Railroad Tycoon III (Vorschau)

Einsteigen und Türen schließen, Vorsicht an der Bahnsteigkante, Railroad Tycoon III rollt auf die heimische Festplatte. Mit dem dritten Teil der genialen Wirtschaftssimulation hält auch die dritte Dimension Dimension Einzug in die virtuelle Welt der Gleise und Loks. Rund ein Jahr nach der PC-Version steht jetzt die Mac-Version in den Startlöchern. Grund genug eine Proberunde mit der PC-Version zu spielen und euch zu zeigen, wo die Reise hingeht.

Der Weg von der isometrischen Ansicht zur 3D-Grafik kann problematisch sein – schon so einige Spiele haben ihren Charme und die Spielbarkeit dadurch eingebüßt. Railroad Tycoon III hat den Wechsel vom Vorgänger hervorragend gemeistert. Die Grafik ist recht detailliert, von der Weltkarte bis in das Führerhaus jeder Lok zoombar und kleine Gadgets wie Vogelschwärme oder dem jeweiligen Zeitalter angepasste Flugzeuge am Himmel und auch die animierte Brandung an der Küste bringen ein wenig Leben auf die Karten. Sehr schön sind auch die Spiegelungen auf dem Wasser, wenn ein Zug beispielsweise über eine malerische Brücke rumpelt. Wettereffekte von strahlendem Sonnenschein bis zum Gewittersturm und ein Tag-Nacht-Wechsel bringen weiter Atmosphäre. Soweit zu den positiven Errungenschaften der 3D-Engine. Leider gibt es bei der Grafik auch nicht so schöne Aspekte, wie zum Beispiel die scheußlich pixeligen Texturen für die Loks. Es sind zwar alle Merkmale der Loks zu erkennen, aber wenn man sich in den Führerstand einer Lok gezoomt hat, sieht man, dass die Loks aus sehr grob aufgelösten Texturen bestehen. Auch wurde deutlich an der Anzahl der Polygone gespart, aus denen eine Lok besteht, so sind die Räder nicht modelliert, sondern bestehen einfach aus animierten Texturen. Auch manche Details der Landschaft fehlen, zum Beispiel gibt es keine Straßen.

Wie auch schon die Vorgänger braucht Railroad Tycoon III ein gewisses Maß an Einarbeitung. Über die Icons auf dem Screen sind alle Funktionen recht schnell zu erreichen, allerdings sind diese Icons am Anfang nur wenig aussagekräftig. Da man das Spiel aber jederzeit pausieren oder auch einfach nur verlangsamen kann, ist genug Zeit, um sich durch die Menüs zu wühlen. Deutlich gewöhnungsbedürftiger ist da die Zoomfunktion: In der Standardeinstellung funktioniert der Zoom ähnlich wie bei WarCraft III: Reign of Chaos , das heißt man zoomt seitlich in eine Art Third-Person-View, die für Arbeiten wie den Gleisbau sehr unübersichtlich ist. Erst wenn in den Optionen die Kameraeinstellung auf “frei” gestellt ist, hat man alle Möglichkeiten des freien Zooms auf seiner Seite. Dann klappt es auch mit dem Gleisbau. Gewöhnungsbedürftig – aber gut – ist die Möglichkeit, während man mit der linken Maustaste Gleise verlegt, mit der rechten Taste die Kameraposition zu verändern.

Wie auch in den Vorgängern besteht die Möglichkeit, ein- oder zweigleisige Strecken zu bauen. Dazu wird im Gleisbaumenü einfach ein Button angeklickt und schon wird entsprechend gebaut. Gerade am Anfang sind die zweigleisigen Strecken allerdings kaum erschwinglich, deshalb muss man sehr aufpassen, dass man nach dem Bau eines zweigleisigen Streckenabschnitts wieder auf eingleisigen Bau zurückstellt. Sonst wundert ihr euch ebenso wie ich, weshalb man immer so schnell pleite ist.

Neu ist bei Railroad Tycoon III, dass die Werkstätten für die Loks nicht mehr in den Bahnhöfen untergebracht sind, sondern irgendwo auf den Strecken platziert werden. Leider hat sich dabei ein Fehler in das Programm eingeschlichen: Häufig passiert es, dass durch den Bau einer Werkstatt (oder auch eines Bahnhofs) auf nicht ganz ebenem Terrain ein Hügel direkt vor der Werkstatt aufgeschüttet wird, der jeden Zug durch eine exorbitante Steigung ausbremst. Man kann, das passende Kleingeld vorausgesetzt, die Werkstätten und Bahnhöfe zur Einebnung des Terrains benutzen: bauen und abreißen, bauen und abreißen…

Das Kernstück des Spiels ist das famose Wirtschaftssystem. Auch ohne das eigene Eingreifen werden die verfügbaren Waren transportiert. Nur natürlich nicht so gut und effizient, und außerdem hat man bei voller Automatik ja nichts mehr zu tun. Die entsprechende Warenkarte ist anfangs schwer zu entziffern, da sie in die normale Karte eingeblendet wird und ziemlich wild aussieht. Dazu wird ein neutrales Grau auf die normale Karte gelegt, nur die Städtenamen bleiben, und es stapeln sich Eisenbahnwaggon-Icons um die Anzahl aller verfügbaren Ladungen auf der Karte. Um das Ganze noch etwas unübersichtlicher zu machen, sind auch alle Waren, die gerade verschickt werden, ebenfalls eingezeichnet, etwa an Flussläufen entlang. Wenn man eine bestimmte Ware anwählt, wird das Grau durch eine Farbkodierung von Rot über Gelb bis Grün ersetzt, um die Rentabilität zu veranschaulichen. Zusätzlich erscheinen blaue und rosa Dreiecke über Gebäuden, um den Bedarf an einer Ware zu zeigen. Wenn man die Züge vom Computer beladen lässt, werden immer die Güter transportiert, die am meisten Gewinn bringen. Das manuelle Beladen macht zwar durchaus Spaß, aber durch den häufig wechselnden Bedarf und die sich entwickelnden Preise wird das schnell sehr aufwändig und zeitraubend. Eine Ausnahme ist es aber, wenn man eine bestimmte Produktionsstätte erwerben will. Dann kann man durch eine Art Handelsembargo den Preis deutlich drücken, aber im Allgemeinen sind derartige Schachzüge in normalen Spielen nicht nötig.

In den normalen Szenarien ist die Börse nicht mehr so wichtig wie in den Vorgängern. Auch wenn die Dividende für Jahrzehnte gestrichen ist, werden die Aktionäre nicht sauer, selbst wenn man häufig in die Miesen rutscht, wird man nicht gefeuert. Daher lohnt es sich in den einfachen Schwierigkeitsgraden kaum, Aktien an der eigenen Gesellschaft zu erwerben. Im Multiplayer ist das eine ganz andere Geschichte – da wird die Börse normalerweise die wichtigste Institution, um die Gegner zu übernehmen und somit aus de Rennen zu werfen. Das schachern mit den Gütern wird da fast zur Nebensache.

Wer nach dem Modelleisenbahnprinzip nur eine schöne Strecke bauen möchte, kommt im Sandkastenmodus voll auf seine Kosten. Ohne Geldsorgen kann man sich hier so richtig austoben und Strecken mit Brücken und Tunneln (die sonst häufig unglaublich teuer sind) bauen. Leider gibt es im Sandkastenmodus kein Feedback, ob eine Strecke effektiv ist. Im Vorgänger des Spiels gab es immerhin noch die Meldungen, welcher Zug wie viel Geld erwirtschaftet. Dafür kann man im Sandkasten das Terrain nach eigenen Vorstellungen gestalten. Geländeoperationen sind in den Kampagnen und den Szenarien nicht verfügbar.

Schön ist, dass auch in der Mac-Version ein Szenario-Editor mitgeliefert wird, mit dem sich Karten und Missionen gestalten lassen.

Kommen wir nun zum dunkelsten Kapitel in Railroad Tycoon III. Halbwegs intelligent agierende Gegner gibt es nicht. Normalerweise verbinden computergesteuerte Gegner zwei Städte und lassen viele Züge zwischen diesen pendeln, ohne Gewinn zu machen. Wenn sie ein wenig Geld haben, kaufen oder verkaufen sie Anteile am eigenen Unternehmen, und das war es schon. In diversen Szenarien suchen sich die Gegner auch unglaublich dämliche Startpositionen aus. So ist es in einem Szenario die Aufgabe, Paris und Berlin zu verbinden und die Durchfahrtsrechte für die benötigten Länder (außer dem Startland) zu erwerben. Beide Computergegner haben in diesem Szenario in England begonnen. Man kann das natürlich auch positiv sehen: Da bleibt für den Spieler mehr Platz, sich selbst auszubreiten.

Von der musikalischen Untermalung im Mundharmonika-Western-Saloon-Stil einmal abgesehen präsentieren sich die Geräusche eher unauffällig. Sounds wie die Brandung sind eigentlich nur wahrzunehmen, wenn man in der höchsten Zoomstufe ist. Die Töne der Fabriken sind aus den Vorgängern bekannt (und sogar mein absoluter Favorit ist wieder mit dabei: das Klingeln eines voll besetzten Zugs, der in einen Bahnhof fährt. Ich liebe das Klingeln der Kasse am Morgen…) Die Mundharmonikamusik passt zwar toll zu den amerikanischen Szenarien, wirkt aber während des Gleisbaus zwischen Hamburg und Lübeck leicht deplatziert.

Fazit:

Auch wenn es ein paar kleine Macken in Railroad Tycoon III gibt, ist dieses Spiel nicht nur für Eisenbahnliebhaber interessant. Das komplexe Wirtschaftssystem macht jede Partie zur Herausforderung, und durch Features wie das automatische Beladen der Züge kann man sich ganz auf die globale Entwicklung des Unternehmens kümmern, oder doch alle Züge selbst zusammenstellen und die totale Kontrolle ausüben. Railroad Tycoon III ist auf dem besten Weg, ein Klassiker zu werden – wie die beiden Vorgänger auch.

Cajus Zi

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop.

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