Charlie Brown: Das große Finale

Baseball für Greenhorns

Auf Gräbern wilde Parties veranstalten ist unbestreitbar unfein. Pietät ist stattdessen angesagt. So will es der Knigge, und so wollen wir es auch. Deswegen lassen wir den apricot-farbenen Friedhof in Ruhe, obwohl diese Rezension eigentlich zu der Zeit, in der Patient Macinplay zumindest noch ein wenig zuckte, dort veröffentlicht werden sollte. Jetzt könnt ihr den Testbericht eben hier lesen. Ca. drei Monate später als geplant und auch an die Gegebenheiten der neuen Umgebung angepasst. Aber immerhin: Der Test ist erschienen, und mein schlechtes Gewissen gegenüber euch und den guten Menschen bei Tivola, die mir das Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt haben, ist beruhigt.


Vielleicht sind die Peanuts ja auch ein gutes Omen für diesen Blog. Charles M. Schulz, der Erfinder der Peanuts, ist schon relativ lange ziemlich tot. Der Popularität seiner Comichelden hat das nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Die sind noch immer quicklebendig und treiben ihr Unwesen in verschiedenen Zeitungen, ab und zu im Fernsehen und seit kurzem sogar auf verschiedenen Macs. Wenn man das Erfolgsmodell ›Peanuts‹ mal so betrachtet, lässt das für unsere Zukunft doch eigentlich hoffen. Macinplay ist tot, aber wir leben noch. Und obwohl wir Ex-Redaktionsmitglieder inzwischen alle schon gereifteren Alters sind, bleiben wir doch Optimisten, deren Devise lautet: Weitermachen. Egal wo, und egal wie.


Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussehen mag, ist noch einer ein unverbesserlicher Optimist: Charlie Brown, der ›Held‹ der Peanuts. Obwohl ständig grübelnd und zweifelnd, an sich und auch an den anderen, lässt er sich nicht unterkriegen. Da ist zum Beispiel seine Baseballmannschaft, die jeder andere Comicheld vermutlich schon längst aufgegeben hätte. Von Peppermint Patty mal abgesehen, besteht diese Mannschaft ausschließlich aus sportlichen Totalversagern – deswegen konnte das Team auch noch nie einen Wettbewerb gewinnen. Die Moral kriecht auf dem Zahnfleisch, und eigentlich könnte sich jedes Teammitglied eine angenehmere Beschäftigung vorstellen, als sich erneut mit der Mannschaft bei einer Meisterschaft zu blamieren. Diesmal ist besonders harte Überzeugungsarbeit angesagt, und hätte Charlie Brown nicht mich an seiner Seite, könnte er sich die Teilnahme an der Meisterschaft vermutlich abschminken.


Bevor es also auf das Spielfeld geht, müssen die Teammitglieder davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, mitzumachen. Zusammen mit Charlie Brown klappern wir die Haushalte der einzelnen Teammitglieder ab, und werden dort in zehn verschiedenen Minigames auf die Probe gestellt – in Disziplinen wie Reaktion, Fachwissen, Gedächtnis etc. Die Spiele können dabei in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gespielt werden, und sind dennoch ziemlich unterschiedlichen Kalibers. Bei Lucys Test, der mein Wissen über die Teammitglieder abfragte, musste ich selbst bei der einfachsten Schwierigkeitsstufe einmal im Internet recherchieren. Jemand, der die Peanuts noch gar nicht kennt, beißt hier vermutlich schnell auf Granit – besonders, weil ausgerechnet bei diesem Spiel Lucy bissig kommentiert, wenn der Spieler einen Fehler macht.


Aber das Spiel fragt nicht nur Wissen ab, sondern gibt auch Wissen zurück – nämlich dann, wenn die Mannschaft steht und mit dem Training begonnen werden kann. Ich hatte zum Beispiel keine Ahnung, wie Baseball gespielt wird – bis ich »Das große Finale« gespielt hatte. Das Wissen wird in kleinen Lektionen antrainiert, und bevor es ernst wird, kann nach belieben geübt werden. Denn selbst wenn das Wissen perfekt sitzt, erfordert das Spiel an sich noch ein gewisses Maß an Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen.


Die visuelle Präsentation ist, den Peanuts entsprechend, natürlich alles andere als umwerfend, dafür aber liebevoll gemacht. Die Hintergründe sind hübsch gezeichnet, die Figuren sind schön animiert und bewegen sich dabei auf einem Niveau, dass ziemlich nah an dem der Trickserien ist. Zum guten Gesamteindruck trägt die Musik bei, die an die Trickfilme erinnert. Der Spielstand kann jederzeit gesichert werden – die Spielstanddatei ist übrigens der einzige Datensatz, den das Spiel auf meinem Rechner hinterlassen hat. »Das große Finale« wird komplett von der CD gespielt. Dies sorgt leider für ungewohnt lange Ladezeiten, und bringt beim Spiel mit meinem Laptop ziemliche Geräuschbelästigung mit sich, weil das DVD-Laufwerk ständig aktiv ist. Eine weitere Schattenseite ist, dass das Spiel auf meinem Desktop-Mac den Start verweigerte – die Gründe hierfür sind mir Schleierhaft.


Aber das kann den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Wer, wie ich, die Peanuts mag und schon immer mal wissen wollte, was Baseball außer durchtrainierten Typen in engen Hosen sonst noch zu bieten hat, wird mit dieser CD bestens unterhalten – auch dann, wenn er schon ein gewisses Alter erreicht hat.

—————-
»Charlie Brown: Das große Finale« • USK-Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung • Genre: Edutainment • Verleger: Tivola Publishing • Erscheinungsjahr: 2007 • ca.-Preis: 19,95 Euro • Fan-Sites: –––– • Demo: –––– • Systemanforderungen: Power MAC ab G4, 450 MHz, MAC OS 9, OS X (10.1.2. oder höher), 128 MB RAM, Grafikkarte (mind. 16,7 Farben), Soundkarte, CD-ROM-Laufwerk (8-fach).

Advertisements
Advertisements