frustfördernde KI mit manchmal langweiligen und dann wieder sehr schweren Missionen reißt mich nicht vom Hocker.

Felix Gelpke

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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