Pro Pinball: Fantastic Journey

Ich hab noch nie kapiert, wie die Entwickler eines Flippers auf die Idee kommen, man müsse die Spiele unbedingt mit einer Hintergrundgeschichte versehen, aber der Ordnung halber sei diese hier erwähnt: Alles dreht sich darum, dass ein General namens Yagov von einer Insel aus die Welt mit einer Rakete, deren Ziel es ist, den Mond zu zerstören, bedroht. Leider wird diese Insel von einem Schutzschild umgeben, den man nur mit Hilfe dampfbetriebener Apparaturen durchdringen kann. Einziger Haken an der Sache: Diese Maschinen müssen erst noch gebaut werden, und da kommst du ins Spiel. Deine Aufgabe ist es, diese Maschinen zu bauen und den General von dieser Welt zu fegen. Und das alles mit Hilfe eines Flippers!

Als ich die CD einlege und das Fenster geöffnet wird, prangt da ein schönes großes Banner mit dem Logo des Spiels. Sowas gefällt mir persönlich immer recht gut. Aber als ich dann das Installationsprogram aufmache, bekomme ich das kalte Grausen. Das fängt damit an, dass es einen Knopf namens “Durchsuchen” gibt, der aber anscheinend keine Funktion hat. Den Zielort kann man daher nur nach Festplatten bestimmen, aber nicht nach Ordner. Sehr ärgerlich. Dann passt ein Schriftzug nicht in einen Knopf und wird daher etwas abgeschnitten. Des weiteren kann man Auswählen, was man installiert haben möchte und was nicht. Dabei wird die Installations-Grösse angezeigt, die aber durch eine Datei, die 0,724 MB groß sein soll, um ca. 400 MB in die Höhe geht. Alles in allem macht der Installer eine traurige Figur, um das ganze verkürzt wiederzugeben.

Hat man sich aber da durchgekämpft geht es weiter bei der Belegung der Tasten. Drückt man nämlich die Apfel-Taste, um den Flipper zu steuern, erfährt der staunende Spieler, er habe die Windows-Taste gedrückt. Interessant. Ich wusste gar nicht, dass ich vor einem PC sitze. Das geht leider auch dahin weiter, dass man sich anscheinend für ein amerikanisches Layout entschieden hat und aus dem y ein z wird. So etwas habe ich von einem Hersteller wie Application Systems Heidelberg, von denen der Titel kommt, eigentlich überhaupt nicht erwartet, und deshalb haben wir Kontakt mit den Jungs dort aufgenommen. Und siehe da: ASH redet seit Jahren auf den PC-Hersteller der Pro-Pinball-Serie ein, doch bitte wenigstens das Modul für die Steuerung offener zu gestalten, aber das interessiert diesen offenbar nicht.

Hat man sich erstmal durch das ganze Wirrwarr durchgekämpft, erwartet einen ein rundum schöner Flipper, den man bis auf das kleinste Detail einstellen kann, um ein echtes Feeling zu bekommen.

Der Spaß an diesem Flippers ist nicht leicht zu definieren. Ich selber habe mich bis jetzt noch nicht vor meinen Computer gesetzt, einfach nur, um ‘ne Runde zu flippern, aber wenn ich das Teil dann schon mal am Laufen habe, weil ich z.B. einen Bericht darüber schreiben muss, dann komm ich für die nächste Stunde nicht mehr davon weg, weil ich diesen nervigen High-Score knacken will. Hinzu kommt aber dieses Frust-Erlebnis, wenn der Ball genau zwischen den beiden Paddels durchfliegt und man nix dagegen machen kann. Viel grössere Freude kommt allerdings auf, wenn man mit bis zu vier Spielern vor dem Computer sitzt und nacheinander versucht, sich gegenseitig zu überbieten.

Wie gesagt: Sitzt man erstmal davor und kann sich auch nur ansatzweise für Spiele dieser Art begeistern, dann lässt einen das Teil auch nicht mehr so schnell los. Bis man allerdings den kompletten Flipper durch hat, kann es schon eine Weile und viele Nerven dauern, da ich es bis jetzt nicht geschafft habe, auch nur eine Maschine zusammenzusetzen, weil mir immer wieder die Bälle durchgerattert sind, oder ich einfach nicht das richtige Feld getroffen habe.

Der gesamte Tisch ist sehr schön bis ins Detail gestaltet, was man besonders gut dann sehen kann, wenn man sich die Dia-Show anguckt, bei der der Tisch aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird. Da kann man sich dann auch schonmal als Kugel fühlen. Man kann sich aber auch den Tisch im Detail angucken, und dabei so ziemlich auf jeden Bereich nah ranzoomen.

Aber richtig gut gefällt mir immer der Video-Mode, in dem dann bestimmte Spiele absolviert werden müssen. Durch seine extreme grob-pixeligkeit und die paar Farben erweckt er doch immer wieder den Eindruck eines alten Flippers, der in einer Kneipe steht und immernoch ohne 16,7 Millionen Farben und riesigen Auflösungen die Menschen faszinieren kann. Dafür gibt es einen eindeutigen Pluspunkt!

Das Interface ist wie bereits angesprochen, alles in allem ziemlich Dosen-Lastig. Es ist zwar alles schön in Deutsch gehalten, aber wenn die mangelhafte Apple-Implementierung der Preis dafür ist, dann würde ich drauf verzichten wollen. Ärgerlich ist auch die etwas merkwürdige Strukturierung der einzelnen Menupunkte. Wählt man z.B. den Punkt “Tischregeln” aus, sieht man nicht mehr als ein Bild, auf dem ein paar Modi erklärt werden. Drückt man allerdings während des Flipperns die ESC-Taste hat man da einen neuen Punkt in dem man dan genau einstellen kann, wie alt der Flipper sein soll, in was für einem Zustand und den Schwierigkeitsgrad. Nur halt leider alles etwas merkwürdig aufgebaut.

Das Program hat eine kleine Macke, auf die in der Read Me-Datei allerdings auch ausdrücklich hingewiesen wird. Dabei handelt es sich um eine Fehlermeldung, dass nicht genügend Speicher zu Verfügung stehe. Hat man sich aber ausnahmsweise doch mal vorher das ReadMe durchgelesen, weiß man sofort, was zu tun ist. Ansonsten haben wir auf einem zweiten Rechner das unglaublich ätzende Problem, dass das Spiel beim Wechsel des ersten zum zweiten Level einfach abschmiert. Jedes Mal. Nur haben wir einfach nicht herausgefunden, woran zum Kuckuck das nun wieder liegt.

Ansonsten ist dies das erste Spiel, das uns in die Finger gelangt ist, bei dem es nicht auf Anhieb möglich ist, einen Screenshot zu machen – wir benutzen SnapzPro von Ambrosia, und das hakt sich eigentlich ziemlich tief ins Mac OS ein…

Fazit:

Sieht man einmal von dem – man muss es leider so sagen – ziemlich miesen und dazu noch Windows-lastigen Interface ab, hält man hier doch einen sehr anständigen Flipper in den Händen, der, wenn man ihn schonmal am Laufen hat, für die eine oder andere Stunde den Spieler die Zeit vergessen lässt und die Nerven wegen dieser High-Scores raubt.

Maximilian Bobzien

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel gelegentlich noch im macinplay-Shop.

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