Sheep

Willkommen bei einem weiteren Test aus der Reihe: Schade drum. Nicht, dass ich wild darauf wäre, das Fazit ganz zu Anfang des Tests zu stellen. Man gibt sich ja Mühe, so einem Test eine gewisse Dramatik zu verleihen, aber »Sheep« hat mich doch sehr enttäuscht – nicht etwa, weil das Spiel an sich schlecht wäre. Nein, im Gegenteil, das Spiel ist witzig, niedlich, knuddelig, all das, was der Hersteller verspricht. Das Problem ist anders geartet: Nach mehreren vergeblichen Startversuchen und dem Download aller verfügbarer Patches habe ich mich gefragt, ob es vielleicht schon ein Bestandteil des Spiels ist, herauszufinden, wie man es eigentlich zum Laufen bringt… So ein zickiges Game ist mir auf dem Mac schon lange nicht mehr untergekommen.

Um es kurz zu machen: Folgende Dinge sind – neben dem Erfüllen der Systemanforderungen – scheinbar unbedingt zu beachten, wenn man »Sheep« betreiben will:

– Eine zweite Grafikkarte sollte aus dem System entfernt werden.
– Der »Sheep-1.0.2 patch« sollte installiert sein.
– Man sollte einen großen Bogen um den OS-X-Patch machen, ansonsten gibt’s mit ziemlicher Sicherheit Tränen. Man spiele entweder in der Classic-Box oder nativ unter OS 9.

Solltet ihr also einen OS-9-bootenden iMac haben, stehen die Chancen für ungetrübten Spielspaß recht gut. Leute mit Rechnern aus der Profi-Schiene müssen halt ein bisserl tüfteln. Aber einem Profi kann man das ja auch zumuten…

Darüber, in welche Sparte das Game genau einzuordnen ist, scheint man sich auf Seiten der Hersteller uneins zu sein: Empire, die die Originalversionen für die Playstation und den Gameboy Advance herausbrachten, bezeichnen »Sheep« als Puzzle – das heißt wörtlich »schwierige Aufgabe« oder »Verwirrung«. ASH ordnen »Sheep« schlicht und ergreifend in die Rubrik »Kiddie-Spiel« ein – was immer man auch darunter verstehen mag. »Geschicklichkeitsspiel« scheint mir noch am ehesten angemessen zu sein.

In »Sheep« übernehmt ihr die Rolle eines Hirten. Dieser muss eine Herde Schafe innerhalb einer vorgegebenen Zeit über einen mit Fallen und Hindernissen gespickten Parcours in einen Lastwagen treiben. Hintergrund des Ganzen ist eine der – für ein Geschicklichkeitsspiel – verworrensten Stories die ich jemals lesen durfte. Vor langer Zeit besuchten Außerirdische unseren blauen Planeten. Das sich auf diesem entwickelnde Leben brachte sie völlig aus dem Häuschen, so dass sie beschlossen, ein paar ihrer Rasse zurückzulassen und sie mit der Aufgabe zu betreuen, das sich entwickelnde Leben und die Erde an sich zu erforschen, dabei jedoch möglichst unauffällig, wenn nicht gar einfältig zu erscheinen. Die zurückgelassenen Besucher vergaßen bald ihren Forschungsauftrag und beschränkten sich auf den letzten Teil ihrer Aufgabe. Und jetzt kommt’s: Die Schafe, wie wir sie heute kennen, sind die Nachfahren der – von unseren auf Bäumen herumlungernden Vorfahren faszinierten – außerirdischen Besucher. Nun ist die Zeit gekommen, in der es darum geht, die Früchte der jahrelangen Forschung zu ernten, man bereist unseren Planeten erneut, um die »Forscher« einzusammeln. Die haben sich im Laufe der Zeit in vier unterschiedlich aussehende, aber gleich blöde Rassen gespalten. Um beim Aufsammeln kein großes Aufsehen zu erregen, entführt man kurzerhand zwei Menschen sowie zwei Hunde und verpasst ihnen den instinktiven Wunsch, alles, was nach Schaf aussieht, in einen schwarzen Lastwagen zu treiben und nach Mount Mouflon zu transportieren.

Aber was wäre ein Spiel ohne einen Bösewicht? In »Sheep« heißt der Mr. Pear, und weist einige typische Eigenschaften auf, die wir von anderen Bösewichten kennen. Zum einen ist er wild auf die Weltherrschaft und zum anderen hat er deswegen einen teuflischen Plan entwickelt: Indem er den irdischen Lebewesen Schafgene implantiert, will er sie gefügig machen. Dazu braucht er jedoch erstmal ein Schaf. Folglich ist es unsere Aufgabe, die Schafe von den Schergen des Mr. Pear fern zu halten.

Nun ist es so, dass unsere vier Hirten verschiedene Vorlieben haben, wenn es um die Charaktereigenschaften der Schafrassen geht. So muss man herausfinden, wie sich das Spiel am besten bestreiten lässt: Zwar kann man innerhalb einer am Ende jeden Levels speicherbaren Runde nur einmal den Hirten wählen, darf aber frei entscheiden, welchen Level man mit welcher Schafrasse bestreiten möchte. Die Logik gebietet es, dass man die schwierigsten Level mit der Schafrasse bestreitet, mit der man am besten klarkommt. Welche das ist, muss sich leider erst herausstellen.

Die Steuerung des Hirten ist via Maus (nicht gut), Tastatur (besser) oder Gamepad (ideal) möglich. Die Navigation der Schafe durch den Parcours scheint zunächst recht simpel: Läuft man auf die Herde zu, ergreift sie die Flucht in die Laufrichtung des Hirten. Rennt man auf die Herde zu, flüchten die Tiere entsprechend schneller, bleiben aber auch erst später wieder stehen. Abhängig von der gewählten Rasse ist dabei, wie kompakt die Herde während des Spielverlaufs bleibt. Pastoralschafe beispielsweise sind recht ängstlicher Natur und bleiben deswegen gerne beisammen, Langhaarschafe (köstlich anzusehen, wenn sie Headbanging betreiben…) sind ziemliche Draufgänger und unternehmen auch gerne mal was alleine – was selten zu ihrem Vorteil ist. Denn abseits des Weges lauern Traktoren, Mähdrescher, Haie, Gewässer, Elektrozäune… mannigfaltige Möglichkeiten, zu sterben. Und die werden genutzt.

Apropos anzusehen: Die Grafik des Spiels ist zwar eher simpel, aber dennoch detailliert genug, um die Schafe superknuddelig erscheinen zu lassen. Mehr wäre zwar nett gewesen, aber was man geboten bekommt, stimmt nicht zwangsläufig unzufrieden. Anders sieht das bei den Menüs aus: Die sind im wahrsten Sinne des Wortes schlicht.

Die Musik dudelt recht unauffällig vor sich hin und bleibt da, wo sie hingehört: im Hintergrund. Ganz nett sind die Soundeffekte geraten, besonders die vielfältigen »Määäh«-Rufe der Schafe verfehlen ihre Wirkung nicht und erhöhen den, ähm, Knuddelfaktor des Games ganz erheblich.

Fazit:

Ein nettes, kleines fesselndes Geschicklichkeitsspiel für Mami, Papi und den Nachwuchs. Bunt, niedlich und mit einem interessanten Konzept. Ein Spiel, das auch Spaß macht obwohl man die Story nicht gänzlich plausibel findet. Eigentlich hätte »Sheep« das Zeug zum Hit, wenn da nicht die eingangs beschriebenen Bugs und der ziemlich verhunzte OS-X-Patch wären, welche für saftige Abzüge sorgen. Aber vielleicht gibt’s ja irgendwann mal einen weiteren Patch.

Christian Schramm

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel im macinplay-Shop.

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