Republic: The Revolution

„Die stärksten Krieger sind nur zwei: Zeit und Geduld.“ Mit diesem vielsagenden Spruch beginnt die Reise in eine Zeit, in der die Politik von Geld, Propaganda und Korruption gesteuert wird. Das Berufsziel ist nur: Macht. Nachteile der Gegner werden gnadenlos ausgenutzt, Vorteile zunichte gemacht.

In eben diese Zeit, kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, verschlägt es den jungen Hauptcharakter, Name nach Wunsch, in einen kleinen, russisch geprägten Splitterstaat namens Novistrana.

Hier hat ein Mann die Macht an sich gerissen, der sich Karasov nennt. Nach und nach schaltet er alle Organisationen im Land mit seiner Privat-Armee und seinem Geld aus, wie auch die Eltern unseres Helden. Nun ist der Waise nach Novistrana zurückgekehrt, um sich zu rächen. Er möchte eine Revolution gegen den Mörder seiner Eltern anzetteln. Und hier beginnt der Part des Spielers. Nach einem zehnseitigen Fragebogen, in dem man seine Vorgehensweise zu verschiedenen politisch bedingten Engpässen per Multiple Choice angeben muss, folgt ein kurzes Intro, in dem die geschichtlichen Hintergründe erläutert werden.

Gleich nach einem knappen, aber gut gestalteten Hauptmenü kommt man in die Ansicht des Spiels, in der man im Folgenden einiges zu tun haben wird. Es handelt sich um eine Stadtkarte der Präsidentenstadt Novistranas. Hier bemerkt man schon die anspruchsvolle Komplexität des Spieles: Zahlreiche Buttons, einer wichtiger als der andere, winden sich am Monitorrand um die Stadt.

Das Spielprinzip ist schwer zu erklären. Man kann es mit einem Aufbau-Strategiespiel vergleichen, bei dem man nicht mit Nahrung, Holz und Stein sein Dorf aufbaut, sondern mithilfe der drei Ressourcen Macht, Einfluss und Wohlstand seiner Partei zu Macht in der Stadt verhilft, mit der schlussendlich eine Revolution begangen werden kann. Zu erwähnen ist noch, dass das ganze Spiel rundenbasiert mit der Zeiteinheit je eines Tages läuft. Immer läuft eine Uhr im linken Bildschirmeck mit, und zu den drei Zeiten Morgen, Nachmittag und Nacht wird das ganze Spiel unterbrochen, um die Tageszeit zu verkünden. Diese Funktion nervt ungemein und behindert den Spielfluss. Auch ist die Bedeutung fraglich. In einem automatisch geführten Tagebuch werden die durchgeführten Aktionen protokolliert.

Anfangs besitzt man nur seinen Hauptcharakter zum Spielen. Doch schon werden auf der To-Do-Liste Aufgaben wie etwa „Werben sie zwei weitere Parteimitglieder an“ gestellt.

Nun ist der Einsteiger erst einmal ratlos. Ein Tutorial lässt sich zwar aktivieren, doch es besteht nur aus manchmal in den Raum geworfenen Hilfe-Texten, die einem oft gar nichts bringen und nach einer Zeit einfach nur nerven, wenn sie da so plötzlich aufploppen. So muss der Anfänger selber herausfinden, wo sich die Aktion „Anwerben“ befindet, und wie man sie anwenden kann. Nach etwa einer halben Stunde sollte jedoch jeder die Grundfunktionen des komplexen Spielumfangs verstanden haben.

Nach der Auswahl eines Charakters und einer Aktion in der Kartenansicht wählt man einen Zielbezirk oder eine Zielperson. Die darauf folgende Handlung lässt sich in einer 3D-simulierten Stadt ansehen. Da die zweidimensionale Karte das Zentrum des Handelns ist, ist diese Grafik heutzutage ein Witz. Die Passagen der simulierten Stadt schaffen da zwar etwas Abhilfe, dennoch wurde an den Details sehr gespart. Im Grunde besteht diese nur aus kantigen Häusern, Bäumen und verschwommenem Gras.

Nun wirbt man also mit seinem Hauptcharakter weitere Mitglieder an. Dies geschieht auf eine sehr interessante Art. Das Treffen und Begrüßen wird von einer Film-Sequenz übernommen, doch dann wird man mit seinem Gesprächspartner an einen Tisch gesetzt, und muss nun einen verbalen Kampf ausfechten. Der Angreifer, in dem Fall der Spieler, hat eine gewisse Liste von Argumenten, mit denen er die Argumente des Verteidigers, also der Person, die er anwerben möchte, schlagen muss. Hier werden Punkte verteilt. Dieses Gesprächspunktesystem ist extrem ausgreifend. Man hat von der Hälfte der Zahlen, die da am unteren Bildrand vergeben werden, keine Ahnung. Auch weiß man nicht, wann das Gespräch, beziehungsweise der Wettkampf, vorüber ist. Hier stellt sich die Übersicht ebenfalls nach ein paar weiteren Gesprächen ein.
Hat man diese Aufgabe erfüllt, und die gefragte Anzahl an neuen Mitgliedern angeworben, bekommt man die nächste Aufgabe zur Vergrößerung der politischen Macht. Es folgen Aufgaben wie etwa „Sorgen Sie dafür, dass in diesem oder jenen Stadtteil soundsoviel Prozent der Bewohner ihre Partei wählen würden“.

Solche Aufgaben sind mit Aktionen wie „Plakatwerbung“ etc. erledigt. Jedes Parteimitglied hat eine eigene Liste von Aktionen. Anfangs sind diese Listen sehr kurz, doch im Spielverlauf kann man durch richtige, machtgreifende Handlungen und Entscheidungen Beförderungen in Form von weiteren Aktionen bekommen.

Auch der Gegenspieler, Präsident Karasov, macht sich bemerkbar. Fast täglich bekommt man einen novistranischen Zeitungsausschnitt vor die Nase (der sich per Klick übersetzten lässt), in dem Präsident Karasov weitere politische Maßnahmen, wie etwa das Existensverbot von anderen Parteien, verkündet. Die eigene Partei bleibt hier glücklicherweise außen vor. Manchmal werden auch Film-Sequenzen eingeblendet, in denen man Aktionen anderer Parteien, allesamt auf Präsident Karasovs Seite, oder sogar den Präsidenten selber sieht. Das Manko daran ist, dass man ein paar schlecht gemachte Leute auf Stühlen vor einem Podest sitzen sieht, auf dem der Präsident oder ein Parteiführer irgendeine Rede auf irgendeiner fremden Sprache führt. Ohne Untertitel oder dergleichen. Alle zwei Minuten klatschen die Zuhörer. Solche Sequenzen dauern nicht selten bis zu vier Minuten. Da frage ich mich, was zum Teufel das soll. Haben sie im Spiel eine Kaffee-Pause einprogrammiert? Als wäre das nicht schlimm genug, sieht jeder zweite Mann und absolut jede Frau gleich aus. Das ist generell so, wenn man sich nicht in der Kartenansicht, sondern in der 3D-Simulation befindet.

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Republic – The Revolution“ Einsteigern sehr schwer gemacht wird. Für politisch Desinteressierte wird es schnell langweilig, manche Einfälle der Entwickler sind schlicht hirnrissig (etwa die Zeitansagen), die Grafik ist spartanisch, und der Sound, insbesondere die Vorträge auf novistranisch, die kein Mensch versteht, lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Des weiteren kann man schnell herausfinden, ob dieses Spiel seinem Geschmack entspricht. Action, Abenteuer und Gewalt dürfen keinesfalls erwartet werden, mehr sind Intelligenz, Geduld und Kompetenz gefordert.

Daniel Betz

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop oder bei Amazon.

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