Marble Blast

Mal was anderes – ist man geneigt zu denken, wenn man sich den Werbetext zu „Marble Blast“ auf den Webseiten der Firma GarageGames durchliest. Wobei: so gänzlich neu ist die Idee, eine Kugel durch einen Hindernisparcours zu lenken auch nicht, schließlich gab es in den Achtzigern bereits einen Automaten, der auf den klangvollen Namen „Marble Madness“ hörte und dessen Spielziel es ebenfalls war, eine Kugel sicher durch ein Labyrinth zu steuern.

Nun gut, soll die Vergangenheit vergangen sein. Statt dessen richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das, was vom GarageGames-Server auf meine Festplatte sickert. „Marble Blast“ ist ein pures Single-Player-Spiel. Dies und auch die auf der Webseite gezeigten Screenshots machen klar, dass „Marble Blast“ mit oben erwähntem Automaten nur entfernt verwandt ist. „Marble Blast“ setzt zum Betrieb zwingend Mac OS X voraus. Wer sich das Spiel runterlädt und einen etwas betagteren Rechner besitzt, wird bald feststellen, dass die an die Hardware gestellten und auf der Webseite recht schwammig formulierten Mindestvoraussetzungen tatsächlich die absoluten Mindestvoraussetzungen sind. Dies mag man aufgrund der gezeigten Screenshots gar nicht so recht glauben…

Womit wir beim Stichwort Grafik wären und direkt mitten in den Testbericht einsteigen. Ich wollte zunächst nicht wahr haben, was „Marble Blast“ auf dem Bildschirm produziert. Als dann schließlich in einem der ersten Level Gelb und Violett als dominierende Farben bei der Level-Gestaltung verwendet wurden, war ich kurz davor, mich entsetzt 180 Grad um die eigene Achse zu drehen und schreiend aus dem Raum zu laufen. Auch der Rest der Grafik besticht nicht gerade durch optische Eleganz: Das gesamte Spiel wirkt grob geometrisch, die Welten sind aus äußerst wenigen Polygonen zusammengesetzt.

Zur Farbwahl habe ich ja bereits genug gesagt, das Filtering ist dermaßen grobschlächtig, dass man genau erkennen kann, wo die Grenze zwischen den scharf gezeichneten Bereichen im Vordergrund und den unscharf gezeichneten Bereichen im Hintergrund verläuft. Die Sphäre ist mit einem im schlichtesten Comicstil gezeichneten Bild tapeziert.

Gespielt werden kann entweder im Vollbild oder im Fenster. Allen, die für ein flüssiges Spiel eine Auflösung von 800 x 600 oder 640 x 480 Pixeln bemühen müssen, empfehle ich das Spiel im Fenster. Auf diese Weise fallen die oben erwähnten Mankos in der Grafik nicht ganz so eklatant auf.

Der Sound steht der Grafik in nichts nach. Die Musik ist das Dudeligste und Belangloseste, was mir seit langer Zeit aus einem Computerspiel entgegengeschallt ist. Musik, die genauso gut zur Ziehung der Lottozahlen, in Aufzügen oder aber in Supermärkten dezent im Hintergrund laufend die Hirne der beschallten Leute weich wäscht. Außerdem sind die meisten Stücke recht kurz geraten und werden somit entsprechend häufig wiederholt. Natürlich liegt das in der Natur der Sache, immerhin handelt es sich bei „Marble Blast“ um ein Spiel, dass aus dem Internet geladen werden muss und bei dem entsprechend die Datenmenge klein sein soll. Dennoch nerven die sich ständig wiederholenden Soundsequenzen bald wahnsinnig. Zum Glück lässt sich der Sound in seiner Lautstärke auf ein erträgliches Maß reduzieren. Des Weiteren kann man eigene .ogg-Dateien ins „Marble Blast“-Softwarepaket speichern – vorausgesetzt natürlich, man will sich diese Mühe machen.

Bei derartiger optischer und akustischer Schlichtheit schafft es „Marble Blast“ trotzdem, mit den niedrigsten Grafik-Einstellungen in größeren Levels auf meinem Rechner zu ruckeln… Ich bin nun wirklich nicht jemand, der total auf orgiastische Grafik abfährt, ich gebe auch gerne zu, dass mein Rechner nicht mehr der schnellste ist, dennoch hat mich „Marble Blast“ diesbezüglich zunächst auf ganzer Linie abgeschreckt.

Auch die Steuerung dies Spiels ist – in Anbetracht des Spielthemas – ein wenig althergebracht. Aus der Spielidee hätte man mit einer orginellen Steuerung – bei der man zum Beispiel auf die Bewegung der Kugel nur indirekten Einfluss nimmt, indem man die Landschaft neigt und kippt – noch mehr rausholen können. Aber immerhin funktioniert die gegebene Steuerung einigermaßen und ist recht schnell verinnerlicht. Das Spiel zockt sich auch mit Tastatur angenehm, ein Gamepad kann natürlich niemals schaden. In „Marble Blast“ steuert ihr zum einen eure Kugel vorwärts, rückwärts und seitwärts, als auch die Kamera, die ihr sowohl vertikal als auch horizontal um eure Kugel schwenken könnt. Da die Perspektive, aus der ihr die Kugel betrachtet, unmittelbaren Einfluss auf die Interpretation der Steuerungsbefehle hat, ist es beispielsweise möglich, durch Schwenken der Kamera und permanentes Vorwärtssteuern mit der Kugel einen Kreis zu fahren. Interessant auch, dass die Kugel springen kann – und muss.

Außerdem kann die Kugel ziemlich heftige Geschwindigkeiten erreichen, und bis ihr die Steuerung in den Griff bekommen habt, dürft ihr den ein oder anderen heftigen Kamera-Schwenk auf dem Bildschirm bewundern. „Marble Blast“ ist seit dem berüchtigten „Kawasaki Jet-Ski Watercraft“ das erste Spiel, bei dem mich Anfangs eine leichte Übelkeit befiel.

Die ersten Level sind ziemliche Langweiler. Fairerweise muss man sagen, dass diese mehr oder weniger als Tutorial gedacht sind. Der Spieler wird mit der Steuerung und der Wirkungsweise der im Spiel verteilten Items vertraut gemacht – allerdings hätte es die Hälfte der Trainingslevel meines Erachtens auch getan.

„Marble Blast“ ist komplett familien-tauglich. Keine Gegner soweit das Auge reicht, nur die Plattformen, die Kugel, Extra-Items und der Spieler. Schafft man es nicht, einen Level zu bewältigen, weil beispielsweise die gestellte Aufgabe nicht gelöst, ein Zeitlimit überschritten oder die Kugel vom Spieler in einen Abgrund gelenkt wurde, darf man – wenn man der Sache nicht müde wird – unendlich viele weitere Versuche starten.

Schafft man es, sich zu überwinden und so lange mit dem Spiel zu beschäftigen, dass man die Trainingslevel hinter sich lässt, wird man mehr und mehr von dem Programm überrascht. Eine wahre Flut von sehr originellen und vor allen Dingen abwechslungsreichen Level-Aufgaben stellt sich ein und entschädigt sowohl für die miese Grafik, den Anti-Sound und auch den lahmen Einstieg. Mal geht es darum, den kürzesten Weg durch ein Labyrinth zu finden, dann wird eure Geschicklichkeit im Umgang mit der Steuerung bei einer Plattform-Hüpf-Orgie auf die Probe gestellt, ein weiteres Mal dürft Ihr mit der Kugel in einer Art Zielschießen auf Punktejagd gehen oder in einem Level mit wechselnder Schwerkraft bestimmte Items suchen. Gerne werden die Elemente auch miteinander kombiniert. Es wird bald zu einem wahren Vergnügen, sich mit dem Programm zu beschäftigen.

Fazit:

„Marble Blast“ ist das häßlichste gute Spiel, dass mir bis dato untergekommen ist. Wer es schafft, seinen Anspruch an Grafik und Soundeffekte auf unteren Durchschnitt zu drücken, wird eine Menge Spaß mit diesem Spiel haben, denn das garantieren die wirklich abwechslungsreich designten und mit frischen Ideen gespickten Level.

Christian Schramm

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