Nuclear Dawn

Nuclear Dawn: Flammenwerfer im Einsatz

Der Flammenwerfer in Nuclear Dawn ist so effektiv wie schwer

Vorgeschichte „Das Versprechen“ und die Ernüchterung

Es war relativ genau vor einem Jahr als ich zum ersten Mal von Nuclear Dawn hörte. Es reichte, dass die Ankündigung der Beta-Phase davon erzählte, dass hier die Genres First-Person-Shooter (FPS) und Echtzeitstrategie (RTS) aufgemischt würden. „Ein volles FPS und RTS-Erlebnis, ohne dabei Abstriche zu machen“, versprachen die Macher von Interwave zum Launch. Genau das Richtige für mich, der beiden Spielarten sehr viel abgewinnen kann.

Erste Enttäuschung

Also meldete ich mich zur Beta an und meine anfängliche Begeisterung dämpfte sich schnell. Das Spiel, auf der Steam-Plattform erhältlich für 13,99 Euro, war als reines Multiplayerspiel konzipiert. Erst einmal musste überhaupt ein Server gefunden werden, der offen war. Und als ich mich in das Gemetzel auf meist außereuropäischen Servern warf, bekam ich schnell zu spüren, was es heißt mit russischen Teenies um die Krone zu kämpfen: Respawn bis zur Erschöpfung.

Nuclear Dawn: Multiplayer mit Bots

Server mit Bots trifft man auch, wenn auch selten.

Ich wanderte auch einmal alleine durch die gut gemachten Maps und ballerte gegen Fassaden, aber richtiger Spielspaß wollte nicht aufkommen. Frustriert legte ich das Spiel zur Seite. Immer wieder forderte mich meine Redaktion auf, mich doch mal an den Test zu setzen, aber kaum konnte ich in einem der Spiele meinen Gegner sehen, war es für mich auch schon gelaufen. Das Spiel erstmal zu erfassen, war schier unmöglich. Etwa ein Jahr sollte vergehen, als ich diesen schon festgebrannten Punkt auf meiner To-Do-Liste ein letztes Mal abzuhaken trachtete. Natürlich hatte es seit der Beta einige Veränderungen gegeben und ich wartete geduldig, bis Steam das 350MB starke Update auf meinen Rechner schob. Nach dem Start stellte ich schnell fest, dass das Spiel anscheinend in den vergangenen Monaten grundlegende Veränderungen genossen hat. Mit einem tiefen Luftholen begann ich auf ein Neues die Errungenschaften dieses Titels zu ergründen – und erlebte eine stundenlange Überraschung.

Tutorial und Offlinespiel möglich

Nuclear Dawn, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Wargames-Spiel auf iOS-Basis, präsentiert sich auf den ersten Blick, wie ein Multiplayershooter neueren Baujahrs.

Nuclear Dawn: Wärmebild Extra

Die Thermal-Funktion hilft nur den Assaultkriegern, ihre Feinde im Dunkel auszumachen.

Erfreulicherweise bieten (neuerdings) mehrere Tutorialabläufe eine gute Gewöhnung an die vier Kämpferklassen Assault, Exo, Stealth und Support. Für den Commander, dem im Spiel eine ganz besondere Rolle zukommt, bietet Nuclear Dawn sogar mehrere abgestufte Lernkampagnen. Ich stürze mich jedoch gleichmal ins Gemetzel und stelle zu meiner Überraschung fest, dass es jetzt auch Bots bei Nuclear Dawn gibt, so dass man sich in Ruhe einschießen und die jeweiligen Klassen mir ihren Untersets erproben kann. Dafür gibt’s schon mal ein herzliches „Daumen hoch!“.

Die Klassen sind recht gut abgestimmt. Die niedrigste Bewaffnung hat die höchste Bewegungsfähigkeit, entsprechend langsam bewegen sich die gattlinggun-beschwerten Exo-Soldaten. Zudem geben die Ausrüstungssets weitere Spezialisierungsmöglichkeiten. So kann der Stealth-Kamerad ninjagleich mit Messern herumschleichen, während der Assault die Auswahl zwischen Infanterie, Grenadier oder Halbsniper hat. Der komplette Sniper ist bei der Stealth-Klasse zu finden. Im Bereich Support sind Techniker, Aufmunitionierer und Medis wählbar. Weitere Waffensets können freigespielt werden, wie etwa der Granatwerfer der Assault-Kämpfer.

Nuclear Dawn: Gebäude greifen Gebäude an

Gebäude können eine wichtige Waffe sein, um die Bauexpansion der Gegner zu stoppen.

Jede Klasse hat eine Spezialfähigkeit. Die „Stealth“-Jungs können sich etwa sehr gut tarnen. Assault-Krieger haben eine zuschaltbare Wärmebild-Optik, um den Gegner auch im Dunklen oder getarnt wahrzunehmen. Im Offline-Modus lässt sich das Ganze trefflich ausprobieren, auch welche Einheiten Granaten haben, oder welche Tools noch so verfügbar sind (Das Giftspray der Sanitäter beispielsweise).

Nuclear Dawn: Tot

Der Tod ereilt einen schnell, wenn man gegen Türme meint, kämpfen zu müssen.

Die übersichtliche Map-Anzahl stört nicht, die Anzahl der Bots ist einstellbar und los geht’s. Einzig: den Commander haben die Bots nicht drauf – Kein Wunder, der spielt sich wirklich etwas anspruchsvoller, als „Ballern und in Deckung gehen“. Und er gibt dem Spiel die richtige Würze und ist das Besondere, ja Einzigartige an diesem Spiel.

Der Commander baut die Basis

Zum Commander muss man sich von seinem Team wählen lassen, was in der Regel problemlos funktioniert, denn alle wollen ja ballern. Der Commander ist zwar auch bewaffnet, aber in der Regel bewegt sich seine Spielfigur nicht vom seinem angestammten Platz in der Basis. Soweit hört sich das alles wie ein Battlefield Klon an. Doch dann kommen die Gebäude und Spezialkräfte ins Spiel. Der Commander ist nämlich keineswegs nur der, der die strategische Übersicht hat und seine Teams rumschickt. In Nuclear Dawn ist er in erster Linie der Baumeister.

Nuclear Dawn: Der Commander kann mit einer Giftattacke helfen

Der Commander kann mit einer Giftattacke helfen. Auch großflächige Sofortheilungen sind möglich.

Einige Grundgebäude stehen bereits in der Basis: Der Baukran, das Kraftwerk, der Transporter und das Versorgungsgebäude. Das elektrische Versorgungsnetz kann erweitert werden und damit der Spieler Gebäude weiter entfernt aufstellen. Das heisst für die Spieler, dass sie näher am Geschehen respawnen können, Munitions- und Gesundheitsaufrischungen schneller zu erreichen sind. Die Bauaktivitäten geben – etwa auch mit der Aufstellung von Geschütztürmen und Artilleriestellungen – dem Spiel eine neue taktische Dimension. Alle Gebäude können auch von Spielern wieder demontiert werden. So kämpft man nicht nur um die Ressourcen, die belagert werden müssen, sondern auch um die Entwicklung der eigenen Basis.  Irgendwann treffen sich meist die Ausläufer der gegnerischen Basen. Das Ziel in Nuclear Dawn ist entweder die Zerstörung des Hauptgebäudes oder das übliche Team-Deathmatch.

Nuclear Dawn: Diverse Bauoptionen stehen zur Verfügung

Viele Bauoptionen, Updates und Sofortmaßnahmen machen das Spiel als Commander zu einem Riesenspaß

Doch der Commander kann noch mehr: Er kann seine Truppen aktiv unterstützen, in dem er einer Fläche Heilung spendiert, dort etwa, wo seine Leute im Stellungskampf sind, oder eine Giftattacke auf ein paar Gegner loslässt. Zu dem steuert er die Artillerie und kann Güter abwerfen lassen. Globaler wirkt jedoch seine Möglichkeit das „Advanced Set“ auszulösen, mit dem jede Klasse eine neue Waffengattung dazu bekommt. Damit haben die Exos beispielsweise die Möglichkeiten sich mit der Strahlenkanone auszurüsten, die hervorragend dazu geeignet ist, gegnerische Gebäude abzureissen. Das Set mit Granatwerfer und Schrotwumme erweitert den Assault-Kämpfer.

Grafik, Gameplay und Bots

Die Grafik ist sehr gut, aber nicht atemberaubend. Kein Wunder, sie basiert auf der Halflife2-Engine. So ist das Gemetzel gut anzusehen und von seinen Systemvoraussetzungen nicht übermäßig anspruchsvoll. Ein 2.4 Ghz. getakteter Core Duo Prozessor und eine 256MB Grafikkarte sollten es aber mindestens sein, gibt die Spielanleitung an. Es darf ruhig mehr sein. Auf dem Testsystem (3.4 Ghz. i7, 2GB Grafikkarte, 12 GB Ram) lief das Spiel erwartungsgemäß butterweich.

Aber auch auf weniger starken Rechnern läuft der Shooter mit dem gewissen Extra mit bis zu 32 Mitspielern flüssig und es macht wirklich Spaß sich auf den Maps zu metzeln. Einzig ihre überschaubare Menge trübt den Spaß ein wenig. Sie sind gut gemacht und bieten einige Abwechslung und viele taktische Möglichkeiten. Mich hat einzig das Fehlen von Beleuchtung in manchem dunklen Gang gestört. Das eine oder andere Mal bleibt man dort an kleinteiligen und kaum sichtbaren Barrieren hängen.

Die Server sind nicht in riesiger Anzahl vorhanden. Das Problem überhaupt einen Server mit Spielern zu finden, wie vor einem Jahr, ist jedoch nie wieder aufgetaucht. Man kann sich mit „sofort spielen“ ein Spiel zuweisen lassen, oder selbst in der Liste wühlen. Das funktioniert tadellos.

Nulcear Dawn: Berlin

Berlin gehört ebenfalls zu den postapokalyptischen Schauplätzen.

Ansonsten spielt sich das Spiel recht battlefield2-ähnlich – ohne Fahrzeuge und festen Waffeninstallationen – versteht sich. Man loggt sich ein, lässt sich einen Server zuweisen und los. Die Autobalancing-Funktion zählt leider nur Spieler, aber sie hilft bei der Entscheidung, welcher Fraktion man sich anschließen möchte. Die Einheiten der eigenen Fraktion rotten sich in Squads zusammen und rennen los, um auf Gegner zu treffen, Ressourcen einzunehmen oder feindliche Gebäude anzugreifen. Vom Commander hört man (meist auf englisch mit deutschem Akzent) immer mal, dass doch bitte dieses und jenes Gebäude, dass der Gegner gerade vor die eigene Basis baut, abgerissen werden möge oder er mehr Ressourcen brauche. Die Geldquellen nehmen die Soldaten durch reines danebenstehen ein. Es gibt auch Ressourcen, die mehrere Figuren zugleich benötigen, um erobert zu werden.

Nuclear Dawn: Stimmung

Die Atmosphäre stimmt.

Weitere Abstimmung sind in der Regel nicht nötig. Die Erstellung und das Abreißen der Gebäude nehmen neben der Ressourcenerkämpfung einen wichtigen Teil der Gefechte ein. Hat sich der Gegner erstmal mit ein paar Raketen- und Flammenwerfertürmen vor der eigenen Basis eingegraben, wird es schwer, sich aus dem Klammergriff zu befreien. Die Klassen und ihre Spezialisierungen geben jedoch jederzeit die Möglichkeit angemessen zu reagieren. Zusätzlich haben Spieler, die etwas mehr Erfahrung gesammelt haben, noch die Möglichkeit etwa Spezialmunition oder andere Extras zu verwenden, die pro Spielerklasse freigeschaltet werden. Das regt dazu an, mehr zu spielen und auch mal eine andere Klasse auszuprobieren. Zu dem motiviert Steam, wie üblich, mit Errungenschaften und Auszeichnungen. Insgesamt sind die Wahlmöglichkeiten sehr mehrschichtig und geben dem Spiel einen vorbildlichen Abwechsungsreichtum.

Fazit

Nuclear Dawn ist ein cooler Shooter, der durch die Integration von RTS-Elementen an Tiefe gewinnt. Seine Spieloptionen sind reichhaltig und gerade auch durch den Commanderpart für Jeden etwas. Es geht heiß her und ruckzuck sind ein paar Stunden ins Land gegangen. Der Einstieg war für mich vor einem Jahr noch etwas quälend  – nun ist er durch die Tutorials und Offline-Möglichkeiten stark erleichtert.

Die Optik ist sehr gut, der Style des postapokalyptischen Szenarios top. Angesichts der 13,99 Euro Anschaffungspreis ist Nuclear eine relativ günstige Shooteralternative zu den üblichen Verdächtigen des Genres. Ob es sich von der Grafikqualität und den Effekten mit neuen Spielen, wie Counter Strike: Global Offensive (CS: GO) messen kann, kann bezweifelt werden. Auch die Auswahl der Waffen ist an Ende doch begrenzt, nimmt man etwa diverse Shooter, wie Call of Duty 4: Modern Warfare (COD4) zur Hand, das allerdings ein paar Euro mehr kostet. Angesichts der Konkurrenz wird es Nuclear Dawn schwer haben, auch wenn es ein richtig gutes Spiel ist. Zumindest muss es sich auf der Macplattform nicht mit aktuellen Shooter-Hits wie Black Ops 2 oder Battlefield 3 messen.

Nuclear Dawn: Transportgate

Erbitterte Kämpfe um ein Transportgate, dass der Gegner in der Nähe gebaut hat.

Insgesamt ist der Mix ist in der Tat sehr gelungen, und wenn man der üblichen Team-on-Team Schlachten müde ist, bringt Nuclear Dawn mit seinem Konzept neuen Schwung ins Spiel und viele spannende Matches. Einzig braucht es für richtig spannende Gefechte zwei Commander, die mit Begeisterung und Können ihrer Rolle gerecht werden. Online sind diese meist vorhanden.


Von Raimund Schesswendter

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