Unreal

Du sollst als Strafgefangener mit einem Raumschiff an den Ort deiner Verbannung gebracht werden. Schön für dich, dass du dort nicht ankommst, denn das Schiff gerät außer Kontrolle und stürzt ab. Schlecht für dich: Es stürzt auf einen völlig unbekannten Planeten weitab jeder bekannten Zivilisation. Nach und nach begegnest du auf deiner Suche nach dem Heimweg verschiedenen Aliens – den Nali zum Beispiel. Die Nali sind die Bewohner des Planeten und außerdem völlig harmlos. Leider sind sie unterdrückt von den fiesen Skaarj, die wiederum versuchen, aus dir Hackfleisch zu machen. Indem du dich aus Selbstschutz auf die Seite der Nali schlägst wirst du auch zum Hoffnungsschimmer für das unterdrückte Volk – dein Auftrag: Rette es! Befreie es von den Unterdrückern! Dein Preis: Ein Rückflug in deine Zivilisation.

Da bin ich nun, ich armer, armer, strafgefangener Wicht, in der hermetisch abgeriegelten Zelle des abgestürzten Raumschiffs. Außer mir scheint niemand im Zellblock zu liegen, oder es sind schon alle weg. Also schaue ich mich erst einmal um und mache mich vertraut mit der Steuerung. Was sind das eigentlich für bestialische Schreie im Hintergrund? Wird da ein Schwein geschlachtet? Oder — nein, es klingt verdammt nach Mensch… Wo sind eigentlich die Waffen, die ich in einem Shooter erwarte? Wieso habe ich keine Waffen?? Und wo geht’s hier raus? Ach ja, da hinten in der Ecke im oberen Stock des Zellblocks, da klafft eine Lücke in der Wand. Hinein. Gespenstische Dunkelheit umfängt mich, nur ein fernes, grünes Glühen verrät, wo es weitergeht. Dazu immer diese Schreie… wo konnte ich denn hier die Soundeffekte ausschalten? Das zermürbt auf Dauer ganz schön… Weiter, mit den Schreien der Gequälten und der angenehmen, weiblichen Tonbandstimme, die dem ganzen Schiff verrät, dass ich gerade aus meinem Zellblock ausgebrochen bin. Den Schreien nach, vorbei an grünlich glühenden Gasflammen. Schließlich Licht am Ende des Tunnels: Der Ausgang mündet auf die Brücke des Schiffes. Niemand lebt mehr, nur ein Mann, der bei meiner Berührung noch einmal kurz aufstöhnt und dann stirbt. Was ist hier eigentlich los? Wo kommen diese Schreie her? Und warum finde ich hier keine Waffen?? Das Blut rauscht mir in den Ohren, ich habe schweißnasse Hände. Meine Maus wird langsam glitschig. Und noch immer habe ich keine Waffe… Einzig blöd ist das Ende der Storyline (falls es jemand tatsächlich zu Ende gespielt haben sollte). Da hast du schon die Nali von den bösen Jungs befreit, und was bekommst du dafür? Keine Anerkennung, keinen Orden, nichts. Bloß einen blöden Raumflug nach Hause.

Unreal ist tatsächlich unglaublich. Die Stimmung des Spiels führt dich direkt hinein in die Gefühlswelt deines Alter Ego. Wer nicht total abgebrüht ist, dem rast das Herz beim ersten Spielen tatsächlich, besonders solange dir eine Waffe fehlt und du keine Ahnung hast, um was es hier eigentlich geht. Und wenn dir dein erster Skaarj über den Weg läuft, der gerade ein Besatzungsmitglied zerrissen hat… Am besten setzt du dir Kopfhörer auf, um den vollen Sound um dich herum wahr zu nehmen. Nicht nur die Soundeffekte sind ein Ohrenschmaus, sondern auch der fantastische Rave des Soundtracks. Die 1998 Maßstäbe setzende Grafik – die Unreal-Engine eben – ist heute zwar schon veraltet, fordert die Grafikkarte aber noch immer ganz mächtig. Per Software-Rendering kann man das Spiel auch auf den Monitor bringen, aber eine 3D-Unterstützung ist einfach besser.

Wenn du irgendwann keine Lust mehr auf die immer schlimmer werdenden Skaarjs mehr hast – selbst eingefleischte Spieler fanden Unreal dann irgendwann einfach mal zu heftig – dann kannst du dich den Botmatches zuwenden, die Unreal auf dem Markt eingeführt hat – erstmals Computergegner mit künstlicher Intelligenz, die Deckung suchen, Munition und Waffen aufnehmen und dir auflauern. Obwohl Unreal 1998 auf den Markt kam, ist es noch immer ein Renner. Vergiss nicht, gelegentlich was zu essen und dann und schlafen zu gehen.

Die Steuerung im Hauptmenü ist recht unübersichtlich, besonders im Bereich der Advanced Options. Diese Funktion sollte wohl tatsächlich nur von Fortgeschrittenen benutzt werden… Während des Spiels allerdings stellt sich plötzlich alles ganz einfach dar: Der Mauszeiger bestimmt deine Blickrichtung, den musst du über das Ziel bringen, Feuer per Klick, fertig. Zum Aufnehmen von Gegenständen einfach drüberlaufen usw.

Unreal stürzt auf meinem System während des Spiels nicht ab. Allerdings kann ich nach Öffnen der Advanced Features gelegentlich einen Rechner-Neustart hinlegen, weil die Kiste einfriert. Dieser Bug, der seit Anfang an existierte, ist durch kein Update behoben worden und auf einem 9600er sowie auf einem iMac vorgekommen. Leider ist der Absturz nicht reproduzierbar, mal funktioniert’s und mal eben auch nicht.

Für heutige Maßstäbe bei Spielen sind die Hardwareanforderungen von Unreal zwar harmlos, aber ältere PowerPCs sollten nach Möglichkeit dem Rechner eine 3D-Karte spendieren.

Fazit:

Ein nach wie vor fesselnder Shooter mit einer nicht ganz so fadenscheinigen Story wie sonst für Shooter üblich. Super Atmosphäre durch Grafik und vor allem Sound. Unreal ist der bahnbrechende Meilenstein in Sachen ultra-realistischer Grafik und somit ein Meilenstein der Spielegeschichte.

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Spiel gelegentlich im macinplay-Shop.

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