Kawasaki Jet Ski Watercraft

Soll ich oder soll ich nicht? Einen Veriss über ein Spiel für die mit Spielen immer noch relativ spärlich gesegnete Mac-Plattform zu schreiben, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits will man ja die Hersteller nicht vergrämen, andererseits muss man ja auch fragen, ob man mit Spielen wie diesem eigentlich das bekommt, was man haben wollte…

Nennen wir das Kind erst mal beim Namen: Es handelt sich um »Kawasaki Jet Ski Watercraft«, einem Game aus dem Hause MonkeyByte. »Ein Racer zu Wasser, warum eigentlich nicht?« dachte ich in meiner jugendlichen Naivität und Unschuld.

Zusammen mit der Mac-Version befindet sich auch die Windows-Version des Spiels auf der CD, die ich mangels Direct-X-kompatiblen Rechners nicht antesten konnte. Was für ein Glück! Das Spiel stammt aus dem Jahr 2000. Die minimalen Hardwareanforderungen sind, an heutigen Verhältnissen gemessen, recht niedrig: Zum Betrieb reichen, laut Hersteller, bereits Mac OS 8.6, ein mit 180 MHz getakteter 603e, 100 MB Festplattenplatz, 32 MB RAM und Open GL 1.1.2 aus. Ob das nun genügt, um die Framerate über die einer Diashow steigen zu lassen, kann ich – mangels entsprechender Hardware – nicht sagen. Was ich allerdings versprechen kann ist, dass man mit diesem Spiel auch dann nicht glücklich wird, wenn man einen Rechner hat, der die Minimalanforderungen um etliches überflügelt.

Zunächst fällt negativ auf, dass man auf den Webseiten von Encore oder den Entwicklern, MonkeyByte, keinerlei Infos, geschweige denn Support zum Spiel bekommt. Auf anderen Seiten erfährt man dann, dass es wohl mal eine Demoversion gab, ebenso ein Patch zur Version 1.1, der das Game ein wenig »verbessert« haben soll. Alle diesbezüglichen Links, sei es bei Versiontracker oder sonstwo, laufen jedoch ins Leere. Man hat den Support zu diesem Spiel wohl bereits eingestellt, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass man per Mail vielleicht noch etwas erreichen kann. Dann aber bitte nur in Englisch, versteht sich.

Offensichtlich gibt es ein Kompatibilitätsproblem mit Voodoo-Karten. Auf meiner Voodoo 5 startet das Spiel zwar, allerdings sieht man dann nicht besonders viel: Die Texturen bleiben schwarz. Nach den Berichten auf besagten anderen Seiten zu urteilen, ist mein Rechner da kein Einzelfall. Ob der Patch zu Version 1.1 Abhilfe schafft, kann ich, aus genannten Gründen, leider nicht sagen. Da aber Voodoo-Grafikkartenhersteller 3dfx längst Geschichte ist, soll dies in diesem Test keinen Einfluss auf die Wertung haben.

Das Spiel selbst verspricht 50 Strecken, zehn Örtlichkeiten, auf die die Strecken verteilt werden (macht also jeweils fünf Strecken im gleichen Outfit). Darüber hinaus darf man aus fünf Jet Ski-Modellen aus dem Hause Kawasaki wählen, die mit einer von 50 mehr oder weniger geschmackvollen Texturen überzogen werden dürfen. Die Modelle unterscheiden sich natürlich in Höchstgeschwindigkeit und Manövrierbarkeit. Dann darf man sich noch entscheiden, ob der Fahrer männlichen oder weiblichen Geschlechts sein soll. Im Spiel macht das keinen Unterschied, optisch eigentlich auch nicht. So ein Neoprenanzug ist halt recht erdrückend. Des weiteren sind, laut Verpackung, im Lieferumfang fünf einzigartige (…) Rennmodi enthalten:

»Rally« ist das obligatorische Einzelrennen auf einer der 50 Strecken gegen bis zu fünf Konkurrenten oder Konkurrentinnen. In »Derby« geht es darum, innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele Tore, die frei auf der Strecke verteilt sind, durch Durchfahren für sich einzunehmen. Es ist dabei auch möglich, bereits von Konkurrenten – bis zu fünf dürfen das sein – eingenommene Tore für sich zu gewinnen. Wer nach Ablauf des Zeitlimits die meisten Tore markieren konnte, gewinnt. »Treasure Hunt Roam« ist so eine Art Goldsuche: Auf der Strecke sind Münzen verteilt, ein Zeitlimit läuft ab. Wer nach Ablauf des Zeitlimits die meisten Münzen aufgelesen hat, gewinnt. »Treasure Hunt Linear« ist im Prinzip das Gleiche, nur dass es hier einen vorgeschriebenen Streckenverlauf gibt. Sobald jemand die Ziellinie durchquert, ist das Rennen beendet, wer die meisten Münzen aufgelesen hat, gewinnt. Zu guter Letzt gibt es natürlich noch die Meisterschaft, es werden Rennen gegen drei Computerkonkurrenten ausgetragen, für die erfahrenen Plätze werden Punkte vergeben. Der Erste bekommt fünf, der Zweite vier usw. Wer nach Durchfahren aller 50 Kurse die meisten Punkte hat, gewinnt die Meisterschaft. Netterweise darf man zwischendurch den aktuellen Stand der Meisterschaft auf der Festplatte speichern und muss so nicht das gesamte Spiel auf einen Schlag spielen.

Damit sich so ein Rennen nicht zu einfach gestaltet – wem würde es schon genügen, einfach nur den Flusslauf rauf oder runter zu jagen? – sind auf der Strecke »Tore« verteilt, die der Reihe nach zu durchfahren sind. Die Steuerung ist ziemlich einfach – oder besser gesagt: beschränkt – ausgefallen: Mit den Cursortasten lassen sich alle Funktionen steuern, die man zur Navigation des Jet Ski braucht: Vorwärts (sprich Gas geben), links, rechts. Mehr ist nicht drin. Auch im Spiel nicht. Dafür kann man das Ganze auch per Joystik oder Maus steuern.

Wenn man schon mit der Steuerung den Spieler nicht hinreichend fordern kann, macht man das eben mit anderen Mitteln. So kann man mit »V« unter drei verschiedenen Perspektiven wählen, aus denen sich das Rennen beobachten lässt. So richtig zufrieden stellt leider keine. Eine regelrechte Unverschämtheit ist ein Modus, in dem Kameras am Flussufer aufgestellt sind, und man wie ein Zuschauer das Rennen beobachtet. Wenn man an der Kamera vorbei huscht, schwenkt sie einem nach. Leider hat man an Kameras gespart, und da man das Spiel lediglich in 640 x 480er Auflösung spielen kann, lässt sich ab einer gewissen Distanz das eigene Jet Ski nicht mehr erkennen. Sehr übel, das Ganze.

Sehr übel ist auch der Sound geraten: Das Motorgeräusch der Jet Skis ist ein monotones Gebrumme, das in der realen Welt seine klangliche Entsprechungen irgendwo zwischen Hubschrauber und Morgenfurz findet. Wenn dann während des Rennens auch noch ein Konkurrent in der Nähe ist, brummen zwei Morgenfürze im Duett aus den Lautsprechern ins Gesicht des unschuldigen Spielers. Leute, die sich nicht gerne anpupen lassen, drehen spätestens nach einer Minute den Sound ab. Viel zu verpassen gibt es sonst eh nicht: Gelegentlich mal ein Platscher, wenn der Jet Ski auf die Wasseroberfläche aufprallt, ansonsten ist das Spiel recht schweigsam.

Die Musik kommt bei Kawasaki Jet Ski Watercraft direkt von CD. Spielt aber keine Rolle, denn auch die Musik wird aufgrund mangelhafter Qualität bald abgedreht – jedenfalls von mir. Ein kruder Mix aus Techno- und Rockelementen. Bezeichnend, dass zum Zeitpunkt der Aufnahmen wohl keine echten Gitarren zur Hand waren…

Die Grafik schwankt zwischen »gerade noch okay« und »Klo«, war wohl zum Erscheinungsdatum des Spiels bereits als veraltet zu erachten, ist dafür aber – dass muss man anerkennen – schön schnell. Leider lassen sich gelegentlich nervöse farbliche Flackereien auf der Wasseroberfläche und der Uferumgebung beobachten, ab und zu blitzt hier und da eine Textur auf und ab… Da dies jedoch nicht zu häufig passiert, möchte ich daran meine Kritik nicht festmachen. Eher schon daran, dass die Gischt aus ein paar gelegentlich das Jet Ski umgebenden Pixelbröckchen besteht, oder dass das Wasser wirkt wie wabernder Wackelpudding. Am geilsten ist jedoch die »Animation« des Fahrers geraten, wenn er, nachdem man mit hoher Geschwindigkeit gegen das Ufer oder ein anderes Objekt geprallt ist, rücklings vom Jet Ski fällt und danach völlig steif, nach wie vor in sitzender Position, die Arme nach vorne gestreckt im Wasser, äh, Wackelpudding, treibt. So wie ein Plastikcowboy aus unserer Kindheit, der von seinem Plastikpferd gerissen wird. Das sind dann die Momente, in denen ein wenig Spaß aufkommt. Wer sich selbst den verderben möchte, kann natürlich – wenn er ihn irgendwo findet – den Patch zur Version 1.1 installieren, der angeblich bei den Animationen ein wenig Besserung bringen soll.

Tja, und was soll man da noch großartig zum Gameplay sagen? Am Anfang des Spiels gibt es eine kurze Textsequenz, in der uns das Entwicklerteam erklärt, dass es sich bei Kawasaki Jet Ski Watercraft um einen Arcade-Racer und nicht um eine Simulation handelt, und dass deswegen mit den Jet Skis im Spiel Dinge möglich wären, die in der Realität nicht machbar sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Entschuldigung dafür sein soll, dass einem im Spiel das Gefühl beschleicht, eher zufällig einen Jet Ski auf dem Bildschirm zu sehen. Zwar fällt mir gerade kein anderes Fortbewegungsmittel ein, welches ein derartiges Steuerungsverhalten aufweisen würde, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich ein Jet Ski auf dem Wasser eigentlich anders verhalten sollte. Auch wenn es nur ein Arcade-Racer ist. Die Jet Ski sliden wie auf Glatteis, präzises Steuern ist kaum möglich.

Bereits nach zehn Minuten überkam mich eine leichte Übelkeit bei dem Versuch, die Tore anzufahren. Lustigerweise scheint es dem Rechner ebenso zu gehen, anders lässt sich kaum erklären, dass man selbst nach dem dritten verfehlten Tor noch immer an erster Stelle ist. Aufgrund der – wie bereits gesagt beschränkten – Steuerung sind leider auch kaum großartige Variationen und Überraschungen im Spiel möglich. Im Endeffekt muss sich jede Aktion des Spielers darauf beschränken, ein Ziel auf der Wasseroberfläche anzupeilen – egal, für welchen Spielmodus er sich entschieden hat.

Fazit:

Alles in allem ist dieses Spiel eine traurige Angelegenheit. Besonders wenn man sich vor Augen führt, was sich eine bekannte Konsolen- und Spielefirma aus Japan bereits vier (!) Jahre vorher zum Thema Jet Ski Racing hat einfallen lassen… Ein Kauf sei lediglich masochistisch veranlagten Spielernaturen oder aber Leuten mit einem etwas sehr speziellen Humor empfohlen. Alle anderen Interessierten machen um »Kawasaki Jet Ski Watercraft« einen großen Bogen, schauen sich auf dem Flohmarkt nach der Konsole und dem Modul des japanischen Herstellers um und freuen sich, damit die mittlerweile schon sechs Jahre alte Referenz zum Thema Jet Ski Racing spielen zu können.

Christian Schramm

Verfügbarkeit

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