Ein Wort des Herausgebers: Wir könnten reich sein

Wir bei macinplay könnten reich sein.

Denn regelmäßig mehrfach pro Woche, teilweise sogar mehrfach am Tag, erhalte ich als Herausgeber von macinplay Anfragen von PR-Agenturen, die irgendwas vermarkten wollen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Lieber Herr Pflüger,

wie geht es Ihnen und hatten Sie bisher eine schöne Woche?

Meine Name ist XXXX und ich schreibe Ihnen im Auftrag der YYYY GmbH. Aktuell betreue ich im Online-Marketing ein bekanntes Handyportal, bei dem auch einige Tablets angeboten werden ([Link zum Handyportal]). Bei meiner Suche nach einem passenden Kooperationspartner bin ich auf Ihre Seite gestoßen, die thematisch ausgezeichnet zu meinem Kunden passt. Da Sie sich dem Bereich “iPads” verschrieben haben, könnte unser Kunde auch für Ihre Leser interessant sein.

Als Kooperationsmöglichkeit möchte ich einen informativen, nicht werblichen Beitrag bzw. Artikel auf Ihrer Seite veröffentlichen, der einen thematisch passenden und organisch eingebauten Link zu meinem Kunden enthält. Da der Online-Anbieter neben neuen Smartphonemodellen auch iPads anbietet, sollte das Thema “Tablets” im Beitrag Erwähnung finden. Es würde sich etwa ein Artikel über die Grafikqualität von iPads anbieten.

Da es sich bei dem gewünschten Artikel um keinen Werbetext für unseren Kunden handeln soll, ist eine Vielzahl an passenden Themen möglich – Sie hätten inhaltlich und stilistisch alle Freiheiten, könnten den Beitrag aber natürlich auch von unserer Redaktion verfassen lassen. In jedem Fall würden Sie bei einer Veröffentlichung eine entsprechende Vergütung von uns erhalten!

Wäre eine Zusammenarbeit in diesem Rahmen grundsätzlich für Sie vorstellbar? Alle weiteren Informationen zu unserem Kunden lasse ich Ihnen bei Interesse selbstverständlich noch zukommen.

Beste Grüße aus ABCD
XXXX

Also: Wir sollen eine als Artikel getarnte Anzeige auf macinplay (wahlweise einen entsprechenden Facebook-Post auf unserer Facebook-Seite oder einen Tweet veröffentlichen. Es geht dabei in der Regel lediglich um den Link zur Seite des Sponsors, der sich davon ein besseres Ranking bei Suchmaschinen erhofft. Der gelieferte Artikel muss nicht zwingend direkt mit dem Sponsor zu tun haben, nur der Link muss irgendwie dazu passen (das ist dann das sogenannte »semantisches Umfeld«). Häufig wird uns, wie auch in diesem Beispiel, angeboten, dass wir den Artikel passend zu unserer Seite selber schreiben könnten. Oder aber die Redaktion der PR-Agentur nimmt uns sogar diese Arbeit ab. Die angebotene Bezahlung ist in aller Regel durchaus für die bereitgestellte Leistung angemessen (uns werden in der Regel zwischen 150 und 500 Euro im Jahr für den Link angeboten).

Wie Ihr vielleicht wisst, ist macinplay ein Hobbyprojekt, das seit 15 Jahren existiert. Bezahlt wird hier niemand, ganz im Gegenteil: Wir alle buttern mächtig rein, wenn man annimmt, dass Zeit Geld ist. Ich selbst lege zu meiner Zeit auch noch Geld dazu, denn ich bin der Herausgeber, mir gehört das alles hier, ich zahle den Server und auch die Weihnachtsfeier für die Redaktion. Ich fände es toll, wenn diejenigen, die so viel Zeit aufbringen, um diese Seite am Leben zu erhalten und Euch mit Informationen rund ums Gaming am Mac und der iOS-Plattform versorgen, wenigstens ein bisschen Geld für Ihre Arbeit bekämen. Würde ich nur zehn dieser Anfragen pro Monat annehmen, könnten wir einen Online-Redakteur in Vollzeit beschäftigen und hätten noch was über. Und wir kriegen deutlich mehr Anfragen als nur zehn rein.

Grundsätzlich habe ich mit gesponserten Artikeln auch kein Problem. Wieso sollten wir unsere Leser nicht auf tolle Produkte oder Anbieter hinweisen (oder vor schlechten warnen)? Das machen wir mit unseren – unbezahlten! – Testberichten ja ohnehin. Wenn aber der Artikel beauftragt worden ist, handelt es sich um eine Anzeige. Und Anzeigen werden bei uns selbstverständlich gekennzeichnet – das gebietet nicht nur das Gesetz, sondern auch unser Selbstverständnis, unsere journalistische Ethik – obwohl wir nur Hobby-Journalisten sind. Wenn ich der PR-Agentur entsprechend mitteile, dass über dem Artikel fett »Anzeige« stehen wird, lehnen 100 Prozent aller Agenturen mit ungefähr diesem Wortlaut ab:

Leider ist eine Kennzeichnung als Anzeige vonseiten meines Kunden nicht gewünscht.

Der Wunsch des Agentur-Kunden ist ja fromm, aber irrelevant. Denn ohne diese Kennzeichnung reden wir in den allermeisten Fällen von Schleichwerbung. Und die ist – na sowas! – verboten. Wir bei macinplay machen da auch nicht heimlich mit. Von den Testberichten bei macinplay sind exakt null Komma null Prozent gekauft – die sind alle echt von uns für Euch getestet. Ohne Bezahlung. Wir erhalten lediglich das getestete Objekt kostenfrei, was auch bei Tageszeitungen üblich ist, die bekanntlich z. B. im Feuilleton Bücher oder Kinofilme rezensieren.

Würden wir alle eingehenden PR-Anfragen annehmen, könnten wir bei macinplay reich sein.

Stattdessen frage ich mich Monat für Monat, wie ich unseren Server refinanzieren kann. Ich frage mich, wie ich die Wartung und das Redesign finanzieren kann. Ich frage mich, wie ich meine Redakteure zu Gaming-Events schicken kann. Ich frage mich, woher ich das Geld für eine Weihnachtsfeier kratzen kann, denn die Redakteure von macinplay sitzen in ganz Deutschland und Österreich verteilt.

Ja, Unternehmen können Banner-Werbung bei uns schalten (bei Interesse bitte eine Mail an mich). Wer etwas mit Online-Marketing zu tun hat, der weiß, dass Banner-Werbung kein effektives Mittel mehr ist, um eine Website zu finanzieren. Denn Bannerkunden zahlen oft nur noch pro Klick oder – schlimmer noch für Seitenbetreiber wie uns – erst nach erfolgter Conversion (also einem Kauf). Wer von Euch klickt schon auf Anzeigen-Banner? Und wer von den wenigen kauft dann auch tatsächlich etwas?

Für Euch besteht die Möglichkeit, uns zu flattrn. flattr.com ist ein sozialer Microdonations-Dienst – Ihr spendet uns also einen kleinen Betrag, zum Beispiel immer dann, wenn Ihr einen Artikel von uns gut findet. Statt eines Likes bei Facebook ein paar Cent für unsere Kasse. Seit wir bei flattr sind haben wir (Stand 5. Juni 2015) 144,80 Euro damit eingenommen – und 58,49 Euro wieder über flattr.com an andere flattr-Nutzer ausgegeben. flattr.com ist eine super Sache, weil man damit die Arbeit vieler kleiner Blogs unterstützen kann, ohne selbst arm zu werden. Sobald Ihr ein flattr-Konto habt, könnt Ihr mitflattrn und selber geflattrt werden.

Die für uns weitaus lukrativste Einnahmequelle ist die Affiliate-Partnerschaft mit amazon.de – wir bekommen ein bisschen Geld als Provision, wenn Ihr über einen unserer Amazon-Links etwas auf der Handelsplattform kauft – ganz egal, ob das der direkt verlinkte Artikel (sagen wir: ein Spiel) ist oder ein Produkt, das damit nichts zu tun hat (sagen wir: ein Parfum). Wenn Ihr über einen Link von uns kommt, weiß Amazon das und verrechnet Eure Einkäufe mit unserem Konto. Klingt toll, aber auch damit verdient man kaum etwas. In den ersten drei Monaten 2015 haben wir sage und schreibe ganze 75 Euro damit verdient. Was für ein Stundensatz!

Wenn Ihr jetzt zu sagen versucht seid: »Hey, das reicht doch locker für einen Webserver!«, dann bedenkt bitte dabei: Alle genannten Beträge sind brutto, es müssen also noch Steuern davon abgeführt werden – es bleibt wirklich kaum etwas übrig. Es ist nicht einmal genug, um zwei Redakteuren die Zugtickets zur gamescom nach Köln und ein warmes Mittagessen auf dem Messegelände zu bezahlen. Darum müssen die das aus eigener Tasche bezahlen.

Ihr seht also, macinplay ist eine große finanzielle Herausforderung für alle Beteiligten. Wir freuen uns über jeden Kauf, den Ihr über unsere amazon.de-Links tätigt, denn jeder Kauf sichert unser Fortbestehen und unsere Unabhängigkeit von Schleichwerbung.

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2 thoughts on “Ein Wort des Herausgebers: Wir könnten reich sein”

  1. Auwaya says:

    Zitat “Würden wir alle eingehenden PR-Anfragen annehmen, könnten wir bei macinplay reich sein.”

    Das hat mit PR (Public Relations, auch gerne die “Spardose” der Marketingabteilung genannt) rein gar nichts zu tun, sondern stellt lediglich eine plumpe Anfrage eines dreisten Kunden über einen ziemlich blöden SEM/SEO-Dienstleister dar. Ein PR’ler gibt kein Geld aus, er überzeugt seine Partner mit Worten, Daten und Fakten von der Qualität seines Kunden, bzw. dessen Produkts.

    Grüße
    ps. Eure Spiele-Seite ist grauenhaft strukturiert. Eine alphabetische Sortierung nervt Besucher zurecht. Denkt doch mal über eine Abbildung der Spiele abhängig vom Erscheinungsdatum nach. Dann hat die Seite eine entsprechende Aktualität und man findet schneller das Thema, auf das man zu diesem Zeitpunkt aufmerksam geworden ist.

    1. Gero Pflüger says:

      Danke für Deinen sachkundigen Kommentar zum Thema PR und SEM!

      Besonders aber Danke für das PS – in der Tat nervt uns das selber. Wir sind noch auf der Suche nach einer sinnvollen Lösung, die es dem Nutzer überlässt, wie er sortieren will.

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